Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

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Mido
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Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

Beitrag von Mido »

Liebes Stillforum,

ich habe euer Forum an anderer Stelle empfohlen bekommen, ich hoffe, es ist ok, einen eigenen Thread zu eröffnen. Ich habe mir die Linksammlung Stillwissen durchgelesen und viele wertvolle Tipps mitnehmen können, ein dickes Dankeschön schon mal hierfür. Ich hoffe, ihr könnt mir helfen, ich weiß einfach nicht mehr weiter.

Mein Baby ist am 4.4.2015 spontan im KH zur Welt gekommen, die Geburt war unkompliziert und schnell (und schön!). Schon im Kreißsaal wurde sie angelegt und hat gleich getrunken. Das KH ist sehr stillfreundlich, es gibt eine festangestellte Stillberaterin und auch die restlichen Schwestern auf der Station haben mir den Eindruck vermittelt, sich gut auszukennen. Es wurde nicht zugefüttert und auch ansonsten die Wünsche der Mutter respektiert und wenn man stillen möchte, wurde alles dafür getan, dies zu realisieren. Mir wurde geraten, das Kind mindestens alle 3,5 Stunden anzulegen, im Notfall zu wecken. Meine Tochter hat von Anfang an super getrunken, ich hatte gut Vormilch und auch die Saugtechnik und die Anlegetechnik waren gut (da wurde immer wieder darauf geschaut). Der Milcheinschuss war ziemlich früh, nach nicht mal 36 Stunden und da hat sie gut getrunken, ich hatte von Anfang an eher viel Milch. Einmal wurde mir zum Abpumpen geraten, weil die Brüste so hart und schmerzhaft waren und mein Kind so schnell wohl nicht nachkam mit dem Trinken. Abgepumpt wurde mit einer elektrischen Medela, beidseitig, da kamen 40ml, die ihr auf meinen Wunsch aber nicht gefüttert wurden, sondern ich habe sie danach ganz normal weitergestillt.

Das Stillen daheim lief dann ein paar Tage ganz gut, vor allem an der linken Brust. An der rechten hatte ich Schmerzen und bald auch zwei tiefe Risse. Da fingen auch die Probleme dann langsam an, dass mein Baby extrem hastig trinkt, sich viel verschluckt und häufig nur sehr kurz an der Brust trinkt - manchmal keine 5 Minuten - und dann die Brustwarze loslässt und losbrüllt, obwohl sie weiterhin Suchbewegungen mit dem Mund macht. Sie schluckt oft irre viel Luft, die sie kaum mehr rausbekommt. Deshalb war ich am 13.4. bei der Stillambulanz im KH, die Stillberaterin hat sich die Anlegetechnik nochmal angeschaut und mir geraten, möglichst gegen die Schwerkraft zu stillen, weil sie einen stark ausgeprägten Milchspendereflex vermutet.
Durch sorgfältiges Anlegen ist die Brustwarze schnell gut geworden und die Schmerzen gingen weg, der Riss heilte gut. Das Stillen blieb weiterhin schwierig, die Probleme, die ich oben beschrieben habe, blieben. Noch dazu verkürzten sich die Abstände weiter, von 1,5 Stunden auf 30 Minuten. Ich war am 20.4. nochmal auf der Wochenstation, wieder bei einer Stillberaterin, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ich hatte die Vermutung, dass ich sehr viel Milch habe und mein Kind oft vor Hunger schreit, weil sie die hintere Milch nicht bekommt. Nämlich erst wenn ich sie immer und immer wieder auf dieselbe Seite anlege und sie dann auch lange trinkt, fällt sie danach ins Milchkoma und ist sichtlich zufrieden. Dazwischen gibt es immer Geschrei mit Tränen und sehr hysterisch :( . Das wurde mir dann auch so von der Beraterin bestätigt, für alle 30 Minuten Stillen war die Gewichtszunahme zu gering - laut ihr zwar ausreichend, aber meine Angst, mein Kind würde immer wieder vor Hunger brüllen, hat sie bestätigt. Als Tipps hat sie mir zu Gelassenheit geraten, nach Bedarf weiterstillen und durchhalten. Als Stillposition hat sie mir gezeigt, im Liegen auf dem Rücken zu stillen, Baby auf meinem Bauch und eben gegen die Schwerkraft. Wenn sie ganz entspannt ist (meistens nur, wenn sie gerade geschlafen hat und noch im Halbschlaf ist), trinkt sie so auch ganz gut, bis zu 20 Minuten, aber dockt trotzdem danach ab, verschluckt sich, muss aufstoßen und brüllt die Brustwarze hysterisch suchend an. Ich halte das einfach nicht mehr aus und weiß nicht, was ich noch tun soll. Ich hab versucht, sie immer wieder an dieselbe Seite anzulegen, damit sie an die hintere Milch kommt, aber das passiert oft erst nach Stunden (ca. 5!). Kann ich wirklich so viel Milch haben? Dazu kommt halt der Milchspendereflex, mit dem sie sich einfach so schwer tut. Sie lässt sich dann oft nicht mehr beruhigen. Dazu schluckt sie dann soviel Luft, dass sie sich irre mit Bauchschmerzen quält. Man hört direkt, wie es in ihrem Bäuchlein gluckert.

