Ständiges Abdocken

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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blueberry
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Re: Ständiges Abdocken

Beitrag von blueberry »

Nein, keine Sorge, ich gehe nicht davon aus, dass Du Dein Baby mit seinen Bedürfnissen nicht ernst nimmst! (Und Frust, weil man trotz allem, was man versucht, nicht helfen kann, wenn so ein kleines hilfloses Wesen verzweifelt weint, den kennt wohl jede Mama immer wieder einmal :( ).

Ich wollte nur sicher gehen, was hinter der häufigen Verwendung des Ausdruckes "sie macht Theater" in Deinem Thread steckt. Ich kenne Dich ja nicht und kann Dich die Dinge auch nicht sagen hören, sondern es nur lesen, was oft ein sehr breites Interpretaionsspektrum offen lässt :wink: .
Manchmal meinen wir es auch ursprünglich gar nicht so und dennoch leiten uns solche unbedacht verwendeten Worte dann in die Irre und prägen letztlich unsere Wahrnehmung der Situation stärker, als wir vermuten (Sprache ist sehr mächtig). Und da der Ausdruck "Theater machen" bei vielen Menschen einen Beiklang von "der oder die stellt sich nur an / spielt nur was vor - hat aber gar kein wirkliches Problem und sollte sich darum mal bald wieder von selbst einkriegen" hat (was ja alles nicht danach klingt, als ob da jemand wirklich Hilfe bräuchte), wollte ich die obigen Gedanken kurz angemerkt haben. Wirklich nur zur Sicherheit, ganz ohne Unterstellung 8)

Alles Gute weiterhin beim Ausprobieren und ja, berichte dann gern hier :) .
LG, blueberry
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
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Nane85
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Re: Ständiges Abdocken

Beitrag von Nane85 »

Mir fiel wohl einfach kein passendes Wort für dieses Verhalten ein. Ich kenne das von anderen auch nicht, da trinken die Kinder einfach zügig, docken ab und nehmen dann aber auch die Brust nicht mehr.

Habe heute noch zweimal im Bett gestillt und dort klappt es wirklich besser. Ich werde das jetzt mal ein paar Tage so beibehalten. Allerdings ist mir aufgefallen, dass sie das am Ende einer Stillmahlzeit immer noch macht. Sie dockt also ab und fängt sofort wieder an, hektisch zu suchen. Soll ich dann trotzdem davon ausgehen, dass sie satt ist? Bisher biete ich ihr die Brust dann immer wieder an und sie nimmt sie auch. Das verunsichert mich, weil ich immer denke, wenn sie wirklich satt wäre, würde sie die Brust gar nicht mehr nehmen.

Vielleicht will sie auch nur nuckeln und findet es doof, dass Milch kommt? Wie lang dauert es denn so, bis die Babys lernen, wie sie nuckeln müssen, damit keine Milch kommt?
Nane85 mit den Mädels (02/13 & 06/15 & 06/19)
EhMibima

Re: Ständiges Abdocken

Beitrag von EhMibima »

Zu deiner letzten Frage kann ich dir nicht so viel sagen. Wenn sie nur nuckeln wollte würde sie sich vielleicht mit Tragen auch beruhigen lassen?!

Nur noch zum Abhalten: wir mussten das auch erst üben und man muß schon etwas warten. Am leichtesten geht es wenn du dich hinsetzt und eine kleine Schüssel drunter hältst. Manche Babys pullern auch nur direkt beim Trinken und werden parallel gestillt.
Falls du nicht abhalten magst kannst du sie ja auch etwas herumtragen und es danach nochmal mit Anlegen versuchen. Vielleicht klappt es dann?
Alles Gute euch und hoffentlich habt ihr bald Ruhe :)
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blueberry
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Re: Ständiges Abdocken

Beitrag von blueberry »

