Mein Kind ist so unemphatisch

Moderatoren: Toony, Momolina

Antworten
Cecily
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 8171
Registriert: 26.05.2016, 16:26

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

Jadzia hat geschrieben: 14.07.2020, 16:00
Cecily hat geschrieben: 14.07.2020, 10:41
Jadzia hat geschrieben: 13.07.2020, 21:28 Puh das ist ein so weites Feld.

Am wichtigsten finde ich die Regeln und Gesetzmässigkeiten von sozialem und emotionalem Miteinander selbst immer wieder uu reflektieren und in einen Zusammenhang zu bringen. Das ist viel weniger einfach als das klingt. Was bezieht sich auf was, was hängt voneinander ab...

Ich arbeite gerne mit „Schlagworten“ wie Ordnung oder Unordnung, höflich und unhöflich , Plan und Ausnahme
Um dann in jeweiligen Situationen mit den Schlagwort Schubladen sprachlich schnell und unkompliziert zu sein.

Beispiel : das ist für dich jetzt eine Unordnung weil du denkst das machen wir so wie immer. Jetzt ist eine andere Situation daher ist das eine Ausnahme ( eine andere Regel greift hier weil wir woanders sind etc pp)
Also im Grunde eine Gegenüberstellung Dein Denken mit Begründung, mein Denken, Denken eines Dritten, allgemeines Denken.

Um eben auch nicht das Denken des Kindes an sich zu kritisieren, sondern gerade die Berechtigung zu betonen, die nur in diesem Moment nicht passt oder einen Gegenpart hat.
Ist das verständlich?
Und ich verstehe nur Bahnhof. :oops:

Wäre z.B. richtig bei Besuch: Ich weiß, jetzt ist normalerweise eure halbe Stunde Fernsehzeit und ich verstehe, dass du die gerne haben möchtest. Aber jetzt ist doch eine besondere Situation, weil wir bei A. und B. zu Besuch sind. A. und B. dürfen aber jetzt nicht Fernsehen schauen, du darfst dafür was schauen, wenn wir wieder zu hause sind?"

Für sowas muss man wahrscheinlich Fachfrau sein.

Gestern Abend hat er es eigentlich wieder super gemacht. Der kleine Bruder konnte / wollte nicht schlafen und saß heulend um 22.30 auf dem Boden (natürlich nach dem wir ihn eine Stunde ins Bett gebracht hatten, 20 x wieder zugedeckt haben usw.). Er ist dann auch gekommen und konnte wegen dem Geschrei nicht schlafen und hat Flo an die Hand genommen und gesagt: "Komm, ich bring dich ins Bett und schlafe dann bei dir". Da hat er die Situation richtig gut gelöst und wir haben uns dann bedankt und gesagt wie toll wir das finden.

(Gestern waren wir ab 22.00 übrigens keine besonders besonnenen Eltern mehr und haben den 2-jährigen nur noch angemotzt. Irgendwann können wir halt nicht mehr.)
So sehr Bahnhof war das doch gar nicht. Das war doch recht gut formuliert.

Die REGEL die du aber nur implizit benannt hast ( wir sind da zu Besuch) würd ich noch EXPLIZIT machen :

Was das fernsehen betrifft, so machen die Leute die in einem Haus wohnen ( oder im Falle von Schule etc. Hausrecht haben) die Regeln.

Es gibt allgemeine Regeln ( die niemand macht, aber trotzdem gelten. wie freundlich mit Fremden sprechen oder nicht in der Öffentlichkeit popeln)
Allgemeine Regeln und Ordnungen die der Staat macht.
Hausregeln.
Familienregeln.
usw usf


Stell dir das wie ein Kartenspiel vor. Welche Karte darf gezogen werden. Welche darf auch ( ist aber nicht sinnvoll oder nicht effektiv), welche Karte darf NICHT gelegt werden ( und was passiert wenn ich es trotzdem tue). Welche Karte sticht über welche ( und warum) und was ist das Ziel!!! des Spiels.