Ich denke wirklich übers Abstillen nach, aber das will ich eigentlich überhaupt nicht! Ich bin wirklich an meiner körperlichen und psychischen Grenze.

* Wird oder wurde Euer Baby zugefüttert, bekommt es abgepumpte Milch oder auch mal ein Fläschchen, schreibt bitte die Mengen auf (wie oft wieviel täglich) und womit zugefüttert wird oder wurde.
Nein, ich habe jetzt aus Verzweiflung ein Fläschchen probiert, aber sie nimmt es nicht und spuckt die paar Tropfen Pre aus.

* Bitte beschreibt, wie Euer Stillalltag für gewöhnlich aussieht: wie oft und wie lange wird üblicherweise gestillt? Wie lang sind die Schlafpausen?
Sie trinkt in der ersten Nachthälfte ca. alle 2 bis 1 Stunde, da meist im Liegen seitlich, ihr Kopf auf ein Kissen gestützt, sodass sie sich leichter tut. Ab ca. 4 Uhr trinkt sie halbstündlich, oft mit Geschrei dazwischen. Um ca 8 ist die Nacht vorbei, sie brüllt sich weg bis sie entweder irgendwann genug Milch hatte oder vor Erschöpfung einschläft. Ich stille immer nur eine Brust, dass die "leer" ist, kommt einfach nicht vor. Wenn sie satt ist, schläft sie dann ca 2 - 3 Stunden so um die MIttagszeit. Danach geht es von vorne los, sie trinkt untertags alle 30 Minuten. Oft nur ein paar Schlucke, dann mal 5 Minuten und nur ganz selten so um die 20 Minuten. Weil ich nicht mehr weiß, was ich machen soll, halte ich mich an die Empfehlung der Beraterin, 2 Stunden bei einer Brust zu bleiben, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie da nur Vordermilch bekommt in der Zeit. Am Abend schläft sie manchmal nochmal 3 Stunden, dann wie beschrieben erst 2 bis 1 Stunde und dann wieder 30 Minuten. Wenn die Brüste in der Nacht sehr voll sind, streiche ich aus, bis der ärgste Druck weg ist.

* Wie oft pro Tag scheidet das Baby aus? Wie häufig Stuhlgang?
Sie hat viele nasse Windeln, ich würde schätzen ca 8-10, dass auch Stuhl dabei ist mindestens 5 mal.

* Berichtet auch von Eurem Stillstart und den ersten Wochen nach der Geburt, v.a.: Wie klappt(e) das Stillen? Unruhiges Baby? Andock-Probleme?
Wie eingangs beschrieben. Hauptprobleme lassen sich zusammenfassen in viel Milch, Baby kommt kaum an die hintere Milch, trinkt oft nur kurz und sehr hektisch, kämpft mit dem Milchspendereflex, brüllt stundenlang vor Blähungen und Hunger.

* Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?
Wenn sie wirklich nur noch nuckeln will und ich's einfach nicht mehr aushalte, versuche ich den Schnuller, aber sie nimmt ihn meistens nicht. Sonst weder Flasche noch Hütchen.

* Seid Ihr (bzw. Ist Euer Kind) bereits woanders in Behandlung/Beratung? Stillberatung, Kinderarzt, Hebamme, Osteopath, Krankengymnastik...?
Mit der Hebamme war ich nicht zufrieden bezüglich Stillen (sehr pro Schnuller um Abstände von 3 Stunden zu erreichen), bei der Stillberatung war ich zweimal. Osteopath wurde mir empfohlen, muss ich nur noch Termin machen.

