Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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marscygale
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Beitrag von marscygale »

Samy hat nach unserem 2-wöchigen Urlaub mit franz. Oma/Opa+Cousine einen mächtigen Sprung im Französischen gemacht. Das fand ich zwischenzeitlich beängstigend, da ich auf einmal dachte, Mist jetzt kommt meine Sprache zu kurz. Er hört mich dann halt auch oft in französisch sprechen und wiederholt sogar was er von mir hört. Das stört mich dann. Geht es euch auch manchmal so?
Grüsse
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Kinder achten mehr darauf, was die Eltern tun als was sie sagen. :D
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adriafisch
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Beitrag von adriafisch »

marscygale, ich kann dich schon verstehen. Zuerst haben meine Kinder angefangen nur kroatische Wörter zu sprechen, und ich habe gedacht, dass sie niiieee deutsch reden. Danach hat sich das aber wieder gegeben.

Ich denke, dass sind immer so Phasen. Wenn ihr in D seid, wird Samy wieder mehr deutsch reden.

Ich finde ganz wichtig, dass das Kind die nicht-Landessprache versteht! Ich habe mir einfach gesagt, dass ich damit leben muss, dass meine Kinder vielleicht nicht deutsch reden werden. (Obwohl sie reden deutsch :wink: ) Wichtiger ist leider, dass das Kind die Landessprache gut spricht und in der Schule keine Probleme hat.

Manchmal tut das ein bischen weh, weil man nicht nur die "Heimat" aufgegeben hat, sondern auch die Muttersprache.

Ich hoffe, du verstehst wie ich das meine.

So wie ich aber mitgekriegt habe, gibt es hier niemanden mit grösseren 2-sprachigen Kindern???
Ich überlege namlich, ab wann bringt man lesen und schreiben in der nicht-Landesprache bei?
Hat da jemand Erfahrung oder mache ich mir Illusionen, dass meine Kinder das nicht lernen könnten?
GwAMg

Beitrag von GwAMg »

Adriafisch, in Kroatien sind Fremdsprachenschulen doch sehr populär. De bieten auch Deutschkurse an. Wär das nix für euch?
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marscygale
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Beitrag von marscygale »

Adriafisch, das stimmt, das hast du gut geschrieben. Meine Muttersprache ist halt das was ich ihm persönlich von mir mitgeben möchte. Ich treffe mich ja hier regelmässig mit deutschen Mamas und eine hat auch schon einen grösseren Sohn (6J.). Leider ist sie bei ihm immer zwischen den Sprachen hin-und hergesprungen. Heute spricht er überhaupt kein deutsch, er weigert sich richtig und guckt böse, wenn man auf deutsch mit ihm spricht, er versteht aber alles. Das fand ich nicht so toll. Ich möchte Samy vermitteln, dass Sprache (im Grunde egal welche) Spass macht, ich liebe Reime, Lieder, Wortspiele und erkläre und "male" gerne Bilder mit Worten. Ich wünsche mir eben, dass Samy an Worten und Sprache ebenso seinen Spass hat (und bis jetzt scheint es auch gut zu klappen).
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marscygale
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Beitrag von marscygale »

Ich hätte eine andere Frage. Im November werden wir vielleicht für 3/4 Wochen nach Deutschland kommen. Ich würde gerne, dass Samy dann für zwei bis drei Stunden (vormittag) dort in einen Kindergarten geht. Ist sowas möglich? Also meine Eltern wohnen in einer Stadt wo es keinen Kindergartenplatzmangel gibt. Samy geht hier ab September für zwei halbe Tage in eine Einrichtung.
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Hauptstadtkind
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Beitrag von Hauptstadtkind »

Glaub ich nicht, weil ja kein begründeter Bedarf besteht. Aber wie wärs mit ner Spielgruppe oder so?
mit Großkind (7) und Kleinkind (3)

Es kommt nicht darauf an, wo jemand steht. Wichtiger ist, in welche Richtung er blickt. (Terry Pratchett)
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Olissa
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Beitrag von Olissa »

Hallo,

[quote]Ich hätte eine andere Frage. Im November werden wir vielleicht für 3/4 Wochen nach Deutschland kommen. Ich würde gerne, dass Samy dann für zwei bis drei Stunden (vormittag) dort in einen Kindergarten geht. Ist sowas möglich? Also meine Eltern wohnen in einer Stadt wo es keinen Kindergartenplatzmangel gibt. [/quote]

also bei uns ging das nicht, wegen Versicherung oder sowas. Ich hatte alle Kindergärten, private und öffentliche, in 15 km Umfeld bei meinen Eltern angerufen :cry: .

