Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

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Cecily
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von Cecily »

Meine Oma1 ist aus Ostpreußen geflohen und war durch die Flucht so kaputt, dass sie ihr ganzes Leben lang Valium genommen hat und immer überfordert war.

Meine Oma2 (nie kennengelernt) hat sich keine Sekunde um meinen Vater gekümmert, der wunchs bei seinen Großeltern (sehr sehr böse Menschen) und seiner Großtante auf. Dass es letztere gab, hat ihm wahrscheinlich das Leben gerettet. Die Mutter hat die Familie früh verlassen, der Vater hat sich erhängt und mein Vater hat ihn gefunden.

Da sehe ich keinerlei stressfreie Zeit.

Meine Mama war Hausfrau und bedauert und lobt mich gleichzeitig wie gut ich das alles schaffe. Sie unterstützt uns, wo sie kann. Übernimmt jeden Montag die Kinder, auch bei Krankheit (es sei denn ansteckend) nur nicht für "Luxus". Sie kocht einen Tag in der Woche für uns.

Ich fand's super, dass meine Mama zu Hause war. Unser Haus war blitzblank, da kann keine Werbung mithalten, der Garten tip-top, die Partys Weltspitze, die Kinder auch - inklusive 2 x wöchentlich Musikunterricht und 2 x wöchentlich Sport, wo sie uns "natürlich" hingefahren und abgeholt hat.

Sie war nie großartig gestresst, außer von meinem Vater, und fand ihr Leben super. Aber: sie ist eine sehr kluge Frau und wäre gerne aufs Gymnasium gegangen. Außerdem war ihr immer klar, dass sie abhängig war und ist von ihren Männern. Das ist ein schreckliches Gefühl, das hat sie uns immer erfolgreich gepredigt.

Seit ca. 3 Jahren (da war mein Kleiner 4) hätte ich ein relativ stressfreies Leben, wenn nicht die Special effects von K1 dazu kommen würden.

Die vielen Termine zu koordinieren (ich erledige jeden Tag 3 private Todos, sowas wie Zahnarzt Termin, Steuer einreichen, Verlängerung Ausweis beantragen.... Und die Liste nimmt kein Ende) stresst mich ziemlich.

Oh, die Kinder kommen, muss aufhören....
fragolapopulare
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von fragolapopulare »

Mau hat geschrieben: 27.02.2025, 15:55 Aber sich selbst von ganzem Herzen lieben macht das Leben echt besser.
DAS ist so wahr!

Meine Mutter war 12 Jahre lang überwiegend Hausfrau und mit zwei Kindern daheim. Als ich sieben oder acht Jahre alt war und meine kleine Schwester in den Kindergarten ging, hat sie begonnen, vormittags an der Volkshochschule zu unterrichten. Mein Vater war Vollzeit berufstätig, und das mit voller Leidenschaft. Häufig auch an den Wochenenden und Abenden. Und dazu Dienstreisen. "Nebenbei" hatten meine Eltern eigentlich immer zusätzlich irgendein Bauprojekt laufen.

Meine Mutter sagt, sie hat das geschafft, weil mein Vater ihr durch die volle Berufstätigkeit und den Verdienst quasi ermöglicht hat, gut Zeit für sich alleine zu haben (die sie wie ich auch braucht), während wir im Kindergarten / Schule waren. Mein Vater hat uns am Wochenende oft mitgenommen und in die Berufstätigkeit einbezogen. Das war so die Absprache zwischen meinen Eltern.

Aber sie sagt auch, dass insbesondere die Zeit, als wir klein waren (bis Ende Kindergarten), irre anstrengend für sie war. Vieles, was ich enorm belastend finde, kennt sie. Sie hat das allerdings uns gegenüber nicht rausgelassen. Ich glaube nicht, dass mir das so gut gelingt... Ich dreh innerlich durch, wenn alle gleichzeitig was von mir wollen, während ich z.B. auch noch Haushalt mache. Sie hat ihre Ruhepausen uns gegenüber ritualisiert. Der Mittagsschlaf meiner Mutter war bei uns zuhause eine heilige Kuh :) Sowas in der Art sollte ich mir mal abgucken.
Liebe Grüße, Fragola mit Mini Nr. 1 03/2018 und Mini Nr. 2 10/2022
fragolapopulare
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von fragolapopulare »

