Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

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muh
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Re: Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Beitrag von muh »

Ich behaupte jetzt mal: es ist nur eine phase! ;)
Nein im ernst: bei unserem kind ist es so, dass es das einschlafen immer wieder neu lernen muss. Mit jedem entwicklungsschub gibt es wieder eine miese phase und dann müssen wir miteinander wieder einen weg zum einschlafen finden. (vor kurzem war es wieder ganz schwierig, jetzt geht es wieder aber nur mit mir - auch mühsam) Das ist jedes mal wieder ein austesten, überlegen, suchen.
Und ich finde, ihre macht das toll, denkt darüber nach, was die bedürfnisse von eurem kind und von euch sind und probiert das dann umzusetzen. Ich bin sicher, ihr findet bald wieder einen weg!
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jusl
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Re: Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Beitrag von jusl »

Ich weiß jetzt nicht, ob das vielleicht schon genannt wurde (vermutlich schon :lol: ) - bei uns half in solchen Phasen:

* Viiiiiiel Zeit zwischen Mittagsschlafende und Abendschlafanfang - nach 15 Uhr wurde sehr streng gar nicht mehr geschlafen (Autofahren um 18 Uhr ging dann natürlich null, ist leider so)
* Zum Einschlafen gemeinsam hinlegen, (stillend oder nicht, was halt besser passt), ins VOLLKOMMEN DUNKLE Schlafzimmer. Ohne das kleinste bisschen Licht.
Damit funktionierte halbwegs zügiges Einschlafen bei uns mit Abstand am besten.

LG und gedrückte Daumen, dass Du eine gute Lösung findest
Julia
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bienenmeister
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Re: Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Beitrag von bienenmeister »

Pupu hat geschrieben:Zum Einschlaftragen nochmal: könnte das auch der Papa übernehmen? Auf Papis Rücken und los geht's? Wir haben auch verschiedene Variationen durch. Einschlaftrageb per hin- und herlaufen in der Wohnung bleibt erfolglos. Einschlaftragen, während man dabei die Küche aufräumt schon eher. Kind nicht beachten und sich auf lagweilige Hausarbeit konzentrieren, die ohnehin gemacht werden muss... Da schläft unsere Maus ein. Wenn wir dagegen mit dem Gedanken herumlaufen, sie möge doch bitte einschlafen, wird es nichts. Man muss sie wirklich auf dem Rücken "vergessen" und einfach sein Ding machen.
Das ist richtig. Wenn Ich mit dem Kind alleine bin, läuft es ja nur so: Ich gehe einkaufen und wenn ich ihn auf dem Rücken völlig vergessen habe, schläft er ein. Funktioniert das mit dem Abendritual dann so, dass mein Mann dann "für immer" abends tragen müsste? Motiviert ist mein Mann ja, aber ich finde das ist ja auch eine ziemliche Bürde :oops:

Momentan wehrt er sich auch so oft gegen das Tuch, möchte lieber in Fahrtrichtung auf dem Arm getragen werden :roll:

Pupu hat geschrieben:Zweite Einschlaftragvariante, die bei uns zum Erfolg geführt hat: rausgehen. Kind auf den Rücken, Tragejacke drüber und nochmal eine Runde Spazierengehen. Dabei kann man sich auch prima mal mit dem Partner unterhalten, ohne dass man von Tv, Hausarbeit und Einschläferversuchen ständig abgelenkt wird. Frische Luft ist auch schlaffördernd. Dabei ist es auch egal, wer trägt. Vielleicht ist das ja wenigstens zwischendurch mal was, als Abwechslung? Muss ja nicht täglich sein, aber bringt Entspannung rein. Im "schlimmsten" Fall hat man dann eben einen Spaziergang mit wachem Kind gemacht. Vielleicht hilft die frische Luft dennoch beim Einschlafen. Bei ins schlafen die Kinder umso besser, je mehr sie tagsüber draußen waren. Am besten zweimal täglich.
Ich war gestern von 11-19 Uhr unterwegs. Abends war ich völlig geschafft :( Zwei Kinderspielplätze, Mittagessen in einer kinderfreundlichen Kantine, Einkaufen, Spazieren gehen und zum Schluss noch Krabbelgruppe. Ich war mit S-Bahn, U-Bahn und Bus unterwegs und er wollte absolut nicht ins Tuch und nicht in den Sling und nicht in den Buzzidil, ich hab ihn den ganzen Tag auf dem Arm getragen :o Als mein Mann nach Hause ist, habe ich vor Selbstmitleid geheult :oops: :oops: :oops: weil ich einfach so kaputt war. Keine zehn Pferde würden mich dann noch vor die Tür kriegen. Einschlaftragen müsste also wirklich an Papa übergeben werden.
Pupu hat geschrieben:Und last but not least... Ich hätte es auch nie für möglich gehalten, aber zur Zeit ist Papi erfolgreicher beim Zubettbringen als ich. Erst stille ich und dann gehe ich raus... Und irgendwie bringt der Papi sie zum Schlafen, ganz ohne Brust! Wenn ich das probieren würde, egal ob mit derselben Methode, würde das NIE klappen. Vielleicht einfach mal die beiden machen lassen? Vielleicht könnten sie ja im Bett spielen, und sich irgendwann zusammenkuscheln wenn der Zwerg müde wirkt. Vielleicht schläft er ja "einfach so" ein, wenn Mama garnicht dabei ist. So ist es zumindest bei uns. Bin ich da, gibt es Busenturnen deluxe samt sämtlicher Verrenkungen. Bin ich weg, legt sie sich plötzlich schlafen. Papi ist milchlos wohl zu langweilig *g*
Cooooool! Das möchte ich auch! Macht ihr Familienbett? Momentan steigt Baby ja immer aus :|
Mondenkind hat geschrieben:
bienenmeister hat geschrieben:Und der Papa möchte auf keinen Fall, dass eventuelle Bedürfnisse des Kindes unerhört bleiben, er hat wirklich die Sorge, das Kind könne Hunger/Durst/Spiellust o.ä. haben uns schläft deswegen nicht. Und er möchte sicherstellen, dass das Kind "freiwillig" schläft, das möchte ich ja auch. Aber ich habe es eher so gesehen, dass wir dem Kind mit einem Abendritual helfen, in den Schlaf zu finden und nicht ihn zum Schlaf per Gewöhnung zwingen, damit die Eltern ihre Ruhe haben. Ich glaube wirklich, dass wir uns hier jeden Abend diesen Affentanz liefern, weil jeder von uns eben doch das Beste fürs Kind will.
Aber das beste für das Kind wollen kann auch mal heißen, sich sicher zu sein, dass man weiß, was jetzt richtig ist, auch wenn das Kind protestiert. :oops: Meiner Meinung nach zumindest. Ist hier glaub ich eher unüblich im Forum, ich weiß. Aber meine Kleine kommt auch oft nicht zur Ruhe und protestiert heftig, wenn der Papa sie in den Tai nimmt (hier macht meist der Papa das Insbettbringen der Kleinen, sie schläft beim Stillen meist nicht mehr ein). Sie motzt und meckert und dann dauerts keine 5 Minuten und sie pennt weg. Wenn es doch nicht richtig war, dann reagiert er darauf auch und nimmt sie wieder raus, aber kurzen Protest nehmen wir in Kauf, einfach weil sie völlig übermüdet ist und trotzdem weiterspielen will, weil sie nichts verpassen will zB. Ist nicht jedermanns Sache, aber ok finde ich, wenn man sein Kind kennt und trotzdem flexibel auf die Situation schaut.

bienenmeister hat geschrieben:Wie schafft man Schlafphasen ab?
Wir haben entweder geweckt, damit der Tagschlaf nicht zu lang war, oder drauf geachtet, dass der Tagschlaf früh genug stattfand. Es war mir auch erst suspekt, so in den Schlaf einzugreifen. War letztlich aber ok bei uns.
Ja wow. Danke! Ich denke das ist unser zentrales Problem als Eltern, wir haben immer Angst, wir ruinieren die Psyche unseres Kindes. Ich denke schon, dass ich durch meinen Charakter schon zur Führungsperson tauge und es mir leicht fällt, "den Ton anzugeben", im Sinne, "wir machen als Familie jetzt xyz". Dann kriegt das Kind einen Nervenzusammenbruch und mich beschleicht dann immer so ein vages Angstgefühl, ist es zuviel was ich ihm zumute?

