Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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marscygale
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Re:

Beitrag von marscygale »

Olissa hat geschrieben:
Dafür hab ich meine Kinder dann immer wieder mal einen halben oder ganzen Tag aus dem System rausgnommen, was gar nicht gerne gesehen wurde.

Aber nach einem ganzen Tag Schule, und Schule heisst lernen, auch für 3-Jährige, sind sie halt gar nicht mehr aufnahmefähig für NICHTS. Die Grossen konnten dann deutsch entziffern in der Vorschule. Ab richtige Schule ging dann nichts mehr mit nebenbei deutsch lernen, weil Ganztagsschule und Hausaufgaben, da kann man sie nicht mal einfach so rausnehmen, ausser man unterrichtet komplett zu Hause. Dadurch haben sie dann auch nicht schreiben und Grammatik gelernt und das Leseniveau ist nicht so toll, halt auf dem Niveau geblieben, was wir in der Vorschule so nebenbei und sehr spielerisch gemacht haben.

.
Olissa, hab mal zwei Links für dich. Ist gut geschrieben und du und ich wissen, dass es genauso stimmt :roll: . (Arbeite übrigens in einer Maternelle Grande section und CP) Ich bin geschockt von diesem System. Inwieweit gibt es denn in anderen Ländern Vorschulen? Wie läuft es dort ab? Ich mach mir auch schon Gedanken, wie es ist, wenn ich Samy bei Hausaufgaben helfen muss. In welcher Sprache spreche ich denn dann??? Mathe mag ja gehen, aber alles andere?

Hier die links:
http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/arti ... 7957a7f1fe
http://www.zeit.de/2007/31/C-Ecole-maternelle?page=all
Grüsse
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Kinder achten mehr darauf, was die Eltern tun als was sie sagen. :D
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Olissa
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Olissa »

Hallo Marscygale,

ja den 1. Artikel kannte ich schon, den haben wir bei IDAFrance auch schon mal durchdiskutiert, sogar kontrovers. Es gab Teilnehmer , die das überspitzt fanden. Den 2. kannte ich nicht. Was so traurig ist, das ist für deutsches Publikum geschrieben und soll wohl so ein bisschen lustig sein, satirisch, aber es ist für mich einfach nur die nackte Wahrheit :( .

Wenn es dich tröstet, Japan muss angeblich noch schlimmer sein, jedenfalls nachdem, was die dort lebenden Deutschen erzählen! Auch dort werden formatierte Menschen herangebildet, indem sie mit einer unreflektierten Masse an Stoff oder ideologisch (mainstream) einwandfreien Informationen erschlagen werden, das selbstständige Denken nicht - oder verlernen, die kaum über den eigenen Teller schauen können, Vieles völlig kritiklos übernehmen, wenn Ihnen Kritikfähigkeit und Urteilskraft nicht noch bei der wenigen Freizeit, die ihnen bleibt, von zu Hause aus mitgegeben wird :( .
Ich finde persönlich Zahlen und Buchstaben lernen in der Vorschule nicht grundsätzlich schlecht, finde Manches am " Lernangebot" richtig positif. Bei Montessori wird auch so früh entsprechendes Material angeboten, aber altersgerechter und die Initiative geht vom Kind aus. Meine Kinder WOLLTEN alle solche Sachen in dem Alter machen, aber es kommt dann auf das "Wie" und die Dosis an. Und das ist eben in der Normalschule nicht so prickelnd.
Meine Tochter in der "grande section", 5 Jahre alt, sollte jetzt Nachhilfeunterricht bekommen, von 16h30 - 17h30 im direkten Anschluss an die normale "Unterrichtszeit" , 2x die Woche, wegen mangelnder Konzentrationsfähigkeit :shock: . Hi, hi, ich hab dankend abgelehnt!
Hausaufgaben machen wir meist auf deutsch oder mal Mischmasch, das war hier bisher noch nie ein Problem.
Was arbeitest Du in der Schule, bist Du Instit', ATSEM?
lg
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marscygale
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

AVS, begleite zwei "schwierige" Kinder in zwei Schulen. Naja, der kleinere ist halt in eine Schublade gesteckt und ich bin dafür da, ihn ruhig zu halten. Leider hab ich ganz andere Auffassungen davon, "was normal und unnormal ist" und die Maîtresse ist bis jetzt allzu begeistert von mir. Is mir wurscht. :lol:
Grüsse
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marscygale
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

