Da habt Ihr ja schon ganz schön schwierige Wochen hinter Euch. Ich kann sehr gut verstehen, dass Du Dir wünschst, ohne Probleme vollstillen zu können - wo Euer Stillstart schon so überschattet war von den Sorgen um Dein Baby.
Ich geh einfach mal der Reihe nach:
Die Trennung war sicher schlimm.Mein Sohn, mittlerweile 8 Wochen alt, wurde direkt nach der (Haus-)Geburt auf die Intensivstation verlegt. Dort lag er im Inkubator, ohne Möglichkeit für mich, ihn zu stillen oder auch nur anzufassen. Erst am nächsten Tag durfte ich ihn zumindest zum Stillen auf den Arm nehmen und begann dann auch abzupumpen.
Die Pumphäufigkeit war vorbildlich hoch, Hut ab, was Du da geleistet hast. Das Pumpmanagement ist also höchstwahrscheinlich nicht Ursache für Deinen Milchmangel gewesen. Konstant nur wenige ml als Pumpergebnis sind ein deutlicher Hinweis dafür, dass etwas nicht stimmt: entweder dafür, dass der MSR nicht erfolgreich ausgelöst wird (bei normaler Milchbildung reagieren die Brüste dann mit massiven Schwellungen und Stauungen, wenn die Milch über den MSR nicht hinausbefördert wird), oder dafür, dass ein medizinisches/hormonelles Problem vorliegt.Ich habe in den Nächten alle 2 Stunden abgepumpt (20- 8 Uhr) sowie am Tag ca. zweimal und natürlich auch gestillt. Das Abpumpen war nicht sehr erfolgreich, denn ich habe pro Pumpvorgang zwischen 3 Tropfen und 5ml abgepumt. Die Milchmenge hat sich leider gesamten Zeit, die mein Sohn im Krankenhaus verbrachte, nicht erhöht.
Das ist ein zentraler Hinweis. Kannst Du Dich noch daran erinnern, ob Du in den ersten Schwangerschaftswochen deutliche Veränderungen an den Brüsten wahrgenommen hast? Deine Beobachtung jedenfalls, weist in der Tat auf einen fehlenden Milcheinschuss hin, und dies hat immer medizinische Gründe: Drüsenfehlbildungen (zu wenig Gewebe), Hormonstörungen, Plazentareste in der Gebärmutter, die den Milcheinschuss hormonell unterdrücken.Des Weiteren glaube ich, dass ich keinen Milcheinschuss hatte, weil ich keinerlei Veränderungen an meinen Brüsten feststellen konnte.
Das Zufüttern war auch 100% richtig. Es muss davon ausgegangen werden, dass Dein Baby nicht annähernd genug Milch an der Brust bekam.habe ich genau 4 Tage vollgestillt. In dieser Zeit hat mein Sohn erst sehr viel geweint, dann viel geschlafen. Nachdem er von der Hebamme gewogen wurde, stellten wir fest, dass er innerhalb der kurzen Zeit 350g abgenommen hatte. Aus diesem Grund fütterten mein Mann und ich ihn wieder mit der Flasche zu.
Da hast Du praktisch alles getan, was geht. Bei Frauen, deren Milchmangel keinen medizinischen Hintergrund hat, sind diese Maßnahmen ausgesprochen wirksam. Da sie bei Dir offenkundig nicht wirksam waren, teile ich komplett die Vermutung Deiner Hebamme:Deshalb begann ich mit verschiedenen Maßnahmen, um die Milchmenge zu erhhöhen: Wechselstillen, Brustmassage, 1-2 Abpumpen (Doppelpumpe) täglich zusätzlich zum Stillen, Malzkaffee, alkoholfreies Weißbier, 3 Tassen Stilltee, Bockshornkleesamen, Phytolacca. Das alles setze bis heute ein, doch es nichts, rein gar nichts gebracht.
Die Äußerung Deiner Gyn hingegen kann ich dagegen null nachvollziehen - immerhin kann ein Gyn fehlendes/nicht entwickeltes Drüsengewebe relativ einfach per Ultraschall diagnostizieren, das wäre keine große Sache gewesen:Meine Hebamme meint, ich hätte nicht genügend Drüsengewebe.
Selbstverständlich ist Anlegenanlegenanlegen KEIN Allheilmittel. So ein Unsinn... Wer keine Brustdrüsen HAT, oder keine Prolaktinrezeptoren, oder keine intakten Nerven von Brust zum Gehirn usw., der braucht auch nicht anlegenanlegenanlegen, denn da kommt nichts!Meine Gynäkologin ist nicht dieser Ansicht, ihr Allheilmittel ist: "Anlegen, anlegen anlegen."
