Hallo MausMama und herzlich willkommen hier im SuT!
Die Verbindung von Stillen und Erwerbstätigkeit kann durchaus gut gelingen, das zeigen ja unzählige Beispiele. Die aktuellen Schwierigkeiten, die Du beschreibst, haben ihren Ursprung zweifellos in Eurer Vorgeschichte, und dann kann Erwerbstätigkeit "oben drauf" in der Tat zu einem weiteren Störfaktor werden. Ich geh mal der Reihe nach:
Angefangen hat das ganze, als ich vor ca. 2 Wochen wieder angefangen habe zu arbeiten.
Ich verstehe, dass Du mit "angefangen" Eure akuten Probleme meinst, aber "wirklich angefangen" hat es bereits direkt nach der Geburt:
Leider hatten wir einen schlechten Stillstart. Als wir aus dem Krankenhaus nach hause kamen, hat sie auch schon Pre-Nahrung zusätzlich bekommen, da die Milch recht lange auf sich warten lies. [...] Das Gewicht bei der U 3 war denn ein Schock. [...] Auf anraten der Hebamme haben wir dann schweren Herzens angefangen zuzufüttern. [...] Ich stille immer mit Hütchen - ohne will sie gar nicht, das ist noch ein Überbleibsel vom schlechten Still-Start im Krankenhaus.
All dies zusammengenommen zeichnet sehr deutlich folgendes Bild:
Dein Baby zeigt eindeutige Symptome einer Saugverwirrung. Es kennt von Geburt an Schnuller, diverse Flaschensauger und Hütchen. Mit diesem Wechsel kommen sehr viele junge Babys auf Dauer NICHT zurecht. Ausführliche Info zu Saugverwirrung findest Du
hier. Hütchenverwendung selbst ist mit Risiken behaftet; diese beziehen sich zum einen auf das Kind (z.B. ungünstige Saugtechnik, was spätestens dann auffällt, wenn das Baby mal OHNE Hütchen trinken soll), und auf die Mutter (z.B. verringerte Milchbildung wegen des verringerten Saugreizes). Bei Euch dürfte nach Deiner Schilderung beides der Fall sein. Mit Hütchen bekam Dein Baby offenbar nicht genug Milch heraus für eine unauffällige Gewichtsentwicklung (dazu weiter unten genaueres), und Deine Milchbildung konnte nicht ganz auf Vollstillniveau etabliert werden, wodurch Zufüttern notwendig wurde.
Verstehe die Maus nicht.. sie scheint einfach - zumindest am Wochenende - keine Lust zu haben, an der Brust zu trinken, obwohl sie eigentlich noch Hunger haben müsste.. Ob sie wohl auf ihr Fläschchen wartet? Ist das auch Saugverwirrung?
Ja. Saugverwirrung hat sehr viel mit Gewöhnung zu tun. Sie ist Flaschensauger gewöhnt und zieht diese nun vor, das ist das klassische Störungsbild.
Schnuller hat sie auch seit Krankenhaus. Zuhause hat sie zwischendurch schonmal Tee bekommen (Flasche mit NUK-Sauger), weil sie oft Bauchweh hatte. Das scheint sie aber nicht gestört zu haben, da hat sie weiter gut an der Brust getrunken.
Naja, ZUNÄCHST. Saugverwirrung zeigt sich sehr oft nicht SOFORT. Inzwischen jedoch sind Eure Probleme massiv angewachsen; und die vielen künstlichen Sauger haben dazu zweifelsfrei beigetragen.
Eh wir schauen, was Euch helfen könnte, werfen wir noch mal einen Blick auf die Gewichtsentwicklung:
04.09.12: 4220 g (Geburt)
10.09.12: 3975 g (U2)
danach wurde sie mehrfach von der Hebamme gewogen, habe mir die genauen Daten nicht aufgeschrieben. Auf jeden Fall war sie innerhalb von 4 Wochen wieder knapp oberhalb des Geburtsgewichts. Wenn ein Baby erst nach 4 Wochen sein Geburtsgewicht wiedererreicht hat, ist das i.d.R. bereits als Hinweis auf ein behandlungsbedürftiges Problem zu werten.
09.10.12: 4120 g (U3) => wie schon oben geschrieben kann ich mir nur schwer vorstellen dass das stimmt. Ich stimme Dir zu, dieser Einzelwert ist vermutlich wenig aussagekräftig.
Danach waren wir nochmal bei der Hebamme zum wiegen, da hatte sie etwa das Gewicht wie zuletzt von der Hebamme gewogen (ich will mal sehen, dass ich noch an die Daten komme, trage ich dann nach). Ja, es wäre gut, wenn Du ALLE WERTE, die Du kriegen kannst, nachreichen könntest. Weniger für die Schlussfolgerungen (siehe unten), aber um im Nachhinein das Problem noch genauer eingrenzen zu können.
