Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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Larala
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Larala »

neara hat geschrieben: 21.07.2024, 20:56 Fand ich auch spannend (auch die Vorstellung, wie selbstverständlich dort Kinder mehrsprachig aufwachsen).
In Indien und in vielen afrikanischen Laendern ist Mehrsprachigkeit tatsaechlich selbstverstaendlich. Ich habe den Eindruck, dass sich die verschiedenen Sprachen dann komplementaer ergaenzen. Also gewisse Themen, Situationen, Ausdruecke finden in der einen Sprache statt, andere Themen, Situationen und Ausdruecke dann in einer anderen.

Bei mir persoenlich merke ich, dass ich bestimmte Dinge nur oder zumindest deutlich besser auf Niederlaendisch besprechen kann als auf Deutsch. Obwohl Deutsch meine Muttersprache ist. Ich bin faktisch dreisprachig: Ich denke und spreche jeden Tag in allen drei Sprachen (D, NL und Englisch). Mein Deutsch ist schlechter geworden, seit ich hier wohne, aber dafuer habe ich die anderen Sprachen dazu gewonnen. Die Sprachen ergaenzen sich gegenseitig. Fuer mich sind NL und E aber Zweitsprachen, also in der Pubertaet bzw. im Erwachsenenalter erworben, nicht als Kind.
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Brombeere153
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Brombeere153 »

Es gibt soviele Faktoren die abseits der der Theorie eine Rolle spielen.
Eine Sprache auf muttersprachlichem Niveau muss sein, aber auch alles weitere ist doch ein Geschenk. Und die Kinder.haben zumindest eine Basis um irgendwann aktiv darauf aufzubauen.

Wir haben auch das Problem das die Papa-Sprache untergeht. Die Oma-Sprache / Papas 2. Sprache eh.
Aber weder der Papa noch die Oma engagieren sich sonderlich. Die Kinder sind in der Oma-Sprache im herkunftssprachlichen Unterricht. Die große hat sich ein Jahr gesträubt und jetzt geht sie freiwillig hin (ich hatte ihr freigestellt aufzuhören weil der Papa sich nicht engagiert). Die kleine fängt im August an und ist wesentlich weniger kooperationsbereit als die Große. Ich bin gespannt wie es wird und rechne damit das beide Weihnachten aussteigen :-) Aber ICH kann in der Sprache nicht helfen. Da muss der Papa ran. Und wenn er es nicht tut ist das nicht mein Problem.

Ich glaube wenn die Eltern am Ball bleiben und viel und hochwertig mit den Kindern reden, sich beschäftigen etc. Dann ist ein benefit da, selbst wenn er nur passiver Natur sein sollte.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von neara »

Larala hat geschrieben: 22.07.2024, 18:35 In Indien und in vielen afrikanischen Laendern ist Mehrsprachigkeit tatsaechlich selbstverstaendlich. Ich habe den Eindruck, dass sich die verschiedenen Sprachen dann komplementaer ergaenzen. Also gewisse Themen, Situationen, Ausdruecke finden in der einen Sprache statt, andere Themen, Situationen und Ausdruecke dann in einer anderen.
Ich habe vor Kurzem Google befragt und die Mehrheit der Menschen weltweit scheint zwei- oder mehrsprachig zu leben. Es überrascht mich nicht und lässt mich gleichzeitig doch irgendwie staunen. Dass es in manchen Teilen der Welt so selbstverständlich ist und hier immer noch oft misstrauisch geschaut wird. Bei der Familie aus Indien zB war die Muttersprache nicht mal aus der indoeuropäischen Sprachfamilie. Also vollkommen unterschiedlich, die Schrift natürlich auch. Ich staune aber auch über die Leichtigkeit, mit der sich der Große (im Moment zumindest) in den Sprachen bewegt.
Larala hat geschrieben: 22.07.2024, 18:35 Bei mir persoenlich merke ich, dass ich bestimmte Dinge nur oder zumindest deutlich besser auf Niederlaendisch besprechen kann als auf Deutsch. Obwohl Deutsch meine Muttersprache ist. Ich bin faktisch dreisprachig: Ich denke und spreche jeden Tag in allen drei Sprachen (D, NL und Englisch). Mein Deutsch ist schlechter geworden, seit ich hier wohne, aber dafuer habe ich die anderen Sprachen dazu gewonnen. Die Sprachen ergaenzen sich gegenseitig. Fuer mich sind NL und E aber Zweitsprachen, also in der Pubertaet bzw. im Erwachsenenalter erworben, nicht als Kind.
Es klingt bei dir ähnlich wie bei mir. Ich spreche (und denke) auch in D, EN und der Muttersprache jeden Tag. Mittlerweile habe ich keine Probleme mehr, schnell unter allen drei zu wechseln. Die Dreisprachigkeit fühlt sich natürlich an ich habe wirklich Freude daran. Je nach Lebensbereich hat aber auch jede Sprache ihren eigenen Raum und in der Muttersprache fällt mir es mir oft schwer über Dinge zu sprechen, die ich in einer anderen Sprache gelebt habe. D und EN sind Fremdsprachen ab der Schule, aktiver spreche ich beide seit ca. 10 Jahren.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von CIJUNOAR »