Nane85 hat geschrieben:Vielleicht will sie auch nur nuckeln und findet es doof, dass Milch kommt? Wie lang dauert es denn so, bis die Babys lernen, wie sie nuckeln müssen, damit keine Milch kommt?
Das ist durchaus denkbar, da Beruhigungssaugen an der Brust ein anderes Saugmuster erfordert als das neuerliche Auslösen eines Milchspendereflexes. Es dauert unterschiedlich lang, bis Babys das herausgefunden haben. Solange man diesen Lernprozess nicht mit künstlichen Saugern stört, wird Dein Kind das aber bald gelernt haben. (Genaue Zeitdauer aber nicht vorhersagbar :wink: ).
Nane85 hat geschrieben:dass sie das am Ende einer Stillmahlzeit immer noch macht. Sie dockt also ab und fängt sofort wieder an, hektisch zu suchen. Soll ich dann trotzdem davon ausgehen, dass sie satt ist? Bisher biete ich ihr die Brust dann immer wieder an und sie nimmt sie auch. Das verunsichert mich, weil ich immer denke, wenn sie wirklich satt wäre, würde sie die Brust gar nicht mehr nehmen.
Solange sich Eure Mahlzeiten so nicht über den ganzen Tag hinziehen und stundenlang dauern, sondern es tatsächlich irgendwann den Punkt gibt, an dem sie nicht mehr an die Brust geht, würde ich auch sagen: solange sie wieder an die Brust geht, mag sie wohl noch stillen - ob nun aus Hunger oder zum Stillen des Saugbedürfnisses, zum Trost oder warum auch immer. Als Grund für das Abdocken wäre denkbar, dass sie vielleicht die Seite wechseln möchte. Dockst Du sie dann immer wieder an der gleichen Brust an oder versuchst Du die andere Seite, wenn sie zum ersten Mal loslässt? Durch Seitenwechseln können Kinder ja gezielt verschiedenes erreichen: durch Wechselstillen die Milchproduktion insgesamt ankurbeln, oder vielleicht hat Dein Kind mehr Durst als Hunger und mag ab einem gewissen Punkt nicht mehr die mit jedem MSR immer fettreicher werdende Milch der ersten Brust trinken sondern lieber auf die andere Seite wechseln...
Nane85 hat geschrieben:Ich kenne das von anderen auch nicht, da trinken die Kinder einfach zügig, docken ab und nehmen dann aber auch die Brust nicht mehr.

Das Stillverhalten von Babys ist individuell sehr unterschiedlich (und kann sich auch je nach Tageszeit, Situation, Alter, Stimmungslage, ... wiederum verändern). Es gibt die zügigen, effektiven Stillbabys genauso wie die kleinen Träumer, die Hektischen, die Genusstrinker, ... das sagt noch nichts aus. Wichtig ist in erster Linie, dass Deine Tochter dennoch an genügend Milch kommt. Das kannst Du im Zweifelsfall mit den Kriterien guten Gedeihens aus unserer Linksammlung überprüfen, aber da hattest Du ja auch keine Sorge.
Nane85 hat geschrieben:Habe heute noch zweimal im Bett gestillt und dort klappt es wirklich besser. Ich werde das jetzt mal ein paar Tage so beibehalten.
Das klingt jedenfalls erstmal recht ermutigend und ich wünsche Dir weiterhin alles Gute!

LG, blueberry
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Nane85
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Re: Ständiges Abdocken

Beitrag von Nane85 »

So, leider gibt es immer noch keine wirkliche Veränderung. Nachts trinkt sie super, dockt ab und schläft. Tagsüber ist es weiterhin mehr Krampf als eine schöne Stillbeziehung. Ich habe auch ehrlich gesagt Angst, dass sie so viel zu wenig Milch abbekommt. Wenn sie immer nur ein paar Schlucke nimmt, dann abdockt und nach jedem erneuten Andocken dann auch nur noch einmal kurz nuckelt, kann das doch nicht reichen. :cry:
blueberry hat geschrieben: Solange sich Eure Mahlzeiten so nicht über den ganzen Tag hinziehen und stundenlang dauern, sondern es tatsächlich irgendwann den Punkt gibt, an dem sie nicht mehr an die Brust geht, würde ich auch sagen: solange sie wieder an die Brust geht, mag sie wohl noch stillen - ob nun aus Hunger oder zum Stillen des Saugbedürfnisses, zum Trost oder warum auch immer.
Irgendwann kommt der Punkt wo sie beim Andocken richtig motzt/weint. Und dann nehme ich sie weg. Oder sie fängt irgendwann an zu spucken, dann denke ich mir auch, dass sie wohl voll ist. Aber dass sie abdockt und dann gar nicht mehr an die Brust geht, das kenne ich nicht.

Mein Mann schafft es häufig, sie mit seinem kleinen Finger im Mund zu beruhigen und zum Einschlafen zu bringen. Da denke ich, eigentlich sollte sie ihr Saugbedürfnis ja an der Brust befriedigen. Aber offenbar zieht sie den Finger vor - oder lernt einfach nicht, wie sie "nur" nuckeln kann.
Nane85 mit den Mädels (02/13 & 06/15 & 06/19)
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blueberry
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Re: Ständiges Abdocken

Beitrag von blueberry »

Hallo Nane85,

es tut mir leid, dass sich Euer Stillstress so gar nicht zu legen scheint. Ich kann verstehen, dass das sehr zermürbend für Dich ist.
Nane85 hat geschrieben:Nachts trinkt sie super, dockt ab und schläft.
Das ist schonmal gut. Wie oft trinkt sie denn nachts? Und ist es weiterhin so, dass es tagsüber im ruhigen Schlafzimmer besser klappt? Wenn ja, solltest Du das so oft wie möglich nutzen.

