Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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turbokat
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Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Beitrag von turbokat »

Guten Morgen!

Nach langem hin und her Überlegen habe ich mich entschlossen, euren Rat einzuholen, da ich grad nicht weiter weiß.
Folgende Situation:
- Kind ist 8 1/2 Monate (37 Wochen), vor 2 Wochen 78 cm und 10,5 kg, von Anfang an gestillt
- isst B(r)eikost in rauhen Mengen (daher eigentlich Brei-, statt Beikost)
- ich bin (oder eher war, grad ist es etwas besser) tagsüber immer mal außer Haus (Studium und Praxissemester), Kind ist dann bei Papa oder Oma
- er hat dann abgepumpte Milch in der Flasche bekommen, die er immer problemlos angenommen hat.
- ich hatte ca. 3 Monate "viel" Milch, brauchte Auffangschalen, die überliefen, während er auf der anderen Seite trank, dann hat es sich gut "eingependelt", jetzt brauch ich nicht mal mehr Stilleinlagen
- anfangs ziemlich starker MSR (ihm lief's am Anfang aus Nase und Mund wieder raus, der arme Kerl, weil er gar nicht so schnell schlucken konnte! :roll: ), jetzt dauert es sehr lange, bis einer einsetzt und er hampelt ziemlich rum und "wehrt sich", bis dann endlich "was kommt".
. ich würde ihn als schnellen und effizienten Trinker einstufen, denn nach wenigen Wochen brauchte er unter 10 Minuten zum Stillen und meldete sich nach ca. 3 Stunden wieder.

So, das sind so die Rahmendaten, jetzt mal zu meinen zahlreichen Fragen:
Mit Beikost hat mein Sohn so vor ca. 3 Monaten angefangen. Nachdem er sich ein Stück Apfel klaute, das in den Mund nahm und runterschluckte haben wir's einfach probiert. Er hat also immer wieder ein paar Löffel Brei bekommen, den auch gut vertragen. Irgendwann hatte er den Dreh raus, dass man damit auch Hunger bekämpfen kann und das nicht nur ein Spiel ist, und seit dem ist er kaum zu bremsen. Ich habe ihm immer nach den "Mahlzeiten" die Brust angeboten, aber er trank immer weniger und mittlerweile dreht er sich direkt weg. Er hat sich also quasi tagsüber abgestillt, ganz selten trinkt er mal wenige Schlucke. Er isst mittlerweile 3-4 Breimahlzeiten über den Tag verteilt, jeweils zwischen 180g und 250g, manchmal auch mit "Freßattacken", wo er nach einer Portion Gemüse-Kartoffel auch noch ein Obstglas verdrückt,aber das ist eher selten. Abends stillt er vor dem Einschlafen, nachts 1-2x und morgens noch einmal. Er bekommt mittags Gemüse-Kartoffel-(Fleisch-)Brei, nachmittags OGB, am frühen Abend Milchbrei. Seit ein paar Tagen ist er vormittags so hungrig, dass er da auch schon mal OGB bekommt. Er still wie gesagt dazu eigentlich nicht und trinkt auch nur wenig Wasser (wir bieten ihm einen Becher an, aber er trinkt eigentlich nie, manchmal ein paar Schlucke aber nie mehr als so ca. 50ml/Tag!) Der Kinderarzt, den ich zum Trinken befragte, sagte, ich solle mir keine Sorgen machen, ein gesundes Kind würde sich schon holen, was er braucht. Er würde das über's Stillen kompensieren. Ich mache mir trotzdem Sorgen, dass er zu wenig Flüssigkeit bekommt, da er ja dann tagsüber nur die Flüssigkeit aus dem Brei bekommt, aber er macht aber auch keinen ausgetrockneten Eindruck (ich bin Krankenschwester und würde behaupten, dass ich das ein wenig einschätzen kann). Er ist fit und munter, hat aber keine 6 schweren Windeln am Tag (Die morgens ist seeehr schwer, in den über'n Tag verteilten sind kleine Mengen Urin zu sehen)! Kann ich davon ausgehen, dass er das angebotene Wasser trinken würde, wenn er Durst hat? Oder sollte ich was ändern?

