Für einige Deiner Fragen gibt es technische Tipps, mit anderen musst du dich einfach arrangieren. Dazu gehören die entwicklungsbedingten Phänomene, die einem pahesenweise das Binden erschweren.
Ganz klassisch: Deine 1. Frage.
IndieRina hat geschrieben:
1. Was tut ihr, wenn das Baby sich gerne überstreckt? Mein Kleiner (sieben Monate) kann so fast jeden Beutel zerstören. Im Ringsling ist es nicht so problematisch, da ich da ja ständig nachbessern kann. Aber auf dem Rücken geht das schlecht. Oft ist er anfangs gut angehockt und 20 Minuten später sind die Knie weit unterm Po und von guter Anhockung keine Spur mehr.
Da kann man nicht sehr viel tun. Sobald die Kleinen motorisch mehr können, will das auch erprobt werden. Da hilft nur nachbessern, sobald etwas Ruhe eingekehrt ist.
Ich zitiere mich mal selbst:
Der Trick zum Nachträglich-Beutel-Sichern geht so: Mit einer Hand hebst du den Po des Kindes an. Mit der anderen fährst du außen am Beutel entlang, greifst die Pokante und ziehst diese bis in die Kniekehle. Wenn du nun den Po deines Kindes loslässt, sichern die Stränge die Pokante.
Nichtsdestotrotz lockert sich das möglicherweise wieder - wenn man länger unterwegs ist, wenn das Kind sehr aktiv ist. Also immer mal wieder nachfühlen, wo die Kante ist und wenn nötig noch einmal korrigieren.
Das Schöne am Rucksack ist, dass es relativ leicht ist, solche Dinge zu reparieren. Und es ist ganz normal, das zu tun!
Zum nächsten Thema:
IndieRina hat geschrieben: 2. Ab wann kann man beim ER denn nun wirklich die Ärmchen draußen lassen? Es gibt dazu so verschiedene Meinungen. Einige sagen, dass man das ab Kopfkontrolle problemlos tun kann. Die hat mein Baby ja schon lange. Und mit Ärmchen draußen ist es soo viel leichter, ihn zu binden und er ist auch ruhiger und zufriedener! Nur habe ich das Gefühl, dass er dann doch nicht so stabil ist, wie er es sein sollte. Wenn er einschläft, sinkt er richtig krass zur Seite. Ich stütze den Nacken dann zwar mit einem Schal, aber es sieht trotzdem seltsam und ungesund aus. Außerdem neigt er ja, wie gesagt, zum Überstrecken, und ich habe Angst, dass er dann doch mal *schwupps* rückwärts rauskippen könnte. Auch ist mir aufgefallen, dass man auf einschlägigen Trageseiten nie Bilder sieht, auf denen jemand ein Baby nur bis zu den Achseln bindet. Das scheinen die Profis alle erst ab Laufalter zu machen.
Kopfkontrolle finde ich deutlich zu früh. Wir raten in der Regel dazu, zu warten bis die Rumpfkontrolle etwas ausgeprägter ist, also ab Sitzalter. Allerdings ist es so, dass es sehr freiheitsliebende Kinder gibt, bei denen es mitunter früher angezeigt ist. Dann bitte die Tuchkante möglichst weit nach oben ziehen, unter die Achseln.
Rauskippen kann das Kind dann nicht, aber es ist auf die Dauer unbequem für die Tragenden, weil wir in Ausgleichshaltung gehen. das ergibt Rücken- und Schulterschmerzen. dazu mehr weiter unten.
Beim Einschlafen ist es unabhängig vom Alter so, dass die Muskelspannung nachlässt und es bei "Arme raus" tatsächlich an Stabilität mangelt. Daher der Rat, die Kante möglichst weit oben zu lassen, denn dann reicht es meistens, den Kopf mit einem Schal zu stabilisieren. Manche Kinder tolerieren es aber auch, wenn dann die Arme eingebunden werden.
Der nächste Punkt ist zentral für einen guten Rucksack: Der Beutel
3. Wie beutelt ihr gut ein? Ich versuche da immer wieder was anderes. Der Klassiker (Baby auf den Oberschenkel setzen, zwei Handbreit Tuch liegen anfangs gerafft vor seinem Schritt) funktioniert nicht immer gut. Bei WrapYouInLove bin ich immer beeindruckt, wie sie es schafft, das Kind mit vorgebeugtem Rücken nochmals "nachzubeuteln". Ich versuche das auch oft und schiebe, während ich das Tuch vorne zwischen den Knien oder mit dem Mund festhalte, nachträglich Tuch unter seinen Po. Ich hab aber nicht das Gefühl, dass das Tuch da auch bleibt, vielmehr sackt und schwabbelt es beim weiteren Binden irgendwie weg.
Ich fange von hinten an. Das Tuch bleibt da auch nicht unbedingt - zu tief einbeuteln bringt nämlich wenig, weil man sich beim Festziehen die Pokante wieder hervorzieht. Die muss auch nicht bis zum bauchnabel gehen, wie man oft liest/hört/sieht. Ein Beutel wird daraus, wenn die Kante beim angehockten Baby von Kniekehle zu Kniekehle geht. Alles andere wird einfach nach einigen Minuten lose - loses Tuch führt zur Ausgleichhaltung und die wiederum zu Rücken- und Schulterschmerzen.
Beim Einbeuteln ist es wichtig, immer nah am Kind zu bleiben und das Tuch weit genug nach oben zu führen.
Und da ich es so oft erwähnt habe, nun zu Frage 4: Rücken- und Schulterschmerzen.
4. Wie lange könnt ihr im ER tragen und wie schützt ihr eure Schultern? Meine tun immer irgendwann weh, mal nach fünf, mal erst nach 40 Minuten. Aber zwei Stunden Waldspaziergang mit ER? No Way. Ich finde den Druck oben auf den Schultern so unangenehm! Deshalb mag ich auch den Sling so, weil der Druck sich da besser über Schulter und Oberarm verteilt. Gibt es ER-Bindeweisen, bei denen man das Tuch mehr auffächert, ähnlich wie beim Sling?
Das Empfinden ist da sicher individuell. Die Bequemlichkeit des Rucksacks hängt von mehreren Faktoren ab: Technik (Beutel und Festziehen), Höhe (gehört eigentlich zur Technik), Material (dünne Tücher schneiden eher ein als dickere), Aktivität des Kindes (ein hopsendes Kind ist zwar lustig, aber es lockert das Tuch) und Empfindlichkeit (bist du ein Handtaschen- oder Rucksackmensch?).
Je sauberer man bindet, je weiter das Tuch auf der Schulter verteilt ist, desto bequemer. Dann gibt es Entlastung für die Schulter durch einen Brustgurt (entweder durch Spucktuch, Halstuch o.ä.) oder einen anderen Abschluss. Außerdem spielt die Höhe, in der das Kind getragen wird eine große Rolle: Je weiter oben, desto mehr Last auf der Schulter. Im Grunde reicht es, wenn die Kinder gerade so über die Schulter schauen können, es muss nicht der ganze Kopf über deine Schulter ragen.
In meiner Beratungserfahrung liegen die Probleme beim Rucksack meist daran, dass beim Festziehen noch einiges herausgeholt werden kann. Aber ich habe dir jetzt schon so viel dagelassen - schau erst einmal, was du mit dem obigen anfangen kannst.

Liebe Grüße von Nina mit dem großen (05/07), dem mittleren (10/09) und dem kleinen Tragling (2/2013)