* Gibt es medizinische Besonderheiten, die das Stillen betreffen können? Z.B. Orthopädische Auffälligkeiten, Frühgeburt, Gelbsucht beim Baby? Brust-Operationen, Schilddrüsen- und andere chronische Erkrankungen (Übergewicht, Diabetes, PCOS,...) bei der Mutter? Medikamenteneinnahme?
Nichts von alldem. Das einzige: Ich gebe ihr abends manchmal Sab Tropfen, wenn sie stundenlang schreit und offensichtlich Bauchweh hat.

Gewichtsentwicklung:
4.4.: 3488g Geburtsgewicht KH
7.4.: 3400g Entlassungsgewicht KH
9.4.: 3530g Hebamme zu Hause
13.4.: 3740g Stillambulanz
22.4.: 3980g KH

Ich hoffe, ihr könnt mir helfen! Vielen Dank schon mal im Voraus!
Liebe Grüße, Mido
Mit kleiner Schnapp-Chilled-Kröte (04/14)
Siduri
alter SuT-Hase
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Re: Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

Beitrag von Siduri »

Liebe Mido!

Oje, das klingt, als hättet ihr zwei es nicht leicht momentan. Wen das Bay weint, zerreißt es einem fast das Herz :(

Es wird sich sicher bald ein Stillmod bei euch melden, ich wollte aber nicht hier raus, ohne dir zum Baby zu gratulieren und euch alles Gute zu wünschen.

lg
Elbenkind (geb. 17.11.2013)
Hobbitkind (geb. 02.12.2016)
Lösche Benutzer 7240

Re: Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

Beitrag von Lösche Benutzer 7240 »

Zur Gewichtsentwicklung kann ich nichts sagen, nur zum starken MSR: das klingt alles "einfach" nach eben jenem. Gute Tipps hast Du schon bekommen, jetzt muss Dein Baby nur noch lernen, mit dem starken MSR klarzukommen (und vielleicht pendelt sich das mit dem MSR auch noch etwas ein... das hat zumindest bei mir aber einige Monate gedauert - bis dahin hatte mein Baby aber gelernt, damit umzugehen! Das dauert eher so ein paar Wochen). Das mit der Hintermilch ist so ein Mythos (steht hier auch irgendwo in der Sammlung Stillwissen, ich weiss aber nicht genau, wo), es gibt nicht erst "die" Vordermilch und dann irgendwann zack auf einen Schlag "die" Hintermilch. Vielleicht magst Du es noch mal mit der Suchfunktion probieren?
Wegen des starken MSR hat bei mir geholfen zurückgelehnt stillen, den ersten Schwall ausstreichen und erst dann das Baby andocken (also viiieeel hat das bei mir nicht gebracht, eher ein kleines bißchen), Baby nach ein paar Minuten hektischem Trinken und Luft schlucken abdocken und aufstoßen lassen (ich musste immer 6x am Tag das T-Shirt wechseln trotz Spucktuch über der Schulter :roll: ), bisschen rumtragen, dann weiterstillen, bei Brust anbrüllen etc. im Laufen stillen und wenn gar nix mehr half ab ins Tragetuch und ein bisschen Spazierengehen. Das ist auch immer etwas rumprobiererei, was jetzt für euch passt.
Das mit dem Blockstillen (so nennt man das glaube ich, wenn man eine bestimmte Zeitlang nur die eine Brust anbietet (also zB 3 Stunden lang nur die linke, dann drei Stunden lang nur die rechte) ist eher eine Möglichkeit bei zuviel Milch. Ich habe das auch gemacht, ich habe aber neben dem starken MSR auch noch viel zu viel Milch, da hilft das Blockstillen zusammen mit Kühlen, die Menge zu reduzieren. Das sollte man meines Wissens nach aber nur machen, wenn man sicher ist, dass tatsächlich zuviel Milch da ist. Das scheint bei Dir ja nicht unbedingt der Fall zu sein? Da hört dann meine Expertise aber auch endgültig auf, ich bin keine Stillberaterin :)

Und: nicht aufgeben, das wird schon! Der Anfang ist oft etwas holprig und unidyllisch, aber das findet sich alles!
ElliBelli
ist gern hier dabei
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Re: Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