Folgende Situation brennt mir auf der Seele:

Kind kommt heulend angekrabbelt, will auf den Schoß (ich sitze am Tisch und versuche ein Glas Wasser zu trinken), ich nehme ihn hoch, in weiser Vorraussicht köder ich ihn gleich mit einem Spielzeug, wird kurz bespielt, dann möchte er die Flasche auf dem Tisch, hat er die, dann muss es der Löffel sein, hat er beides, muss er unbedingt auf den Tisch. "Nein" akzeptiert er nicht, er schreit, als ob ich ihn irgendwo doll kneifen würde, mit Atemstopp, Tränen und rotem Kopf. Er ist dann so außer sich, dass er auch wieder Kung Fu macht und mir (ich denke nicht aus Absicht) fast vom Schoß springt. Er hat sich dabei auch schon mal die Nase am Tisch blutig geschlagen (weswegen ich zum Beispiel auch nur noch selten in den Hochstuhl setze). Und dann weiß ich nicht weiter: Ihn auf den Schoß zu behalten, würde erfordern, dass ich meine körperliche Überlegenheit ausnutze und ihn KRÄFTIG festhalte, wodurch er noch mehr in Rage kommt. Für Singen/auf ihn beruhigend einreden ist er einfach zu laut, ich müsste ja zurückschreien. Und wie lange? Bisher habe ich mich nicht lange getraut ihn so zu halten, weil ich keine Aussicht hatte, dass er sich beruhigen würde. Ich hab das Gefühl ich ferber ihn auf dem Schoß.

Aber ich kann doch auch nicht immer alles für ihn unterbrechen? Ich komme nicht mehr zum essen, zum trinken, geschweige denn Körperpflege. Ich bin wirklich ratlos, so kann es doch nicht weitergehen. Immer öfter habe ich das Gefühl schrecklich zu versagen und mich von meinem Kind "tyrannisieren" zu lassen, was natürlich Quatsch ist, ich weiß, dass er kein Tyrann ist. Aber es gelingt mir nicht, eine Grenze so zu ziehen, dass er es ertragen kann. Er kann es NICHT ertragen, dass er mein Glas nicht haben darf. Was mach ich denn falsch? Gestern habe ich dann den ganzen Tag nichts getrunken und mir dann als das Kind endlich auf meinem Arm eingeschlafen ist, ins Tuch gepackt, bin zum nächstbesten Bäcker gelaufen und habe mir dort praktisch heimlich zwei Flaschen eiskalte Cola hintergekippt.

Ist der Punkt erreicht, dass ich meine körperliche Überlegenheit nutzen sollte, zu trinken, ohne dass er die Flasche/ das Glas berühren darf und ich weitertrinke, auch wenn er sich dann wegbrüllt?

Kleeblattmama: Danke für deine aufmunternden Worte! Dankeschön!
muh hat geschrieben:Ich behaupte jetzt mal: es ist nur eine phase! ;)
Ich hab Angst vor der Zukunft, wirklich :cry: Klar sind bisher immer alle Phasen irgendwie vorüber gegangen, aber im großen Ganzen ist das Kidn doch immer nur noch anstrengender geworden. Ich hab oft gelesen, es wird nicht mehr besser, sondern nur noch anders. Nein, ich finde es wird nur noch anstrengender. Ich habe Angst vor der Zukunft, wie das weitergehen soll.