Dann schauen wir mal vorläufig nur auf die gesichert erscheinenden Werte:
04.09.12: 4220 g (Geburt)
10.09.12: 3975 g (U2)
23.10.: 4420 g Babywaage ausgeliehen (ab hier haben wir zugefüttert)
30.10.: 4600 g
06.11.: 4710 g
13.11.: 4840 g
17.10.: 5030 g
Also, in den ersten 6 Wochen lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bei rund 70-80 g. Hier musste auf jeden Fall eingegriffen werden, und Zufüttern war völlig richtig (wenn auch die Methode nicht unbedingt), denn die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme, die gesunde Stillkinder normalerweise aufweisen, liegt in den ersten 2 Lebensmonaten bei 170-330 g (
Quelle).
Diese Schlussfolgerung ist völlig unabhängig von dem Wert, den der Arzt "eigentlich hätte messen müssen", also ganz egal, ob der echte U3-Wert nun tatsächlich 4100 oder 4200 oder 4300 oder 4400 war - an der Zufütterindikation ändert das nichts. Deine Hebamme hätte offensichtlich schon vorher aufmerksamer sein müssen wegen der langsamen Zunahme in den ersten Lebenswochen und das Gewicht weiter dokumentiern. Insofern passt der Begriff "mit Unterstützung der Hebamme die Kurve gekriegt" gar nicht und muss leider als Fehleinschätzung aufgefasst werden.
In den folgenden Wochen bis heute lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme dann bei gut 170 g, was entsprechend als "gerade noch unauffällig" gelten kann, weil ja ein bisschen was aufzuholen war. Die Notwendigkeit und Wirksamkeit des Zufütterns ist damit auch nachträglich belegt.
Ich mag nochmal kurz folgende Sätze aufgreifen:
Ich stille immer mit Hütchen - ohne will sie gar nicht[...] Und die Kleine hatte ganz schnell raus, dass aus der doofen Mama so gut wie nichts rauskommt, und wollte dann direkt ihre Flasche haben. [...] Verstehe die Maus nicht.. sie scheint einfach - zumindest am Wochenende - keine Lust zu haben, an der Brust zu trinken,
Ich habe den Eindruck, dass Du Deinem Baby da etwas viel Willenskraft zuschreibst.

Es ist nicht so, dass Dein Baby nicht richtig an der Brust trinken WILL, sondern: Es KANN nicht richtig an der Brust trinken! Wann hätte es das lernen sollen? Der Lernprozess wurde ja immer wieder durch den Einsatz künstlicher Sauger gestört, wenn auch in unterschiedlich starker Intensität. Wenn Dein Baby korrektes Stillen lernen soll, dann wird es auf jeden Fall DEINE HILFE brauchen, vielleicht auch Unterstützung durch einen Fachmenschen, einfach weil inzwischen zunehmend eine Gewöhnung von Hütchen weg zur Flasche zu beobachten ist.
Ich will doch so gerne weiterstillen! Da ich arbeite, kann ich sie ja auch nicht ständig zum üben anlegen
Das könnte in der Tat ein Problem sein. Ich habe schon sehr viele Mütter und Babys mit schwerer Saugverwirrung bei der Rück- oder Umgewöhnung begleiten dürfen. Saugverwirrung ist
behandelbar, allerdings beinhalten die Behandlungsmöglichkeiten grundsätzlich, dass Mutter und Kind VIEL GEMEINSAME ZEIT zum Üben haben und auf künstliche Sauger VERZICHTEN, damit das Baby endlich "ungestört" die richtige Technik lernen kann. Bei Euch besteht diese Möglichkeit vermutlich nicht; ich nehme an, dass Du auf die Erwerbstätigkeit angewiesen bist bzw. nicht zuhause bleiben möchtest. In diesem Falle müsste man dann schauen, ob man irgendwie ANDERS eine Verbesserung erreichen kann.
Wahrscheinlich wird es aber so sein, dass Dein Baby zunehmend die Flasche vorziehen wird und das Stillen bald gar nicht mehr klappt, wenn Du jetzt nichts änderst, denn häufig verläuft diese Entwicklung sehr "in EINE Richtung".
Hm, welche Möglichkeiten siehst Du selbst denn? Du schriebst ja, dass Du mit Deinem Mann schon mal über alternative Füttermethoden gesprochen hast (prima!

) und Ihr den Softcup in Erwägung zieht. Die Warnung Eurer Hebamme kann ich da übrigend null nachvollziehen; Euer Kind ist ja bereits komplett "durcheinander" was Saugtechniken anbelangt, und der Softcup funktioniert SAUGFREI, das ist ja gerade das Gute dran.
Hast Du jemanden vor Ort, der Eure ersten Versuche z.B. mit dem Softcup fachkundig begleiten könnte?
Ich hoffe diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich, Rückfragen immer gerne und LG
Julia
PS noch kurz hierzu:
schilf hat geschrieben:Sucht euch einen Arzt, der sich mit KISS auskennt. Wenn du zufällig im Ruhrgebiet wohnst, empfehle ich dir gerne einen.
Ich weiß nicht, ob das Kind "auch noch" KISS hat. Aber das von MausMama beschriebene Störungsbild lässt sich vollständig und schlüssig ohne KISS erklären.