Probleme: Arbeiten und Stillen

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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MausMama
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Probleme: Arbeiten und Stillen

Beitrag von MausMama »

Meine Tochter (10 Wochen) macht Zirkus beim Stillen. Angefangen hat das ganze, als ich vor ca. 2 Wochen wieder angefangen habe zu arbeiten. Papa macht Elternzeit, und ich gehe ganztags arbeiten, d.h. Ich gehe morgens so zwischen halb 7 und 7 aus dem Haus und bis erst gegen 17.30 wieder da, Freitags schon um 13.30. Tagsüber kriegt sie Fläschchen (mit Calma-Sauger) vom Papa – ca 300 ml Muttermilch und zusätzlich Pre-Nahrung (wir müssen leider seit ca. der 6. Woche zufüttern :( ), wenn ich zuhause bin wird sie gestillt.

Jetzt trinkt sie scheinbar nicht mehr so gerne an der Brust (trinkt nicht „zuende“, obwohl die Milch teils schon von alleine läuft, schläft entweder ein und ist dann nicht wieder wach zu kriegen, oder schreit an der Brust, dreht sich weg usw.). In der Woche geht das noch halbwegs, zumindest nachts, aber die Wochenenden sind heftig. Wir wiegen seit einiger Zeit immer vor und nach dem Stillen, daher weiß ich dass sie dann teils nur 40 ml zu sich nimmt, meistens so 60 - 80 (bevor ich angefangen habe zu arbeiten waren es immer so um die 100 – 130). Meine Hebamme meinte, es wäre unwahrscheinlich, dass das eine Saugverwirrung wäre, und meinte ich sollte hart bleiben und einfach immer wieder anlegen, weil meine Tochter wohl austesten wollte, ob sie uns dazu bewegen kann ihr die Flasche zu geben.

Ich möchte grundsätzlich nicht, dass meine Tochter Fläschen bekommt, wenn ich da bin, aber natürlich will ich sie auch nicht hungern lassen. Jetzt habe ich zum einen Angst, dass wir abstillen (das Stillen ist mir total wichtig, gerade weil ich in der Woche so oft von ihr getrennt bin), aber auch, dass sie nicht genug zunimmt. Außerdem wäre ich gerne wieder zum Vollstillen zurück gekommen, aber das ist unter diesen Voraussetzungen sicher utopisch, oder?

Zur Vorgeschichte:
Meine Tochter hatte bei der Geburt 4200 g bei 54 cm. Leider hatten wir einen schlechten Stillstart. Als wir aus dem Krankenhaus nach hause kamen, hat sie auch schon Pre-Nahrung zusätzlich bekommen, da die Milch recht lange auf sich warten lies. Nach ein paar Tagen zuhause und guter Unterstützung durch die Hebamme haben wir aber doch noch die Kurve gekriegt und voll gestillt, sie hat zugenommen – zwar nicht gewaltig, aber unsere Hebamme war zufrieden. Nachdem alles lief, haben wir auch nicht mehr so oft gewogen. Das Stillen ging immer schneller, ich dachte wir hätten einfach mehr Übung. Aber scheinbar ist entweder meine Milch weniger geworden, oder sie hat weniger getrunken, jedenfalls hat sie nicht mehr zugenommen. Das Gewicht bei der U 3 war denn ein Schock, obwohl der Kinderarzt gar nichts dazu gesagt hat: 4120 g. Ein paar Tage vorher und auch ein paar Tage nachher ist sie von der Hebamme gewogen worden (mit 2 verschiedenen Waagen), da hatte sie deutlich mehr. Ich hatte schon den Verdacht, dass die Waage beim Kinderarzt vielleicht nicht richtig funktioniert hat.. Ich habe darauf versucht die Milchbildung zu steigern (Stilltee, Bockshornkleesamen, Malzbier, mehr trinken, öfter anlegen), was auch geklappt hat, aber zunächst nahm sie trotzdem nicht zu. Auf anraten der Hebamme haben wir dann schweren Herzens angefangen zuzufüttern. Jetzt ist die Gewichtszunahme wieder ok, und seitdem hat sie auch immer mehr süßen Babyspeck. Heute morgen hatte sie 5040 g.

