Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
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Sibi
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Juli, mir geht es genauso. Aber ich glaube, da sind Menschen echt unterschiedlich und Sozialisation macht da sicher auch etwas aus, wie man das Schreien empfindet.
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Mau
- Profi-SuTler
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Früher waren die Menschen besser darin ihre Gefühle zu unterdrücken. Wenn man als Kind von Krieg, Flucht, Tod von Familienmitgliedern… traumatisiert wurde, geht das wahrscheinlich wie von selbst
So erkläre ich es mir jedenfalls bei meiner Oma väterlicherseits. Die hatte einfach keinen Zugang zu ihren Gefühlen und da löst auch ein weinendes Baby nichts in einem aus und wenn doch ein bisschen, lässt es sich leicht unterdrücken.
Selbst eine nicht in der Form traumatische Kindheit, aber eben mit schreien lassen, alleine lassen, brutalen Strafen etc. kann wahrscheinlich eine ähnliche, wenn auch nicht so extreme Wirkung haben. Ich habe mein Baby immer sofort aus dem Kinderwagen gehoben, wenn sie da unglücklich war, meine Eltern konnten das eher ignorieren, solange es kein heftiges Schreien war und haben generell eher abgelenkt als einfach mal getröstet. Meine Schwiegereltern hatten gar kein Verständnis, warum man ein Baby aus dem Kinderwagen holt, nur weil es schreit… Wutanfälle lösen bei meinen Eltern dagegen regelrecht Panik aus, vielleicht weil sie als Kinder nie wütend sein durften, und sie versuchen alles um sie zu beenden. Also gut zureden, ablenken, irgendwann schimpfen, weil sie es nicht mehr aushalten. Zum Glück ist mein Kind eh immer nur kurz wütend. Ich kann da oft viel ruhiger bleiben und die Gefühle begleiten und einfach aushalten. Zumindest wenn es mir einigermaßen gut geht. Dafür brauche ich aber die berühmte Selbstfürsorge. Wenn man Erziehungsmethoden verwendet, die quasi mechanisch ablaufen, wie wütendes Kinds ins Zimmer sperren oder sowas, ist es egal, wie es einem selbst gerade geht. Vielleicht war es deswegen früher auch einfacher. Es musste einem für den üblichen Umgang mit den Kindern nicht gut gehen um es nach eigenem Verständnis richtig zu machen.
Selbst eine nicht in der Form traumatische Kindheit, aber eben mit schreien lassen, alleine lassen, brutalen Strafen etc. kann wahrscheinlich eine ähnliche, wenn auch nicht so extreme Wirkung haben. Ich habe mein Baby immer sofort aus dem Kinderwagen gehoben, wenn sie da unglücklich war, meine Eltern konnten das eher ignorieren, solange es kein heftiges Schreien war und haben generell eher abgelenkt als einfach mal getröstet. Meine Schwiegereltern hatten gar kein Verständnis, warum man ein Baby aus dem Kinderwagen holt, nur weil es schreit… Wutanfälle lösen bei meinen Eltern dagegen regelrecht Panik aus, vielleicht weil sie als Kinder nie wütend sein durften, und sie versuchen alles um sie zu beenden. Also gut zureden, ablenken, irgendwann schimpfen, weil sie es nicht mehr aushalten. Zum Glück ist mein Kind eh immer nur kurz wütend. Ich kann da oft viel ruhiger bleiben und die Gefühle begleiten und einfach aushalten. Zumindest wenn es mir einigermaßen gut geht. Dafür brauche ich aber die berühmte Selbstfürsorge. Wenn man Erziehungsmethoden verwendet, die quasi mechanisch ablaufen, wie wütendes Kinds ins Zimmer sperren oder sowas, ist es egal, wie es einem selbst gerade geht. Vielleicht war es deswegen früher auch einfacher. Es musste einem für den üblichen Umgang mit den Kindern nicht gut gehen um es nach eigenem Verständnis richtig zu machen.
Mini 4/21 <3
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Schlumpfine32
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Guten Morgen,
interessanter Faden hier. Ich finde es echt schwer, weil einerseits jede Epoche so ihre Themen hatte und anderseits ja auch hier sehr deutlich wird, wie individuell die Erfahrungen sind. Ich hatte auch gesagt, das aufwachsen in den 90igern war nicht viel anders als heute. Viele beschreiben es hier aber ja doch sehr anders. Lag das an der Zeit oder ist das einfach eine Frage der Bubble? Also waren die 90iger wirklich noch so anders oder liegt es am Umfeld in dem man eben jetzt ist und damals vll nicht war?
