Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

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purplediamond
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Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

Beitrag von purplediamond »

Mich würde mal interessieren, ob es hier a) noch andere Alleinerziehende gibt ( mit Sicherheit ) und b) Alleinerziehende wie mich gibt, wo das Kind NULL Kontakt mit seinem Vater hat, weil dieser es immer noch lieber abgetrieben als geboren sähe.

Ich habe immer noch Angst, wenn die ersten tiefergehenden Fragen kommen. Wie habt ihr euren Kindern die Situation erklärt?

Letztens fragte mich Jonael, ob er auch einen Vater habe, was ich bejahte (es hängt auch ein Foto in unserer Wohnung und ich versuche ihn zwischendurch positiv zu erwähnen). Dann wollte er wissen, wo der denn sei. Ich sagte, der wohnt in einer anderen Stadt. Thema fürs erste gegessen.
Letztens sagte er, als ich mit meinem Vater darüber sprach, was er von wem geerbt habe, aus dem Nichts heraus: "Ich mag meinen Papa nicht!" - dabei hat er ihn 2 Jahre lang nicht gesehen. Was kann das sein? Wie hätte ich darauf reagieren sollen? Ich war so sprachlos, dass ich einfach nichts gesagt habe, weil mir auch einfach nichts passendes eingefallen ist.

Mich würden mal eure Erfahrungen interessieren.

Danke schon mal im Voraus für Offenheit! :)
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EUaVBl
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Re: Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

Beitrag von EUaVBl »

Ja, hier. Alleinerziehend ohne Kontakt zum KV.
Die Fragen werden kommen. Ich denke, dass Offenheit da am besten hilft.
Dass er so auf seinen Vater schimpft, kann daran liegen, dass er begreift, dass der in den meisten Familien irgendwie dazugehört und seiner sich irgendwie verkrümelt hat. Und er macht sich sicherlich auch seine Gedanken, weshalb er ihn nicht kennt und weshalb er ihn nicht sehen will und ich kann mir auch gut vorstellen, dass er irgendwann auch empfindlich darauf reagieren wird, wenn er erwähnt wird oder man deinem Sohn sagt, er wäre ihm ähnlich.. wenn er so ablehnend reagiert, würde ich mit Verständnis darauf eingehen. "Du, das kann ich voll verstehen."
Wenn du merkst, dass er Redebedarf hat, dann such Bilder heraus, erzähl ihm was gutes über seinen Vater, vermittle ihm, dass er trotzdem absolut liebenswert ist, auch wenn sein Erzeuger ihn nicht sehen mag. Ich habe meinen Kindern gesagt, und hat sich sehr fest bei ihnen eingeprägt, dass der gar nicht weiss, was ihm da tolles entgeht.
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June
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Re: Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

Beitrag von June »

Ich bin auch AE. Wir sehen meinen Noch-Ehemann einmal pro Woche zum begleiteten Umgangstreffen für ca. 2-3h. Darüber hinaus ist er bei uns kein Thema. Irgendwann wird Sophia auch Fragen stellen und dann muss ich mir rechtzeitig überlegen, wie ich ihr antworte.
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purplediamond
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Re: Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

Beitrag von purplediamond »

@ June: Oh, begleitetes Umgangstreffen klingt auch nicht gut - warum das denn? Als Ehepaar hat man doch eigentlich gemeinsames Sorgerecht (wenn zu persönlich, natürlich nicht antworten).

@ Juhle: Bricht dir das nicht manchmal das Herz, dass die Situation ist? Sitze hier manchmal abends echt und heule, weil ich mir das so furchtbar vorstelle, zu erfahren, dass mein Vater mich so komplett ablehnt. Muss man das als Kind nicht immer irgendwie auf sich beziehen??
Natürlich haben die Kerle keine Ahnung, was ihnen entgeht, aber ich glaube, bei Jonis Papa wäre es echt so, dass es ihn auch null berühren würde, wenn er ihn sehen würde, auch jetzt, wo er ihm so ähnlich ist und ähnliche Dinge gut findet. Das tut mir schon im Vorhinein weh, dass ich weiß, dass Jonael sich vermutlich den Arsch abarbeiten wird, um von seinem Vater beachtet zu werden und dass es nichts bringen wird...

