Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

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Meeresbrise
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Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von Meeresbrise »

Hallo,
ich treffe mich 1x pro Monat mit meinen Mama Freundinnen und wir haben zwischen 1 - 3 Kinder zwischen 0 und 6 Jahre und jede ist ehrlich: jede findet es wirklich furchtbar anstrengend.
Ich habe 2 Kids, 9 Monate und 4 Jahre und finde es ebenfalls maximal anstrengend. Das erste Babyjahr war schon beim ersten Kind extrem anstrengend für mich und jetzt wieder. Der Sonnenstrahl ist schon recht pflegeleicht geworden, ich genieße es mittlerweile sogar sehr, wenn er vom Kiga heimkommt, da wir dann meist Pläne haben. Ich leide ein bisschen darunter, offenbar keine Babymama zu sein, denn ich freue mich riesig auf die Kleinkind Zeit und finde diese im Vergleich viel weniger anstrengend und schöner... Aber auch durchaus herausfordernd...
Wir haben uns beim letzten Treffen gefragt, wie unsere Mütter/Großmütter das bloß geschafft haben. Großes Haus mit Garten statt Wohnung, 3 bis 5 statt 2 Kinder. Minimaler Abstand zwischen den Kindern. Männer, die oft absolut gar nichts übernommen haben.
Meine Mutter zb hatte keine Großeltern, die ihr geholfen haben und 3 Kinder, zwei davon mit Abstand von nur 2 Jahren. Unser Haus war groß und immer sauber, es wurde täglich frisch gekocht. Gearbeitet hat meine Mutter erst als ich 12 war und sie hat oft darunter gelitten, "nur" zuhause zu sein, aber es gab nachmittags damals noch keine Betreuungsmöglichkeiten.
Meine Schwiegermutter hat am Wochenende gearbeitet, hatte zwar eine Oma im Haus, die ihr aber laut ihren Angaben nicht wirklich half. Sie fand die Zeit mit den Kindern zu keiner Zeit auch nur ansatzweise anstrengend, sondern zur Gänze wunderschön und erfüllend und kann es auch nicht nachvollziehen, dass es für uns "junge Mamis" anstrengend ist, wir über Me Time reden, Abende außer Haus unbedingt brauchen und unsere Kinder gern mal abgeben.

Sind wir wirklich weniger belastbar als unsere Mütter und Großmütter? Was läuft falsch, dass wir diese "besten" Jahre mit so kleinen Kindern alle miteinander nicht so genießen können, wie wir eigentlich sollten? Im Traum würden wir unsere Kinder nicht missen wollen, aber jede sagt, dass sie eigentlich total am Limit ist und abends ständig ausgelaugt und müde. Jede findet es schade.
Ich bin gespannt, wie ihr denkt, wie es bei euch ist, bei euren Müttern/Großmüttern. Welches Alter fandet ihr am anstrengendsten und warum? Wie anstrengend ist Mama sein für euch?
Freu mich auf eine Diskussion.
I tried to hold on but it hurts too much
I tried to forgive but it′s not enough
To make it all okay
You can't play on broken strings
You can′t feel anything
That your heart don't want to feel
I can't tell you something that ain't real
Oh, the truth hurts and lies worse
How can I give anymore
When I love you a little less than before?

Meeresbrise ist so glücklich mit Sonnenstrahl (02/21) und Meeresprinzessin (06/24) an der Hand
Gute Reise ihr kleinen Sternchen *** - 02/23 u. 07/23
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jessy80
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von jessy80 »

Hallo, also erstens denke ich, dass die Erinnerung da sehr verklärt ist und zweitens havne die Eltern fpeher doch auch kciht wirklich was mit den Kindern gemacht oder?
Da liefen die Kinder nebenher, haben sich sich gegenseitig mit erzogen.
Aber gespielt, Krabbelgruppe....wsr damals ja nicht. Die kinder wurden laut meiner Erinnerung versorgt.
Räuberbande (04/02; 03/15; 07/16) *(02/14)
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clairdelune
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von clairdelune »

Die hatten noch kein Internet, wo sie sich über bedürfnisorientierte Kindererziehung, die optimale Ernährung, pädagogisch wertvolle Förderung schlau machen konnten. Kinder liefen eher so nebenbei und mussten halt mal warten, schreien, alleine spielen.

