Cecily hat geschrieben: 14.07.2020, 10:41
Jadzia hat geschrieben: 13.07.2020, 21:28
Puh das ist ein so weites Feld.
Am wichtigsten finde ich die Regeln und Gesetzmässigkeiten von sozialem und emotionalem Miteinander selbst immer wieder uu reflektieren und in einen Zusammenhang zu bringen. Das ist viel weniger einfach als das klingt. Was bezieht sich auf was, was hängt voneinander ab...
Ich arbeite gerne mit „Schlagworten“ wie Ordnung oder Unordnung, höflich und unhöflich , Plan und Ausnahme
Um dann in jeweiligen Situationen mit den Schlagwort Schubladen sprachlich schnell und unkompliziert zu sein.
Beispiel : das ist für dich jetzt eine Unordnung weil du denkst das machen wir so wie immer. Jetzt ist eine andere Situation daher ist das eine Ausnahme ( eine andere Regel greift hier weil wir woanders sind etc pp)
Also im Grunde eine Gegenüberstellung Dein Denken mit Begründung, mein Denken, Denken eines Dritten, allgemeines Denken.
Um eben auch nicht das Denken des Kindes an sich zu kritisieren, sondern gerade die Berechtigung zu betonen, die nur in diesem Moment nicht passt oder einen Gegenpart hat.
Ist das verständlich?
Und ich verstehe nur Bahnhof.
Wäre z.B. richtig bei Besuch: Ich weiß, jetzt ist normalerweise eure halbe Stunde Fernsehzeit und ich verstehe, dass du die gerne haben möchtest. Aber jetzt ist doch eine besondere Situation, weil wir bei A. und B. zu Besuch sind. A. und B. dürfen aber jetzt nicht Fernsehen schauen, du darfst dafür was schauen, wenn wir wieder zu hause sind?"
Für sowas muss man wahrscheinlich Fachfrau sein.
Gestern Abend hat er es eigentlich wieder super gemacht. Der kleine Bruder konnte / wollte nicht schlafen und saß heulend um 22.30 auf dem Boden (natürlich nach dem wir ihn eine Stunde ins Bett gebracht hatten, 20 x wieder zugedeckt haben usw.). Er ist dann auch gekommen und konnte wegen dem Geschrei nicht schlafen und hat Flo an die Hand genommen und gesagt: "Komm, ich bring dich ins Bett und schlafe dann bei dir". Da hat er die Situation richtig gut gelöst und wir haben uns dann bedankt und gesagt wie toll wir das finden.
(Gestern waren wir ab 22.00 übrigens keine besonders besonnenen Eltern mehr und haben den 2-jährigen nur noch angemotzt. Irgendwann können wir halt nicht mehr.)
So sehr Bahnhof war das doch gar nicht. Das war doch recht gut formuliert.
Die REGEL die du aber nur implizit benannt hast ( wir sind da zu Besuch) würd ich noch EXPLIZIT machen :
Was das fernsehen betrifft, so machen die Leute die in einem Haus wohnen ( oder im Falle von Schule etc. Hausrecht haben) die Regeln.
Es gibt allgemeine Regeln ( die niemand macht, aber trotzdem gelten. wie freundlich mit Fremden sprechen oder nicht in der Öffentlichkeit popeln)
Allgemeine Regeln und Ordnungen die der Staat macht.
Hausregeln.
Familienregeln.
usw usf
Stell dir das wie ein Kartenspiel vor. Welche Karte darf gezogen werden. Welche darf auch ( ist aber nicht sinnvoll oder nicht effektiv), welche Karte darf NICHT gelegt werden ( und was passiert wenn ich es trotzdem tue). Welche Karte sticht über welche ( und warum) und was ist das
Ziel!!! des Spiels.
Die Absicht hinter der Regel, die Gefühle hinter dem Verhalten, den Plan hinter der Handlung EXPLIZIT benennen. Nicht implizit. Könnten sie implizit auch verstehen, würden wir darüber nicht reden. Das benennen was ich nicht SEHEN , FÜHLEN; ANFASSEN kann, sondern was ich folgern muß.
Benennen, benennen, benennen. Und zwischendurch mal fragen ; was bedeutet spontan ? Was bedeutet unhöflich. Was bedeutet gereizt.
Um wirklich mitzubekommen ob der Sinn hinter dem Wort erfasst wurde.
Denn diese Kinder sind Meister der Imitation wenn sie den Sinn nicht erfassen. Was habe ich für eine Wahl wenn ich den Sinn und das Ziel nicht erfassen. Ich kann die Karten auf den Tisch werfen, oder ich kann tun was die anderen tun. Fällt ja vielleicht am wenigsten auf. Bin ich schön unauffällig und angepasst. Und alle sind glücklich. Nur : das Kind dann eher nur so mittel. Ist nicht schön das drumrum nicht zu verstehen, während alle anderen es tun. Und nicht die richtigen Fragen stellen zu können weil ich gar nicht genau wüßte was zu fragen wäre.....
Rollenspiele sind da auch nicht gleich Rollenspiele. Es gibt echte Rollenspiele ( Perspektivwechsel) und es gibt Imitationsspiele. Sieht auf den ersten Blick manchmal glelch aus, ist aber was diverses. Es wird nämlich was völlig anderes gelernt und geübt. In den Diagnoseverfahren ist das der Punkt den ich nie einfach glaube wenn da angekreuzt steht : spielt Rollenspiele.
Die Gretchenfrage ist : was passiert im Inneren des Kindes, im Denken im Fühlen. Viel weniger wie erscheint es von außen.
Und daran misst sich meiner Meinung nach ein Hilfebedarf , eine mögliche Behinderung, eine Einschränkung, ein Charakterzug.
Und da ist nach meiner Erfahrung nach das sehr intelligente Kind im emotionalen Nachteil, weil es seine Einschränkung erfasst und darunter tendenziell eher leidet, als ein normalbegabtes Kind.
Das im Blick zu haben finde ich wichtig.