Die Absicht hinter der Regel, die Gefühle hinter dem Verhalten, den Plan hinter der Handlung EXPLIZIT benennen. Nicht implizit. Könnten sie implizit auch verstehen, würden wir darüber nicht reden. Das benennen was ich nicht SEHEN , FÜHLEN; ANFASSEN kann, sondern was ich folgern muß.
Benennen, benennen, benennen. Und zwischendurch mal fragen ; was bedeutet spontan ? Was bedeutet unhöflich. Was bedeutet gereizt.
Um wirklich mitzubekommen ob der Sinn hinter dem Wort erfasst wurde.

Denn diese Kinder sind Meister der Imitation wenn sie den Sinn nicht erfassen. Was habe ich für eine Wahl wenn ich den Sinn und das Ziel nicht erfassen. Ich kann die Karten auf den Tisch werfen, oder ich kann tun was die anderen tun. Fällt ja vielleicht am wenigsten auf. Bin ich schön unauffällig und angepasst. Und alle sind glücklich. Nur : das Kind dann eher nur so mittel. Ist nicht schön das drumrum nicht zu verstehen, während alle anderen es tun. Und nicht die richtigen Fragen stellen zu können weil ich gar nicht genau wüßte was zu fragen wäre.....

Rollenspiele sind da auch nicht gleich Rollenspiele. Es gibt echte Rollenspiele ( Perspektivwechsel) und es gibt Imitationsspiele. Sieht auf den ersten Blick manchmal glelch aus, ist aber was diverses. Es wird nämlich was völlig anderes gelernt und geübt. In den Diagnoseverfahren ist das der Punkt den ich nie einfach glaube wenn da angekreuzt steht : spielt Rollenspiele.

Die Gretchenfrage ist : was passiert im Inneren des Kindes, im Denken im Fühlen. Viel weniger wie erscheint es von außen.
Und daran misst sich meiner Meinung nach ein Hilfebedarf , eine mögliche Behinderung, eine Einschränkung, ein Charakterzug.
Und da ist nach meiner Erfahrung nach das sehr intelligente Kind im emotionalen Nachteil, weil es seine Einschränkung erfasst und darunter tendenziell eher leidet, als ein normalbegabtes Kind.
Das im Blick zu haben finde ich wichtig.
Danke für die lange Antwort.

So verstehe ich das und so machen wir das tatsächlich jetzt schon. Bei allem. Weil ein bloßes "dass man etwas tut" nicht ausreicht, sondern immer ein Grund für etwas da sein muss.

Das ist bei Verboten einfacher und sinnvolle Verbote kann er auch gut nachvollziehen. Weil er manche Sachen nicht glaubt, lese ich teilweise schon Gesetze vor (das geht auch tatsächlich spielerisch ganz gut, weil es ja viele sehr lustige Gesetze gibt. Wer es jemals versuchen will: Nachdem wir z.B. vorgelesen haben, was Diebstahl ist, das genauestens erklärt haben, haben wir den Diebstahl von Bienenschwärmen besprochen, §§ 961 ff. BGB. Das große Kind hat sich total krankgelacht. Ich weiß jetzt nicht, ob das Kinder generell lustig finden? Ich finde das auch lustig, mein Mann nicht. Egal)

Das geht bei allen Tätigkeiten so, z.B. beim Zähneputzen, Händewaschen, Maskentragen. Wenn er weiß warum und wieso und den Sinn einsieht, macht er es. Genau wie ich und eben ein Erwachsener. Er ist halt nicht in der Lage meine elterliche Hoheit anzuerkennen oder ich bin nicht in der Lage tyrannisch genug zu sein. :lol:

Bei (Höflichkeit / Nettigkeit / Empathie) Geboten ist es viel viel schwerer. Und er überträgt es nicht auf andere ähnliche Situationen.