Mein viel größeres Problem und der Grund meiner Anfrage ist aber das abendliche Stillen:
Vor einigen Wochen (ich kann nicht mehr sagen, wann, aber es war noch, bevor es sich tagsüber komplett abgestillt hatte!), fand er abends nach dem Stillen einfach nicht mehr in den Schlaf, er jammerte und weinte richtig (sehr untypisch!) und ließ sich auch nicht beruhigen. Ich habe ihn dann mehrere Tage lang immer wieder und wieder angelegt, er versuchte zu trinken, aber er schluckte kaum, als wenn kaum etwas käme. Er musste lange saugen, damit er mal was zu schlucken hatte. Nach mehreren Tagen von diesem Weinen hatten wir den Eindruck gewonnen, dass er definitiv noch Hunger hatte (oder Durst?). Mein Mann hat also in unserer Verzweiflung abends eine Packung Milchnahrung geholt (HA 1er) und wir haben ihm diese Milch in der Flasche angeboten. Er hat sie quasi in einem Zug weggezogen und danach noch eine (insgesamt ca. 130 ml). Danach schlief er problemlos ein und hat sich nachts wie gewohnt zum Stillen gemeldet.
Seit dem läuft es so, dass er abends gestillt wird und dann eine Flasche bekommt (er trinkt dann um die 100ml, manchmal auch mehr, manchmal weniger). Er meldet sich dann ca. 6 Stunden später, stillt (gewohnt kurz!) und meldet sich dann wieder so 3 Stunden später und stillt wieder (s.o.).
Eigentlich würde ich aber gerne abends nur stillen. Ich kann das nicht rational begründen (es ist so nicht aufwändig, oder so), aber einige Punkte würde ich gerne loswerden. Er hat bis jetzt problemlos zwischen Flasche und Brust gewechselt (Sauger am Anfang Calma, mittlerweile meistens N*K Standard-Sauger), sollte ich mir trotzdem Sorgen wegen Saugverwirrung machen?
Er hat(te) ja anscheinend tatsächlich Hunger, warum lässt sich das nicht beim Stillen über den erhöhten Bedarf steigern? Liegt es daran, dass er tagsüber nicht mehr stillt? Müsste ich also tagsüber abpumpen, um den Bedarf zu simulieren? (Eigentlich finde ich die Situation so ganz angenehm, weil er ohne diesen ganzen "Abpump-Wahnsinn" bei Oma oder Papa bleiben kann, wenn ich an der Uni bin (wo ich dann bis dato auf dem Klo saß, um Milch abzupumpen :( ). Als ich das mit dem Abpumpen (um Bedarf zu simulieren) versuchte, in den Anfangstagen dieses abendlichen Dramas, habe ich kaum etwas abgepumpt bekommen (vorher musste ich aufhören zu pumpen, weil die große Flasche voll war!).

Oder sollte ich das einfach nicht so verbissen sehen und ihm die abendliche Flasche lassen? Irgendwie reagiere ich allergisch auf dieses "Das Kind kann ja auch nicht satt werden nur vom Stillen...". :evil: Ich habe immer um das Stillen gekämpft und es war von Anfang an weder einfach noch schön (das würde jetzt hier aber wirklich zu weit führen, ist ja jetzt schon ein Roman!), und trotzdem habe ich durchgehalten und dieses Riesenkind entgegen der "öffentlichen" Meinung immer satt bekommen (ich bin total schmal und zierlich!). Und genauso fand ich es aber auch schön, dass er in seinem Tempo tagsüber immer weniger gestillt hat. Das kam meiner Gesundheit entgegen (weil ich immer leichter und leichter wurde, und Hebamme und Arzt schon sagten, ich solle doch bitte mit dem Stillen aufhören!), aber er hat halt das Tempo bestimmt. Insgesamt wollte ich ihn aber schon gerne ein Jahr stillen, auch weil wir beiden Eltern Allergien haben ('Neurodermitis' beide, Asthma, Heuschnupfen) und er auch schon seit der 6. Lebenswoche schlimme Hautprobleme hat.