Meine Mutter hat es auf jeden Fall nicht "geschafft" die ist schwer depressiv geworden und ist früh gestorben. Die Ursachen dafür sind ja wahnsinnig individuell. Strukturelle Themen wie die damals übliche klassische Rollenverteilung haben aber definitiv dazu beigetragen.
Auf jeden Fall habe ich bei der "früher ging es auch" Debatte, nicht hier aber das wird ja öfter mal angeführt, oft das Gefühl, dass da auch viel zusammen geworfen wird. Welches früher soll es denn gewesen sein wo die Frau fröhlich acht Kinder hatte, den Haushalt geschmissen hat und die Kinder liebevoll zu Hobbys begleitet? Da mischt man ja viel zusammen.
Wenn wir die Generation unserer Großeltern betrachten muss man denke ich die Erziehung in der Nazi Zeit und die Erfahrungen der Kriegsjahre mitdenken. Da wurde doch eine ganz andere Einstellung zum Leben vermittelt und Selbstverwirklichung und Entspannung waren keine Werte der Zeit. ich denke viele waren schlichtweg auch nicht zufrieden aber es gab einfach auch keine Alternative.
Aber ja, die Erziehung war auch eine andere. Mein Vater ist bereits sehr liebevoll aufgewachsen sagt er. Es gab nie Gewalt in der Familie. Ich denke das war eher selten. Und gleichzeitig wurde trotzdem weniger Care geleistet. Die Babys wurden mehr schreien gelassen und mehr versorgt. Alle vier stunden wurde gefüttert.
Mein Schwiegervater, ein netter Mann der wahnsinnig viel mit seinen Enkeln spielt und regelmäßig mit fünf Enkeln in Urlaub fährt hat beim Baby auch die Priorität auf "Ist es satt? Ist es trocken? Dann hat man alles gemacht und kann es schreien lassen". Seine Schwester sagt damals, als ihre Kinder kamen (Mitter der 70iger DDR) kamen Mütterpflegerinnen vorbei und haben ihnen erklärt, wie man es machen soll. Sie hat die Babys alle vier stunden geholt und versorgt. Dazwischen hat sie gearbeitet. die haben eine Gastwirtschaft geschmissen. sie sagt, Kindheit erlebt sie erst mit den Enkeln. Sie empfindet das schon als schade. Dass die Babys nur alle paar Stunden versorgt wurden empfand sie aber als völlig Normal und hat das nicht weiter hinterfragt. sobald sie sicher laufen konnten sind sie mit den Dorfkindern los gezogen und kamen zum essen heim. Die Kinder haben die Kindheit als wahnsinnig schön und frei in Erinnerung. Sie haben dort ganz viele Tonteiche und waren dort immer baden und spielen. schwimmen gelernt haben sie von den großen Kindern.
Mir wird ja bei der Vorstellung meine zweijährige mit einer Horde Grundschulkinder zu den Tonteichen zu schicken ganz übel. Für die die das überlebt haben wars aber ganz sicher eine tolle Zeit.
Mein Eindruck ist schon, dass eine Vereinzelung stattfindet, oder?
In meiner Kindheit war es auch noch voll normal, dass man halt mit den Dorfkindern gespielt hat. Und es war auch klar, dass die großen die Kleinen mitnehmen. Das waren schon ungefährlichere Dinge, man ging zusammen auf den gut eingezäunten Spielplatz oder in den großen Garten der Eltern. Aber es war völlig normal, dass man halt alle inkludiert die so da waren und dass man kleine Kinder mitnehmen musste.
Jetzt finde ich die Vorstellung - ich lebe allerdings nun auch nicht mehr aufm Dorf - völlig absurd mein Kind einfach mit irgendwelchen Nachbarskindern mitzuschicken. Weniger aus Angst sondern weil die da ganz sicher gar keinen Bock drauf hätten.
Ich sehe den Spruch "es braucht ein Dorf" kritisch aber mein Eindruck ist schon, dass sich heute weniger Räume für Kinder auftun und die Kinder ständig zuhause rum hängen.