Sprich: Wenn ich ihm sage, dass es nett wäre und sich sein Bruder / ein anderes Kind sehr freuen würde, wenn er ihm die Rutsche hoch helfen würde, macht er das oft. Und beim nächsten Spielplatzbesuch denkt er an genau diese Situation und will mit der Rutsche helfen. Er kommt aber nicht von selbst auf die Idee, dass, wenn sich ein anderes Kind dann einem anderen Spielgerät abmüht, da zu helfen.

Das hört sich alles so kleinlich an, ich versuche es aber nur an Beispielen zu beschreiben.

Ich versuche im Blick zu haben wie es ihm geht. Aber er redet nicht viel über sich. Oder er sagt oft auch Sachen, die er aufgeschnappt hat, die also seiner Meinung nach von ihm erwartet werden. Wieder ein Beispiel: Er hat kein großes Interesse an seiner Schultüte - liebevoll gebastelt von mir und lustlos mitgebastelt von ihm. Das war natürlich blöd von mir enttäuscht zu sein, weil ich das so ein tolles Mama-Kind-Event fand. Gesagt habe ich nichts, aber wohl zu ausführlich gefragt Uuuuuuuuuuuuuuund ist die nicht toll geworden? Was da wohl reinkommt? blablabla Und alle fragen ihn, ob er aufgeregt ist wegen der Schule.

Und, abends irgendwann, sagt er das richtig nach (also quasi wortwörtlich wie ihm das vorgesagt wurde).

Das schauspielern merke ich als Mutter, andere merken das nicht. Allerdings merke ich auch, dass er viele "echte" Gefühle hat und dann auch in echt wütend, traurig, ängstlich und zum Glück ganz ganz oft froh und glücklich ist. Solange das so bleibt, mache ich mir keine ernsthaften Sorgen um seinen Gemütszustand.

Nur darum, dass etwas von ihm erwartet wird und er darauf nicht / komisch reagiert und sich mit dieser Reaktion unwohl fühlt.

Puh, lange und verworren geschrieben, ich schicke trotzdem mal ab.
schlangengurke
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 7097
Registriert: 29.10.2011, 17:21
Wohnort: Deutschland

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von schlangengurke »

Danke für diesen Austausch! Da könnte durchaus einiges auch für uns dabei sein.
Rokita
schreibt ganz schön oft
Beiträge: 129
Registriert: 20.02.2017, 11:17

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Rokita »

Für mich klingt das so als hättet ihr euch schon einige gute Strategien zurechtgelegt und für mich liest es sich auch sehr schön, wie du ihn siehst!

Ich grüble oft wie ich es gut hinkriege ihm zu vermitteln, dass seine Gefühle valide sind so wie sie sind und es trotzdem sinnvoll ist sich in einer bestimmten Situation so und so zu verhalten ohne ihn zu überfrachten und finde es auch schön hier Anregungen mitzunehmen.
"Schauspielern" tut der kleine Mann auch hin und wieder und da würde ich ihm gerne vermitteln, toll ich habe gesehen, dass du diese Strategie angewandt hast und nicht toll, so bist du richtig. Wisst ihr was ich meine ? Wie macht ihr das ? (Ich hoffe ich lenke damit nicht vom Thema weg.)
Mit kleinem Mann Anfang 2016,
kleiner Frau Herbst 2018
Sternchen 2017
Missie
alter SuT-Hase
Beiträge: 2600
Registriert: 24.06.2014, 18:33
Wohnort: NRW

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Missie »

Für mich klingt das auch total stimmig, Cecily!

Wir machen das auch oft ähnlich, ich denke, da bleibt einem nicht viel anderes übrig. Und Dinge, die sinnvoll und notwendig sind, KANN man ja gar nicht verweigern. Da staunen andere oft nicht schlecht, wenn unser wildes Kind ganz ohne Geschrei und Streit sich logischen Argumenten beugt und kooperiert.