Beitrag von ElliBelli »

Liebe Mido

oh das tut mir leicht für Euch!! Ich weiss wie schlimm es sein kann wenn das Baby ohne Ende weint und man ihm nicht helfen kann:(
Gegen die Bauchschmerzen: kennst Du Windsalbe und Baby/Bauch-Massage? das hatte bei uns geholfen, zusammen mit viel tragen und auf den Bauch legen (so dass die Beinchen angehockt sind und der Popo oben, dann können die Gase sehr gut entweichen) und Wärme (Traubenkern-Kissen für Babys, es geht aber sicher auch einfach ein warmes Handtuch aus dem Ofen).

Mir selber hatten Bachblüten gut getan und wenn es ganz schlimm mit Weine war, tieeef dabei in den Bauch atmen und probieren, mich selbst so gut es geht zu entspannen (sau-schwer, ich weiss) um diese Entspannung auf`s Baby probieren zu übertragen. das hatte ich mir bei meinem Mann abgeschaut - er ist vieeel ruhiger als ich und verliert nicht so schnell den Kopf, man konnte teils richtig sehen wie seine Ruhe auf den Kleinen übergeht.

Es wird sicher auch wieder besser, ganz bestimmt. Gute Nacht!
Ellibelli mit Babymann (Januar 2015) und der 3-köpfigen Katzen-Rasselbande
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angelbagel
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Re: Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

Beitrag von angelbagel »

Oh man das hört sich sehr anstrengend an. Du bist aber nicht alleine.
Ich habe auch einen starken msr. Bei uns war es so:
Mein Sohn hatte eine Infektion, musste im kh mit Antibiotika behandelt werden und wurde erst zugefüttert. Dort waren s auch alle drei Stunden.
Zuhause dann Anfangs stündlich oder sogar weniger. Ich habe Block stillen gemacht weil ich auch zu viel Milch hatte.
Bauchschmerzen waren fies. Wir waren bei einer Osteopathin und jetzt ist er 10 Wochen und es ist besser aber wir gehen auch noch ein viertes mal hin. Auch wegen anderen Sachen.
Ich kann dir nur raten versuchen entspannt zu sein und nicht abzustillen wenn du es nicht willst. Es wird besser. Irgendwann.
Wärme und wirklich Dauer tragen hat auch geholfen. Wir hatten noch etwas zum Aufbau der Darmflora wegen Dez Antibiotika. Bigaia nennt sich das.
Ich schicke dir viel Kraft.
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Teazer
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Re: Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

Beitrag von Teazer »

