Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
- Larala
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Was in dieser Art von Diskussionen vielleicht auch noch mit reinspielt: Das Bild ist verzerrt. Wir reden viel über unsere Probleme, vor allem über unsere aktuellen Schwierigkeiten. Das lässt sie im Vergleich vermutlich größer und schwerer erscheinen. Ich glaube nämlich, dass es auch jetzt sehr viele Mütter gibt, die das Familienleben im Großen und Ganzen als machbar und erfüllend empfinden. Es ist nur einfach nicht so interessant sich gegenseitig zu erzählen, wie gut man geschlafen hat und wie wenig Krümel unter dem Küchentisch liegen, deshalb gibt es dazu weniger Threads. Die Tatsache, dass seitenweise über Probleme geschrieben wird, heißt ja nicht, dass diese auch tatsächlich schwerer wiegen, zumindest nicht bei der Mehrheit.
mit der Ritterin vom "Ni" 5/17
- Meeresbrise
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Das unterschreibe ich.nido56 hat geschrieben: 27.02.2025, 11:43 Ich habe das mit der Resilienz ein bisschen zu schnell und ohne genug Nachdenken geschrieben. Zum einen moechte ich mich entschuldigen, dass ich da unueberlegt aus meiner westdeutschen 70er/80er Mittelschichtsbubble geschrieben habe. In meinem Umfeld war das echt so: die Vaeter arbeiteten, die Muetter waren zuhause und kuemmerten sich um die 2-3 Kinder. Das Leben fuer uns Kinder war super einfach. Man ging in den Kindergarten oder zur Schule und hat ansonsten mit Geschwistern oder Nachbarskindern gespielt. Echte Probleme gab es wenige, Verantwortung hatten wir keine. Irgendjemand hat hier so schoen gesagt: Wir wurden so erzogen, dass man ein Recht auf ein glueckliches Leben hat. Ich glaube, genau das ist der Punkt. Ich bin mit dem Anspruch aufgewachsen, immer gluecklich sein zu duerfen/muessen. Der Job sollte erfuellend sein, die Beziehungen immer toll und die Freizeit gefuellt mit Aktivitaeten.
Ich habe deshalb lange gezoegert, Kinder zu kriegen. Mir war naemlich nicht klar, ob mich die Mutterschaft gluecklich machen wuerde, und mir war durchaus klar, dass es mit Kind kein Zurueck mehr gibt. Wenn die Beziehung gerade nicht gut laeuft, kann man sich trennen und nach einer neuen suchen. Wenn der Job doof ist, kann man sich woanders bewerben. Aber Kinder kann man nicht zurueck geben.
Auch wenn man im Grunde als Mutter gluecklich ist, Kinder sind anstrengend, das Leben mit ihnen ist manchmal frustrierend. Ich, und vielleicht auch andere verwoehnte Mittelschichtskinder waren nicht darauf vorbereitet, dass das Leben manchmal ueber lange Zeit anstrengend ist. Das war in frueheren Generationen sicher anders. Ich hatte Glueck. Ich finde das Leben mit Kind richtig toll, viel, viel besser als erwartet. Und das Fehlen von me-time hat mich deutlich weniger belastet als erwartet. Aber waere das nicht so, haette ich sicher ein Problem.
Das war frueher sicher anders, da war das persoenliche Glueck, im Sinne der maximalen Selbstentfaltung, vielleicht kein so offensichtliches Ziel. Vieles war einfach so und musste akzeptiert werden.
Meine Mutter war immer zuhause und das war für mich als Kind wirklich super toll. Ich kam von der Schule heim und das Essen war fertig. Ich habe vor dem Fernseher gegessen und schon als Kind brauchte ich richtig viel Zeit für mich, ich war unglaublich gern alleine in meinem Zimmer und schrieb Tagebuch sobald ich schreiben konnte, stundenlang. Wenn ich aber Gesellschaft wollte, war sie da. Die Nachmittage habe ich oft mit meinen Kusinen verbracht, entweder bei ihnen oder bei uns. Eine der Mütter war immer im Nebenzimmer, wenn wir was brauchten. Sorgen oder Stress gab es eigentlich nicht.
Ich habe das Rollenbild auch wie selbstverständlich übernommen und mich immer darauf gefreut, selbst Mutter zu werden und dann bei den Kindern zuhause zu sein. Beim Sonnenstrahl hatte ich ursprünglich 3 Jahre nur zuhause geplant. Ich weiß noch, wie ich hochschwanger zu ihm war und täglich gebacken, gekocht und geputzt habe und es richtig toll fand so.
Ja und dann wurde ich Mutter und dann hab ich mit 19 Monaten wieder Teilzeit zu arbeiten begonnen und fand es einfach überhaupt nicht erfüllend zuhause und habe mir zum ersten Mal die Frage gestellt, warum ich das unbedingt wollte. Warum ich nicht ehrgeiziger war, studiert und Karriere gemacht habe. Warum ich so ein klassisches Modell wollte und auch so gelebt habe, ohne mir bewusst drüber zu sein, was es heißt und dass ich mich eigentlich komplett von einem Mann abhängig mache und im Alter unter Altersamut leiden werde mit diesem Modell.