Nur, mit den oben beschriebenen Problemen kann sich das ja auch schnell wieder ändern. Ich will doch so gerne weiterstillen! Da ich arbeite, kann ich sie ja auch nicht ständig zum üben anlegen :(

Die ganze Situation nimmt mich ganz schön mit. Mein Mann hat mich bis jetzt immer gut unterstützt. Aber von anderen konnte ich mir schon einiges anhören – dass Stillen und arbeiten nicht geht, dass ich mich dann halt entscheiden müsste, und dass es mit dem Stillen sowie bald vorbei wäre. Ich habe echt das Gefühl, dass mich viele für eine ziemlich verbohrte Stillfanatikern halten – dass mir einfach diese Nähe so wichtig ist versteht scheinbar keiner.. alle haben scheinbar erwartet, dass ich schnellstmöglich abstille, sobald ich anfange zu arbeiten.

Jede Menge Text – ich hoffe nicht zu wirr.. Ich hoffe ihr könnt mir helfen?
mein Mausemädchen: * 09/2012
MausMama
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Re: Probleme: Arbeiten und Stillen

Beitrag von MausMama »

Huch, das sieht jetzt aber unhöflich aus.. Bitte oben drüber noch ein "Hallo zusammen!" denken, das habe ich glatt vergessen. :oops: (Nachträglich einbauen kriege ich nicht hin :( )
mein Mausemädchen: * 09/2012
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saiidi
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Re: Probleme: Arbeiten und Stillen

Beitrag von saiidi »

Hallo,

so leid es mir tut, für mich hört sich das nach einer massiven Saugverwirrung an, egal was die Hebamme sagt.
Sieh mal hier:
Grundinfo stillfreundliche Zufüttermethoden aus der Linksammlung Stillwissen.

Wenn du den Stillberaterinnen noch alle Gewichtsdaten und Zufüttermengen postest, können die dir bestimmt weiter helfen.
Wie funktioniert Stillberatung hier im SuT?

Daraus zitiert:
- Gebt uns genaue Informationen!
Das heißt im Einzelnen:

* Wird oder wurde Euer Baby zugefüttert, bekommt es abgepumpte Milch oder auch mal ein Fläschchen, schreibt bitte die Mengen auf (wie oft wieviel täglich).
* Bitte beschreibt, wie Euer Stillalltag für gewöhnlich aussieht: wie oft und wie lange wird üblicherweise gestillt? Wie lang sind die Schlafpausen?
* Wie oft pro Tag scheidet das Baby aus? Wie häufig Stuhlgang?
* Berichtet auch von Eurem Stillstart und den ersten Wochen nach der Geburt, v.a.: Wie klappt(e) das Stillen? Med. Besonderheiten? Unruhiges Baby? Andock-Probleme?
* Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?
* Seid Ihr (bzw. Ist Euer Kind) bereits woanders in Behandlung/Beratung? Stillberatung, Kinderarzt, Hebamme, Osteopath, Krankengymnastik...?

- Gebt uns genaue Daten!
Bei dem Verdacht auf Gedeihstörungen oder Fragen zur Milchmenge zum Beispiel solltet Ihr alle gemessenen Gewichtsdaten mit genauem Datum angeben. Wichtig ist auch, wo und mit welcher Waage gemessen wurde. Beispiel:

02.04. 3050 g Geburt KH
05.04. 2800 g Entlassung KH
09.04. 2900 g Hebamme
15.04. 3060 g Hebamme
...

Wünsche dir alles Gute.
Liebe Grüße
Saiidi

Sohn 10/04 Tochter 7/11
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Nautilus
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Re: Probleme: Arbeiten und Stillen

Beitrag von Nautilus »

hallo, also zunächst einmal möchte ich dir einen Drücker da lassen, hier wird jede verstehen dass und warum dir stillen so wichtig ist. ich finde es toll, dass du um eure stillbeziehung kämpfen willst und dein Mann dich unterstützt.

nach allem, was ich hier bislang gelernt habe, hört sich euer stillproblem stark nach saugverwirrung an, aber das und auch das zufüttern ist wohl grundsätzlich (beim zufüttern natürlich abhängig von der Ursache) nach dieser relativ geringen Zeit der flaschengabe reparabel, hierzu werden dir die stillberaterinnen hier im Forum sehr kompetenten Rat geben können. die aussage deiner Hebamme, die deiner Tochter ein gewisses manipulatives denken unterstellt, finde ich ehrlich gesagt ziemlich unprofessionell, deine Tochter ist hinsichtlich ihrer hirnreife viel zu jung, um sich eine solche Taktik "ausdenken" zu können. und dass sie eine saugverwirrung für unwahrscheinlich hält verwirrt mich wiederum. ein junges baby, welches nach Einsatz künstlicher sauger ein stillproblem entwickelt...das sind doch klassische Anzeichen!?!