Entschuldigt diesen Riesenroman, aber ich bin echt ratlos und ein bißchen verzweifelt! Die "kleineren" Fragen lass ich dann auch erstmal weg. :oops:
Ich hoffe, es ist irgendwie verständlich, worum es mir geht und ich bin echt dankbar, dass ich das hier loswerden kann. Ich habe schon nur durch das Lesen anderer Threads so viel Hilfe hier gefunden.
J (*10/2011) und G (*6/2014)
jusl
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Re: Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Beitrag von jusl »

Hallo und herzlich willkommen hier im SuT.

Ich geh mal der Reihe nach:
Kann ich davon ausgehen, dass er das angebotene Wasser trinken würde, wenn er Durst hat?
Klares ja. Ihr stillt noch, und er isst viel Brei (Brei ist extrem wasserhaltig). Wahrscheinlich "bräuchte" er nicht mal die 50 ml Wasser. Von daher: Ihr baucht nichts zu ändern. Einfach immer ein bisschen Wasser anbieten, 100% druckfrei. Die Ausscheidungen klingen vollkommen unauffällig.
Eigentlich würde ich aber gerne abends nur stillen. Ich kann das nicht rational begründen (es ist so nicht aufwändig, oder so), aber einige Punkte würde ich gerne loswerden. Er hat bis jetzt problemlos zwischen Flasche und Brust gewechselt (Sauger am Anfang Calma, mittlerweile meistens N*K Standard-Sauger), sollte ich mir trotzdem Sorgen wegen Saugverwirrung machen?
Die Gefahr von klassischer Saugverwirrung ist bei älteren Babys geringer als bei Babys im ersten LHJ, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Probleme kann es dennoch geben: durch schleichende Umgewöhnung, die nur schwer rückgängig zu machen ist. In unserer Linksammlung Stillwissen findest Du Links zu den Stichworten "Saugverwirrung" und "Umgewöhnung"
Er hat(te) ja anscheinend tatsächlich Hunger, warum lässt sich das nicht beim Stillen über den erhöhten Bedarf steigern? Liegt es daran, dass er tagsüber nicht mehr stillt?
Grundsätzlich lässt sich die Milchmenge selbstverständlich durch erhöhte Nachfrage steigern. Aber dazu ist die erhöhte Nachfrage eben auch nötig? HÄUFIGER stillen ist erheblich effektiver als LÄNGER stillen. Von daher: ja, es liegt in der Tat nahe, dass die Milchproduktion durch das tatgsüber-nicht-mehr-Stillen so sehr zurückgegangen ist, dass es für die Abendmahlzeit nicht mehr reicht. Eine Lösung liegt auf der Hand: Nachfrage steigern. Entweder durch häufigeres Stillen tagsüber oder Abpumpen.
Als ich das mit dem Abpumpen (um Bedarf zu simulieren) versuchte, in den Anfangstagen dieses abendlichen Dramas, habe ich kaum etwas abgepumpt bekommen
Abpumpen muss gelernt werden, Übung und Routine sind hilfreich. In unserer Linksammlung Stillwissen findest Du effektive Tipps zum erfolgreichen Abpumpen.
Oder sollte ich das einfach nicht so verbissen sehen und ihm die abendliche Flasche lassen?
Das kannst nur Du selbst entscheiden. ;-) Du hast die Vor-und Nachteile ja aufgezählt: Auf der einen Seite findest Du es schön, dass Dein Baby das Stillen tags nicht mehr braucht und Du so lange Zeit ohne Dein Kind verbringen kannst, auf der anderen Seite führt die lange Stillpause tags zu einem so starken Rückgang der Milch, dass sie inzwischen auch nicht mehr für abends reicht (damit bist Du nicht alleine - viele Mütter müssen eine gewisse "Mindestmenge" stillen, damit die Milchproduktion auf "angenehm hohem" Niveau bleibt). Hier musst Du abwägen, was Dir wichtiger ist.

Ich hoffe diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich,
Rückfragen immer gerne und
LG
Julia
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turbokat
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Re: Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Beitrag von turbokat »

Hallo!