Kein social media, wo einer Mutter suggeriert wird was sie alles können und tun müsste. Wo immer weiter Anforderungen gestellt werden. Wo ein Wettbewerb herrscht.

Keine Doppelbelastung durch Erwerbsarbeit und Carearbeit. (nicht dass ich mir diese Zeiten zurückwünsche).

Letzter Punkt: vielleicht hat deine Schwiegermutter die Zeit ganz vielleicht auch ein ganz kleines bisschen verklärt. Und die Anstrengung verdrängt.
2016 und 2019
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Amber
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von Amber »

Ich glaube, viele haben verklärte Vorstellungen vom Leben in früherer Zeit. Ich hab vor Jahren meine Großmutter gefragt. Kriegswitwe mit zwei kleinen Jungs. Ganz einfach: der Kleine im Laufstall in der Küche, während die Mutter aufm Feld gearbeitet hat. Der Große mit den anderen Kindern des Dorfs draußen unterwegs. Später waren dann beide draußen mit der Kinderbande, Hauptsache zum Sonnenuntergang wieder Zuhause. Irgendwann dann die Dorfschule, mein Vater hat's sogar aufs Gymnasium geschafft. Kurz nach sechs aus'm Haus, wenn's dunkel wurde zurück. Hausaufgaben wurden auf der Zugfahrt erledigt. Und die Mutter hat gearbeitet, beim Bauern, Zuhause. Heute würde man von Vernachlässigung sprechen, damals war's ganz normal. Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen.
"On ne connaît son chemin que quand on arrive au bout." (Le Destin - Bénabar) 🎶
Amber mit dem Elftklässler (Mai 2009) und der Neuntklässlerin (Januar 2011)
Shauni
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von Shauni »

Also meine Mutter hat bei meinem Bruder bereits im ersten Lebensjahr wieder gearbeitet (und ihr war rückblickend in den ersten sechs Monaten mit vielschlafendem „Anfängerbaby“ langweilig) und bei mir hat sie es „bereut“ ganze drei Jahre aus dem Beruf rausgegangen zu sein, da sie nicht glücklich als „reine Hausfrau/Mutter“ war. Sie hat sich nachmittags sowohl mit uns kreativ beschäftigt als auch Arbeiten korrigiert (dann mussten wir uns halt allein beschäftigen). Als Hilfe hatte sie eine „Kinderfrau“ eingestellt, die im Haushalt geholfen hat, mich vom KiGa abgeholt hat etc.
Meine eine Oma hat zwei Kinder mit 10 Jahren Altersabstand, die haben sich meist selbst beschäftigen müssen, während sie den (damals ja auch aufwändigeren) Haushalt geschmissen hat, die andere hat vier Kinder mit unterschiedlichem Altersunterschied, die mussten schnell mithelfen. Also ich denke nicht, dass die Generationen vor uns tatsächlich weniger Stress empfunden haben, ggf. alles etwas verklärt sehen mit dem zeitlichen Abstand.
also vielleicht ist da deine Schwiegermutter auch eine Ausnahme, der es als Mutter so richtig gut ging und nicht die Regel der damaligen Zeit.
Viele Grüße
Shauni mit dem großen M (01/14) und dem kleinen j (02/17)
Mau
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von Mau »

Meine Oma mütterlicherseits hatte 3 Kinder mit jeweils unter 2 Jahren Abstand. Mein Opa hat in der Zeit, als die Kinder klein waren, nach der Arbeit noch Abendschule gemacht und danach teilweise noch Party. Sie war überfordert und hat viel geweint. Ihre Mutter hat ihr viel geholfen, aber der Preis war viel Druck und Kontrolle. Mein Opa hat sich oft mit seiner Schwiegermutter gestritten, wenn sie beide da waren. Auch meine Großeltern haben sich oft gestritten und dann tagelang angeschwiegen. Meine Mutter hat erzählt, dass sie sehr angepasst war, damit es nicht noch mehr Stress gab. Sobald ein Kind Ärger gemacht hat, wurde es direkt bestraft, Kinder mussten funktionieren. Und ziemlich lange mussten sie mittags eine Stunde ruhig im Bett liegen, damit die Mutter Pause hatte.
Harmonisches Familienglück sieht anders aus, aber haben meine Großeltern natürlich nie reflektiert und hätten im Nachhinein gesagt, dass alles toll war.