also nochmal zu dem wie und was. Ich finds auch nicht schlimm, wnen Kinder schon vor der "richtigen" Schule ein paar Basiskenntnisse mitbekommen haben, aber man darf erstens nicht davon ausgehen, dass auch wirklich alle Kinder die gleichen Kenntnisse mitnehmen, denn in der CE1 wird genau auf dem aufgebaut. Einige Kinder sind eben noch nicht soweit. Das ist ja das Schlimme, alle werden über einen Kamm geschert und pullern gehen ist auch nicht erlaubt :shock: . An meinem zweiten Arbeitstag, hat die Maîtresse ein Spiel vorgeschlagen: Einkaufen/Kaufmannsladen. Eigentlich lieben Kinder ja solche Rollenspiele. Was macht die, alle Kinder sitzen natürlich auf ner Bank vor der Lehrerin/Tafel. dann verteilt sie 6 Karten mit den Zahlen ein bis sechs. Nimmt einen Topf mit Stiften/Pinseln und fragt dann ein Kind nach dem anderen (welches eine Karte hat), ihr die Menge Stifte zu "verkaufen"/geben, die auf der Karte steht. Dann zählt noch ein zweites Kind nach. Dann das nächste Kind mit Karte etc. Ich dacht ich spinn, und da sollen alle Kinder ruhig sitzen bleiben und zugucken. Ich hatte gedacht, wir stellen den ganzen Klassenraum um und bauen einen Supermarkt, also richtig mit Körbchen und Kasse und so.

Kennst das Lied von R. Mey:

Es gab nur Liebe und Versteh'n, gab nur Freiheit bislang,
Und nun droh'n Misserfolge und Versagen.
Der Wissensdurst versiegt unter Bevormundung und Zwang,
Die Gängelei erstickt die Lust am Fragen.
Die Schule macht sich kleine graue Kinder, blass und brav,
Die funktionier'n und nicht infragestellen,
Wer aufmuckt, wer da querdenkt, der ist schnell das schwarze Schaf.
Sie wollen Mitläufer, keine Rebellen,
Ja-Sager wollen sie, die sich stromlinienförmig ducken,
Die ihren Trott nicht stör'n durch unplanmäss'ge Phantasie,
Und keine Freigeister, die ihnen in die Karten gucken
Und die vielleicht schon ein Kapitel weiter sind als sie.


Ich merke, wir kommen vom Thema ab :lol: , aber ich überleg echt, eine eigene Einrichtung zu gründen, am liebsten was anmieten mit Garten oder so, aber das ist in Marseille Illusion. ich wünsche mir halt, das Samy sieht wie Tomaten wachsen und nicht zuerst lernt wie man Tomate schreibt.( und die kann er ja dann pflücken und meinetwegen auch zählen :lol: )
Grüsse
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marscygale
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

marscygale hat geschrieben:AVS, begleite zwei "schwierige" Kinder in zwei Schulen. Naja, der kleinere ist halt in eine Schublade gesteckt und ich bin dafür da, ihn ruhig zu halten. Leider hab ich ganz andere Auffassungen davon, "was normal und unnormal ist" und die Maîtresse ist bis jetzt allzu begeistert von mir. Is mir wurscht. :lol:
mit dem begeistert war in Anführungsstrichen gemeint.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Fahima »

Hallihallo,

ich möchte mich hier auch mal einklinken...
Wir erziehen unsere Tochter deutsch-arabisch, ich deutsch und mein Mann arabisch, wir leben in Ägypten; ich selber bin Halb-deutsch/Halb-ägyptisch. Bin selber aber ausschließlich deutschsprachig (in Dtld) erzogen worden, was ich sehr schade fand. Bei Ferienbesuchen in Ägypten hab ich mir immer so sehr gewünscht, auch arabisch sprechen zu können.
Seit 3 Jahren lebe ich hier nun schon, mein Arabisch ist inzwischen so gut geworden, dass ich mich gut unterhalten kann.
Es ist sehr interessant zu beobachten, wie unsere 2einhalbjährige Tochter schon die beiden Sprachen zuordnen kann. Z.B. kommt sie zu mir und sagt mir: "Mama, möchte Wasser trinken" und ich antworte "Geh mal zu Abi (=Papa), der gießt dir bestimmt was ein"; und dann geht sie zu ihrem Papa und sagt zu ihm dann auf arabisch, dass sie Wasser trinken möchte :-)
Um sie nicht zu verwirren, warum ein-und dasselbe Ding mal so und mal so heißt, haben wir dann manchmal z.B. gesagt, "Mama sagt Stuhl, und Abi sagt Kurssi", und es war nie ein Problem für sie, sie war auch nie verwirrt oder so...
Am Anfang dachte ich auch, dass die Menschen in unserer Umgebung sich ärgern oder ausgeschlossen fühlen, wenn sie nicht verstehen, was ich zu Huda sage. Aber inzwischen bewundern uns sehr viele und sind total fasziniert, dass Huda die beiden Sprachen differenzieren kann. Meine Schwiegermutter scheint inzwischen auch schon viel deutsch zu verstehen :-D ... Sie überrascht uns immer wieder, mein Mann und ich denken manchmal, sie hat heimlich Deutsch gelernt :-D
Auch die Sprachentwicklung an sich ist interessant; anfangs war das Deutsche das Überwiegende, inzwischen ist es glaube ich in etwa gleich, allerdings bevorzugt Huda es, mit ihrer Puppe auf arabisch zu reden.
Ach ja, mein Mann und ich sprechen MITeinander hauptsächlich auf arabisch, wobei wir schon manchmal ein Mischmasch reden, aber das scheint Hudas Sprachentwicklung überhaupt nicht zu beeinflussen.