Vielen Dank für die schnelle Antwort!
jusl hat geschrieben: Von daher: Ihr baucht nichts zu ändern. Einfach immer ein bisschen Wasser anbieten, 100% druckfrei. Die Ausscheidungen klingen vollkommen unauffällig.
Das beruhigt mich! Auch wenn ich's mir gedacht hatte, ist es gut, das nochmal bestätigt zu bekommen. Manchmal tu ich mich echt noch schwer, ihm einfach zu vertrauen, was sowas angeht.
Die Gefahr von klassischer Saugverwirrung ist bei älteren Babys geringer als bei Babys im ersten LHJ, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Probleme kann es dennoch geben: durch schleichende Umgewöhnung, die nur schwer rückgängig zu machen ist. In unserer Linksammlung Stillwissen findest Du Links zu den Stichworten "Saugverwirrung" und "Umgewöhnung"
Ich habe auch den Eindruck, dass es im Moment schleichend "anders" wird. Man kann halt nur so schwer sagen, ob es daran liegt, oder etwas anderes ist. Eigentlich für mich ein Grund mehr, abends wieder ausschließlich zu stillen! Andererseits "wechselt" er, seit er ganz klein ist (und er hat von Beginn an einen Schnuller). Hmmm
Grundsätzlich lässt sich die Milchmenge selbstverständlich durch erhöhte Nachfrage steigern. Aber dazu ist die erhöhte Nachfrage eben auch nötig? HÄUFIGER stillen ist erheblich effektiver als LÄNGER stillen. Von daher: ja, es liegt in der Tat nahe, dass die Milchproduktion durch das tatgsüber-nicht-mehr-Stillen so sehr zurückgegangen ist, dass es für die Abendmahlzeit nicht mehr reicht. Eine Lösung liegt auf der Hand: Nachfrage steigern. Entweder durch häufigeres Stillen tagsüber oder Abpumpen. (...) Abpumpen muss gelernt werden, Übung und Routine sind hilfreich. In unserer Linksammlung Stillwissen findest Du effektive Tipps zum erfolgreichen Abpumpen.
OK, dann werde ich das wohl nochmal versuchen. Häufigeres Stillen fällt wohl weg, weil er sich ja wegdreht und nichts nimmt. Mehr als anbieten kann ich es ihm ja kaum. Aber dann werde ich versuchen, Gelegenheiten zum Abpumpen zu schaffen. Die geringe Menge irritierte mich nur, weil es ja vorher anders war. Da brauchte ich für 300ml unter 15 Minuten und jetzt pumpe ich eine Stunde für 10. Aber wahrscheinlich ist die "Ursache allen Übels" wohl tatsächlich das Abstillen tagsüber. :(
viele Mütter müssen eine gewisse "Mindestmenge" stillen, damit die Milchproduktion auf "angenehm hohem" Niveau bleibt
Da scheine ich dann wohl dazuzugehören. Schade eigentlich. Ich hatte so insgeheim gehofft, da es ja auch Mütter gibt, die lange Zeit nur noch 1 Mahlzeit erhalten, dass es auch so gehen könnte. Falsch gedacht, wohl! :roll:

Vielen Dank für deine Hilfe hier!
J (*10/2011) und G (*6/2014)
Athene79
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Re: Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Beitrag von Athene79 »

Ich hatte so insgeheim gehofft, da es ja auch Mütter gibt, die lange Zeit nur noch 1 Mahlzeit erhalten, dass es auch so gehen könnte.
Ich war so eine :D Bin jetzt aber am Stillen und kann Dir das gleich genauer schreiben, nachdem ich id Babytagebücher geguckt habe, wenn Du willst.
LG
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turbokat
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Re: Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Beitrag von turbokat »

Hallo!
Hast du denn diese eine Mahlzeit auch als tatsächliche Mahlzeit erhalten (also war da immer genügend Milch zum "satt werden" vorhanden?), oder war das mehr so eine Beruhigungs-/Einschlaf-/...-Mahlzeit?
Kind hat gestern abend nach dem Stillen tatsächlich noch 230ml Nahrung getrunken (ich musste 2x neues Fläschchen machen!). Also wie ich an die Menge beim Stillen wieder rankommen soll, ist mir schleierhaft. Ich pumpe jetzt tagsüber zwischendurch ab, mal sehen, obs's hilft!
J (*10/2011) und G (*6/2014)
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Re: Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Beitrag von Athene79 »