Meine Großeltern väterlicherseits hatten vier Kinder in 6 Jahren. Immerhin kam mein Opa nach der Arbeit heim. Die Kinder mussten trotzdem funktionieren, wurden auch geschlagen. Emotionale Zuwendung gab es zu wenig, mein Vater hatte als Kleinkind sogar Hospitalismus und bekam vom Kinderarzt verordnet bei seinen Eltern zu schlafen. Sein ältester Bruder wurde regelmäßig wochenlang zu den Großeltern aufs Dorf geschickt, wenn wieder ein neues Baby kam oder sonstwas. Ganz so viele Details kenne ich da nicht.
Meine Oma hat ihr Leben lang ununterbrochen gearbeitet bis die Kinder groß waren. Endlos Haushalt und teilweise Erwerbsarbeit. Für die was das normal keine me time und sowas zu haben.

So ähnlich war es in den 50ern und 60ern wahrscheinlich in vielen Familien. Kinder wurden gewaltsam zum Funktionieren erzogen und Eltern waren gewohnt viel zu arbeiten und haben sich auch um ihre Bedürfnisse nicht wirklich gekümmert. Und dann noch die im Nachhinein positive Sicht, dass alles nicht so schlimm war.

In unserer Kindheit gab es ja teilweise noch ähnliche Muster, ich hatte Glück, dass meine Eltern viel Zeit und Energie für mich hatten und ich ein unkompliziertes Kind. Trotzdem musste ich von Geburt an im eigenen Zimmer schlafen und meine Eltern waren strenger als ich jetzt.
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Mäusebaby
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von Mäusebaby »

Ich kann mich meinen Vorrednerinnen nur anschließen. Das Leben war auf gewisse Weise entschleunigter.
In meiner Familie war es so: Mütter haben nur dann gearbeitet, wenn der Mann es nicht konnte. Kinder liefen erst nebenher und wurden dann sehr früh in die Verantwortung genommen und da gab es dann oft einfach keine Diskussion oder halt eine Strafe. Es gab auch mehr Mehrgeneratioenhaushalte. Mein Vater ist z. B. mehr bei meiner Uroma aufgewachsen als bei seiner Mutter. Bei meiner Mutter wohnten alle Verwandten auf einem Klump und die eine Oma hat sich um alle sechs Enkel gekümmert. It takes a village. 🤷🏻‍♀️
Liebe Grüße,
Mäusebaby mit ihrem Weihnachtswunderwunschkind (09/2015) und zwei **
"The only time you should look down on somebody is when you're trying to help them up."
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Nane85
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von Nane85 »

Meine Oma hatte 3 Kinder in 5 Jahren und ging jeweils bald wieder arbeiten. Das Baby wurde morgens gefüttert und lag dann allein im Bettchen, bis sie in der Mittagspause zum Füttern kam. Ab und zu hat wohl ihre Schwiegermutter mal nach dem Rechten gesehen, aber beschäftigt hat sich mit dem Kind niemand. Die Größeren waren draußen im Dorf unterwegs.
Nane85 mit den Mädels (02/13 & 06/15 & 06/19)
nido56
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von nido56 »

clairdelune hat geschrieben: 26.02.2025, 14:14 Die hatten noch kein Internet, wo sie sich über bedürfnisorientierte Kindererziehung, die optimale Ernährung, pädagogisch wertvolle Förderung schlau machen konnten. Kinder liefen eher so nebenbei und mussten halt mal warten, schreien, alleine spielen.