vielleicht hilft es dir schon mal weiter, die in diesem Forum oben angepinnte "linksammlung stillwissen" durchzulesen, bis dir eine der stillberaterinnen antwortet.

entschuldigt die Rechtschreibung, mein Handy lernt noch...;)
Liebe Grüße, Nautilus mit Sommersohn (7/12) Frühlingstochter :smilie_und_kind: :slürp* (3/17) und den zwei Herbststernen (09/11+ 11/15)
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Nautilus
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Re: Probleme: Arbeiten und Stillen

Beitrag von Nautilus »

sorry , zu spät gekommen, saadi hat sogar zu dem genannten info thread verlinkt!
Liebe Grüße, Nautilus mit Sommersohn (7/12) Frühlingstochter :smilie_und_kind: :slürp* (3/17) und den zwei Herbststernen (09/11+ 11/15)
mirabelle
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Re: Probleme: Arbeiten und Stillen

Beitrag von mirabelle »

Liebe MausMama!
Ich würde dir raten, dein Baby nachts bei dir im Bett schlafen zu lassen. Auch wenn das anstrengend werden könnte, aber Babies die bei ihren Eltern im Bett schlafen stillen besser.(sagt die La Leche Ligue, klingt aber auch logisch!) Kannst du ansonsten an deinen freien Tagen/Abenden viel mit deinem Baby kuscheln?
Man darf bei der Milchbildung und dem kindlichen Saugen nicht das Bonding unterschätzen.
lg
kleines Koalabärchen 07/12

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Re: Probleme: Arbeiten und Stillen

Beitrag von MausMama »

Hallo,

vielen Dank für eure Antworten.

Hier erstmal noch ein paar Daten:
Gewicht:
04.09.12: 4220 g (Geburt)
10.09.12: 3975 g (U2)
danach wurde sie mehrfach von der Hebamme gewogen, habe mir die genauen Daten nicht aufgeschrieben. Auf jeden Fall war sie innerhalb von 4 Wochen wieder knapp oberhalb des Geburtsgewichts.
09.10.12: 4120 g (U3) => wie schon oben geschrieben kann ich mir nur schwer vorstellen dass das stimmt.
Danach waren wir nochmal bei der Hebamme zum wiegen, da hatte sie etwa das Gewicht wie zuletzt von der Hebamme gewogen (ich will mal sehen, dass ich noch an die Daten komme, trage ich dann nach).

Dann haben wir uns eine Babywaage ausgeliehen und öfter selber gewogen, hier mal ein paar Daten:

23.10.: 4420 g (ab hier haben wir zugefüttert)
30.10.: 4600 g
06.11.: 4710 g
13.11.: 4840 g
17.10.: 5030 g


Ein paar Stilltage:
So., 04.11.: 1 x zugefüttert, sonst nur gestillt
1.20 - 2.10 Uhr: 110 ml
5.40 - 6.35: 80 ml
9.20 - 10.10: 100 ml
12.50 - 13.30: 60 ml
14.55 - 15.25: 20 ml
16.45 - 17.30: 50 ml, anschl. 50 ml Pre
20.10 - 20.45: 70 ml
=> insges. 540 ml, davon 50 Pre

Mo, 05.11.:
0.45 - 1.20: 110 ml
5.00 - 5.55: 90 ml
8.00 - 8.15: 80 ml MuMi-Flasche
9.15 - 9.30: 120 ml Pre
13.45 - 14.00: 150 ml Pre
18.40 - 19.10: 40 ml
20.40 - 21.20: 90 ml
=> insges. 680 ml, 330 MuMi gestillt, 80 MuMi Flasche, 270 Pre

Sa. 10.11.:
2.30 - 3.15: 190 ml
6.00 - 6.45: 120 ml
9.05 - 9.50: 70 ml
13.15 - 13.50: 120 ml
16.00 - 16.15: ohne wiegen
17.05 - 17.30: 60 ml
19.15 - 19.50: 70 ml
21.00 - 21.35: 60 ml
=> 690 ml + x MuMi gestillt