Hallo,
den großen Sohn habe ich zwei Monate lang nur morgens gestillt. Er hat mittags ein großes Gläschen, nachmittags Obstbrei und abends Milchbrei gegessen. Er war aber auch ein völlig untypisches Stillkind: Er hatte meistens einen 4h-Abstand, hat mit 14 Wochen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht mehr gestillt, hat aber immer sehr, sehr viel zugenommen. Ich denke, dass er wirklich noch viel getrunken hat und dass das eine ganze Mahlzeit war, es fühlte sich jedenfalls so an, aber dass sein Essverhalten vielleicht ganz anders ist als das Deines Sohnes? Er hatte auch einen Schnuller.
Ich meine, meinen 2.Sohn habe ich auch eine ganze Zeit nur noch nachts und morgens gestillt. Wie oft und wie kurz nur noch morgens, kann ich Dir leider nicht genau sagen, denn ich habe den Teil "Babytagebuch ab dem 9.Monat" auf meinem alten Computer geschrieben, den ich leider nicht mehr habe. Total ärgerlich.
Ich glaube, ich kann Dir leider nicht so viel weiterhelfen, weil jedes Kind und jede Mutter anders ist..
Liebe GRüße
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turbokat
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Re: Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Beitrag von turbokat »

Hallo,
Auch wenn jedes Kind anders ist, findet man sich ja manchmal wieder... Daher vielen Dank für deine Infos.
Ich hoffe einfach, dass wir das Stillen noch etwas beibehalten können, auch wenn er davon nicht satt wird. Allerdings wird er halt immer ärgerlicher, wenn nicht schnell was kommt, oder nicht genug. Dann hampelt er rum und beißt auch gerne mal herzhaft zu. Autsch! Aber das ist wohl der Flasche zuzuschreiben und anscheinend derzeit nicht zu ändern. Vielleicht kommen wir ja doch noch davon weg...
Viele Grüße
J (*10/2011) und G (*6/2014)
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turbokat
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Re: Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Beitrag von turbokat »

Liebe Julia,

Darf ich nochmal mit meinem Problem 'nerven'? Deine Antworten hier sind immer so hilfreich und kompetent, dass ich echt Hoffnung habe, dass du mir auch helfen kannst.

Mein Problem hat sich inzwischen folgendermaßen verlagert:

Sohn stillt nur noch im (Halb-)schlaf nachts. Dann aber ohne Probleme. Tagsüber hat er sich ja schon vorher geweigert, jetzt aber auch abends.
Ich hatte mir von meinem FA ein Rezept für eine elektrische Pumpe besorgt und pumpe seit Mittwoch tagsüber immer wieder ab. Mein Ziel war eigentlich alle 2-3 Stunden, um die Menge zu steigern und Bedarf zu simulieren und dann zu gucken, bei welchem Abstand ich abends genug habe. Die Abstände schaffe ich zwar nicht immer, aber ich versuche es zumindest. Es kommt zwischen wenigen Tropfen und 50ml pro Pumpsession.
Allerdings geht er abends überhaupt nicht mehr an die Brust. Er wird regelrecht hysterisch, streckt sich durch, brüllt und windet sich, sobald ich ihn nur annähernd in die Position zum Stillen bringe. Auch andere Positionen, rumlaufen, ... Bringt nichts.
Um nach deiner Antwort vom letzen Mal einer Saugverwirrung vorzubeugen oder sie nicht zu verschlimmern, haben wir versucht, ihm die Milch im Becher zu geben. Das hat er redlich versucht, aber ich denke, er war zu müde um das Lange durchzuhalten und ihm fehlte der 'Gemütlichkeitsfaktor'.
Jetzt kriegt er also abends wieder die Flasche mit Milchnahrung oder abgepumpter Milch. Nachts stillt er ohne Probleme, die Menge scheint zu reichen, er schafft meistens mind. 3h.

Ist das abends jetzt die Saugverwirrung, vor der ich so Angst hatte, oder ist es doch eher ein Stillstreik? (wir scheinen ohnehin gerade im nächsten 'Schub' zu stecken)

Was auch immer es ist, kann ich es noch irgendwie ändern? Hättest du eine Strategie für mich? Ich würde ihm so gerne seine Mamamilch und das Stillen erhalten.