So, das war's erstmal von uns!

Liebe Grüße aus Ägypten
Fahima mit Huda (09.03.2006)

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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Olissa »

Das ist bestimmt nicht leicht für Dich, ichh fühle mit!
Ich sehe das ganz genauso wie du Marscygale! Gibt es in Marseille keine alternative Schule? Wahrscheinlich zu teuer? Hier auf dem platten Land gibt es NICHTS, ich mach zu Hause ein bisschen Montessorimässig.
Ich versuch halt von zu Hause einfach gegen die Gleichmacherei zu steuern, was aber, wenn die Kinder grösser werden, schwieriger wird.
Auf der anderen Seite kommt eine gewisse Kritikfähigkeit auch ganz automatisch mit der Bikulturalität. Wenn die kids ein bisschen was vom anderen Land mitkriegen, wie Kinder aufwachsen , wie Schule ist im anderen Land, wenn sie die andere Sprache lesen können, Filme sehen, kriegen sie schon seeeeeeehr viel mit, sie nehmen nicht mehr einfach alles als gegeben und die absolute Wahrheit hin , so wie es in der Schule vielleicht vermittelt wird, auch die andere Lebensart, beinflusst, regt zum selber denken an, und die Kinder lassen sich durch den erweiterten Horizont nicht mehr einfach so in Schubladen stecken. Das sehe ich bei meinen Grossen ganz deutlich, obwohl sie jetzt in die Pubertät kommen bzw drin sind und da ist Mamas Gedöns , bio und/oder gesund essen, Helm auf beim Fahrradfahren ( macht hier ja sonst auch Keiner, warum ich?) und das ganze "Anderssein und " nicht mit der Masse laufen" einfach nur noch Sch*****, aber das wird sich auch wieder geben :)
Das Lied ist treffend, archiviere ich ! Der Reinhard ist doch in Frankreich fast noch bekannter als in D, scheint mir? Ob es das auch in Französisch gibt, muss mal suchen gehn! Der weiss wohl auch wovon er spricht!
lg
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von cora »

Toll ist ja schon ein Riesentread :) Deshalb hab ich nicht alle Antworten gelesen :oops:

Bei uns ist es so:
Ich spreche mit der kleinen Maus meist Schweizerdeutsch, manchmal auch englisch.
Mein Mann spricht englisch mit ihr.
Wenn wir alle zusammen sind sprechen wir englisch.

Mit Freunden und Familie beides, aber Schweizerdeutsch überwiegt da.

Bin schon sehr gespannt wie sie mal sprechen wird, hoffe sie wird beide Sprachen gut beherrschen.
Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar. Antoine de St. Exupéry

Corinne 09/80 mit Tragemaus Céline 29.06.08

Céline ist im Geburtshaus geboren,wird gestillt, getragen, stoffgewickelt, ist geimpft und schläft meist im Mamabett. Wir leben ohne Fleisch und ohne Fernseher.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

Toll wenn Ihr untereinander Englisch sprecht. Denn (ihr lebt doch in der Schweiz, oder?) das Schweizerdeutsch lernt sie von ganz allein durch Kindergarten, Umfeld, Krippe. Wir haben in unserer deutschen Krabbelgruppe hier auch eine Mama aus der Schweiz und ich versteh nicht alles, wenn sie mit ihren Kindern spricht, aber es hört sich sehr süss an :wink: .
Grüsse
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

Olissa hat geschrieben:Ob es das auch in Französisch gibt, muss mal suchen gehn! Der weiss wohl auch wovon er spricht!
lg
Schreibts du mir, falls es das wirklich in französisch gibt? In der privaten Schule, wo ich einen Jungen in der CP begleite sind die Maîtresses sehr offen und stimmen teilweise meinen Ansichten zu. oft höre ich auch hier, dass die Deutschen und Skandinavier, was das Schulsystemn betrifft den Franzosen weit voraus sind.
Zu deiner Frage, ob es hier Alternativen gibt. In Marseille gibt eine Freinet-Schule, die keine Vorschule anbietet und ausserdem eine Stunde Fahrtweg bedeuten würde. Eine andere befindet sich am Stadtrand und wäre erstens zu weit weg, bei dem Berufsverkehr, will ich das Samy und uns auch nicht zumuten, und zweitens nehmen die nur Schüler aus dem Quartier auf, ausser man drängt drauf.
Eine Bekannte hat ein Projekt und das soll nâchstes Jahr September auf sicheren Beinen stehen, einen Montessori-Kiga aufzumachen, aber ob das klappt steht in den Sternen.
Grüsse
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