"Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

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Noname488
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"Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

Beitrag von Noname488 »

Liebe SuT'ler,

Auf die Gefahr hin mich als ungebildete Rabenmutter zu outen, möchte ich euch trotzdem um eure Einschätzung bitten.

Mein Großer ist 4 Jahre alt und er ist Meister im Verhandeln. Soweit in Ordnung. Mich ärgert aber, dass er sich nicht an "beidseitig abgenickte" Kompromisse/ Deals hält. Meine Frage: erwarte ich da zu viel? Ist das mit 4 Jahren noch gar nicht dran?

Ein Beispiel: morgens ist der Ablauf bei uns: Anziehen, Frühstück, EIN Spiel spielen (was er sich aussuchen darf), Zähneputzen, Sonnencreme, Kita. Heute hatte er es etwas schwer (bester Freund krank und damit nicht in der Kita) und er wollte das losgehen merklich hinauszögern. Heißt z.B.: Verweigerung des Zähneputzens. Er bat mich, ihm nach dem Spiel noch etwas vorzulesen. Ich sagte, dass das zeitlich knapp wird, da wir ja schon gespielt hatten und schlug vor, zu lesen während er Zähneputzen geht. Hat er abgelehnt. Mein 2. Angebot lautete: "2 Seiten lesen wir in deinem Zimmer, danach gehen wir Zähneputzen und ich lese dabei zuende. Einverstanden?". Kind sagt "ja, Einverstanden." Ich lese also 2 Seiten und sage "Na dann komm, ab ins Bad" und Kind sagt "Nein!". Und lässt mich ratlos stehen. :?

Sowas in der Art wiederholt sich leider extrem häufig. In allen Lebenslagen. Z.B. Ein "noch 3 mal rutschen, dann geht es nach Hause, ok?" kann genauso mit "ja ok" quittiert werden, und trotzdem habe ich ein "NEIN, ich bleib noch hier!!!!!" Kind nach dem 3. Rutschen.

Kann er die Bedeutung einer "Abmachung" noch gar nicht erfassen mit 4?
Versteht er es zwar, die Abneigung gegen die Kita (oder das nach hause gehen, oder....) war aber größer und deswegen lässt er mich "stehen"?
Ist es dumm, dass wir uns immer wieder aufs verhandeln einlassen, wenn er am Ende seinen Teil der Abmachung dann quasi nie erfüllt?
Ist das ein Entthronungs-/Aufmerksamkeitsproblem?

Ich freue mich über Einschätzungen :)
Nona mit Mini-Pups (04/2019) und Mäusezahn (05/2022)
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arachnia
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Re: "Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

Beitrag von arachnia »

Nur schnell am Handy: Das war hier bei beiden Kindern in dem Alter auch so. Sie konnten das nicht überblicken bzw sagen sie (heute noch va die Kleine) bei Dingen, die sie hanen/machen wollen zu jeder Bedingung gleich oder irgendwann einfach ja, um es halt zu kriegen (was bleibt ihnen auch anderes übrig, im Endeffekt ist es halt auch keine Verhandlung auf Aufenhöhe). Um die Erfüllung der Bedingung kann man sich ja dann später noch streiten :roll:

Ich melde deutlich zurück dass ich dann halt auch keine Lust aufs verhandeln habe und spiegle - inzwischen ist da deutlich mehr Verständnis da. Ändert nur wenig an den meisten Diskussionen.
LG arachnia (mit Mäusemädchen 04/14) und Wintermädchen (01/17)
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Wurzel
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Re: "Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

Beitrag von Wurzel »

Das ist hier mit der fast 8-jährigen oft noch schwer. Sie will dann auch immer noch nachverhandeln. Daher sind wir dazu übergegangen, nicht mehr in „Vorleistung“ zu gehen und melden ihr das auch zurück, dass sie sich zu oft an nicht an einmal getroffene Vereinbarungen gehalten hat.

Also ja - für einen Vierjährigen halte ich das auch für durchaus normal und würde daher vermutlich auch grundsätzlich die schönen Sachen ans Ende legen, falls noch dem Zähneputzen noch Zeit ist.
Liebe Grüße, Wurzel
Löwenkind (4/12) und Flauschi (7/15)
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Larala
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Re: "Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

Beitrag von Larala »

Ich halte das für alterstypisch. Also klar, du kannst diese Abmachungen probieren. Es wird vermutlich auch immer öfter klappen, dass ere sich daran hält. Aber gerade wenn das Kind müde/hungrig/überreizt/wasauchimmer ist oder wenn ein anderes, verstecktes Problem die eigentliche Ursache für das Verhalten ist, dann klappt es halt nicht, und das ist meiner Meinung nach auch ganz normal und okay.

Ich habe Momente, wo ich nicht verhandele. Das sage ich dann auch so. "Ich will darüber nicht mit dir streiten. Ich weiß, du willst das nicht. Das verstehe ich auch. Aber es muss leider doch passieren."