Selbst die Freizeiträume sind viel enger. Ich habe mein Leben lang geritten. Aber vor allem habe ich im Stall abgehangen. Und dort haben gar nicht alle Kinder geritten. Und auch ich hatte mal Phasen wo ich kaum geritten bin und mehr aufm Heuboden gespielt habe oder Pferd gespielt habe oder oder... Da wurde auch einfach insgesamt viel herum gehangen.
Nun gehe ich manchmal mit Mutz zu einem nahe gelegenen Reitstall und dort hängt einfach keiner rum. Die Leute kommen, reiten, gehen. Die Kinder werden gebracht, reiten Unterricht und wrrdsen abgeholt. Die Eltern stehen oft daneben und warten.
Ich glaube ehrlich gesagt, dass ganz banal auch das Alter in dem man Kinder bekommt eine Rolle spielt. Ich konnte definitiv mit Anfang 20 besser mit Schlafmangel und Lautstärke umgehen als mit ende 30. Und ich war noch viel flexibler in meinen Bedürfnissen. Dass ich so viel me time brauche hat sich auch einfach in den ganzen Jahren in denen ich alleine gewohnt habe ergeben.
interessanter Faden hier. Ich finde es echt schwer, weil einerseits jede Epoche so ihre Themen hatte und anderseits ja auch hier sehr deutlich wird, wie individuell die Erfahrungen sind. Ich hatte auch gesagt, das aufwachsen in den 90igern war nicht viel anders als heute. Viele beschreiben es hier aber ja doch sehr anders. Lag das an der Zeit oder ist das einfach eine Frage der Bubble? Also waren die 90iger wirklich noch so anders oder liegt es am Umfeld in dem man eben jetzt ist und damals vll nicht war?
Meine Mutter hat es auf jeden Fall nicht "geschafft" die ist schwer depressiv geworden und ist früh gestorben. Die Ursachen dafür sind ja wahnsinnig individuell. Strukturelle Themen wie die damals übliche klassische Rollenverteilung haben aber definitiv dazu beigetragen.
Auf jeden Fall habe ich bei der "früher ging es auch" Debatte, nicht hier aber das wird ja öfter mal angeführt, oft das Gefühl, dass da auch viel zusammen geworfen wird. Welches früher soll es denn gewesen sein wo die Frau fröhlich acht Kinder hatte, den Haushalt geschmissen hat und die Kinder liebevoll zu Hobbys begleitet? Da mischt man ja viel zusammen.
Wenn wir die Generation unserer Großeltern betrachten muss man denke ich die Erziehung in der Nazi Zeit und die Erfahrungen der Kriegsjahre mitdenken. Da wurde doch eine ganz andere Einstellung zum Leben vermittelt und Selbstverwirklichung und Entspannung waren keine Werte der Zeit. ich denke viele waren schlichtweg auch nicht zufrieden aber es gab einfach auch keine Alternative.
Aber ja, die Erziehung war auch eine andere. Mein Vater ist bereits sehr liebevoll aufgewachsen sagt er. Es gab nie Gewalt in der Familie. Ich denke das war eher selten. Und gleichzeitig wurde trotzdem weniger Care geleistet. Die Babys wurden mehr schreien gelassen und mehr versorgt. Alle vier stunden wurde gefüttert.
Mein Schwiegervater, ein netter Mann der wahnsinnig viel mit seinen Enkeln spielt und regelmäßig mit fünf Enkeln in Urlaub fährt hat beim Baby auch die Priorität auf "Ist es satt? Ist es trocken? Dann hat man alles gemacht und kann es schreien lassen". Seine Schwester sagt damals, als ihre Kinder kamen (Mitter der 70iger DDR) kamen Mütterpflegerinnen vorbei und haben ihnen erklärt, wie man es machen soll. Sie hat die Babys alle vier stunden geholt und versorgt. Dazwischen hat sie gearbeitet. die haben eine Gastwirtschaft geschmissen. sie sagt, Kindheit erlebt sie erst mit den Enkeln. Sie empfindet das schon als schade. Dass die Babys nur alle paar Stunden versorgt wurden empfand sie aber als völlig Normal und hat das nicht weiter hinterfragt. sobald sie sicher laufen konnten sind sie mit den Dorfkindern los gezogen und kamen zum essen heim. Die Kinder haben die Kindheit als wahnsinnig schön und frei in Erinnerung. Sie haben dort ganz viele Tonteiche und waren dort immer baden und spielen. schwimmen gelernt haben sie von den großen Kindern.