Liebe sutnahpele, ich kann Deinen Wunsch so gut verstehen - das können sicher alle Mütter, die ihre Stillzeit genossen haben und wichtig finden und das Stillen klar als Teil ihrer mütterlichen Identität auffassen. Aber: bei manchen Frauen geht es nicht. Nicht alle Frauen können sehen, nicht alle können hören, nicht alle können auf zwei gesunden Beinen laufen, nicht alle können stillen. Nicht oder nicht annähernd genug Milch bilden zu können, ist genauso eine Körperbehinderung wie nicht laufen Können oder kein Baby austragen Können. Bei manchen Menschen sind eben nicht alle Organe vollständig gesund. Leider ist das so, und das ist traurig. Gefühle wie Trauer, Wut und Nichtakzeptanz sind ganz normal. Immer wenn Körperteile nicht so funktionieren wie sie eigentlich sollten, heißt es: Abschied nehmen. Von den Plänen, die man hatte, von allem, das man sich so schön ausgemalt hatte. Und vom Selbstbild auch - Du wollstest eine STILLMAMA sein, das wird wohl so nicht gehen...Mittlerweile ist es so schlimm geworden, dass er bei jeder Mahlzeit die Brust verweigert und es wohl über kurz oder lang darauf hinausläuft, dass ich gar keine Milch mehr habe. Es würde mir ja schon reichen, wenn ich wenigsten noch abgepumpte Milch zufüttern könnte, aber ich gewinne max. 25ml Milch oder -so wie heute, obwohl er keinen Schluck getrunken hat- 2 Tropfen. Ich weiß nicht mehr weiter: Ich liebe es, trotz der ganzen Quälerei, mein Kind zu stillen. Ich habe mich in der Schwangerschaft unheimlich auf die Stillzeit gefreut und bin nun am Boden zerstört, dass ich ihn nicht einmal annähernd vollstillen kann.
Also, so weh es tut: Deine Chancen auf voll- oder annähernd vollstillen, sind sehr gering, und das tut mir sehr leid. Evtl. könntest Du nochmal beim Gyn nach Plazentaresten schauen lassen, oder (bei einem GUTEN) Gyn (der sich damit auskennt!) einen Brustultraschall machen lassen, oder mal einen Termin beim Endokrinologen machen zwecks Hormonstatus und Blutbild. Manchen Frauen hilft es, wenn sie die Ursache schwarz auf weiß kennen; das macht das Akzeptieren möglicherweise leichter. Und spätestens dann MUSS es ums NACH VORNE SCHAUEN gehen, nicht zuletzt Deinem Baby zuliebe: Du bist eine tolle Mama, die ganz viel Kraft und Engagement gezeigt hat! Das ist das allerwichtigste für Dein Baby. So sehr Du es liebst, Dein Kind zu stillen: mit genau DIESER Liebe kannst Du Dein Baby auch per Flasche ernähren.Ich danke jedem, der das liest und mir vielleicht noch einen guten Tipp geben kann.
Der Grund hierfür ist höchstwahrscheinlich, dass sich Dein Baby bereits an die Saugtechnik gewöhnt hat, die fürs Flaschetrinken nötig ist, und diese perfekt beherrscht. Das Trinken an Flasche und Brust erfordert unterschiedliche Techniken; Mund-, Kiefer- und Zungenstellung sind bei beiden Methoden unterschiedlich, und das Mundgefühl ist völlig anders. Viele Babys kommen deswegen mit einem Wechsel zwischen beidem nicht gut zurecht - diese Schwierigkeiten nennt der Fachmensch "Saugverwirrung". Du kannst Dich also entscheiden: Du kannst bei der Flaschenfütterung bleiben - oder kannst versuchen, mit Hilfe einer in Saugstörungen erfahrenen Stillberaterin oder Hebamme mit Deinem Baby ein Saugtraining zu machen, bei dem Dein Baby die Brusttechnik neu lernt. Ihr wärt dann aller Voraussicht nach bei allen Mahlzeiten aufs BES angewiesen, und das gelegentliche Geben von Fläschchen wäre voraussichtlich (erstmal) nicht empfehlenswert, da Dein Baby sozusagen schon gezeigt hat, dass es wie die meisten jungen Säuglinge für Saugverwirrung anfällig ist. Hier musst Du gemeinsam mit Deinem Partner schauen, was Ihr MÖCHTET.Das BES habe ich ausprobiert, aber leider er damit nicht besser, sondern regt sich wie immer auf.
Wofür auch immer Du Dich entscheidest, hier im SuT findest Du Unterstützung und Austausch.
Ich hoffe, diese Hinweise sind hilfreich für Dich, Rückfragen immer gerne und LG
Julia