In solchen Situationen wie morgens zur Kita, hilft bei uns manchmal der Leitspruch "slow is fast". Je stärke ich das Kind zum Fertigmachen antreibe, desto mehr stellt sie sich nämlich quer. Was dann oft hilft, ist wenn ich mich zu ihr auf den Boden setze, die Zahnbürste weglege und ihr einen Moment volle Aufmerksamkeit und Kuschelzeit gebe. Das hilft uns beiden uns zu beruhigen, sie fühlt sich gesehen und verstanden und ist dadurch wieder kooperativer. Oft fallen uns dann auf dem Boden auch Lösungen ein, die nicht Verhandeln oder Kompromiss sind, sondern etwas ganz anderes.

Du kannst auch mal probieren, ob ein Plan euch hilft: Bildchen für Zähneputzen, Anziehen etc. auf einen Tonpapierstreifen kleben und das Kind klemmt dann eine Wäscheklammer an die enstsprechende Stelle.
Oder die noch verbleibende Zeit irgendwie visualisieren, z.B. mit einer Sanduhr oder einem Aufkleber auf der Wanduhr oder so.
Oder das Kind eine Lösung finden lassen: "Wie schaffen wir es, dass wir trotzdem pünktlich in der Kita sind? Fällt dir was ein?"

Bei uns helfen solche Lösungen aber immer nur kurzfristig. Am meisten hilft mir zu akzeptieren, dass das Kind in dem Moment einfach nicht kooperieren *kann* und einen Moment Zeit braucht.
mit der Ritterin vom "Ni" 5/17
pqr
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Re: "Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

Beitrag von pqr »

Hier auch eine Stimme für alterstypisch.
Da ist das Überblicken der Handlungen/Handlungsplanunf und die Impulskontrolle ganz häufig noch nicht so ausgereift, dass eine zuverlässige Vereinbarung möglich wäre.
Viele Grüße
pqr

pqr mit Mini 04/2015
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pqr
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Re: "Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

Beitrag von pqr »

Einige der beschriebenen Vereinbarungen fallen auch in die Kategorie " Vereinbarung im Machtgefälle", sprich, er kann gar nicht wirklich ablehnen, sagt dann halt ja oder ja wenn ich abc noch machen kann und verschiebt den Stress um diese Zeit.
Viele Grüße
pqr

pqr mit Mini 04/2015
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Noname488
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Re: "Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

Beitrag von Noname488 »

Danke für eure vielen Inputs und die Einschätzungen. Schonmal gut zu wissen, dass das im gewissen Maße üblich ist.

Mal sehen, welcher der Tipps bei uns für kurze Zeit funktioniert :wink:
Nona mit Mini-Pups (04/2019) und Mäusezahn (05/2022)
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Dorkas
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Re: "Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

Beitrag von Dorkas »

Ich halte das ebenfalls für normal.

Was ich inzwischen gelernt habe, wo du das mit dem Rutschen anführst: Ich lasse das „…, ok?“ am Ende weg.
Ich bin die Mama, ich möchte/muss nach Hause, lasse dem Kind aber noch den Abschluss vom Spielen. Das ist dann keine Frage oder Abmachung, sondern mein Entschluss. Und tatsächlich funktioniert das (hier) besser, als wenn ich es als Frage formuliere. Die Kinder haben eine klare Vorgabe und wissen, dass nach drei Mal Schluss ist. Bei einer Frage hingegen kann man ja immer mal noch austesten, ob man nicht doch noch bleiben kann.
Dorkas mit dem Großen (11/2016) und der Kleinen (09/2019).
MM85i
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Re: "Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

Beitrag von MM85i »

Hier noch eine Stimme für altersgerecht

In dem Alter haben beim Großen Vereinbarungen nicht funktioniert, bzw. meistens nicht. Bei der Kleinen schon.
Die vielen Auswahlmöglichkeiten am Morgen zum Lesen hätte meinen Großen auch überfordert. Wenn meine Kinder morgens außerplanmäßig was lesen/spielen wollen, gehe ich nicht mehr in Vorleistung. Ich sage dann eher sowas wie: dann ziehen wir uns jetzt ganz schnell an, Zähne putzen und aufs Klo, und wenn wir zügig sind, haben wir bestimmt noch Zeit für ein Buch.
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FloppyDisc
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Re: "Vereinbarungen" mit 4 Jährigem - was ist möglich?

Beitrag von FloppyDisc »

Meine fast 7jährige quittiert den "wir gehen gleich" countdown immer brav mit "ok", um dann bei "jetzt gehen wir" mit dem diskutieren anzufangen. Oder sie läuft direkt weg 🙈 bei meinem 4jährigen verlasse ich mich noch weniger auf sein Wort und habe mir auch abgewöhnt, Dinge zur Diskussion zu stellen, über die ich gar nicht diskutieren möchte. Im oben genannten Beispiel würde ich nicht von dem Ritual abweichen, sondern das Buch allerhöchstens am Ende, wenn alles erledigt ist, anbieten. Hier allerdings würde das bedeuten, dass die Kinder am nächsten Tag davon ausgehen, dass das jetzt das neue normal ist...
LG Floppy
mit Krötenkind 9/16 und "Paulchen" 5/19
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