Guten Morgen Mido,

herzlich willkommen im SuT! :)
Mido hat geschrieben:Mein Baby ist am 4.4.2015 spontan im KH zur Welt gekommen, die Geburt war unkompliziert und schnell (und schön!). Schon im Kreißsaal wurde sie angelegt und hat gleich getrunken. Das KH ist sehr stillfreundlich, es gibt eine festangestellte Stillberaterin und auch die restlichen Schwestern auf der Station haben mir den Eindruck vermittelt, sich gut auszukennen. Es wurde nicht zugefüttert und auch ansonsten die Wünsche der Mutter respektiert und wenn man stillen möchte, wurde alles dafür getan, dies zu realisieren. Mir wurde geraten, das Kind mindestens alle 3,5 Stunden anzulegen, im Notfall zu wecken. Meine Tochter hat von Anfang an super getrunken, ich hatte gut Vormilch und auch die Saugtechnik und die Anlegetechnik waren gut (da wurde immer wieder darauf geschaut). Der Milcheinschuss war ziemlich früh, nach nicht mal 36 Stunden und da hat sie gut getrunken, ich hatte von Anfang an eher viel Milch. Einmal wurde mir zum Abpumpen geraten, weil die Brüste so hart und schmerzhaft waren und mein Kind so schnell wohl nicht nachkam mit dem Trinken. Abgepumpt wurde mit einer elektrischen Medela, beidseitig, da kamen 40ml, die ihr auf meinen Wunsch aber nicht gefüttert wurden, sondern ich habe sie danach ganz normal weitergestillt.
Das liest sich absolut super!
Das Stillen daheim lief dann ein paar Tage ganz gut, vor allem an der linken Brust. An der rechten hatte ich Schmerzen und bald auch zwei tiefe Risse.
Verletzungen an der Brustwarze nach dem Milcheinschuss sind durch eine falsche Stilltechnik bedingt. Da ist irgendetwas schief gelaufen.
Da fingen auch die Probleme dann langsam an, dass mein Baby extrem hastig trinkt, sich viel verschluckt und häufig nur sehr kurz an der Brust trinkt - manchmal keine 5 Minuten - und dann die Brustwarze loslässt und losbrüllt, obwohl sie weiterhin Suchbewegungen mit dem Mund macht. Sie schluckt oft irre viel Luft, die sie kaum mehr rausbekommt. Deshalb war ich am 13.4. bei der Stillambulanz im KH, die Stillberaterin hat sich die Anlegetechnik nochmal angeschaut und mir geraten, möglichst gegen die Schwerkraft zu stillen, weil sie einen stark ausgeprägten Milchspendereflex vermutet.
Das war absolut richtig.
Durch sorgfältiges Anlegen ist die Brustwarze schnell gut geworden und die Schmerzen gingen weg, der Riss heilte gut. Das Stillen blieb weiterhin schwierig, die Probleme, die ich oben beschrieben habe, blieben. Noch dazu verkürzten sich die Abstände weiter, von 1,5 Stunden auf 30 Minuten. Ich war am 20.4. nochmal auf der Wochenstation, wieder bei einer Stillberaterin, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ich hatte die Vermutung, dass ich sehr viel Milch habe und mein Kind oft vor Hunger schreit, weil sie die hintere Milch nicht bekommt. Nämlich erst wenn ich sie immer und immer wieder auf dieselbe Seite anlege und sie dann auch lange trinkt, fällt sie danach ins Milchkoma und ist sichtlich zufrieden. Dazwischen gibt es immer Geschrei mit Tränen und sehr hysterisch :( . Das wurde mir dann auch so von der Beraterin bestätigt, für alle 30 Minuten Stillen war die Gewichtszunahme zu gering - laut ihr zwar ausreichend, aber meine Angst, mein Kind würde immer wieder vor Hunger brüllen, hat sie bestätigt.
Mmh, da bin ich mit Deiner Stillberaterin nicht einer Meinung. Dein Baby hat durchschnittlich 270 g/Woche zugenommen das liegt in oberen Bereich der 170-330 g, die ein Baby in der ersten zwei Lebensmonaten durchschnittlich wöchentlich zunehmen sollte. Daher ist es komplett ausgeschlossen, dass Dein Baby vor Hunger weint. Es hätte lieber langsamer fließende Milch, aber Hunger hat sie definitiv nicht. Dann würde sie nicht so spitzenmäßig zunehmen.
Als Tipps hat sie mir zu Gelassenheit geraten, nach Bedarf weiterstillen und durchhalten. Als Stillposition hat sie mir gezeigt, im Liegen auf dem Rücken zu stillen, Baby auf meinem Bauch und eben gegen die Schwerkraft. Wenn sie ganz entspannt ist (meistens nur, wenn sie gerade geschlafen hat und noch im Halbschlaf ist), trinkt sie so auch ganz gut, bis zu 20 Minuten, aber dockt trotzdem danach ab, verschluckt sich, muss aufstoßen und brüllt die Brustwarze hysterisch suchend an. Ich halte das einfach nicht mehr aus und weiß nicht, was ich noch tun soll.
Ich kann Deine Verzweiflung absolut verstehen. Ich bin selbst mit einem überstarken MSR "gesegnet". Aber es gibt Mittel und Wege den MSR etwas zu zähmen. Da er jedoch für das Stillen existentiell wichtig ist, dauert das eher ein paar Wochen als Tage. Aber die Zeit spielt für Euch, denn mit zunehmendem Alter können Babys immer besser damit umgehen. Bald wird entspanntes Stillen möglich sein. :)
Ich hab versucht, sie immer wieder an dieselbe Seite anzulegen, damit sie an die hintere Milch kommt, aber das passiert oft erst nach Stunden (ca. 5!).
Da kann ich Dich beruhigen. So lange dauert es nicht. Es ist nämlich nicht so, dass die Vordermilch erst abgetrunken werden muss und dann die Hintermilch kommt, sondern sich die Milch während des Stillens verändert und mit jedem MSR fettreicher wird. Es ist in Deinen Fall eine gute Idee Blockstillen zu praktizieren. Da die Geburt jedoch noch nicht so lange her ist, würde ich Dir erst einmal Intervalle von 3-4h empfehlen, in denen Du mit einer Seite nach Bedarf Dein Baby stillst. Und dann gucken wir, ob das ausgeweitet werden muss.
Kann ich wirklich so viel Milch haben? Dazu kommt halt der Milchspendereflex, mit dem sie sich einfach so schwer tut. Sie lässt sich dann oft nicht mehr beruhigen. Dazu schluckt sie dann soviel Luft, dass sie sich irre mit Bauchschmerzen quält. Man hört direkt, wie es in ihrem Bäuchlein gluckert.
Ein starker MSR geht oft (nicht immer!) mit viel Milch einher. Wichtig ist, dass Dein Baby nicht ausschließlich laktosereiche Vordermilch bekommt. Wenn Du immer nur kurz eine Seite geben und dann beim nächsten Stillen die Seite wechseln würdest, wäre die Milch tatsächlich eher kurz sättigend was zu kurzen Stillabstände führt. Dein Baby hungert dann zwar nicht im Sinne von "bekommt zu wenig Kalorien", meldet sich aber häufiger um auf die gleiche Energiemenge wie mit fettreicherer Milch zu kommen. Mit dem Blockstillen regulierst Du das jedoch.