Bei den Sprachmäusen sind ganz viel Eltern, die das gemacht haben oder machen, kommt wohl auf die Gegebenheiten vor Ort an, ob das klappt.
Mein Grosser war mal ein paar Tage in D in der Grundschule im 1. Schuljahr :)
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Olissa
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Beitrag von Olissa »

[quote] So wie ich aber mitgekriegt habe, gibt es hier niemanden mit grösseren 2-sprachigen Kindern???
Ich überlege namlich, ab wann bringt man lesen und schreiben in der nicht-Landesprache bei?
Hat da jemand Erfahrung oder mache ich mir Illusionen, dass meine Kinder das nicht lernen könnten?[/quote]

Naja , wenn fast 12 und grade 9 geworden als grösser gilt, kann ich das bieten :lol:

Also wie schon gesagt, ich hab das Ganze ziemlich strukturiert von Anfang an. ZIemlich konsequent OPOL, zu hause nur Bücher, Videos usw auf deutsch, die Grossen waren ca 2-4x im Jahr in Deutschland, dort auch mal in der Schule, Mutter-Kind-Kur usw.

Mein Grosser hatte "Sprachverzögerung", konnte mit 3 nur Mama und Papa sagen, sonst erst mal Nichts. War natürlich fürs Umfeld die Zweisprachigkeit dran schuld, ich musste zur Schuldirektorin, Kind wurde von Pontius zu Pilatus geschickt, mir wurde Druck gemacht, usw usw....

Daraufhin hab ich mich informiert, hatte Gott sei Dank grade Internet bekommen und die » richtigen » Adressen, Buchtips und Lektüre gefunden.

Alles gelesen, was es über das Thema gibt, Foren und mailinglisten abonniert und sehr aktiv dran beteiligt, weil ich den grundsätzlichen hohen (und wie ich heute weiss, sehr ,bzw sogar zu hohen) Anspruch hatte, dass meine Kinder ihre Muttersprache vollkommen verstehen, möglichst fliessend sprechen, und lesen und schreiben können sollen :D .Ganz schön viel, nicht? Habe auch inzwischen Abstriche machen müssen.

Mein Grosser hat seine Sprachverzögerung schnell aufgeholt.
Wir haben dann in der Vorschule, vorletztes und letztes Jahr, parallel zum dortigen Programm ( das komplette Alphabet, seinen Namen schreiben können und Verschiedenes mehr wird einfach vorausgesetzt), deutsche Anlauttabelle und Lesespielchen im Internet CD-ROms und Bücher gespielt. Dafür hab ich meine Kinder dann immer wieder mal einen halben oder ganzen Tag aus dem System rausgnommen, was gar nicht gerne gesehen wurde.

Aber nach einem ganzen Tag Schule, und Schule heisst lernen, auch für 3-Jährige, sind sie halt gar nicht mehr aufnahmefähig für NICHTS. Die Grossen konnten dann deutsch entziffern in der Vorschule. Ab richtige Schule ging dann nichts mehr mit nebenbei deutsch lernen, weil Ganztagsschule und Hausaufgaben, da kann man sie nicht mal einfach so rausnehmen, ausser man unterrichtet komplett zu Hause. Dadurch haben sie dann auch nicht schreiben und Grammatik gelernt und das Leseniveau ist nicht so toll, halt auf dem Niveau geblieben, was wir in der Vorschule so nebenbei und sehr spielerisch gemacht haben.

. Deshalb ist der Grosse auf der weiterführenden Schule in einer Klasse, wo 2 Fremdsprachen neu angefangen werden . Er lernt deutsch als Fremdsprache ( und englisch) , weil es die einzige Möglichkeit ist, Grammatik und lesen und schreiben zu lernen. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, hatten Angst, er würde sich zu Tode langweilen, schliesslich ist er Muttersprachler, auch wenn er nicht gut schreiben kann und grammatisch Fehler macht. Ihn in eine richtig zweisprachige Schule zu geben, würde Internat bedeuten, weil die Nächste ist 200 km weit weg, da haben wir keine Lust zu und ausserdem können wir uns das nicht leisten.

Rückblickend ist es die richtige Entscheidung gewesen. Diese zweisprachige Klasse ist ein bisschen « elitär » , da sind nur die Besten des Jahrgangs drin, das Tempo ist rasend, und er schafft es durch das Deutsche, dort bei den Besten zu sein, ohne Nachtschicht mit 11 Jahren einlegen zu müssen :oops: :x und lernt nun tatsächlich Grammatik, Rechtschreibung und noch sehr viel über Deutschland.