Danke für deine lieben Zeilen!
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Re: Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Beitrag von bienenmeister »

jusl hat geschrieben:Ich weiß jetzt nicht, ob das vielleicht schon genannt wurde (vermutlich schon :lol: ) - bei uns half in solchen Phasen:

* Viiiiiiel Zeit zwischen Mittagsschlafende und Abendschlafanfang - nach 15 Uhr wurde sehr streng gar nicht mehr geschlafen (Autofahren um 18 Uhr ging dann natürlich null, ist leider so)
Ich knick dann ein, weil ich wieder Angst habe, das Kind zu misshandeln. Gestern hat er pünktlich um 17 Uhr angefangen zu quengeln, 19 Uhr konnte ich nicht mehr, wir sind zu Hause angekommen und hab ihn auf der Couch in den Schlaf gestillt, aber er ist ja nochmal wach geworden und dann ging das Drama los. Wie sieht das praktisch aus? Jetzt (14 Uhr) schläft er grad mit Papa im FB, soll ich die beiden gleich wecken gehen und dann versuchen, das Kind sagen wir mal bis 21 Uhr wachzuhalten? Und wenn dann die Phase kommt, wo er nur noch weint (ab 17/18Uhr), "durchhalten" ? Auch wenn es über zwei drei Stunden geht? Mein Mann nennt das "ferbern light" :|
jusl hat geschrieben: * Zum Einschlafen gemeinsam hinlegen, (stillend oder nicht, was halt besser passt), ins VOLLKOMMEN DUNKLE Schlafzimmer. Ohne das kleinste bisschen Licht.
Damit funktionierte halbwegs zügiges Einschlafen bei uns mit Abstand am besten.
Das mit dem Hinlegen klappt nicht. Ich lege ihn mit schon sachter Gewalt auf die Matratze neben mich (die Hinleg-Bewegung klappt nur angedockt), er saugt, dockt ab, wuchtet sich in den Vierfüßler und krabbelt weg. Er steigt aus dem Bett aus und irrt schreiend umher. Ich krieg ihn nicht hingelegt :cry: Soll ich ihn festhalten? Das hab ich in meiner Verzweiflung ja auch schon probiert, aber es ist Gewalt :cry:

Hilfe, was mach ich denn nur falsch, dass das Kind sich nicht hinlegen mag. Hat er kein Urvertrauen? Er legt sich nie hin, anziehen, wickeln, alles im Stehen oder Krabbeln. Ich habe nur ein Foto, wo er bei Papa auf dem Schoß sitzt und sich mit dem Rücken bei Papa angelehnt hat. Sonst ist er immer auf zack.
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Re: Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Beitrag von jusl »

Ich knick dann ein, weil ich wieder Angst habe, das Kind zu misshandeln. Gestern hat er pünktlich um 17 Uhr angefangen zu quengeln, 19 Uhr konnte ich nicht mehr, wir sind zu Hause angekommen und hab ihn auf der Couch in den Schlaf gestillt, aber er ist ja nochmal wach geworden und dann ging das Drama los. Wie sieht das praktisch aus? Jetzt (14 Uhr) schläft er grad mit Papa im FB, soll ich die beiden gleich wecken gehen und dann versuchen, das Kind sagen wir mal bis 21 Uhr wachzuhalten? Und wenn dann die Phase kommt, wo er nur noch weint (ab 17/18Uhr), "durchhalten" ? Auch wenn es über zwei drei Stunden geht? Mein Mann nennt das "ferbern light" :|
Sorry, mit Kindern, die echt über zwei oder drei Stunden WEINEN, habe ich keine Erfahrung. Klar wurden meine auch quengelig, wenn sie müde wurden, logo, aber ich konnte sie eigentlich immer ganz gut bei Laune halten. "Wachhalten" war bei uns nicht "irgendetwas bestimmtes tun", sondern eher "etwas bestimmtes sein lassen" :lol: , nämlich autofahren, oder zu lange zu gemütlich stillen, oder zu kuschelig im Tragetuch tragen - da wären sie natürlich sofort eingeschlafen. Von "ferbern light" oder sowas waren wir jedenfalls meilenweit entfernt.
Ja, ich habe meine Kinder geweckt, wenn es nachmittags zu lang wurde, definitiv. Es ging uns allen besser damit, wenn viele Stunden Pause vor dem Abendschlaf waren.
Du selbst kannst mit Sicherheit am besten beurteilen, was Du Deinem Kind da in Sachen Wecken oder Wachhalten "zumuten" kannst und was nicht.
Das mit dem Hinlegen klappt nicht. Ich lege ihn mit schon sachter Gewalt auf die Matratze neben mich (die Hinleg-Bewegung klappt nur angedockt), er saugt, dockt ab, wuchtet sich in den Vierfüßler und krabbelt weg. Er steigt aus dem Bett aus und irrt schreiend umher. Ich krieg ihn nicht hingelegt :cry: Soll ich ihn festhalten? Das hab ich in meiner Verzweiflung ja auch schon probiert, aber es ist Gewalt :cry:
Echt, im STOCKFINSTEREN? Ist ja' Ding - da weiß er doch gar nicht, wo er hin muss, wenn er gar nichts sieht?!?
Wie wäre es denn, wenn Du ihn stattdessen im Dunklen auf dem Arm behältst und zunächst kräftig, später dann ganz ruhig wiegst? Das ging bei uns auch sehr gut. Wirklich hilfreich war bei uns, dass es GANZ DUNKEL war, und KEIN PROGRAMM mehr lief. Wir haben höchsten ganz leise was geflüstert oder gesungen oder so.
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VIel Glück!
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Re: Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Beitrag von AnnaKatharina »