Ich Sage schon mal vielen Dank und ein schönes Wochenende!
J (*10/2011) und G (*6/2014)
jusl
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Re: Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Beitrag von jusl »

Hallo turbokat,

da stellst Du die entscheidenden Fragen:
Ist das abends jetzt die Saugverwirrung, vor der ich so Angst hatte, oder ist es doch eher ein Stillstreik? (wir scheinen ohnehin gerade im nächsten 'Schub' zu stecken)

Was auch immer es ist, kann ich es noch irgendwie ändern? Hättest du eine Strategie für mich?
Zu Deiner ersten Frage: Die Unterscheidung ist nicht ganz leicht (Saugverwirrung kann auch als eine mögliche Ursache für Stillstreik aufgefasst werden) - und im Grunde ist das auch gar nicht so wichtig. Fakt ist: Ihr hattet ja VORHER schon Schwierigkeiten; vor 2 Wochen schriebst Du, dass Dein Sohn tagsüber praktisch schon abgestillt war, und er war viel Flasche gewöhnt. Im Grunde kann ich mich da eigentlich nur selbst wiederholen:
jusl hat geschrieben:Die Gefahr von klassischer Saugverwirrung ist bei älteren Babys geringer als bei Babys im ersten LHJ, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Probleme kann es dennoch geben: durch schleichende Umgewöhnung, die nur schwer rückgängig zu machen ist.
Offenbar ist genau das bei Euch der Fall: Eine klassische Saugverwirrung ist es eher nicht, denn dafür ist Dein Baby mit 9 Monaten schon recht alt, und nachts klappt das Stillen ja auch noch. Es ist aber eindeutig eine Umgewöhnung eingetreten: Im Wachzustand ist das Stillen gar nicht mehr möglich, Dein Baby protestiert vehement (= Streikzustand). Im Schlaf verhalten sich Kinder oft "wie in einem früheren Entwicklungsstadium" (Embryonalhaltung, geringere Ausscheidungskontrolle bei älteren Kindern, höhere Saugbereitschaft usw.) - entsprechend klappt das Stillen im (Halb-)Schlaf noch (passt auch zu Stillstreik).

Zu Deiner zweiten Frage:
Ob es möglich ist, das Ruder in so einer Situation noch herumzureißen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, und sicher irgendwie auch vom glücklichen Zufall.

Zunächst kann eigentlich nur empfohlen werden, ab sofort konsequent alle Saugflaschen wegzulassen, wenn Du aus der Umgewöhnung wieder eine RÜCKgewöhnung machen möchtest. Erfahrungsgemäß geht es kaum ohne diesen Schritt: Mit jeder weiteren Flasche wird die Umgewöhnung Richtung Gummisauger, weg von der Brust, gefestigt. Er gewöhnt sich zunehmend an das Mundgefühl (meiner Ansicht nach ist das der wesentliche Reiz im Themenfeld der Stillstörungen). Außerdem an Fließverhalten und Füttersitation. Das bedeutet, dass die Stillsituation für ihn zunehmend eine Irritation darstellt: "fühlt sich komisch an, funktioniert komisch".

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, wie groß das Saugbedürfnis Deines Baby überhaupt noch ist. Ist es nur noch gering, dann wird er ab jetzt einfach gar nicht mehr saugen, wenn Du ab sofort die Flaschen streichst. Dieses Risiko müsstest Du eingehen, falls Du Dich für eine Rückgewöhnug entscheidest; die Ausprägung des Saugbedürfnisses ist im 2. LHJ Glückssache und lässt sich nicht beeinflussen.