Mit etwas mehr Übung schafft euer Sohn es bestimmt, über die Kognition seine Andersartigkeit zu kompensieren. So liest es sich für mich und ich drücke euch die Daumen. 😊
Drei Jungs:
Januar 2014, März 2016, Februar 2020
Benutzeravatar
MamaMonster
Dipl.-SuT
Beiträge: 5347
Registriert: 03.03.2015, 12:10
Wohnort: Schweiz

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von MamaMonster »

Danke, Jadzia, das finde ich schon sehr hilfreich. Mir helfen ja deine Beiträge oft im Umgang mit dem Goldjungen. Auch das zur orientierenden Kommunikation damals war für uns wirklich nachhaltig hilfreich. Darf ich fragen, was du denn genau beruflich machst? (Ev per PN)? Ich bräuchte, glaube ich, nämlich langsam etwas mehr Hilfe beim Umgang mit dem Goldjungen und alles, was ich finde, ist irgendwie nicht das Richtige. Ich könnte natürlich versuchen, eine Diagnose zu finden, aber vorher würde ICH mich eigentlich gerne genauer beraten lassen. Wie landet man den bei jemandem, wie dir? Oder ist das eher eine persönliche Qualität 😄?
Jadzia hat geschrieben: 14.07.2020, 16:00 Stell dir das wie ein Kartenspiel vor. Welche Karte darf gezogen werden. Welche darf auch ( ist aber nicht sinnvoll oder nicht effektiv), welche Karte darf NICHT gelegt werden ( und was passiert wenn ich es trotzdem tue). Welche Karte sticht über welche ( und warum) und was ist das Ziel!!! des Spiels.
Das klingt, als würde es meinem Kind total helfen. Es ist nur so: ich weiss das oft auch nicht. Was ist denn das Ziel des Spiels? Und was, wenn ihm das Ziel egal ist? Gerade in sozialen Belangen, mein Kind weiss nicht nur oft nicht, wie andere sich fühlen, es ist ihm auch oft egal, wenn er es weiss. Und implizite Regeln begründen finde ich manchmal echt schwer.
MamaMonster mit Goldjungen (7/14) und Goldmeitli (2/17)
Blog:www.goldwaendlerin.ch
Jadzia
Dipl.-SuT
Beiträge: 4585
Registriert: 15.07.2011, 21:10

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Jadzia »

Weil das gefragt wurde : Buchtips habe ich leider keine. Ich lerne tendenziell nicht aus Büchern. Mag sein daß es welche gibt, aber ich kenne keines.
Ich werde immer wieder aufgefordert eines zu schreiben, und das war schon mal Thema in anderen Threads, aber da bräuchte ich wohl einen Ghostwriter oder so. Das liegt mir einfach nicht.

Cecily, wenn deine Autorität in Frage steht, dann ist genau an der Stelle Klärungsbedarf. Nämlich warum ist eine Hausregel uU genauso bindend wie eine Verkehrsregel. das ist halt komplexer und vielschichtiger und nicht jede Regel ist gleich wichtig und relevant. da hat dein Sohn einerseits wahr, andererseits geht er aber auch in einen Irrtum. Natürlich geben die Erwachsenen den Rahmen vor. Aber das ist so viel unsichtbarer Rahmen. Und es wirkt oft willkürlich.
Das wäre sehr dringend zu klären. Sonst gehts ständig "ums Prinzip"

MamaMonster , über meinen Beruf halte ich mich etwas bedeckt, weil ich tatsächlich nicht über mein Schreiben mit Klarnamen gefunden werden will. Aber du kannst mir gerne PN schreiben. Zu mir kommen Kinder mit Diagnose, oder sehr junge Kinder, ab 2 mit Schwierigkeiten und Verdacht auf....aber in DE ist das sicherlich ein anderes System als in der Schweiz.
Allerdings kann ich nicht behaupten dass meine Kollegen alle so genau wüßten wovon ich hier schreibe. Das ist bißchen wie Kinderärzte und Stillen. Sie müßten es ja eigentlich wissen, aber haben es im Studium dann doch nicht gelernt und man braucht Glück an jemanden zu geraten der sich wirklich auskennt.
Oft werden Kinder mit diesen Problemen ( Theory of Mind und Zentrale Kohärenz , davon reden wir nämlich gerade) in die psychologische Schiene gepackt. Bekommen dann Diagnosen wie eingeschränkte geistige Fähigkeiten, Sprachentwicklungsstörungen oder Zwangserkrankungen. Und es ist nichts davon.