Du Arme, das klingt wirklich alles sehr anstrengend!
Ich mag dir ein paar Gedanken da lassen:
bienenmeister hat geschrieben: Aber ich kann doch auch nicht immer alles für ihn unterbrechen? Ich komme nicht mehr zum essen, zum trinken, geschweige denn Körperpflege. Ich bin wirklich ratlos, so kann es doch nicht weitergehen. Immer öfter habe ich das Gefühl schrecklich zu versagen und mich von meinem Kind "tyrannisieren" zu lassen, was natürlich Quatsch ist, ich weiß, dass er kein Tyrann ist. Aber es gelingt mir nicht, eine Grenze so zu ziehen, dass er es ertragen kann. Er kann es NICHT ertragen, dass er mein Glas nicht haben darf. Was mach ich denn falsch? Gestern habe ich dann den ganzen Tag nichts getrunken und mir dann als das Kind endlich auf meinem Arm eingeschlafen ist, ins Tuch gepackt, bin zum nächstbesten Bäcker gelaufen und habe mir dort praktisch heimlich zwei Flaschen eiskalte Cola hintergekippt.

Ist der Punkt erreicht, dass ich meine körperliche Überlegenheit nutzen sollte, zu trinken, ohne dass er die Flasche/ das Glas berühren darf und ich weitertrinke, auch wenn er sich dann wegbrüllt?
bienenmeister hat geschrieben: Ich war gestern von 11-19 Uhr unterwegs. Abends war ich völlig geschafft :( Zwei Kinderspielplätze, Mittagessen in einer kinderfreundlichen Kantine, Einkaufen, Spazieren gehen und zum Schluss noch Krabbelgruppe. Ich war mit S-Bahn, U-Bahn und Bus unterwegs und er wollte absolut nicht ins Tuch und nicht in den Sling und nicht in den Buzzidil, ich hab ihn den ganzen Tag auf dem Arm getragen :o Als mein Mann nach Hause ist, habe ich vor Selbstmitleid geheult :oops: :oops: :oops: weil ich einfach so kaputt war. Keine zehn Pferde würden mich dann noch vor die Tür kriegen. Einschlaftragen müsste also wirklich an Papa übergeben werden.
Nein, natürlich ist dein Kind kein Tyrann. Aber: Du lässt dich tyrannisieren!
Wenn du Durst hast, darfst du trinken. Punktausende. Wenn dein Kind dann auch was trinken will, darf es doch sicher auch einen Becher haben. oder aus deinem trinken. Wenn es das noch nicht alleine kann, dann eben mit etwas Hilfe von dir. (Oder eben ohne Hilfe und mit Überschwemmung :wink: )