Mir wird ja bei der Vorstellung meine zweijährige mit einer Horde Grundschulkinder zu den Tonteichen zu schicken ganz übel. Für die die das überlebt haben wars aber ganz sicher eine tolle Zeit.
Mein Eindruck ist schon, dass eine Vereinzelung stattfindet, oder?
In meiner Kindheit war es auch noch voll normal, dass man halt mit den Dorfkindern gespielt hat. Und es war auch klar, dass die großen die Kleinen mitnehmen. Das waren schon ungefährlichere Dinge, man ging zusammen auf den gut eingezäunten Spielplatz oder in den großen Garten der Eltern. Aber es war völlig normal, dass man halt alle inkludiert die so da waren und dass man kleine Kinder mitnehmen musste.
Jetzt finde ich die Vorstellung - ich lebe allerdings nun auch nicht mehr aufm Dorf - völlig absurd mein Kind einfach mit irgendwelchen Nachbarskindern mitzuschicken. Weniger aus Angst sondern weil die da ganz sicher gar keinen Bock drauf hätten.
Ich sehe den Spruch "es braucht ein Dorf" kritisch aber mein Eindruck ist schon, dass sich heute weniger Räume für Kinder auftun und die Kinder ständig zuhause rum hängen.
Selbst die Freizeiträume sind viel enger. Ich habe mein Leben lang geritten. Aber vor allem habe ich im Stall abgehangen. Und dort haben gar nicht alle Kinder geritten. Und auch ich hatte mal Phasen wo ich kaum geritten bin und mehr aufm Heuboden gespielt habe oder Pferd gespielt habe oder oder... Da wurde auch einfach insgesamt viel herum gehangen.
Nun gehe ich manchmal mit Mutz zu einem nahe gelegenen Reitstall und dort hängt einfach keiner rum. Die Leute kommen, reiten, gehen. Die Kinder werden gebracht, reiten Unterricht und wrrdsen abgeholt. Die Eltern stehen oft daneben und warten.
Ich glaube ehrlich gesagt, dass ganz banal auch das Alter in dem man Kinder bekommt eine Rolle spielt. Ich konnte definitiv mit Anfang 20 besser mit Schlafmangel und Lautstärke umgehen als mit ende 30. Und ich war noch viel flexibler in meinen Bedürfnissen. Dass ich so viel me time brauche hat sich auch einfach in den ganzen Jahren in denen ich alleine gewohnt habe ergeben.
Mit Mutzelmade 10/22
- ShinyCheetah
- Prof. Dr. SuT
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- Registriert: 14.12.2018, 10:40
Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Die Vereinzelung beobachte ich auch. Zu Zeiten unserer Großeltern mussten oft beide Eltern arbeiten, Betreuung gab es nicht oder nur privat, die Kinder waren sich selbst überlassen und schon früh draußen unterwegs. Dann kam die Zeit unserer Eltern: In meiner Bubble hat oft nur ein Elternteil gearbeitet. Kinder waren immer noch, wie Schlumpfine beschreibt, viel in Gruppen draußen unterwegs, so ab Mittags, nach der Schule/dem Kindergarten. Aber irgendwelche Erwachsenen hatten schon immer ein Auge drauf. Die haben, wie sie inzwischen erzählt haben, durchaus auch in der Nachbarschaft rumtelefoniert: Die Kinder sind jetzt hier; die Kinder sind zum Spielplatz; die Kinder sind zu den Großeltern von X gelaufen. Es war im Vergleich zur Generation davor eine sehr viel "sicherere" Freiheit.