Ich hatte vor langer Zeit schon einmal hier geschrieben, dass unser jüngster Sohn zwar alles in der zweiten Sprache versteht aber nach wie vor dann auf deutsch antwortet. Mittlerweile habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass er die Sprache irgendwann auch spricht. Er versteht alles perfekt aber kann selbst maximal 4-5 Wörter sprechen. Gibt es hier noch andere Kinder, die wirklich erst ganz viel später angefangen haben, die Zweitsprache aktiv zu nutzen und zu sprechen? Die Sprache ist jeden Tag sehr präsent. Er hört sie Zuhause und schaut (wenn auch selten) auch mal irgendwelche Folgen in dieser Sprache.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Lösche Benutzer 7240 »

Das kann noch kommen. K3 hat dieses Jahr das erste Mal beim Familientreffen nennenswert in der Vatersprache gesprochen, dafür aber direkt wirklich viel.
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Brombeere153
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Brombeere153 »

Meine kleine verweigert die Papasprache auch und spricht nur 1-3 Wortsätze mit der Oma.

Auf deutsch quasselt sie ohne Punkt und Komma.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von MM85i »

Mein Mann hat in der Zweitsprache aktiv erst mit 16 gesprochen. Sonst immer auf Deutsch geantwortet.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Lösche Benutzer 24994 »

Mein Mann weigert sich öfter die Kinder auf Deutsch zu verstehen, er hilft beim formulieren, wenn sie nicht wissen, wie sie es sagen sollen. Das hilft recht viel.


Der mittlere hatte den Durchbruch aber bei einem zweiwöchigen Aufenthalt bei der Verwandtschaft
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von delfinstern »

Ich frag mal hier:
Ich bin einige Stunden pro Woche (4-6h) in einer Kita. Dort gibt es viele Kinder, die kein Deutsch können, teilweise erst seit einigen Wochen oder wenige Monate in Deutschland sind. Momentan ist es glaube ich für beide Seiten doof, die Kinder verstehen mich nicht und ich sie nicht (2-4 osteuropäische Sprachen, die ich nicht kann). Unglücklich finde ich, dass alle Erzieherinnen der Gruppe kein Deutsch als Muttersprache haben und entsprechend fehlerhaft sprechen.
Nach ungefähr wie vielen Wochen /Monaten verstehen Kinder Deutsch? Und wie kann ich die Kommunikation so gestalten, dass es verständlicher für Kinder und mich ist? Ich würde die Knirpse ja gern verstehen 🙈
Liebe Grüße
Delfin*
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Lösche Benutzer 24994 »

Wann die Kinder sprechen und verstehen, ist sehr unterschiedlich. Das kann nach ein paar Wochen sein oder auch nach über einem Jahr noch schwierig.

Einfache Sprache ist wichtig und untermalen mit Gestik und Mimik hilft natürlich auch. Viel Singen und Bücher anschauen sind auch super.

Hier wird oft die Kikus Methode verwendet. Ich kenne die Inhalte nicht genau, weiß nur, dass einige Eltern sie sehr gut finden
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