Das ist ein ganz großes Problem an dem ich manchmal schier verzweifle. Auch den Kollegen gegenüber.
Alles kann, Liebe muss

Jadzia mit Dax (03/11)

1000 Streams, 100 Kommentare, 50 mal 5 ⭐️
Sind unser Ziel ( psst, geht auch doppelt und dreifach und sogar ohne Zuzuhören 😊)

https://open.spotify.com/episode/4UUhYl ... OBYY39nlir

https://youtu.be/4fegPvOL94Y?si=-3kT2Fg70wF1BD7H

https://www.instagram.com/12briefe_der_ ... _source=qr
Benutzeravatar
Sabina
Miss SuTiversum
Beiträge: 13816
Registriert: 13.01.2012, 11:34
Kontaktdaten:

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Sabina »

MamaMonster, wir hatten eine wunderbare Psychomotoriktherapeutin für unseren Goldjungen (das ist er nämlich wirklich), die fast drei Jahre an genau solchen (und anderen) Problemen mit ihm gearbeitet hat. Mit ihr hatte ich immer auch wieder Einzelgespräche. Geht dein Sohn evt. auch in die PMT?
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…

👦🏼2010
👧🏼2013
👧🏼2017
Benutzeravatar
MamaMonster
Dipl.-SuT
Beiträge: 5347
Registriert: 03.03.2015, 12:10
Wohnort: Schweiz

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von MamaMonster »

Nein, bisher nicht. Die hier generell vom KiGa vermittelte Therapeutin (ist ja ein Dorf hier) hat keine Kapazität, wäre aber wohl auch nicht die richtige für uns. Aber danke für den Hinweis, ich gucke mal, ob ich da etwas finde.
MamaMonster mit Goldjungen (7/14) und Goldmeitli (2/17)
Blog:www.goldwaendlerin.ch
Samsoli
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1287
Registriert: 18.08.2016, 09:37

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Samsoli »

Ich erkenne uns (also in erster Linie meinen Großen) hier in einigen Aspekten wieder, bin aber zu müde um sinnvoll auf eure Beiträge einzugehen. Ich hoffe, ich komme bald nochmal dazu, alles in Ruhe zu lesen. Es ist ein spannender Austausch, ich habe oft das Bedürfnis, mich diesbezüglich mit jemandem zu unterhalten - aber die meisten Eltern in meinem Umfeld können wohl nicht so richtig nachvollziehen, was ich meine... Deswegen lese ich derweil interessiert mit!
Ich mit Großem (3/13) und Kleinem (2/16)
Cecily
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 8171
Registriert: 26.05.2016, 16:26

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

Jadzia hat geschrieben: 14.07.2020, 22:10 Weil das gefragt wurde : Buchtips habe ich leider keine. Ich lerne tendenziell nicht aus Büchern. Mag sein daß es welche gibt, aber ich kenne keines.
Ich werde immer wieder aufgefordert eines zu schreiben, und das war schon mal Thema in anderen Threads, aber da bräuchte ich wohl einen Ghostwriter oder so. Das liegt mir einfach nicht.