Und jetzt sind wir dran. Wieder ist es so, dass oft beide Eltern arbeiten müssen. Aber der Gedanke, die Kinder wie vor zwei Generationen einfach allein zu lassen, behagt uns gar nicht. Die Kinder brauchen doch eine "Anlaufstelle" - sie müssen ja nach Hause kommen können, wo sich jemand um sie kümmert. Daher erscheint uns lange Betreuung, auch während der Grundschulzeit, als zwingend. Die Folge ist, dass hier nachmittags kaum Kinder unterwegs sind. Ich war letzte Woche mit den Kindern und einer befreundeten Familie bei schönstem Frühlingswetter gegen 15:00 auf einem ganz tollen Spiel- und Bolzplatz mitten in einem Wohngebiet (in das wir ziehen, in dem wir viele Familien kennen). Wir waren die einzigen! Keine Kinder weit und breit! Das war in meiner Kindheit einfach anders. Aber klar, direkt neben dem Spielplatz ist ein Kindergarten mit Betreuungszeit bis 17:00, 400 m weiter eine Grundschule mit GT-Betreuung bis 17:00.
Und jetzt sind wir dran. Wieder ist es so, dass oft beide Eltern arbeiten müssen. Aber der Gedanke, die Kinder wie vor zwei Generationen einfach allein zu lassen, behagt uns gar nicht. Die Kinder brauchen doch eine "Anlaufstelle" - sie müssen ja nach Hause kommen können, wo sich jemand um sie kümmert. Daher erscheint uns lange Betreuung, auch während der Grundschulzeit, als zwingend. Die Folge ist, dass hier nachmittags kaum Kinder unterwegs sind. Ich war letzte Woche mit den Kindern und einer befreundeten Familie bei schönstem Frühlingswetter gegen 15:00 auf einem ganz tollen Spiel- und Bolzplatz mitten in einem Wohngebiet (in das wir ziehen, in dem wir viele Familien kennen). Wir waren die einzigen! Keine Kinder weit und breit! Das war in meiner Kindheit einfach anders. Aber klar, direkt neben dem Spielplatz ist ein Kindergarten mit Betreuungszeit bis 17:00, 400 m weiter eine Grundschule mit GT-Betreuung bis 17:00.
mit Sohn F (Ende September 18)
und Tochter V (Ende Juni 21)
The trick to happiness wasn't in freezing every momentary pleasure and clinging to each one, but in ensuring one's life would produce many future moments to anticipate. Shallan Davar/Brandon Sanderson
und Tochter V (Ende Juni 21)
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Schlumpfine32
- alter SuT-Hase
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- Registriert: 30.03.2021, 09:37
Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ich habe mein Kind manchmal im Kinderwagen schiebend brüllen lassen. Weil sie zwar auf dem Arm einschlief, ich sie aber nicht ablegen konnte und mich auch nicht hinsetzen konnte. Sie aber zwei Stunden Schlaf brauchte und ich mich zeitweise körperlich nicht in der Lage sah sie zwei Stunden in der Trage zu haben ohne mich hinzusetzen (zum sonstigen Tragen noch dazu halt).
Naja, ich hab sie auf jeden Fall gelegentlich schreiend durch den Wald geschoben wo sie dann meist so nach 15 min einschlief und manchmal eben auch nicht.
die Reaktionen der Generation 60+ fast immer mitfühlend. Die Reaktionen der Generation zwischen 30 und 50 eher verurteilend.
Bei meinem oben erwähnten Schwiegervater merke ich wie anders Schreien bei ihm besetzt ist. ihn stresst das nicht, nein. Er reagiert eher anerkennend wie kräftig sie ist dass sie so brüllen kann. Und ja, er nahm sie auch hoch und sprach mit ihr in Richtung "Mensch, du hast ja viel zu erzählen! Du hast dich geärgert, oder? Das ist aber auch manchmal blöd so klein zu sein."
Bei mir löst das Schreien auch maximalen Stress aus und ich habe stunden getragen, gestillt geschaukelt und geföhnt.
Aber ich denke schon, dass das auch etwas mit dem derzeitigen ideal von Bindung und Bedürfnisorientierung zu tun hat. Und auch mit Prioritäten. Wenn die Kartoffeln aufm Herd das einzige gewesen wären was du für deine Familie noch zu essen gehabt hattest, wären die bestimmt nicht übergekocht / angebrannt.
Aber! Unsere Mütter... waren zumindest im Westen der 90iger doch oft einfach Hausfrauen? sicher gab es Ausnahmen aber viele waren doch nur geringfügig beschäftigt oder komplett zuhause. Hatten schon den Luxus von Maggifix und Waschmaschine und Schule und Kindergarten gab es auch schon. Das empfinde ich schon als leichter. Aber eben auch als abhängiger.