In der LINKSAMMLUNG STILLWISSEN findest Du einen Link mit dem Titel "Unruhe an der Brust". Da stehen viele Tipps zur Erleichterung. Aber wie gesagt: Du kannst keine sofortige Besserung erwarten, aber bei konsequennter Anwendung geht es stetig bergauf.

Ich denke wirklich übers Abstillen nach, aber das will ich eigentlich überhaupt nicht! Ich bin wirklich an meiner körperlichen und psychischen Grenze.
Oje. ((())) Bei meinem ersten Kind hat mich das auch total fertig gemacht, weil mir keiner sagte, was da los ist. Jetzt beim dritten konnte ich entspannt sein, denn ich wusste, es geht vorbei. Ich möchte Dir wirklich Mut machen. Es wird besser und irgendwann ist es nur noch eine entfernte Erinnerung.
Weil ich nicht mehr weiß, was ich machen soll, halte ich mich an die Empfehlung der Beraterin, 2 Stunden bei einer Brust zu bleiben, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie da nur Vordermilch bekommt in der Zeit.
Wie gesagt: Das ist ausgeschlossen. Aber damit sie mehr fettreiche Milch bekommt, bietet sich Blockstillen an. Bitte lese Dir diesen Text durch. Da wird das Vorgehen genau beschrieben.
Sie hat viele nasse Windeln, ich würde schätzen ca 8-10, dass auch Stuhl dabei ist mindestens 5 mal.
Das ist völlig normal. Mit zunehmendem Blockstillen könnten es u.U. ein paar weniger werden.
Wenn sie wirklich nur noch nuckeln will und ich's einfach nicht mehr aushalte, versuche ich den Schnuller, aber sie nimmt ihn meistens nicht. Sonst weder Flasche noch Hütchen.
Lass den Schnuller lieber. Der kann sich ungünstig auf ihre Stilltechnik auswirken. Außerdem dauert es damit viel länger, bis sie lernt trocken zu nuckeln. Biete ihr lieber Deinen kleinen Finger an oder trage sie im Tragetuch.
Ich gebe ihr abends manchmal Sab Tropfen, wenn sie stundenlang schreit und offensichtlich Bauchweh hat.
Abendliches Weinen und Bauchgrummeln sind völlig normal. Der Darm Deiner Tochter ist noch unreif. Anstelle der Tropfen, die die Darmentwicklung auch negativ beeinflussen können, empfehle ich Dir Bauchmassagen oder auch Tragen. Beides hilft sehr gut bei Bauchweh ohne die Darmflora zu verändern. Alle Zugaben jenseits von Muttermilch sollten nur im Krankheitsfall gegeben werden. Der liegt bei Euch nicht vor. Im dümmsten Fall verschlimmert die Gabe die Beschwerden, weil die Wirkstoffe der Muttermilch nicht richtig greifen können. Alles was Dein Baby braucht ist Muttermilch.