Oh je... Heiliger GRAL sollte das heißen. :lol:

Ich versuche nämlich gerade, Mittagspause zu machen, während Kind 1 lautstark rummosert, dass es entweder betüdelt werden möchte oder Film gucken. Ich will jetzt weder das eine noch das andere...
Liebe Grüße, Fragola mit Mini Nr. 1 03/2018 und Mini Nr. 2 10/2022
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Meeresbrise
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von Meeresbrise »

Mich stresst es zb, dass die Meeresprinzessin vormittags oft so nebenher läuft. Ich muss morgen zu einer Besprechung ins Büro und ich weiß, dass ich vorher nur heute Vormittag vor ihrem ersten Schlaf kurz Zeit habe, mir die Haare zu waschen. Abends ist absolut unmöglich, da die Meeresprinzessin da durchgehend an der Brust ist. Also bringen wir den Sonnenstrahl zuerst in den Kindergarten und sie bekommt dann im Badezimmer sein Badespielzeug und muss alleine herumwuseln, bis ich fertig bin. Ihren Vormittagsschlaf macht sie in der Federwiege und da muss ich im selben Zimmer sein, denn sie ist so groß und kräftig, dass sie die Federwiege auftritt, sobald sie wach wird. Wenn sie dann wach ist, müssen wir was kochen, Wäsche weg, durchsaugen,Sonnenstrahl abholen. Und ich hab ein irre schlechtes Gewissen, weil ich mich eigentlich bis auf Stillen nicht wirklich mit ihr beschäftigt habe. Gleichzeitig stresst mich Haushalt mit Baby, da ich immer gucken muss, ob sie eh von den Wäscheklammern nicht abbeißt und wie lange sie noch mit den Tupperdosen zufrieden ist...
Der Sonnenstrahl ist 4 und ich staune wirklich, wie einfach dieses Alter gerade ist im Vergleich zu allen anderen Jahren. Man kann sich so richtig unterhalten, Kompromisse machen, richtig spielen, kuscheln, Unternehmungen machen, er spielt mal alleine und kann warten... Ich verbringe so gern Zeit mit ihm und frage mich, warum ich es jemals anstrengend fand und nicht viel mehr genossen habe, als ich noch "nur" ein Kind hatte.
Unsere Wohnung ist nicht plitze plank, sondern grad so akzeptal plus mehr oder weniger eine solide Grundordnung. Das Haus meiner Eltern - da hätte man vom Boden essen können (bei uns grad auch, da würde man sogar satt werden... :lol:)
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ShinyCheetah
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von ShinyCheetah »

Aber da siehst du ja einen entscheidenden Unterschied. Ich glaube nicht, dass sich unsere Eltern/Großeltern da ein schlechtes Gewissen gemacht hätten. Warum auch - es war ja notwendig, all diese Dinge zu erledigen und das Baby war doch versorgt. Du hast immer im Kopf, du müsstest es mehr "fördern" - das war als Anspruch vor unserer Generation definitiv bei weitem nicht so präsent.
Davon abgesehen finde ich, dass es echt gut klingt, was du beschreibst, abgesehen vom unnötigen schlechten Gewissen ;) Pack das doch bitte mal ganz weit weg ;)

Ich kann dein Gefühl bzgl. dem Sonnenstrahl total nachfühlen. Mir ging/geht das genau so. Einer von vielen Gründen, weshalb ich wirklich kein weiteres Kind möchte.
mit Sohn F (Ende September 18)
und Tochter V (Ende Juni 21)


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lala
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von lala »

Das schlechte Gewissen muss wirklich nicht sein! Du bist ja da für Deine Tochter, wenn sie Dich dringend braucht (abends zum Beispiel). Ich sehe es eher umgekehrt: es ist eine große Kompetenz Deiner Tochter, dass sie das am Vormittag so gut mitmacht und ohne extra Aufmerksamkeit auskommt, alleine herumwuseln (und zufrieden zu sein, aber auch mit manchmal etwas Gemecker) ist etwas wunderbares! Trainier ihr das bloß nicht ab, nur weil Du denkst, Du müsstest Dich mehr um sie "kümmern". Vielleicht hilft Dir diese Sichtweise das schlechte Gewissen wegzupacken.
Viele Grüße von lala mit größerer Tochter (03/05) und kleinerer Tochter (11/07).
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Meeresbrise
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von Meeresbrise »