Naja, ich hab sie auf jeden Fall gelegentlich schreiend durch den Wald geschoben wo sie dann meist so nach 15 min einschlief und manchmal eben auch nicht.
die Reaktionen der Generation 60+ fast immer mitfühlend. Die Reaktionen der Generation zwischen 30 und 50 eher verurteilend.
Bei meinem oben erwähnten Schwiegervater merke ich wie anders Schreien bei ihm besetzt ist. ihn stresst das nicht, nein. Er reagiert eher anerkennend wie kräftig sie ist dass sie so brüllen kann. Und ja, er nahm sie auch hoch und sprach mit ihr in Richtung "Mensch, du hast ja viel zu erzählen! Du hast dich geärgert, oder? Das ist aber auch manchmal blöd so klein zu sein."
Bei mir löst das Schreien auch maximalen Stress aus und ich habe stunden getragen, gestillt geschaukelt und geföhnt.
Aber ich denke schon, dass das auch etwas mit dem derzeitigen ideal von Bindung und Bedürfnisorientierung zu tun hat. Und auch mit Prioritäten. Wenn die Kartoffeln aufm Herd das einzige gewesen wären was du für deine Familie noch zu essen gehabt hattest, wären die bestimmt nicht übergekocht / angebrannt.
Aber! Unsere Mütter... waren zumindest im Westen der 90iger doch oft einfach Hausfrauen? sicher gab es Ausnahmen aber viele waren doch nur geringfügig beschäftigt oder komplett zuhause. Hatten schon den Luxus von Maggifix und Waschmaschine und Schule und Kindergarten gab es auch schon. Das empfinde ich schon als leichter. Aber eben auch als abhängiger.
Mit Mutzelmade 10/22
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nido56
- Dipl.-SuT
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ich habe das mit der Resilienz ein bisschen zu schnell und ohne genug Nachdenken geschrieben. Zum einen moechte ich mich entschuldigen, dass ich da unueberlegt aus meiner westdeutschen 70er/80er Mittelschichtsbubble geschrieben habe. In meinem Umfeld war das echt so: die Vaeter arbeiteten, die Muetter waren zuhause und kuemmerten sich um die 2-3 Kinder. Das Leben fuer uns Kinder war super einfach. Man ging in den Kindergarten oder zur Schule und hat ansonsten mit Geschwistern oder Nachbarskindern gespielt. Echte Probleme gab es wenige, Verantwortung hatten wir keine. Irgendjemand hat hier so schoen gesagt: Wir wurden so erzogen, dass man ein Recht auf ein glueckliches Leben hat. Ich glaube, genau das ist der Punkt. Ich bin mit dem Anspruch aufgewachsen, immer gluecklich sein zu duerfen/muessen. Der Job sollte erfuellend sein, die Beziehungen immer toll und die Freizeit gefuellt mit Aktivitaeten.
Ich habe deshalb lange gezoegert, Kinder zu kriegen. Mir war naemlich nicht klar, ob mich die Mutterschaft gluecklich machen wuerde, und mir war durchaus klar, dass es mit Kind kein Zurueck mehr gibt. Wenn die Beziehung gerade nicht gut laeuft, kann man sich trennen und nach einer neuen suchen. Wenn der Job doof ist, kann man sich woanders bewerben. Aber Kinder kann man nicht zurueck geben.
Auch wenn man im Grunde als Mutter gluecklich ist, Kinder sind anstrengend, das Leben mit ihnen ist manchmal frustrierend. Ich, und vielleicht auch andere verwoehnte Mittelschichtskinder waren nicht darauf vorbereitet, dass das Leben manchmal ueber lange Zeit anstrengend ist. Das war in frueheren Generationen sicher anders. Ich hatte Glueck. Ich finde das Leben mit Kind richtig toll, viel, viel besser als erwartet. Und das Fehlen von me-time hat mich deutlich weniger belastet als erwartet. Aber waere das nicht so, haette ich sicher ein Problem.
Das war frueher sicher anders, da war das persoenliche Glueck, im Sinne der maximalen Selbstentfaltung, vielleicht kein so offensichtliches Ziel. Vieles war einfach so und musste akzeptiert werden.