Do, 15.11.:
0.45 - 1.20: 130 ml
4.35 - 5.15: 130 ml
8.05 - 8.30: 140 ml Mumi-Flasche, 100 ml Pre
11.45 - 12.00: 150 ml MuMi-Flasche
12.55 - 13.10: 110 ml Pre
17.50 -18.20: 160 ml
19.30 - 20.00: 70 ml
=> insges. 990 ml, davon 490 MuMi gestillt, 290 MuMi Flasche, 220 Pre

heute:
0.30 - 1.10: 90 ml
3.55 - 4.30: 100 ml
4.45 - 5.00: 40 ml
7.00 - 7.15: 30 ml
7.25 - 7.45: 20 ml
10.05 - 10.35: 70 ml
13.00 - 13.30: 70 ml
16.00 - 16.30 ohne wiegen
18.40 - 19.15: 80 ml
=> bis jetzt 500 + x ml MuMi gestillt, und es war scheinbar immer noch mehr Milch da, aber sie wollte einfach nicht mehr. Und abgesehen von dem Gemecker vor und beim Stillen machte sie heute wie sonst auch einen aufgeweckten und fröhlichen Eindruck..

Ich stille immer mit Hütchen - ohne will sie gar nicht, das ist noch ein Überbleibsel vom schlechten Still-Start im Krankenhaus. :( Dort hat man mir geraten, sie immer erst anzulegen, um die Milchbildung anzuregen, anschließend hat sie Fläschen mit Glukose, später mit Pre-Nahrung bekommen. Und die Kleine hatte ganz schnell raus, dass aus der doofen Mama so gut wie nichts rauskommt, und wollte dann direkt ihre Flasche haben. Sie hat dann immer extrem wütend reagiert, wenn ich sie anlegen wollte. Wir haben das aber zuhause wieder in den Griff gekriegt, und sind zunächst ohne Flasche klar gekommen, bis wir aus den oben beschriebenen Gründen zufüttern mussten. Das klappte aber erst auch, Probleme gibt es erst, seitdem ich wieder arbeite.

Schnuller hat sie auch seit Krankenhaus. Zuhause hat sie zwischendurch schonmal Tee bekommen (Flasche mit NUK-Sauger), weil sie oft Bauchweh hatte. Das scheint sie aber nicht gestört zu haben, da hat sie weiter gut an der Brust getrunken. :5:

Die stillfreundlichen Zufüttermethoden habe ich mir letzte Woche schon mit meinem Mann angesehen, in Frage kommt unsere Meinung nach nur der Softcup. Unsere Hebamme hat uns davon aber eher abgeraten, weil es unsere Tochter noch weiter durcheinander bringen könnte. Da ich den halben Tag weg bin, können wir auch nicht ganz auf "Hilfsmittel" verzichten. Sie bekommt ja recht viel aus der Flasche. Ließe sich eine solche Menge überhaupt über andere Fütterungsmethoden verabreichen?

Verstehe die Maus nicht.. sie scheint einfach - zumindest am Wochenende - keine Lust zu haben, an der Brust zu trinken, obwohl sie eigentlich noch Hunger haben müsste.. Ob sie wohl auf ihr Fläschchen wartet? Ist das auch Saugverwirrung? Außerdem habe ich fast dass Gefühl, dass ihr dabei langweilig wird. Wenn sich nicht gerade einschläft oder schreit, guckt sie in der Gegend rum, mustert Tapete, Gardine, Decke, Sessel, meine Klamotten, grinst mich an, will sich mit mir "unterhalten" - das scheint alles interessanter zu sein als die Milch. Bin ziemlich ratlos. Zum trinken kann ich sie dann nur schwer bewegen. Wenn ich dann "einpacke" und wieder mit ihr aufstehe, meckert sie. Wenn ich mich dann aber wieder mit ihr hinsetze möchte sie trotzdem nicht mehr trinken.

Sie schläft in einem Beistellbett neben mir - stillen im Liegen funktioniert leider nicht so toll. Sie hat eine Hüftbeugeschiene, seitdem kriege ich sie nicht mehr richtig angelegt. Außerdem scheint sie das sehr gemütlich zu finden - eine Stunde rumnuckeln ist da gar nichts, sie trinkt aber sehr wenig bis gar nichts dabei.