Wenn dein Kind getragen werden will, und es dir auf dem Arm zu anstrengend ist, dann steck es halt in eine TH. Warum ignorierst du deine Grenzen so lange, bis du zum Weinen verzweifelt bist?
Körperkontakt, Nähe, Getragen werden ist ein Bedürfnis, ja, aber Sling ist auch "getragen werden". Und auf dem Arm ist halt einfach schwer. Wieso sagst du das deinem Kind nicht ganz klar?
"Ich sehe, dass du gerne auf dem Arm getragen würdest. Ich kann jetzt aber nicht mehr, weil mir die Arme weh tun, und deswegen trage ich dich jetzt im Sling/Buzzidil/TT".
bienenmeister hat geschrieben: Ich hab Angst vor der Zukunft, wirklich :cry: Klar sind bisher immer alle Phasen irgendwie vorüber gegangen, aber im großen Ganzen ist das Kidn doch immer nur noch anstrengender geworden. Ich hab oft gelesen, es wird nicht mehr besser, sondern nur noch anders. Nein, ich finde es wird nur noch anstrengender. Ich habe Angst vor der Zukunft, wie das weitergehen soll.
Ich denke, du mußt lernen, deine Grenzen zu wahren und zu vertreten!
Solange du dich und deine Bedürfnisse nicht Ernst nimmst, wird dein Kind es auch nicht tun!
Gerade wenn ihr Beide das Erbe tragt, es auf jeden Fall besser machen zu wollen, als Eure Eltern, uter denen ihr anscheinedn beide gelitten habt, ist das sehr schwer.
Und ansonsten: Auszeiten! Ohne Kind, nur für dich. Regelmäßig!!!

Ganz viel Kraft und alles Gute!
Anna-Katharina
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Re: Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Beitrag von bienenmeister »

jusl hat geschrieben:
Ich knick dann ein, weil ich wieder Angst habe, das Kind zu misshandeln. Gestern hat er pünktlich um 17 Uhr angefangen zu quengeln, 19 Uhr konnte ich nicht mehr, wir sind zu Hause angekommen und hab ihn auf der Couch in den Schlaf gestillt, aber er ist ja nochmal wach geworden und dann ging das Drama los. Wie sieht das praktisch aus? Jetzt (14 Uhr) schläft er grad mit Papa im FB, soll ich die beiden gleich wecken gehen und dann versuchen, das Kind sagen wir mal bis 21 Uhr wachzuhalten? Und wenn dann die Phase kommt, wo er nur noch weint (ab 17/18Uhr), "durchhalten" ? Auch wenn es über zwei drei Stunden geht? Mein Mann nennt das "ferbern light" :|
Sorry, mit Kindern, die echt über zwei oder drei Stunden WEINEN, habe ich keine Erfahrung. Klar wurden meine auch quengelig, wenn sie müde wurden, logo, aber ich konnte sie eigentlich immer ganz gut bei Laune halten. "Wachhalten" war bei uns nicht "irgendetwas bestimmtes tun", sondern eher "etwas bestimmtes sein lassen" :lol: , nämlich autofahren, oder zu lange zu gemütlich stillen, oder zu kuschelig im Tragetuch tragen - da wären sie natürlich sofort eingeschlafen. Von "ferbern light" oder sowas waren wir jedenfalls meilenweit entfernt.

Wir lassen ihn natürlich nicht einfach so Weinen. Wir überschlagen uns darin, ihn bei Laune zu halten und sind darin auch ziemlich gut. Aber die Grundstimmung ist mies. Und er ist auch irgendwie beschäftigt, zum Beispiel kleine Becher in große Becher zu stecken - weint aber trotzdem immer noch unterschwellig (mit roten Augen und Tränen), und heult dann zwischendurch wieder laut auf, ab auf den Arm, wieder versuchen, das Kind bei Laune zu halten. Aber es ist schrecklich, für alle Beteiligten.

Das mit dem Hinlegen klappt nicht. Ich lege ihn mit schon sachter Gewalt auf die Matratze neben mich (die Hinleg-Bewegung klappt nur angedockt), er saugt, dockt ab, wuchtet sich in den Vierfüßler und krabbelt weg. Er steigt aus dem Bett aus und irrt schreiend umher. Ich krieg ihn nicht hingelegt :cry: Soll ich ihn festhalten? Das hab ich in meiner Verzweiflung ja auch schon probiert, aber es ist Gewalt :cry:
Echt, im STOCKFINSTEREN? Ist ja' Ding - da weiß er doch gar nicht, wo er hin muss, wenn er gar nichts sieht?!?
Wie wäre es denn, wenn Du ihn stattdessen im Dunklen auf dem Arm behältst und zunächst kräftig, später dann ganz ruhig wiegst? Das ging bei uns auch sehr gut. Wirklich hilfreich war bei uns, dass es GANZ DUNKEL war, und KEIN PROGRAMM mehr lief. Wir haben höchsten ganz leise was geflüstert oder gesungen oder so.
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Julia[/quote]