Cecily, wenn deine Autorität in Frage steht, dann ist genau an der Stelle Klärungsbedarf. Nämlich warum ist eine Hausregel uU genauso bindend wie eine Verkehrsregel. das ist halt komplexer und vielschichtiger und nicht jede Regel ist gleich wichtig und relevant. da hat dein Sohn einerseits wahr, andererseits geht er aber auch in einen Irrtum. Natürlich geben die Erwachsenen den Rahmen vor. Aber das ist so viel unsichtbarer Rahmen. Und es wirkt oft willkürlich.
Das wäre sehr dringend zu klären. Sonst gehts ständig "ums Prinzip"

MamaMonster , über meinen Beruf halte ich mich etwas bedeckt, weil ich tatsächlich nicht über mein Schreiben mit Klarnamen gefunden werden will. Aber du kannst mir gerne PN schreiben. Zu mir kommen Kinder mit Diagnose, oder sehr junge Kinder, ab 2 mit Schwierigkeiten und Verdacht auf....aber in DE ist das sicherlich ein anderes System als in der Schweiz.
Allerdings kann ich nicht behaupten dass meine Kollegen alle so genau wüßten wovon ich hier schreibe. Das ist bißchen wie Kinderärzte und Stillen. Sie müßten es ja eigentlich wissen, aber haben es im Studium dann doch nicht gelernt und man braucht Glück an jemanden zu geraten der sich wirklich auskennt.
Oft werden Kinder mit diesen Problemen ( Theory of Mind und Zentrale Kohärenz , davon reden wir nämlich gerade) in die psychologische Schiene gepackt. Bekommen dann Diagnosen wie eingeschränkte geistige Fähigkeiten, Sprachentwicklungsstörungen oder Zwangserkrankungen. Und es ist nichts davon.

Das ist ein ganz großes Problem an dem ich manchmal schier verzweifle. Auch den Kollegen gegenüber.
Ich hole das Thema wieder hoch, musste erstmal einen Kommentar meiner besten Freundin überdenken, s.u.

Ja, meine / unsere Autorität wird dauernd in Frage gestellt. Das haben wir bei beiden Kindern (und dem Hund) von Anfang an falsch gemacht. Ich weiss auch nicht, ob wir das ( noch) ändern können? Mein Mann hatte eine schreckliche Kindheit und will alles anders machen. Ich hatte dagegen eine tolle Kindheit und will alles gleich machen. Meine Eltern waren total unautoritär und ich habe gemacht, was ich wollte, begrenzt weitestgehend auf das gesetzlich erlaubte und elterlich tief anerzogene (Leistung erbringen / Zukunft nicht verbauen).

Ich könnte mir aber vorstellen, dass das nicht bei allen Kindern funktioniert.

Wir leben so wie wir uns Glück vorstellen mit den für uns wichtigsten Regeln. Die Kinder halten sich an die wichtigsten Regeln, reagieren aber selten "auf Befehl".

Am Wochenende war meine Schwester da und hat freitags bis sonntags auf die Kinder aufgepasst und da kam wieder wie sozial Flo ist. Maxi war "anstrengend". Aber das bezog sich auf Höflichkeit ( zB hat sich der 2-jährige für den schönen Tag bedankt und der 6-jährige nicht). Das macht einfach einen schechten Eindruck. Der 2-jährige hat sofort andere Kinder zum spielen gefunden, der 6-jährige nicht.

Aber: er war am Samstag auf einem Kindergeburtstag und da war alles supi. Er fällt also nicht aus dem Rahmen (gerade), sondern wirkt nur unnett.

Ich hab immer noch Angst vor der Schule. Er kommt immer sehr sehr gut und nett klar mit Kindern und Erwachsenen, die er interessant findet. Zuletzt hatte er ein langes Gespräch mit einem Meteorologen. Auch in der Bücherei ist er gern gesehener rüchsichtsvoller Gast. Solange er ehrlich interessiert ist, kein Problem. Wenn es mal nicht um ihn / um nichts. was ihn interessiert geht, Drama.

Meine beste Freundin hat mir gesagt, dass sie mir nicht umsonst sagt, dass er genauso ist wie ich.

(Später weiter, ich werd abgeholt.)
Antworten

Zurück zu „Unsere Kinder“