I tried to hold on but it hurts too much
I tried to forgive but it′s not enough
To make it all okay
You can't play on broken strings
You can′t feel anything
That your heart don't want to feel
I can't tell you something that ain't real
Oh, the truth hurts and lies worse
How can I give anymore
When I love you a little less than before?
Meeresbrise ist so glücklich mit Sonnenstrahl (02/21) und Meeresprinzessin (06/24) an der Hand
Gute Reise ihr kleinen Sternchen *** - 02/23 u. 07/23
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AnnaKatharina
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Meine Oma bekam Kind 1 nach 3 oder 4 Wochen fertig geferbert und abgestillt nach Hause.
Kind 2 wurde zuhause geboren, und nachts im Zimmer am Ende des Flures untergebracht damit das Weinen nicht so laut zu hören ist für den Rest der Familie. Und weil meine Oma nachts heimlich hingeschlichen ist und es hochgenommen hat hat mein Opa dann nachts die Tür abgeschlossen und den Schlüssel versteckt.
Das war in den 50ern.
Kind 2 wurde zuhause geboren, und nachts im Zimmer am Ende des Flures untergebracht damit das Weinen nicht so laut zu hören ist für den Rest der Familie. Und weil meine Oma nachts heimlich hingeschlichen ist und es hochgenommen hat hat mein Opa dann nachts die Tür abgeschlossen und den Schlüssel versteckt.
Das war in den 50ern.
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- Sabina
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Genau so war das damals wohl in vielen Familien. Da kann noch so viel angeborene Resilienz dabei sein. Mit solchen Sachen macht man das Urvertrauen eines Menschen doch einfach kaputt.
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…
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sandra86
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Und das ist ja das spannende an dem Thema. Es gibt Menschen die trotzdem resilient sind und ein zufriedenes Leben führen. Das hat man teils an Holocaust Opfern beobachtet, da haben Menschen das schrecklichste mitgemacht und trotzdem gab es welche, die nicht daran zerbrochen sind. Ich find das irre spannend!
mit dem Großen 03/12, der Mittleren 11/13 und dem Mini 12/15
Don't waste your time or time will waste you
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- Sabina
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ja, das ist spannend, das stimmt. Wäre auch cool da eine belastbare Statistik zu erstellen.
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Mau
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Nicht zerbrochen heißt doch nicht, dass es keine Folgen hatte?
Meine Eltern kommen gut im Leben zurecht und waren abgesehen von Schicksalsschlägen auch im Großen und Ganzen glücklich. Aber ihre Kindheit merkt, man ihnen trotzdem an, wenn man sie gut genug kennt. So wird es doch bei vielen Menschen sein, nur den meisten kommt man nicht nah genug um es zu merken.
Ist auch die Frage, was der Anspruch ist. Arbeitsfähig sein und eine erträgliche Beziehung führen kriegen auch die meisten Leute mit nicht so optimaler Kindheit hin. Aber wirklich glücklich sein mit dem was man tut, sich selbst und Andere richtig lieben können, sich nicht kaputt arbeiten oder für andere aufreiben, keine Drogen wie Alkohol brauchen um durchzuhalten, offen, freundlich und optimistisch sein… all sowas kann schon beeinträchtigt sein. Natürlich auch aus anderen Gründen, aber mangelnde Selbstliebe und erhöhte Ansprüche an sich selbst, sich nur um Andere kümmern, aber nie um sich selbst usw begegnet einem doch ständig auch im SuT und hat meiner Meinung nach seine Wurzel in der Erziehung. Das kommt doch nicht aus dem nichts. Heißt ja nicht, dass dadurch alles schrecklich ist und man furchtbar unglücklich ist. Aber sich selbst von ganzem Herzen lieben macht das Leben echt besser.
Meine Eltern kommen gut im Leben zurecht und waren abgesehen von Schicksalsschlägen auch im Großen und Ganzen glücklich. Aber ihre Kindheit merkt, man ihnen trotzdem an, wenn man sie gut genug kennt. So wird es doch bei vielen Menschen sein, nur den meisten kommt man nicht nah genug um es zu merken.
Ist auch die Frage, was der Anspruch ist. Arbeitsfähig sein und eine erträgliche Beziehung führen kriegen auch die meisten Leute mit nicht so optimaler Kindheit hin. Aber wirklich glücklich sein mit dem was man tut, sich selbst und Andere richtig lieben können, sich nicht kaputt arbeiten oder für andere aufreiben, keine Drogen wie Alkohol brauchen um durchzuhalten, offen, freundlich und optimistisch sein… all sowas kann schon beeinträchtigt sein. Natürlich auch aus anderen Gründen, aber mangelnde Selbstliebe und erhöhte Ansprüche an sich selbst, sich nur um Andere kümmern, aber nie um sich selbst usw begegnet einem doch ständig auch im SuT und hat meiner Meinung nach seine Wurzel in der Erziehung. Das kommt doch nicht aus dem nichts. Heißt ja nicht, dass dadurch alles schrecklich ist und man furchtbar unglücklich ist. Aber sich selbst von ganzem Herzen lieben macht das Leben echt besser.