Ich habe deshalb lange gezoegert, Kinder zu kriegen. Mir war naemlich nicht klar, ob mich die Mutterschaft gluecklich machen wuerde, und mir war durchaus klar, dass es mit Kind kein Zurueck mehr gibt. Wenn die Beziehung gerade nicht gut laeuft, kann man sich trennen und nach einer neuen suchen. Wenn der Job doof ist, kann man sich woanders bewerben. Aber Kinder kann man nicht zurueck geben.
Auch wenn man im Grunde als Mutter gluecklich ist, Kinder sind anstrengend, das Leben mit ihnen ist manchmal frustrierend. Ich, und vielleicht auch andere verwoehnte Mittelschichtskinder waren nicht darauf vorbereitet, dass das Leben manchmal ueber lange Zeit anstrengend ist. Das war in frueheren Generationen sicher anders. Ich hatte Glueck. Ich finde das Leben mit Kind richtig toll, viel, viel besser als erwartet. Und das Fehlen von me-time hat mich deutlich weniger belastet als erwartet. Aber waere das nicht so, haette ich sicher ein Problem.
Das war frueher sicher anders, da war das persoenliche Glueck, im Sinne der maximalen Selbstentfaltung, vielleicht kein so offensichtliches Ziel. Vieles war einfach so und musste akzeptiert werden.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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sandra86
- Profi-SuTler
- Beiträge: 3446
- Registriert: 19.05.2012, 00:20
Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ich denke auch, dass wir Hilflosigkeit viel schwerer ertragen können , da wir viel mehr (gefühlte) Kontrolle haben als die Generationen davor.
(Aber meine Oma musste das Schreien lassen auch erst "lernen" indem mein Opa den Schlüssel wehgetan hat von der Tür hinter der das Baby lag...)
(Aber meine Oma musste das Schreien lassen auch erst "lernen" indem mein Opa den Schlüssel wehgetan hat von der Tür hinter der das Baby lag...)
mit dem Großen 03/12, der Mittleren 11/13 und dem Mini 12/15
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Zwergenaufstand
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ich habe vor einiger Zeit die Bücher "Life among the Savages" und "Raising Demons" von Shirley Jackson gelesen ("Krawall und Kekse" auf deutsch, das zweite gibt's nicht auf deutsch, glaube ich). Shirley Jackson war eine amerikanische Autorin und das Buch spielt ungefähr in den 50er Jahren und erzählt von ihrem Leben mit ihren 3 bzw später 4 Kindern. Das fand ich total interessant, vor allem deshalb, weil ihr Buch erstaunlich aktuell klingt. Eher wie Mütterblogs, die es vor ca 5-10 Jahren viel gab. Obwohl sie ihre Geschichten natürlich zu Literatur verarbeitet und sie oft überspitzt sind, kommt doch durch, wie das Leben als Familie zu ihrer Zeit in ihrer Bubble so ausgesehen hat.
Und das ist nicht so anders als bei uns. Was schon anders war: Ihre Kinder wurden viel mehr laufen gelassen. Wie hier ja viele auch schon geschrieben hatten. Die waren mehr unterwegs mit den Nachbarkindern. Das Kleinkind standardmäßig im Laufstall. Und sie haben sich weniger Gedanken um Sicherheit gemacht. Wirkt jedenfalls im Buch ganz eindeutig so. Und der Mann ist keine Unterstützung, der erwerbsarbeitet nur.
Aber was dann doch nicht so anders war: die Mutter ist auch ziemlich am Rande des Wahnsinns. Sie musste auch die Aktivitäten der Kinder koordinieren, sich mit Anforderungen der Lehrer*innen auseinandersetzen, den Haushalt machen, der sie komplett überfordert. Sie ist auch erstaunlich zugewandt, das hat mich überrascht, also sie geht auch sehr auf ihre Kinder ein und versucht, ihre Wünsche zu erfüllen. Und ihr Leben ist auch auf die Kinder ausgerichtet. Und, wie gesagt, sie ist eben auch total am Strugglen. Es war ihr also damals auch zu viel.
Das ist natürlich nur ein Beispiel und ja auch fiktiv, aber das Buch kam sehr gut an, deshalb wird es nicht ganz abwegig sein, wie sie den Alltag einer Mutter beschreibt.