Finde AE sein so eigentlich echt ok (klar, gibt es manchmal Situationen, wo es schwer ist, aber die kommen in einer Elternschaft wohl auch als Paar immer wieder auf), aber dieser Punkt liegt mir echt schwer auf dem Magen...
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June
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Re: Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

Beitrag von June »

@ Purplediamond: Es gab Vorkommnisse bei uns, aufgrund derer ich einem unbegleiteten Umgang meines Mannes mit unserer Tochter widersprochen habe. Erst beim Jugendamt und dann bei Gericht. Die Richterin ist meinem Antrag gefolgt, mein Mann bekommt auf unbestimmte Zeit keinen unbegleiteten Umgang. Kurz gefasst: Mein Mann hat ein "spezielles" Verhältnis zu Alkohol. Gekoppelt mit einem gewissen Aggressionspotential, Depressionen und null Frustmanagement ist das keine gute Kombi.
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Re: Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

Beitrag von purplediamond »

@ June: Ja, da würde ich als Mama auch auf alle Barrikaden gehen und mein Kind versuchen zu schützen, so gut es geht.
Oh mann, tut mir gerade echt leid das zu lesen und ich kann mir vorstellen, dass du da auch manchmal über die Frage nachdenkst, wie du DAS später deiner Tochter beibringst.
Der Weg bist hierher war bestimmt auch alles andere als leicht...

Ich drück dir dir Daumen und wünsche dir viel Kraft!

Ganz liebe Grüße!
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June
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Re: Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

Beitrag von June »

Das ist echt lieb von Dir, danke! Ich frage mich durchaus schon jetzt, welche Informationen ich ihr wann geben kann und was zu viel für sie ist, wenn sie anfängt zu fragen. Den wahren Trennungsgrund will ich ihr nicht sagen, das geht definitiv zu weit für ein kleines Kind. Später, wenn sie das verstehen und werten kann, soll sie es aber durchaus wissen. Aber dann muss sie auch alt genug sein um zu begreifen, dass diese Dinge mir passiert sind und daher mein Verhältnis zu ihrem Vater schwer belastet ist. Aber das ist nicht ihr Päckchen. Ja, ist schwer, ich weiß nicht, wie das werden wird. Ich kann für mich nichts Positives mehr über diesen Menschen sagen. Aber ich will und kann ihn ihr gegenüber ja auch nicht schlechtreden... Kompliziert isses.
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Re: Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

Beitrag von EUaVBl »

Natürlich hätte ich gern einen lieben, engagierten und sorgenden Papa für die Jungs. Und natürlich hat mir das auch schon viele schlaflose Nächte beschert. :|
Aber es ist nunmal nicht so und vielleicht wird es die Kinder später schmerzen, auf jeden Fall wird es sie prägen, aber es wird sie auch zu ganz besonderen Menschen machen, nämlich zu denen, zu denen sie anders nicht geworden wären.. (okay, klingt philosophisch... ich meine damit das persönliche Päckchen, das jeder mit sich trägt und das die Persönlichkeit formt)

Bei uns war es so, dass ich mich anfangs auch sehr darum bemüht habe, ihm zu vermitteln, wie wichtig regelmäßiger Kontakt für die Kinder ist. Ich habe ihn quasi hierhergeprügelt und sehr viel Kraft investiert, damit die Kinder ihn kennenlernen und Zeit mit ihm verbringen können.
Er ist auch ein sehr wichtiger und bemerkenswerter Mensch für mich gewesen, sehr intelligent zudem, aber er ist zu sehr mit sich, seinem Selbstmitleid und seiner hohen Meinung von sich selbst beschäftigt, als dass da Platz wäre, für jemanden zuverlässig da zu sein.
Er hat sich mit seiner Einstellung zum Leben jede Menge Ärger eingehandelt und schon allein deshalb würde es sich lohnen, den Kontakt zu vermeiden. Aber Unzuverlässigkeit und Egoismus ist für Kinder wohl noch schlimmeres Gift. (und trotzdem habe ich versucht, ihn herzubewegen - bis ich den Kontakt irgendwann abgebrochen und verboten habe)