Außerdem musst Du schauen, inwiefern eine Rückgewöhnung mit Deinem Alltag vereinbar ist: Wenn Du weiterhin viel unterwegs sein wirst, wird es schwierig. Denn den Weg zurück zum Stillen kann Dein Baby nur finden, wenn es auch reichlich Gelegenheit zum Stillen hat, also nur, wenn Ihr ZUSAMMEN seid, logo.
Allerdings geht er abends überhaupt nicht mehr an die Brust. Er wird regelrecht hysterisch, streckt sich durch, brüllt und windet sich, sobald ich ihn nur annähernd in die Position zum Stillen bringe. Auch andere Positionen, rumlaufen, ... Bringt nichts.
Was genau passiert, wenn Du ihn aufrecht (z.B. im Tragetuch) vor Dir trägst und ihm SO die Brust anbietest?
Nachts stillt er ohne Probleme, die Menge scheint zu reichen, er schafft meistens mind. 3h.
Meinst Du damit, dass er zwischen den Stillmahlzeiten "mind. 3 Stunden" schläft? Achtung: dies sagt NICHTS über die Milchmenge aus. Er isst reichlich Festes, bekommt Flaschen mit Milch usw., das heißt: sein Aufwachen wird vermutlich weniger von Hunger als vielmehr von den zahlreichen ANDEREN Gründen bestimmt sein, die kleine Kinder zum Aufwachen bringen. ;-) Das Schlafverhalten steuern Hirnchemie und Hormone, nicht der Magenfüllstand.
Um nach deiner Antwort vom letzen Mal einer Saugverwirrung vorzubeugen oder sie nicht zu verschlimmern, haben wir versucht, ihm die Milch im Becher zu geben. Das hat er redlich versucht, aber ich denke, er war zu müde um das Lange durchzuhalten und ihm fehlte der 'Gemütlichkeitsfaktor'.
Hm, um "gemütlich oder nicht" wird es in der nächsten Zeit wohl nicht gehen, falls Du eine Rückgewöhnung versuchst. Es wird HARTE ARBEIT - für alle Beteiligten. Realistische Erwartungen sind sicherlich hilfreich und vergrößern auch die Erfolgschancen, deshalb nehme ich da kein Blatt vor den Mund.

Ich denke, Du hast konkret zwei Möglichkeiten (und für BEIDE lassen sich gute Argumente finden! Du hast also wirklich die FREIE Wahl!):

1. Du versuchst eine Rückgewöhnung. Das bedeutet: Konsequentes Streichen von Flasche, Schnuller, Trinklernflasche. SAUGEN soll ausschließlich an der Brust stattfinden (nuckelt er an seinem Daumen?). Aufrechterhalten der Milchproduktion durch mehrmaliges Pumpen pro Tag. Nachts ausgiebig stillen nach Bedarf. Mit etwas Glück wird er dann demnächst auch tags wieder stillen.

2. Du lässt alles so wie ist, bzw. lässt der Entwicklung ihren Lauf: Die Umgewöhnung wird sich voraussichtlich weiter festigen. Möglicherweise verweigert er irgendwann demnächst auch nachts das Stillen, oder er schläft zunehmend länger, so dass das Stillen sozusagen von allein nachts wegfällt. Um ihm weiter Muttermilch zukommen lassen zu können, könntest Du weiterhin noch etwas abpumpen und ihm die Milch abends per Flasche, mit reichlich Kuschel- und Gemütlichkeitsfaktor, füttern. Du müsstest dann akzeptieren, dass Dein Baby durch frühe Flaschengewöhnung und Beikost im Mahlzeitenkonzept vorzeitig abgestillt wurde.

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Re: Probleme mit dem (abendlichen) Stillen

Beitrag von turbokat »

Hallo Julia,

vielen Dank für deine erneute Hilfe hier.
jusl hat geschrieben: Zunächst kann eigentlich nur empfohlen werden, ab sofort konsequent alle Saugflaschen wegzulassen, wenn Du aus der Umgewöhnung wieder eine RÜCKgewöhnung machen möchtest.
Na dann LOS! Gestern abend hat er die Milch aus einem (saugfreien) Becher bekommen. Ziemliche Schweinerei, aber er hat etwas getrunken.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist, wie groß das Saugbedürfnis Deines Baby überhaupt noch ist. Ist es nur noch gering, dann wird er ab jetzt einfach gar nicht mehr saugen, wenn Du ab sofort die Flaschen streichst. Dieses Risiko müsstest Du eingehen, falls Du Dich für eine Rückgewöhnug entscheidest; die Ausprägung des Saugbedürfnisses ist im 2. LHJ Glückssache und lässt sich nicht beeinflussen.
Dann hoffe ich auf ein Quentchen Glück. Ursprünglich war sein Saugbedürfnis eher hoch. Wie es jetzt ist kann ich schwer einschätzen.
Außerdem musst Du schauen, inwiefern eine Rückgewöhnung mit Deinem Alltag vereinbar ist: Wenn Du weiterhin viel unterwegs sein wirst, wird es schwierig. Denn den Weg zurück zum Stillen kann Dein Baby nur finden, wenn es auch reichlich Gelegenheit zum Stillen hat, also nur, wenn Ihr ZUSAMMEN seid, logo.
Da das Semester jetzt zu Ende ist, bin ich wieder zu Hause und arbeite an meiner Thesis von hier aus. Wenn ich unterwegs bin, geht er mit. Das ist also nicht sooo das Problem im Moment. Aber es war auch schon vorher so, dass ich ihm nach jeder Mahlzeit die Brust angeboten habe (sofern ich da war, aber meistens hatte er nur 3-4 Mahlzeiten/Woche ohne mich), aber er einfach immer weniger und zuletzt halt gar nicht mehr getrunken hat. Das wiederum war sehr in meinem Sinne, weil es a) einfacher war logistisch und b) ich durch das Stillen (?) immer mehr an Gewicht verloren habe, bis es kaum noch tolerabel war.
Was genau passiert, wenn Du ihn aufrecht (z.B. im Tragetuch) vor Dir trägst und ihm SO die Brust anbietest?