Das hats wohl für unsere Mütter leichter gemacht, da war es was gutes, wenn das Kind sich alleine beschäftigen konnte. Heutzutage ist ständig ein Wettbewerb ums Fordern und Fördern...
Kommt wahrscheinlich auf die Bubble an, aber ich wurde neulich richtig runtergeputzt, als ich angemerkt habe, dass ich 9 Wochen durchgehend Sommerferien im Kiga vom Sonnenstrahl schon sehr lange finde - et geht immerhin mittlerweile gerne hin, profitiert von den sozialen Kontakten und immer kann man zuhause nicht so viel bieten wie im Kiga (gerade ohne Garten...). Puh da wurde mir an den Kopf geworfen, dass es bedenklich sei, dass mein Kind lieber im Kiga sei (was ich nie gesagt habe!) als zuhause und man doch mit seinen Kindern in den Sommerferien Ausflüge macht. Und warum ich ihm keine 9 Wochen Erholung gönnen will. Steht eh außer Frage, er darf eh nicht gehen, solange ich nur geringfügig arbeite. Aber der Druck seitens jungen Müttern ist enorm.
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jessy80
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von jessy80 »

Meine Schwiegermutter hat gerade gestern wieder rausgehauen, dass ihr Kinder abends um 22 Uhr die letzte Flasche bekamen udn dann erst wieder um 06 Uhr. Falls die mal nachts was wollten, habe sie Tee angeboten, aber der wurde verschmäht und wie man sieht ist mein mann ja offensichtlich nicht verhungert.

Mein Schwager hat gerade das ersten Kind bekommen und tada...das ist nacht öfter unruhig.
Tipp meiner Schwiegermutter: dann sollen sie ihr abends halt weniger geben, dann plagt es auch nicht so im Bauch!
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sutnahpele
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von sutnahpele »

Ich weiß, es sagt sich leicht und ist je nach Persönlichkeit schwer umzusetzen: Ist doch egal, was die anderen Leute von dir denken. Ganz ehrlich, ich würde durchdrehen, wenn eins meiner Kinder 9 Wochen nicht in die Betreuung gehen dürfte. Meine Kinder sind Routinemenschen, schon Wochenenden und Urlaube sind eine Herausforderung. Nach 9 Wochen Pause hätte ich wohl alle wieder neu eingewöhnen können.

Und zum Fördern: Ich habe bei keinem Baby irgendwelche Kurse außer Rückbildung besucht und habe nie irgendwas zur gezielten Förderung gemacht. Ich finde es normal, dass ein Baby oder Kleinkind einfach nur dabei ist bei den Erwachsenentätigkeiten. Für mich ist der Gedanke absolut absurd, ein Baby zu fördern. Es entwickelt sich doch sowieso in seinem Tempo.
Dezemberkind 2011, Novemberkind 2014, Oktoberkind 2018, Maikind 2023, Januarbaby 2026.
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lala
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von lala »

Meeresbrise hat geschrieben: 03.03.2025, 11:30 Das hats wohl für unsere Mütter leichter gemacht, da war es was gutes, wenn das Kind sich alleine beschäftigen konnte. Heutzutage ist ständig ein Wettbewerb ums Fordern und Fördern...
Wie Du schon schreibst, kommt wahrscheinlich auf die Bubble an. Ich kann Dir nur sagen, dass ich "damals", vor, ähm, 20 Jahren tatsächlich auch viel darüber gelesen habe, dass man die Selbst-Beschäftigungsfähigkeit seines Kindes auf jeden Fall fördern sollte, indem man es nicht immer von außen bespaßt. Ist dann ja schließlich auch eine Form von Förderung. Und sich selbst beschäftigen eine Kompetenz. Vielleicht kannst Du damit entsprechend kontern, wenn das Gespräch da mal wieder drauf kommt. Und irgendwie kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das heutzutage keine wertvollen Fähigkeiten mehr sein sollen.
Viele Grüße von lala mit größerer Tochter (03/05) und kleinerer Tochter (11/07).
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