Natürlich hätte ich gern einen lieben, engagierten und sorgenden Papa für die Jungs. Und natürlich hat mir das auch schon viele schlaflose Nächte beschert.
Aber es ist nunmal nicht so und vielleicht wird es die Kinder später schmerzen, auf jeden Fall wird es sie prägen, aber es wird sie auch zu ganz besonderen Menschen machen, nämlich zu denen, zu denen sie anders nicht geworden wären.. (okay, klingt philosophisch... ich meine damit das persönliche Päckchen, das jeder mit sich trägt und das die Persönlichkeit formt)
Bei uns war es so, dass ich mich anfangs auch sehr darum bemüht habe, ihm zu vermitteln, wie wichtig regelmäßiger Kontakt für die Kinder ist. Ich habe ihn quasi hierhergeprügelt und sehr viel Kraft investiert, damit die Kinder ihn kennenlernen und Zeit mit ihm verbringen können.
Er ist auch ein sehr wichtiger und bemerkenswerter Mensch für mich gewesen, sehr intelligent zudem, aber er ist zu sehr mit sich, seinem Selbstmitleid und seiner hohen Meinung von sich selbst beschäftigt, als dass da Platz wäre, für jemanden zuverlässig da zu sein.
Er hat sich mit seiner Einstellung zum Leben jede Menge Ärger eingehandelt und schon allein deshalb würde es sich lohnen, den Kontakt zu vermeiden. Aber Unzuverlässigkeit und Egoismus ist für Kinder wohl noch schlimmeres Gift. (und trotzdem habe ich versucht, ihn herzubewegen - bis ich den Kontakt irgendwann abgebrochen und verboten habe)
Es gab hier vor einer Weile eine ganz fürchterliche Krise beim Großen wegen seinem Vater, weil er nicht verstehen konnte, wieso der nicht da ist. Er hat es auf sich bezogen und wollte ihm schreiben, was er alles schon kann, damit er stolz und neugierig werden sollte auf seinen Sohn.

Das tat schrecklich weh. Ich habe dem KV Briefe geschrieben, dass er sich doch bitte besinnen soll und seinen Jungs wenigstens das Gefühl geben soll, dass sie wichtig sind. Vielleicht wenigstens einen Brief schreiben, dass er so schwer beschäftigt ist, dass er sich nicht kümmern kann, und habe ihm angeboten, dass ich mich auch gern um den Rest kümmere, nur so viel Entgegenkommen brauchte ich dafür.
Er hat dem Großen dann einen Brief geschrieben, und ihm versprochen, bei der Einschulung dabei zu sein. Und mein Großer war für ein paar Momente der glücklichste Typ der Welt. Und der Tag der Einschulung kam und das Handy war aus. Und er kam nicht. Und mein Großer erwähnte ihn mit keinem Wort. Irgendwann sagte er dann, dass er sowieso nicht daran glaubt, dass der kommt.

Seitdem hatte er ganz lange nicht mehr von ihm gesprochen und wurde nur zusehens unglücklicher. Ich habe dann mit ihm gesprochen und ihm viel von seinem Vater erzählt. Wo wir uns kennengelernt hatten und weshalb ich ihn so gern mochte und was er für besondere Fähigkeiten hat - und mein Großer hat sich immer damit verglichen, das Bedürfnis sich mit ihm zu identifizieren.. es hat ihm soooooo gut getan. Ich habe ihm auch erzählt, dass sein Vater aber auch sehr viel Unfug macht und nicht zuverlässig ist, weil er viel an sich selbst denkt und gar nicht gern an andere. Die große Erleichterung bei meinem Sohn war aber letzten Endes, wenn er auch sehr traurig war, dass sein Vater nicht speziell bei ihm so unzuverlässig ist sondern auch bei anderen Menschen seines Umfeldes.
Ich habe ihm erklärt, dass es eben solche und solche menschen gibt, so wie die Oma nicht nur immer mit mir herumzankt sondern mit allen Leuten, so ist sein Vater einfach allen Leuten gegenüber gleichermaßen unzuverlässig und egoistisch.
Das fand er seeeeehr tröstlich. Und ich habe ihm auch gesagt, dass ich sehe, dass er überlegt, ob vielleicht etwas mit ihm nicht stimmt, weshalb sein Vater nicht zu ihm kommt. Naja, jedenfalls... Gespräche darüber sind wichtig. Und dem Kind immer wieder mitteilen, dass es keine Schuld trägt. Gefühle ernstnehmen und den Papa so wenig wie möglich schlecht machen. Sondern neutral bis freundschaftlich abhandeln.