Die 9-Jährige hatte keine Sprachverzögerung, im Gegenteil, war sehr früh mit dem Sprechen in beiden Sprachen und dem Durchschnitt der Einsprachigen in beiden Sprachen voraus. Sie ist eine Leseratte und liest inzwischen auch deutsche Bücher, wenn sie nicht zu dick sind, magisches Baumhaus und so, in franz ist das ihre Lieblingsbücherserie und in Deutsch gibt es die bis über Band 30, hier in F sind wir erst bei 28 ;-). Mit Speck fängt man Mäuse ;-).

Wir bangen jetzt drum, ob es in 2 Jahren, wenn sie auf die weiterführende Schule kommt, diese 2-sprachige Klasse noch geben wird, denn für sie steht fest, das sie da rein möchte. Auch bei ihr dürfte es die einzige Möglichkeit sein, Grammatik und Rechtschreibung in ihrer Muttersprache zu lernen.

Die fast 5 Jährige spricht ganz gut deutsch, mischt aber noch viel , kann nun auch das komplette Alphabet dank Schule und wir steigen nun da wieder ein mit Anlauttabelle und Lesespielchen auf deutsch.....

Tja une der 3 Jährige ist noch zu klein, um sich zu äussern. Beide Kleinen haben leider viel weniger deutschen Input als die Grossen, da mit 4 kindern 1200km alleine nach Deutschland zu reisen ist schwierig, und leider, ja leider sprechen sie untereinander franz.
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Viconia
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Viconia »

Mein Kleiner wird auch zweisprachig aufwachsen, Deutsch und Norwegisch. Ich spreche nur deutsch mit ihm, mein Verlobter (und alle anderen) Norwegisch. Es koennte sein dass er auch noch Englisch aufschnappt, auch wenn ich das gerne vermeiden wuerde. :? Mein Freund und ich sprechen leider immer noch viel zuviel Englisch miteinander.

Deutsch ist mir vor allem wichtig, damit er mit meiner Familie in Deutschland kommunizieren kann. Uroma und Uropa koennen gar kein English, Opa versteht zwar gut Englisch, kann es aber nicht sprechen... usw. Ach ja, und Norwegisch kann natuerlich in meiner Verwandschaft niemand, was nicht sehr ueberraschend ist. :wink:

In Oslo gibt es einen Deutsch- Skandinavischen Kindergarten/Krippe, aber ich bin mir noch unsicher ob ich ihn da hinschicken moechte, es ist einfach zu weit von hier und in Zukunft jeden Tag im Berufsverkehr nach Oslo fahren? Nein danke.

Also hoffe ich einfach mal dass mein Deutsch ausreichend ist, beim naechsten Deutschlandbesuch decke ich mich erstmal mit Kinderbuechern ein, damit ich ihm was deutsches vorlesen kann. :)
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marscygale
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

Viconia hat geschrieben: In Oslo gibt es einen Deutsch- Skandinavischen Kindergarten/Krippe, aber ich bin mir noch unsicher ob ich ihn da hinschicken moechte, es ist einfach zu weit von hier und in Zukunft jeden Tag im Berufsverkehr nach Oslo fahren? Nein danke.

Also hoffe ich einfach mal dass mein Deutsch ausreichend ist, beim naechsten Deutschlandbesuch decke ich mich erstmal mit Kinderbuechern ein, damit ich ihm was deutsches vorlesen kann. :)
Hier gibt es auch eine deutsch-franzôsische Einrichtung, aber viel zu weit weg von uns, schon ausserhalb der Stadt und jeden Tag eine Stunde hin und eine Stunde zurück, das will ich meinem Kind nicht zumuten. Kann dich da also verstehen. Kann dein Partner denn deutsch oder würdet ihr dann anstatt Englisch Norwegisch miteinander sprechen? Bei uns dominiert natürlich franzôsisch, va. da ich wieder angefange habe, zu arbeiten und Samy mehr Zeit mit seinem papa verbringt.

Wie alt ist denn dein Kind?
Samy trennt seit etwa 4 Wochen die beiden Sprachenund antwortet in der jeweiligen Sprache, in der man die Frage stellt (wenn er auch beide Wôrter kennt, ansonsten eben mit dem, das er eben weiss).
Grüsse
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