Dann beißt er, wenn er überhaupt rangeht, rein, und zwar herzhaft und trinkt dann auch nicht, wenn ich sie ihm trotz Schmerzen weiter lasse. Aber er scheint sich gar nicht wirklich dafür zu interessieren. Ich habe auch schon einfach auf dem Boden mit nackter Brust neben ihm gesessen beim Spielen oder so, interessiert ihn nicht. :?: Früher hätte er nicht schnell genug das T-Shirt wegbekommen können.
Meinst Du damit, dass er zwischen den Stillmahlzeiten "mind. 3 Stunden" schläft? Achtung: dies sagt NICHTS über die Milchmenge aus. Er isst reichlich Festes, bekommt Flaschen mit Milch usw., das heißt: sein Aufwachen wird vermutlich weniger von Hunger als vielmehr von den zahlreichen ANDEREN Gründen bestimmt sein, die kleine Kinder zum Aufwachen bringen. ;-) Das Schlafverhalten steuern Hirnchemie und Hormone, nicht der Magenfüllstand.
Ja, das weiß ich auch so. Ich meinte es eher andersrum: Wenn die Milch nicht reichen würde, würde er ja schon früher als z.B. nach 3 Stunden wieder wach werden, oder?

Daumen nimmt er übrigens nicht. Manchmal so für wenige Sekunden im Mund, wenn er müde wird. Das ist so sein "Zeichen", aber lutscht nicht dran. Manchmal saugt er im Bett an seinem "Püppchen". Er hat seinen Schnuller, aber nur im Bett zum Einschlafen. Nachts nach dem Stillen z.B. braucht er ihn nicht mehr.

:arrow: Also, wir haben also gestern abend die Flasche weggelassen. Schnuller haben wir versucht, aber das ging gar nicht. Mein Mann ist der Meinung, dass WENN wir uns diesen Stress mit der Rückgewöhnung antun, dann nur, wenn er seinen Schnuller behält. Das hält er sonst nicht aus. Allerdings sind wir beide auch nervlich durch mein Examen und Uni etc. ziemlich runter.
Er hat also aus dem Becher ca. 90ml getrunken (k.a. wie viel daneben lief, aber es ging) und kam dann ins Bett. Das Einschlafen war ein Drama mit viel "wieder auf den Arm nehmen" etc. Nach ca. 1 Stunde ist er dann tatsächlich an die Brust gegangen (hat ordentlich zugebissen) und ist dort nuckelnder Weise eingeschlafen. Heute Nacht hat er wie immer problemlos gestillt.

Also, wir müssen wohl stressbedingt einen Mittelweg fahren. Vielleicht gelingt es nochmal, vielleicht muss ich mich aber auch damit anfreunden, dass wir ihn aus Versehen abgestillt haben (Notiz im Hirn für 2. Kind...). Mein Mann ist eigentlich der Meinung, ich sollte den Dingen ihren Lauf lassen, ich hätte schließlich schon 9 Monate durchgehalten (und das war schon nicht leicht). Vielleicht hat er Recht...

Nochmal, vielen Dank für deine Hilfe, ich freue mich über weitere Ratschläge. Ohne euch wäre bestimmt schon Tausende Kinder versehentlich abgestillt...
J (*10/2011) und G (*6/2014)
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