Könnte es noch irgendwelche anderen Dinge geben, die tagsüber anders sind als nachts? Vielleicht benutzt Du seit einer Woche ein Deo, dessen Geruch Dein Baby nicht mag (und nachts hast Du das z.B. abgewaschen) o.ä.?

Manchmal können auch Hektik, Unruhe, Stress im Alltag der Mutter tagsüber zu einem etwas verzögerten MSR führen, so dass das Baby ungeduldig wird. Dann wäre der Ansatzpunkt evtl: Wie kann das Stillen tagsüber für Dich als Mama genauso entspannt gestaltet werden wie nachts? Bzw: wie kannst Du Dir abgesehen vom Stillen Entlastung und Entspannung im Alltag schaffen und Hektik und Stress (etwa durch Haushaltspflichten, Besucher, auswärtige Termine...) reduzieren? Auch ein Baby kann durch zu viel Unruhe im Alltag schlicht unruhig und ablenkbar sein.
Nane85 hat geschrieben:Tagsüber ist es weiterhin mehr Krampf als eine schöne Stillbeziehung. Ich habe auch ehrlich gesagt Angst, dass sie so viel zu wenig Milch abbekommt. Wenn sie immer nur ein paar Schlucke nimmt, dann abdockt und nach jedem erneuten Andocken dann auch nur noch einmal kurz nuckelt, kann das doch nicht reichen. :cry:
Wie ich vor vier Tagen schon schrieb:
blueberry hat geschrieben:Wichtig ist in erster Linie, dass Deine Tochter dennoch an genügend Milch kommt. Das kannst Du im Zweifelsfall mit den Kriterien guten Gedeihens aus unserer Linksammlung überprüfen ... .
Hier nochmal der konkrete Link: Allgemeine Informationen zum Thema Gedeihen
Hat sie z.B. genügend Pipi-Windeln am Tag?

Wenn Du begründete Sorge hast, dass Dein Baby nicht genügend Milch bekommt mit seinem derzeitigen Stillverhalten, das ganze also in Richtung "Stillstreik" geht, muss unbedingt geschaut werden, dass Dein Baby (wenn es derzeit eben Probleme mit dem Trinken an der Brust hat) anderweitig genügend Milch bekommt. Dazu sollte in Eurer Situation (angesichts des zarten Alters Deines Kindes und der bislang schon auftretenden Andock-Probleme) kein Fläschchen genutzt werden. Hier findest Du stillfreundliche Zufüttermethoden. Vielleicht käme z.B. das Bechern für Euch infrage, da es sich ja nur um einen vorrübergehenden Zustand handeln wird (Stillstreiks sind normalerweise nach zwei Tagen bis zwei Wochen wieder ausgestanden). Zugefüttert werden könnte in erster Linie abgepumpte oder per Hand gewonnene Muttermilch. (Sonst Pre-Nahrung).

Es wäre gut, wenn ich noch mehr Informationen zu Eurer Stillbeziehung hätte. Schau mal in diesen Thread: Wie funktioniert Stillberatung hier im SuT?

Wichtig wäre mir hier vor allem, dass Du mir nochmal schreibst, wie Euer Stilltag und die einzelnen Mahlzeiten (auch zeitlich/von der Länge her) ausschauen und ob Dein Kind (wenn es denn saugt) gut angedockt ist.

Und zweitens: Kommen oder kamen bei Deinem Baby künstliche Sauger zum Einsatz?
Nane85 hat geschrieben:Mein Mann schafft es häufig, sie mit seinem kleinen Finger im Mund zu beruhigen und zum Einschlafen zu bringen. Da denke ich, eigentlich sollte sie ihr Saugbedürfnis ja an der Brust befriedigen. Aber offenbar zieht sie den Finger vor - oder lernt einfach nicht, wie sie "nur" nuckeln kann.
Das siehst Du durchaus richtig! Dein Baby ist noch sehr jung, ihr habt derzeit Stillprobleme und Du befürchtest, dass Dein Baby nicht genügend Milch erhält. In einer solchen Situation ist der Einsatz des Fingers als "Sauger" ganz ähnlich zu bewerten wie ein Schnuller: Dein Baby sollte zum einen seinen Hunger nicht "wegschnullern" am Finger, zum anderen kann bei einigen Kindern Nuckeln am Schnuller/Finger zu einer Saugverwirrung führen.

(Und, klar: da es am Finger egal ist, wie man nuckelt (es kommt ja nie Milch raus), kann es dem Erlernen des "Beruhigungsnuckelns" an der Brust im Wege stehen - sollte hier ein Teil des Problems bei Euch liegen).

Wir schauen jetzt erstmal, dass Dein Kind genügend Milch bekommt, und dann schauen wir, wie wir wieder mehr Ruhe in Eure Stillbeziehung bringen können. Ich freue mich auf Deine Rückmeldung.

LG, blueberry
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
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