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Schlumpfine32
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- Registriert: 30.03.2021, 09:37
Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Meeresbrise es ist aber auch mit zwei Kindern unter 4 Jahren einfach eine anstrengende Phase. Die Zeit an die du dich erinnerst ist ja ein ganz anderes Alter.
Mit Mutzelmade 10/22
- GemeineEsche
- Homo sapiens SuTtensis
- Beiträge: 12353
- Registriert: 30.07.2021, 15:38
Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ich finde selbst 6 Monate in der Vergangenheit verklären schon deutlich
was da nach 30 Jahren übrig bleibt ist vermutlich mehr Fantasie als Realität 
Kleine 02/21
Kleiner 06/23
Kleiner 06/23
- Jule
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ich habe mich tatsächlich häufiger mit meiner Mutter darüber unterhalten. Ich hatte tatsächlich eine behütete „Westdeutsche“ Kindheit- meine Mutter hat als ich 6 und mein Bruder 3 war angefangen einen Nachtdienst zu arbeiten und dann später mehr, voll dann als ich in der Oberstufe war.
Sie fand das ideal so und sieht mich als gestresster. Ich war auch nicht im Kindergarten- weil ich nicht wollte , ich wollte bei meinem neugeborenen Bruder bleiben.
Meine Mutter hat sich sehr nach unseren Wünschen gerichtet- wobei das später auch sehr schwierig wurde, mein Bruder wollte immer zu Hause bleiben und ich raus. Aber wir hatten Priorität und meine Eltern haben dafür lieber sehr sparsam gelebt. Mein Vater hat dafür wenig Rolle gespielt und nicht mal an dem Abend als meine Mutter arbeiten war viel übernommen. Dazu kam meine Oma.
Es war tatsächlich ein sehr viel ruhigeres Leben als das meiner Kinder. Ich war auch in Vereinen , habe sehr rechtzeitig Schwimmen gelernt- fast alles aber in fussläufiger Entfernung oder selbst mit dem Bus zu erreichen.
Wir haben nicht viel übernommen an Aufgaben. Ich glaube aber auch dieses strukturierte und ruhige hat mir sehr gut getan.
Nur so ist die Welt nicht mehr. Und ich dachte ich bleibe auch gerne länger zu Hause …. ich musste lernen, dass das nicht so ist. Zum Glück war immer für mich klar, dass ich das werden kann was ich will und habe das getan.
Ja wahrscheinlich ist mein Leben wesentlich stressiger- aber auch bunter und ich kann Dinge tun, die meine Eltern nicht machen konnten.
Ich glaube aber auch, dass leider mehr Kinder heute durch die Umwelt viel viel mehr Reize bekommen und das dadurch viele Verarbeitungsprobleme entstehen.
Die Reizmenge gab es einfach früher nicht. Tja und Eltern müssen eben beim Verarbeiten unterstützen und auch versuchen abzuschirmen…. Alles Jobs die neu sind…
Sie fand das ideal so und sieht mich als gestresster. Ich war auch nicht im Kindergarten- weil ich nicht wollte , ich wollte bei meinem neugeborenen Bruder bleiben.
Meine Mutter hat sich sehr nach unseren Wünschen gerichtet- wobei das später auch sehr schwierig wurde, mein Bruder wollte immer zu Hause bleiben und ich raus. Aber wir hatten Priorität und meine Eltern haben dafür lieber sehr sparsam gelebt. Mein Vater hat dafür wenig Rolle gespielt und nicht mal an dem Abend als meine Mutter arbeiten war viel übernommen. Dazu kam meine Oma.
Es war tatsächlich ein sehr viel ruhigeres Leben als das meiner Kinder. Ich war auch in Vereinen , habe sehr rechtzeitig Schwimmen gelernt- fast alles aber in fussläufiger Entfernung oder selbst mit dem Bus zu erreichen.
Wir haben nicht viel übernommen an Aufgaben. Ich glaube aber auch dieses strukturierte und ruhige hat mir sehr gut getan.
Nur so ist die Welt nicht mehr. Und ich dachte ich bleibe auch gerne länger zu Hause …. ich musste lernen, dass das nicht so ist. Zum Glück war immer für mich klar, dass ich das werden kann was ich will und habe das getan.
Ja wahrscheinlich ist mein Leben wesentlich stressiger- aber auch bunter und ich kann Dinge tun, die meine Eltern nicht machen konnten.
Ich glaube aber auch, dass leider mehr Kinder heute durch die Umwelt viel viel mehr Reize bekommen und das dadurch viele Verarbeitungsprobleme entstehen.
Die Reizmenge gab es einfach früher nicht. Tja und Eltern müssen eben beim Verarbeiten unterstützen und auch versuchen abzuschirmen…. Alles Jobs die neu sind…
Liebe Grüße von Jule mit den Mädels 06/05 und 08/07 und dem Mini-Weihnachtsmädel '13