Mehr kuscheln könnte ich mal probieren. Nach Feierabend ist das oft auf der Strecke geblieben, weil ich so müde war. Wenn ich von der Arbeit nach hause komme, wird erstmal gestillt, dann essen wir, dann nochmal gestillt und dann lege ich mich mit ihr ins Bett. Ich habe aber heute schon festgestellt, dass sie sich etwas besser auf das stillen konzentrieren kann, wenn ich sie bis auf die Pampers ausziehe. Der Hautkontakt gefällt ihr auf jeden Fall schonmal.

Sorry für den Roman! :oops:
mein Mausemädchen: * 09/2012
Lösche Benutzer 2178

Re: Probleme: Arbeiten und Stillen

Beitrag von Lösche Benutzer 2178 »

Liebe MausMama,

Es tut mir Leid, dass ihr solche Probleme habt und fühle mich zurück erinnert.

Zunächst mal: Voll stillen und voll arbeiten SIND vereinbar, lass dir da keinen Quatsch einreden. Es gibt beim voll arbeiten nichts bequemeres, als ein Stillaby im eigenen Bett, welches man im Halbschlaf ohne Aufstehen satt und zufrieden bekommt! Das Fläschchen machen erscheint mir da deutlich aufwendiger...

Von dem Gedanken an eine Saugverwirrung bin ich ehrlich gesagt nicht so überzeugt, vor allem, da das Stillen von Beginn an problematisch war. Unsere schwierige Stillgeschichte war an dem Tag befriedet, als Amelie auf KISS behandelt wurde und sich das Stillproblem sofort in Luft auflöste. Leider haben wir bis dahin 4 bittere heftige Monate gekämpft und verschiedene Alternativen probiert wegen vermuteter Saugverwirrung.... nichts half, konnte auch nicht, das Problem lag ja woanders.

Denkt am besten in viele, eben auch in diese Richtung.

Ich drück euch fest die Daumen.
Lösche Benutzer 2178

Re: Probleme: Arbeiten und Stillen

Beitrag von Lösche Benutzer 2178 »

Liebe MausMama,

Hab grad erst deinen langen Text gelesen und es tun sich noch mehr Parallelen auf:

Stillhütchen waren bei uns auch lange Begleiter, jedes Stillen dauerte ewig, begleitet von Gemecker, Schreien und Weinen (Baby und Mutter), ud ein nicht Reife Hüfte haben wir auch anzubieten.

Sucht euch einen Arzt, der sich mit KISS auskennt. Wenn du zufällig im Ruhrgebiet wohnst, empfehle ich dir gerne einen.
jusl
Jusl Almighty
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Registriert: 19.03.2007, 10:54
Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: Probleme: Arbeiten und Stillen

Beitrag von jusl »

Hallo MausMama und herzlich willkommen hier im SuT!


Die Verbindung von Stillen und Erwerbstätigkeit kann durchaus gut gelingen, das zeigen ja unzählige Beispiele. Die aktuellen Schwierigkeiten, die Du beschreibst, haben ihren Ursprung zweifellos in Eurer Vorgeschichte, und dann kann Erwerbstätigkeit "oben drauf" in der Tat zu einem weiteren Störfaktor werden. Ich geh mal der Reihe nach:
Angefangen hat das ganze, als ich vor ca. 2 Wochen wieder angefangen habe zu arbeiten.
Ich verstehe, dass Du mit "angefangen" Eure akuten Probleme meinst, aber "wirklich angefangen" hat es bereits direkt nach der Geburt:
Leider hatten wir einen schlechten Stillstart. Als wir aus dem Krankenhaus nach hause kamen, hat sie auch schon Pre-Nahrung zusätzlich bekommen, da die Milch recht lange auf sich warten lies. [...] Das Gewicht bei der U 3 war denn ein Schock. [...] Auf anraten der Hebamme haben wir dann schweren Herzens angefangen zuzufüttern. [...] Ich stille immer mit Hütchen - ohne will sie gar nicht, das ist noch ein Überbleibsel vom schlechten Still-Start im Krankenhaus.
All dies zusammengenommen zeichnet sehr deutlich folgendes Bild:

Dein Baby zeigt eindeutige Symptome einer Saugverwirrung. Es kennt von Geburt an Schnuller, diverse Flaschensauger und Hütchen. Mit diesem Wechsel kommen sehr viele junge Babys auf Dauer NICHT zurecht. Ausführliche Info zu Saugverwirrung findest Du hier. Hütchenverwendung selbst ist mit Risiken behaftet; diese beziehen sich zum einen auf das Kind (z.B. ungünstige Saugtechnik, was spätestens dann auffällt, wenn das Baby mal OHNE Hütchen trinken soll), und auf die Mutter (z.B. verringerte Milchbildung wegen des verringerten Saugreizes). Bei Euch dürfte nach Deiner Schilderung beides der Fall sein. Mit Hütchen bekam Dein Baby offenbar nicht genug Milch heraus für eine unauffällige Gewichtsentwicklung (dazu weiter unten genaueres), und Deine Milchbildung konnte nicht ganz auf Vollstillniveau etabliert werden, wodurch Zufüttern notwendig wurde.
Verstehe die Maus nicht.. sie scheint einfach - zumindest am Wochenende - keine Lust zu haben, an der Brust zu trinken, obwohl sie eigentlich noch Hunger haben müsste.. Ob sie wohl auf ihr Fläschchen wartet? Ist das auch Saugverwirrung?
Ja. Saugverwirrung hat sehr viel mit Gewöhnung zu tun. Sie ist Flaschensauger gewöhnt und zieht diese nun vor, das ist das klassische Störungsbild.
Schnuller hat sie auch seit Krankenhaus. Zuhause hat sie zwischendurch schonmal Tee bekommen (Flasche mit NUK-Sauger), weil sie oft Bauchweh hatte. Das scheint sie aber nicht gestört zu haben, da hat sie weiter gut an der Brust getrunken.
Naja, ZUNÄCHST. Saugverwirrung zeigt sich sehr oft nicht SOFORT. Inzwischen jedoch sind Eure Probleme massiv angewachsen; und die vielen künstlichen Sauger haben dazu zweifelsfrei beigetragen.

Eh wir schauen, was Euch helfen könnte, werfen wir noch mal einen Blick auf die Gewichtsentwicklung:
04.09.12: 4220 g (Geburt)
10.09.12: 3975 g (U2)
danach wurde sie mehrfach von der Hebamme gewogen, habe mir die genauen Daten nicht aufgeschrieben. Auf jeden Fall war sie innerhalb von 4 Wochen wieder knapp oberhalb des Geburtsgewichts. Wenn ein Baby erst nach 4 Wochen sein Geburtsgewicht wiedererreicht hat, ist das i.d.R. bereits als Hinweis auf ein behandlungsbedürftiges Problem zu werten.
09.10.12: 4120 g (U3) => wie schon oben geschrieben kann ich mir nur schwer vorstellen dass das stimmt. Ich stimme Dir zu, dieser Einzelwert ist vermutlich wenig aussagekräftig.
Danach waren wir nochmal bei der Hebamme zum wiegen, da hatte sie etwa das Gewicht wie zuletzt von der Hebamme gewogen (ich will mal sehen, dass ich noch an die Daten komme, trage ich dann nach). Ja, es wäre gut, wenn Du ALLE WERTE, die Du kriegen kannst, nachreichen könntest. Weniger für die Schlussfolgerungen (siehe unten), aber um im Nachhinein das Problem noch genauer eingrenzen zu können.
Dann schauen wir mal vorläufig nur auf die gesichert erscheinenden Werte:
04.09.12: 4220 g (Geburt)
10.09.12: 3975 g (U2)
23.10.: 4420 g Babywaage ausgeliehen (ab hier haben wir zugefüttert)
30.10.: 4600 g
06.11.: 4710 g
13.11.: 4840 g
17.10.: 5030 g
Also, in den ersten 6 Wochen lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bei rund 70-80 g. Hier musste auf jeden Fall eingegriffen werden, und Zufüttern war völlig richtig (wenn auch die Methode nicht unbedingt), denn die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme, die gesunde Stillkinder normalerweise aufweisen, liegt in den ersten 2 Lebensmonaten bei 170-330 g (Quelle).
Diese Schlussfolgerung ist völlig unabhängig von dem Wert, den der Arzt "eigentlich hätte messen müssen", also ganz egal, ob der echte U3-Wert nun tatsächlich 4100 oder 4200 oder 4300 oder 4400 war - an der Zufütterindikation ändert das nichts. Deine Hebamme hätte offensichtlich schon vorher aufmerksamer sein müssen wegen der langsamen Zunahme in den ersten Lebenswochen und das Gewicht weiter dokumentiern. Insofern passt der Begriff "mit Unterstützung der Hebamme die Kurve gekriegt" gar nicht und muss leider als Fehleinschätzung aufgefasst werden.