Es gab hier vor einer Weile eine ganz fürchterliche Krise beim Großen wegen seinem Vater, weil er nicht verstehen konnte, wieso der nicht da ist. Er hat es auf sich bezogen und wollte ihm schreiben, was er alles schon kann, damit er stolz und neugierig werden sollte auf seinen Sohn. :( Das tat schrecklich weh. Ich habe dem KV Briefe geschrieben, dass er sich doch bitte besinnen soll und seinen Jungs wenigstens das Gefühl geben soll, dass sie wichtig sind. Vielleicht wenigstens einen Brief schreiben, dass er so schwer beschäftigt ist, dass er sich nicht kümmern kann, und habe ihm angeboten, dass ich mich auch gern um den Rest kümmere, nur so viel Entgegenkommen brauchte ich dafür.
Er hat dem Großen dann einen Brief geschrieben, und ihm versprochen, bei der Einschulung dabei zu sein. Und mein Großer war für ein paar Momente der glücklichste Typ der Welt. Und der Tag der Einschulung kam und das Handy war aus. Und er kam nicht. Und mein Großer erwähnte ihn mit keinem Wort. Irgendwann sagte er dann, dass er sowieso nicht daran glaubt, dass der kommt. :cry: Seitdem hatte er ganz lange nicht mehr von ihm gesprochen und wurde nur zusehens unglücklicher. Ich habe dann mit ihm gesprochen und ihm viel von seinem Vater erzählt. Wo wir uns kennengelernt hatten und weshalb ich ihn so gern mochte und was er für besondere Fähigkeiten hat - und mein Großer hat sich immer damit verglichen, das Bedürfnis sich mit ihm zu identifizieren.. es hat ihm soooooo gut getan. Ich habe ihm auch erzählt, dass sein Vater aber auch sehr viel Unfug macht und nicht zuverlässig ist, weil er viel an sich selbst denkt und gar nicht gern an andere. Die große Erleichterung bei meinem Sohn war aber letzten Endes, wenn er auch sehr traurig war, dass sein Vater nicht speziell bei ihm so unzuverlässig ist sondern auch bei anderen Menschen seines Umfeldes.
Ich habe ihm erklärt, dass es eben solche und solche menschen gibt, so wie die Oma nicht nur immer mit mir herumzankt sondern mit allen Leuten, so ist sein Vater einfach allen Leuten gegenüber gleichermaßen unzuverlässig und egoistisch.
Das fand er seeeeehr tröstlich. Und ich habe ihm auch gesagt, dass ich sehe, dass er überlegt, ob vielleicht etwas mit ihm nicht stimmt, weshalb sein Vater nicht zu ihm kommt. Naja, jedenfalls... Gespräche darüber sind wichtig. Und dem Kind immer wieder mitteilen, dass es keine Schuld trägt. Gefühle ernstnehmen und den Papa so wenig wie möglich schlecht machen. Sondern neutral bis freundschaftlich abhandeln.
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Re: Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

Beitrag von ChaiLatte »

Ich denke, dass es wichtig ist nicht allzu negativ über den Vater zu sprechen. Auch wenn es schwerfällt. Kinder sind nunmal halb von Mama und halb von Papa und identifizieren sich stark über sie. Wenn Papa dann negativ beschrieben wird, beziehen sie das auf sich selbst.
Für Kinder ist es furchtbar, wenn der eigene Vater kein Interesse zeigt. Sie denken oft, dass es an ihnen liegt.
Eine Möglichkeit wäre den Kontakt zum Jugendamt aufzunehmen. Jedes Kind hat ein Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen und beide Elternteile sind zum Umgang mit dem Kind berechtigt und verpflichtet. Liegt eine Gefahr für das Kind vor (weil der Vater agressiv gegenüber dem Kind ist, alkohol-/drogenabhängig etc.) dann kann das Familiengericht einen begleiteten Umgang beschliessen, bei dem eine Fachkraft (meist Psychologen oder Sozialpädagogen) dabei sind um sicherzustellen, dass der Vater in der Umgangszeit nüchtern ist etc. Davor können die Etern einzelnd und dann gemeinsam in Gesprächen mit der Fachkraft ihre Wünsche und Ängste besprechen. Ist ja auch wichtig, dass die Mutter das Kind mit einem guten Gefühl in den Umgang schicken kann. Hat sie Bedenken, wird sie diese wahrscheinlich auf das Kind übertragen...
Vielleicht guckst du dich mal nach einer Beratungsstelle für Trennung und Umgangsregelungen um oder fragst beim Jugendamt nach? Erziehungsberatungsstellen sind da auch eine gute Anlaufstelle.
inselkind08
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Re: Alleinerziehend - Kontakt zum Vater?

Beitrag von inselkind08 »

Hier ist es auch so.. bin alleinerziehend und wir haben gar keinen Kontakt zum biologischen Vater und auch nicht mehr zu meinem Exmann... Mein Kleiner fragt bisher nie nach seinem Vater, was aber wahrscheinlich auch daran liegt, das mein Vater immer für ihn da ist (wir wohnen zusammen). Er erinnert sich gar nicht mehr an meinen Ex. Aber manchmal sagt er so Sachen wie ich will auch einen Papa haben, der soll sich um mich kümmern und für mich da sein. Das tut mir dann schon sehr weh.

Er lernt jetzt allerdings so langsam meinen Freund kennen und ich hoffe das der ihm eines Tages ein Papa-Ersatz sein kann, neben dem Opa.
Liebe Grüsse vom inselkind mit Sohn und 2 *

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