Kein social media, wo einer Mutter suggeriert wird was sie alles können und tun müsste. Wo immer weiter Anforderungen gestellt werden. Wo ein Wettbewerb herrscht.
DAS!

Kinder mussten frueher oft einfach funktionieren. Die Muetter haben sich, glaube ich, etwas weniger einen Kopf darum gemacht, wenn mal etwas nicht so ideal lief.

Und ja, ich glaube schon, dass unsere Generation allgemein weniger belastbar ist als die Generationen zuvor, weil wir extremst behuetet aufgewachsen sind und uns daher vielleicht weniger Resilienz erarbeitet haben. Wobei die Generationen zuvor das auch einfach nicht so aussprechen und ausleben "durften".

Meine Mutter war mit mir als Baby und Kleinkind durchaus ueberfordert. Deshalb bin ich auch ein Einzelkind. Sie hat spaeter selbst gesagt, dass sie sich die ersten 3 Jahre auf gar keinen Fall ein 2. Kind zugetraut haette. Und danach war sie dann (fuer die damalaige Zeit) schon zu alt. Sie war auch total entsetzt, dass ich trotz Berufstaetigkeit ein zweites Kind wollte und sehr erleichtert, dass es nicht geklappt hat. Sie war fest ueberzeugt, damit haette ich mich total ueberfordert.

In unserem Fall bin ich also eher belastbarer als meine Mutter.
nido mit dem Piraten (01/2012)
Kaba
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?

Beitrag von Kaba »

Meine Omas haben beide durchgehend gearbeitet, eine im eigenen Geschäft, eine als Herbergsmutter, die hatten es bestimmt nicht weniger stressig. Mein Papa musste sich schon früh viel alleine beschäftigen, meine Mutter hatte drei Geschwister und ständig andere Kinder zum Spielen in der Herberge, insgesamt wohl sehr idyllisch und behütet, aber sicher nicht mit viel Exklusivzeit mit Mama.

Man muss vielleicht auch bedenken, dass unsere Großeltern ja wahrscheinlich großteils den Krieg und Wiederaufbau erlebt haben - da kam einem vielleicht alles andere erstmal "leicht" vor.

Meine Mutter hat mit uns Kindern immer nur geringfügig an zwei Vormittagen gearbeitet, wir waren vormittags in Kiga bzw. Schule. Ich glaube tatsächlich, dass sie es dadurch in der reinen Alltagsorganisation und -bewältigung in unseren Kinderjahren einfacher hatte als ich jetzt mit 60% Job und früher Fremdbetreuung. Aber im Austausch ist sie halt finanziell abhängig von meinem Vater und konnte keine beruflichen Ziele verwirklichen (ob sie das stört, weiß ich gar nicht so genau).

Andererseits glaube ich tatsächlich auch, dass viel Stress von Müttern und "der Gesellschaft" selbst gemacht wird, ohne dass die Rahmenbedingungen einen dazu zwingen würden. Zum Beispiel bei Erwartungen an Kindergeburtstage. Oder an Vesperboxen. Oder an Kinderkleidung. Oder an Kinder-Hobbies. Das war in meiner Kindheit alles (!) deutlich einfacher. Nicht, dass ich mich selbst davon frei machen könnte, aber wenn man außer nach dem "warum ist es so schwer" auch überlegen will, wo man was ändern könnte...
In gewissen Situationen macht es bedürfnisorientierte Erziehung wahrscheinlich auch nicht leichter. Und obwohl ich da grundsätzlich für mich keine Alternative zu sehe, kann man auch da darauf schauen, was man übernehmen will und was nicht - ich fand z.B. die Ja-Umgebung immer unsinnig für uns und meine Kinder schlafen seit sie 1,5/2 Jahre alt sind in ihren eigenen Betten.


Abgesehen davon - ich finde es eigentlich nicht "furchtbar anstrengend", zumindest nicht durchgehend, Krankheitsphasen etc. sind natürlich was anderes.

Und: verklärte Erinnerung glaub ich auch, seit mein Papa neuerdings meinte, wir hätten ihn früher "eigentlich nie" genervt :lol:
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