Und ich habe selbst auch ein Beispiel von einem Elternteil, das es nicht geschafft hat. Mein alleinerziehender Vater war auch komplett überfordert mit uns drei Kindern (und vermutlich auch traumatisiert, schwere Vorgeschichte). Er wurde depressiv, hat sich davon nie erholt und ist früh gestorben.
Und das ist nicht so anders als bei uns. Was schon anders war: Ihre Kinder wurden viel mehr laufen gelassen. Wie hier ja viele auch schon geschrieben hatten. Die waren mehr unterwegs mit den Nachbarkindern. Das Kleinkind standardmäßig im Laufstall. Und sie haben sich weniger Gedanken um Sicherheit gemacht. Wirkt jedenfalls im Buch ganz eindeutig so. Und der Mann ist keine Unterstützung, der erwerbsarbeitet nur.
Aber was dann doch nicht so anders war: die Mutter ist auch ziemlich am Rande des Wahnsinns. Sie musste auch die Aktivitäten der Kinder koordinieren, sich mit Anforderungen der Lehrer*innen auseinandersetzen, den Haushalt machen, der sie komplett überfordert. Sie ist auch erstaunlich zugewandt, das hat mich überrascht, also sie geht auch sehr auf ihre Kinder ein und versucht, ihre Wünsche zu erfüllen. Und ihr Leben ist auch auf die Kinder ausgerichtet. Und, wie gesagt, sie ist eben auch total am Strugglen. Es war ihr also damals auch zu viel.
Das ist natürlich nur ein Beispiel und ja auch fiktiv, aber das Buch kam sehr gut an, deshalb wird es nicht ganz abwegig sein, wie sie den Alltag einer Mutter beschreibt.
Und ich habe selbst auch ein Beispiel von einem Elternteil, das es nicht geschafft hat. Mein alleinerziehender Vater war auch komplett überfordert mit uns drei Kindern (und vermutlich auch traumatisiert, schwere Vorgeschichte). Er wurde depressiv, hat sich davon nie erholt und ist früh gestorben.
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- ShinyCheetah
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Das erinnert mich an eine Szene aus "Outlander" - dem Buch wohlgemerkt, nicht der Serie. Es spielt nach dem 2. Weltkrieg. Claire ist nämlich mit ihrem Baby alleine zu Hause auch völlig am Limit. Ich gebe aus dem Gedächtnis wieder, stimmt sicherlich nur so halb
Sie ist die ganze Zeit alleine mit dem Baby zugange, versucht Haushalt und sich selbst halbwegs herzurichten weil die Familie Besuch erwartet. Für das Baby hat sie ein neues Outfit gekauft und zieht es ihm an, aber plötzlich fängt es an wie verrückt zu brüllen, vor Schmerzen. Sie realisiert, dass irgendwo eine Nadel drinsteckte und sie ihrem armen Baby einen blutigen Kratzer zugefügt hat. Sie ist völlig verzweifelt, mit den Nerven am Ende, da kommt ihr Mann nach Hause. Sieht sie mit dem brüllenden Kind, betrachtet sie abschätzig und kommentiert ihr Outfit (sowas richtung "Willst du dir nicht wenistens die Haare richten, bevor der Besuch kommt?"). Sie rastet aus, drückt ihm das brüllende Kind in den Arm und rennt nach draußen. Ich fand diese Szene SO gut und konnte mich da so reinfühlen (obwohl mein Mann so zum Glück nie war
).
Auch vor 75 Jahren gab es sicherlich viele strugglende Mütter.
Auch vor 75 Jahren gab es sicherlich viele strugglende Mütter.
mit Sohn F (Ende September 18)
und Tochter V (Ende Juni 21)
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und Tochter V (Ende Juni 21)
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- Nane85
- Mod a.D.
- Beiträge: 6406
- Registriert: 20.08.2012, 21:58
Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ist letztes Jahr auf Deutsch erschienen, unter dem Titel "Alles wie immer".Zwergenaufstand hat geschrieben: 27.02.2025, 11:53 Ich habe vor einiger Zeit die Bücher "Life among the Savages" und "Raising Demons" von Shirley Jackson gelesen ("Krawall und Kekse" auf deutsch, das zweite gibt's nicht auf deutsch, glaube ich).
Nane85 mit den Mädels (02/13 & 06/15 & 06/19)