So, ich will dann auch noch mal, hinke wohl ein bisschen hinterher

!
"Gütige Strenge", so könnte man wohl die Erziehung meiner Eltern beschreiben, das schrieb ich ja auch schon beim letzten Brief. "Man tut, was man tut", ja das kenne ich nur zu gut, ich habe oft genug "Das tut man aber nicht" gehört....
Aus meiner eigenen Erfahrung heraus habe ich mir also schon als Kind/Jugendliche geschworen, es mal später bei meinen Kindern anders zu machen. Trotzdem bin ich noch heute manchmal unsicher, ob ich nicht zu sehr auf die andere Seite schwenke, zu weich/nachgiebig bin. Man hört ja viel übers Grenzen setzen und konsequent sein. Bloß nicht nachgeben, sonst tanzt einem das Kind auf der Nase herum

!
Insofern finde ich den 7. und 8. Brief ebenfalls als Befreiung und auch als Bestätigung dessen, was ich oft instinktiv/intuitiv mache. Ich habe halt oft darüber nachgedacht, ob ich mit diesem "mal so-mal so" die Kinder nicht erst recht verunsichere, weil ich keine klare Linie vorgebe, aber jetzt bin ich durch Kloeters beruhigt

. Und es geht den Kloeters ja gerade nicht um das Nachgeben als Prinzip, sondern nur dann, wenn das Kind in schlechter seelischer Verfassung ist.
Dieses Nachgeben, mitunter bis zur völligen Unterwerfung (laut Kloeters), stößt dann aber doch in der praktischen Umsetzung manchmal bei mir an Grenzen: Zum einen muss ich immer die Interessen/Bedürfnisse aller Kinder im Blick haben. Pia kommt z.B. fast jeden Mittag völlig geschlaucht aus dem Kiga. Sie ist müde, jammert herum, motzt mich an usw. Solange sich ihr Verhalten nur gegen mich richtet, kann ich damit umgehen und kann ihr auch alles durchgehen lassen. Aber: Sie wendet sich dann oft Henri zu, nimmt ihm Sachen weg, ärgert ihn usw. Sie ist oft keine zwei Minuten zu Hause, und schon brüllt mindestens eine(r). Es geht meiner Meinung nicht an, dass sie ihre schlechte Laune an ihrem Bruder abreagiert. Oder Henri ist morgens oft sehr weinerlich und quengelig, er braucht dann viel Zuwendung, am besten wäre wahrscheinlich eine lange Kuscheleinheit im Bett mit ihm, das scheitert aber einfach daran, dass Maya auch noch da ist.
Zum anderen ist da meine eigene Verfassung. Darüber schrieb Mandy ja auch schon. Gerade in der letzten Zeit, als hier ständig mindestens ein Kind krank war, habe ich gemerkt, dass ich teilweise echt am Ende war. Wenn dann ein Kind lautstark etwas von mir forderte, hätte ich am liebsten laut schreien und weglaufen mögen, und ein absolutes Nachgeben war mir teilweise nicht mehr möglich.
Letztlich gibt es einfach auch noch so eine Art "natürliche" Grenzen fürs Nachgeben. Wenn gewisse Dinge, die die Kinder in ihrer schlechten Verfassung fordern, einfach nicht gehen. Oder die Kinder ihre eigenen Bedürfnisse gar nicht mehr wahrnehmen. Wenn unsere Kinder sehr sehr müde sind, drehen sie immer weiter auf und wollen immer noch mehr, dann gehören sie einfach ins Bett, auch wenn sie noch lautstark eine dritte Gute-Nacht-Geschichte fordern.
Das sind so meine Gedanken dazu.
LG!