In den folgenden Wochen bis heute lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme dann bei gut 170 g, was entsprechend als "gerade noch unauffällig" gelten kann, weil ja ein bisschen was aufzuholen war. Die Notwendigkeit und Wirksamkeit des Zufütterns ist damit auch nachträglich belegt.

Ich mag nochmal kurz folgende Sätze aufgreifen:
Ich stille immer mit Hütchen - ohne will sie gar nicht[...] Und die Kleine hatte ganz schnell raus, dass aus der doofen Mama so gut wie nichts rauskommt, und wollte dann direkt ihre Flasche haben. [...] Verstehe die Maus nicht.. sie scheint einfach - zumindest am Wochenende - keine Lust zu haben, an der Brust zu trinken,
Ich habe den Eindruck, dass Du Deinem Baby da etwas viel Willenskraft zuschreibst. ;-) Es ist nicht so, dass Dein Baby nicht richtig an der Brust trinken WILL, sondern: Es KANN nicht richtig an der Brust trinken! Wann hätte es das lernen sollen? Der Lernprozess wurde ja immer wieder durch den Einsatz künstlicher Sauger gestört, wenn auch in unterschiedlich starker Intensität. Wenn Dein Baby korrektes Stillen lernen soll, dann wird es auf jeden Fall DEINE HILFE brauchen, vielleicht auch Unterstützung durch einen Fachmenschen, einfach weil inzwischen zunehmend eine Gewöhnung von Hütchen weg zur Flasche zu beobachten ist.
Ich will doch so gerne weiterstillen! Da ich arbeite, kann ich sie ja auch nicht ständig zum üben anlegen :(
Das könnte in der Tat ein Problem sein. Ich habe schon sehr viele Mütter und Babys mit schwerer Saugverwirrung bei der Rück- oder Umgewöhnung begleiten dürfen. Saugverwirrung ist behandelbar, allerdings beinhalten die Behandlungsmöglichkeiten grundsätzlich, dass Mutter und Kind VIEL GEMEINSAME ZEIT zum Üben haben und auf künstliche Sauger VERZICHTEN, damit das Baby endlich "ungestört" die richtige Technik lernen kann. Bei Euch besteht diese Möglichkeit vermutlich nicht; ich nehme an, dass Du auf die Erwerbstätigkeit angewiesen bist bzw. nicht zuhause bleiben möchtest. In diesem Falle müsste man dann schauen, ob man irgendwie ANDERS eine Verbesserung erreichen kann.
Wahrscheinlich wird es aber so sein, dass Dein Baby zunehmend die Flasche vorziehen wird und das Stillen bald gar nicht mehr klappt, wenn Du jetzt nichts änderst, denn häufig verläuft diese Entwicklung sehr "in EINE Richtung".

Hm, welche Möglichkeiten siehst Du selbst denn? Du schriebst ja, dass Du mit Deinem Mann schon mal über alternative Füttermethoden gesprochen hast (prima! ;-)) und Ihr den Softcup in Erwägung zieht. Die Warnung Eurer Hebamme kann ich da übrigend null nachvollziehen; Euer Kind ist ja bereits komplett "durcheinander" was Saugtechniken anbelangt, und der Softcup funktioniert SAUGFREI, das ist ja gerade das Gute dran.
Hast Du jemanden vor Ort, der Eure ersten Versuche z.B. mit dem Softcup fachkundig begleiten könnte?

Ich hoffe diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich, Rückfragen immer gerne und LG
Julia

PS noch kurz hierzu:
schilf hat geschrieben:Sucht euch einen Arzt, der sich mit KISS auskennt. Wenn du zufällig im Ruhrgebiet wohnst, empfehle ich dir gerne einen.
Ich weiß nicht, ob das Kind "auch noch" KISS hat. Aber das von MausMama beschriebene Störungsbild lässt sich vollständig und schlüssig ohne KISS erklären.
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