Wir haben Verdunklungsrollos UND dunkle Vorhänge UND wohnen am Stadtrand, wo es nachts stockeduster ist. Er steigt trotzdem aus dem Bett und irrt rum, ohne Scheiß. Und er brüllt schon wenn man ihn nur ins dunkle Zimmer trägt. Gestern habe ich sogar dem Wecker den Strom genommen, damit die Ziffern nicht mehr leuchten. Am besten hat es bisher (über die gesamte Zeit mit unserem Kind gesehen) geklappt, wenn wir in unserer Couchecke bei gedimmten Licht waren, und wir uns normal laut unterhalten haben oder das Radio oder leise irgendeine Tierdoku im TV mit einer beruhigenden Morderatorenstimme lief.

Ich hab die beiden jetzt aus dem Bett geholt und jetzt werden wir wieder rausgehen.
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Re: Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Beitrag von Mondenkind »

Ich verstehe hier das Problem nicht, ehrlich gesagt. :oops: Wieso kannst Du kein Glas Wasser trinken? Wasser trinken dauert doch nicht ewig... Dann trinkt man halt ein Glas Wasser. Und entweder kriegt er sein eigenes kleines Miniglas Wasser, wenn er eins möchte und Deins nicht haben soll, oder Du trinkst Deins aus und schlimmstenfalls motzt er halt. Ich hab auch lange nicht gewollt, dass mein Kind weint. Aber irgendwann musste ich mich von der Vorstellung verabschieden, dass das geht. Die Kinder regen sich mal auf, weinen mal und sind auch mal enttäuscht. Aber davon gehen die nicht kaputt und nehmen keinen Schaden. Hier geht es ja nicht um elementare Bedürfnisse, die sie verwehrt bekommen. Sondern sie kriegen mal nicht das in die Finger, das sie grad wollen. Oder es läuft mal anders, als sie sich das jetzt vorgestellt haben. Davon geht keine Kinderseele flöten. Und so weit, dass ich den ganzen Tag durste und mich abends dann total matschig fühle, gehe ich nicht. Meine GEsundheit und Funktionsfähigkeit sind auch wichtig und das kommuniziere ich meinen Kindern auch.

Randnotiz: mein todmüdes Kleinkind, das heute Nacht 2 Stunden wach war (saß im Bett und sagte "Gurke!" um 4 Uhr morgens), hat es weder vor noch nach dem Mittagessen geschafft, an der Brust einzuschlafen. Da kam Papa mit dem Tai, sie kam mit Gemotze. 2 Minuten, seitdem schläft sie selig im Tai. Wenn man böse ist, kann man das "ins Tuch ferbern nennen", ja. Ich sehe es aber anders. Beim Ferbern werden Bedürfnisse ignoriert. Wenn ich mit sanfter Konsequenz ein todmüdes Kind trotz seines Gemotzes ins Tuch setze, dann achte ich in dem Moment auf seine Bedürfnisse, denn ich weiß, dass das Kind den Schlaf in diesem Moment braucht, selbst aber noch nicht über die Fähigkeit verfügt, sich so zu regulieren, dass es das allein hinkriegt. Und nicht zuletzt weiß ich, dass es für unseren Familienfrieden wichtig ist, dass dieser Mittagsschlaf nicht erst um 16 Uhr 50 stattfindet.

Edit: viele Beiträge mittlerweile, musste zwischendurch nen Popo abwischen :lol: . Ich schick trotzdem ab.
Liebe Grüße, Mondenkind, Modteam Stillberatung

Sei ein Mensch! M. Reif

Mondenkind mit K1 (3/08) und K2 (3/11)
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Re: Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Beitrag von Ginevere »

Puh, das klingt echt hart.

