chennai hat geschrieben:Und Pupu, das mag schon sein, dass für manch einen Fleischesser auch heute, Ende 2013, noch Fleisch zu einem Festmahl dazugehört, aber wenn ich nun mal weiß, dass die Braut vegan ist, dann gehört es für mich v.a. zum guten Ton, mich auf veganes Essen einzustellen. Dann sollen die armen Menschen eben Wurstbrote zum Frühstück essen und auf dem Heimweg noch einen Burger reinziehen, wenn es wirklich nicht mal einen einzigen Tag ohne Fleisch geht, aber von jemandem zu verlangen, auch für Fleisch zu sorgen, finde ich wirklich unverschämt.
Für mich persönlich wäre es ja, wie gesagt, auch kein Problem. Ich habe nur versucht, mir vorzustellen, wie es in meiner eigenen Familie wäre. Die alten Leutchen haben eben ihre Gewohnheiten, und ich finde es auch nicht schlimm, sich mal ein wenig in die Gegenseite hineinzuversetzen.
Nehmen wir mal ein anderes Beispiel: Kuchen. Angenommen, das Brautpaar mag keinen Kuchen und keinen Kaffee. Dann steht es dem Brautpaar natürlich vollkommen frei, eine Hochzeit zu feiern, auf der es keinen Kaffee und Kuchen gibt, sondern andere leckere Sachen, meinetwegen Fruchtgrütze und Tee. Natürlich wird den Gästen auch die Fruchtgrütze und der Tee schmecken und natürlich werden sie einen Tag lang ohne Kaffee und Kuchen problemlos überstehen - keine Frage! Und natürlich ist es nicht egoistisch vom Brautpaar, auf ihrer Hochzeit das essen zu wollen, was ihnen schmeckt. Aber ich kann es auch niemandem verdenken, wenn er Kaffee und Kuchen dann doch etwas vermisst - weil er einfach traditionell dazugehört. Nicht weil es lebenswichtig ist oder weil man nichts anderes essen kann oder will oder weil man intolerant und gemein ist - sondern einfach nur, weil ein Stück von dem, was man als Tradition so kennt, eben fehlt.
Das und nichts weiter wollte ich damit sagen. Meistens ist es weniger "schlimm", wenn man einfach vor Ort damit konfrontiert wird. Dann sieht man ja, was es stattdessen gibt, und wird eben einfach das essen, was da ist, und den Moment geniessen. Wahrscheinlich ist das Problem einfach nur, dass die bucklige Verwandtschaft in diesem Fall zuviel Zeit hat, voreingenommen zu sein und Vorurteile zu entwickeln und zu verstärken
Ein Kompromiss liesse sich in diesem Fall sicherlich finden, wenn es so dringend gewünscht wird. Zum Beispiel das Essen einfach umkehren: nicht Fleisch mit vegetarischer Beilage, sondern veganes/vegetarisches Essen - und als Beilage gibt es einen Teller mit Fleisch drauf. Den kann dann auch direkt Schwiegermutter (oder wer auch immer gemostert hatte) organisieren, weil es ja IHR Wunsch war. Wenn aber seitens des Brautpaares überhaupt keine Anwesenheit von Fleisch gewünscht ist, ist das natürlich ebenfalls völlig in Ordnung und keinesfalls egoistisch, sondern vollkommen okay. Ich würde auch auf der Hochzeit eines veganen Ehepaares kein Fleisch erwarten. Aber ich bin jung und flexibel und probiere auch gern neue Sachen - die ältere Generation leider oft weniger. Vielleicht sind wir auch mal sturer und intoleranter, wenn wir älter sind, und finden es doof, wenn jemand etwas unbedingt ganz anders machen will als es üblich ist. Wer weiss?
Verbiegen würde ich mich für die Gäste nicht, das auf keinen Fall! Aber ihnen ein Stück entgegenkommen vielleicht durchaus schon, wenn es meine Hochzeit wäre. Aber jeder feiert so, wie er es möchte, und das ist okay.
(Wir haben das Problem übrigens gelöst, indem wir im kleinen Kreis gefeiert haben und einfach jeder was mitgebracht hat

)