Ich ziehe den Hut vor deinem Durchhaltevermögen, gehöre ja bekanntermaßen zu den bedürfnisstarken Müttern und hätte das nie durchgehalten.
Zum Beispiel unterbreche ich nur im Notfall meine Arbeit wenn irgendein Kind was möchte. Ich ignoriere es nicht sondern versuche das nebenher zu lösen. Klingt jetzt vielleicht etwas banal aber das ist für mich Einstellungssache. Meine Kinder sollen einfach wissen dass ich auch Dinge habe die erledigt werden müssen.
Natürlich reagiere ich auf Gebrüll oder wenn sie sich wehtun aber es kann durchaus vorkommen dass sie ein paar Minuten quengeln während ich die Spülmaschine ausräume. (Das bezog sich jetzt auf dein Beispiel mit dem Stuhl und dem Wasser). Was würde er denn tun wenn du ihn nicht hochnimmst? Brüllen? Quengeln?

Ich bin wirklich gegen Ferbern/Schreien lassen usw. aber ich finde es gibt da ja noch ein weites Feld zwischen "Schreien lassen" und "Mutter gibt sich für die Bedürfnisse des Kindes auf". Und ich denke da muß man einfach den Punkt finden an dem es sich für einen selbst nicht mehr gut anfühlt. Und der ist bei dir ganz sicher erreicht.

Thema Einschlafritual:
Bei uns startet das schon um 6 mit dem Abendbrot. Dann evtl. baden, fertig machen, dann gehen beide Kinder ins Bett. Halb acht wäre für uns schon ganz schön spät, vielleicht ist er da ja schon über seinen müden Punkt hinaus?
Ich würde da wirklich eine klare Struktur reinbringen. Vieleicht essen, fertig machen und dann trägt einer von euch beiden ihn in den Schlaf. Ich denke nicht dass es dabei soo wichtig ist, WER das Einschlaftragen übernimmt, solange dieser Faktor konstant bleibt. So könntet ihr euch abwechseln und jeder von euch hätte wenigstens jeden zweiten Tag mal einen freien Abend.

Abends spielen gibt hier gar nicht. Das wissen beide Kinder, daher kommen sie gar nicht auf die Idee. Das würde ich wohl an deiner Stelle als ersten knicken, scheint ja auch nicht zu funktionieren.

Keine Ahnung ob irgendwas davon hilfreich war, ich wünsche euch aber sehr dass ihr da eine Lösung findet.
LG Gini
… mit A🩰 3/09 und E 🏐 3/12
mirahh
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Re: Kind 10,5 Monate ferbert sich selbst?

Beitrag von mirahh »

Ich kann gut verstehen,dass du dir Gedanken darüber machst, ob du deine Überlegenheit einsetzen sollst,um Grenzen zu setzen. Gerade dann, wenn man selber als Kind die Eltern oft bedrohlich erlebt hat. Ich denke auch oft darüber nach:
Es geht auch um MEIN Leben! Klar,ich liebe dieses Kind mit einer Tiefe, die vorher nie da war. Und ich tue VIEL für ihn wenn ich denke, dass er es braucht. Das geht auch über meine Kräfte manchmal. Aber ich tue nicht ALLES, weil er sich das in den Kopf gesetzt hat (Steckdose,Kabel,Hund beklettern, Brust kneifen...) manche Sachen sind verboten und manche sind für ihn verboten, für mich aber nicht (meine Harfe!). Und da setzte ich auch meine Überlegenheit ein. Ich trage ihn weg, sage deutlich nein und akzeptiere, wenn er dann schimpft. Aber das ändert nichts. Dann erst lenke ich ihn ab, biete Alternativen an.
Ich muss als Mensch auch schon für diesen keinen Menschen ein Gegenüber sein. Liebevoll, zugewandt aber mit Grenzen! Das ist der Spagat beim Eltern sein. (und auch in Partnerschaft,finde ich)

Das ist jetzt nicht wirklich was zum Thema schlafen aber ich habe einfach deine / eure Sorge rausgelesen, so zu sein, wie ihr es selber erlebt habt und nie sein wollt.
mirahh mit dem Kleinen (1/2012) und der Mini-Krabbe (3/2014) und dem Knöpfchen im Bauch (9/2016)
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