Hilft Dir das weiter?
Viele Grüße von Teazer (Stillmodteam)

"Mit einer Kindheit voller Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten." (Jean Paul)
AP estab. 2009, 2011 & 2014
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angelbagel
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Re: Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

Beitrag von angelbagel »

Achso, uns hat noch geholfen dass ich ihn kurz angelegt habe, er dann den mrs ausgelöst hat, ich ihn dann wieder abgedockt habe, mein Mann ihn in der Zeit beruhigt hat, ich schnell Milch ausgestrichen habe und ihn dann wieder angelegt habe. Den mrs Spüre ich stark und kann ihn vorher abdocken. Ich hatte immer einen Becher am Bett wo ich die Milch ausgestrichen habe. Kann man übrigens gut für das Baby Bad nehmen :)
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Toeffi143
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Re: Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

Beitrag von Toeffi143 »

Hallo Mido,

ich habe keine Tipps für Dich, finde es aber toll, dass du so kämpfst für eure Stillbeziehung! ((())) Das wird sicher bald besser werden, hier hast du super kompetente Hilfe! Lass den Kopf nicht hängen.
Liebe Grüße
Toeffi mit dem heißgeliebten Frechdachs (08/2013) und dem kleinen Kämpfer (02/2016)
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Mido
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Re: Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

Beitrag von Mido »

Ihr Lieben!
Ich gehe nachher auf alles ein, wenn der Zwerg mich lässt. Erstmal wollte ich euch allen für die lieben Worte und die tolle und wertvolle Hilfe (!!!) danken, die man hier bekommt. Ich hab vorhin erstmal eine Runde vor Erleichterung geweint (Hormone und so...). Dass es Frauen gibt, denen es ähnlich gegangen ist, ist so erleichternd zu hören, insbesondere, dass doch noch eine schöne Stillbeziehung möglich ist und sich Durchhalten lohnt. Auch, dass ich gar nicht so viel falsch mache eher vielleicht in der einen und anderen Ecke Anleitung brauche, beruhigt mich ungemein! Ich möchte so gerne weiterhin stillen, wenn meine Tochter ruhig trinkt und dann sichtlich zufrieden ist, weiß ich wieder, warum ich so darum kämpfe.
Danke, danke, danke!
Mit kleiner Schnapp-Chilled-Kröte (04/14)
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Re: Baby schreit vor Hunger trotz viel Milch

Beitrag von Mido »

Nach einer sehr durchwachsenen Woche ist heute der erste Tag, an dem ich wieder an den PC komme, entschuldigt bitte, dass ich so lange mit einer Antwort warten habe lasse! Eure Tipps und Antworten waren sehr wertvoll für mich und ich habe die Zeit genutzt, um mit dem Handy ganz viel in der Linksammlung Stillwissen nachzulesen.

Hier hat sich viel verbessert - dank eurer Hilfe!

Erstmal war ich sehr erleichtert, dass mein Baby nicht vor Hunger schreit.
Ein starker MSR geht oft (nicht immer!) mit viel Milch einher. Wichtig ist, dass Dein Baby nicht ausschließlich laktosereiche Vordermilch bekommt. Wenn Du immer nur kurz eine Seite geben und dann beim nächsten Stillen die Seite wechseln würdest, wäre die Milch tatsächlich eher kurz sättigend was zu kurzen Stillabstände führt. Dein Baby hungert dann zwar nicht im Sinne von "bekommt zu wenig Kalorien", meldet sich aber häufiger um auf die gleiche Energiemenge wie mit fettreicherer Milch zu kommen. Mit dem Blockstillen regulierst Du das jedoch.
Das war auch in etwa das, was die Stillberaterin gesagt hat, nur dass sie trotzdem riet, die Brust schon nach 2 Stunden zu wechseln. Aber schön zu lesen, dass mein Gefühl da schon richtig war, ihr eine Seite länger anzubieten. Ich habe das jetzt konsequent die letzten Tage gemacht, meistens 3 Stunden auf einer Seite, manchmal auch 4 - je nach Schlafphase und Trinkdauer von meiner Tochter.

Ich denke, dass sich die Milchmenge etwas eingependelt hat, die Brüste fühlen sich deutlich schneller weich an. Die Stillabstände haben sich auch etwas verlängert, bei meinem letzten Beitrag waren es fast immer nur 30 Minuten, das hat sich dann auf etwa 1 Stunde gesteigert und letzte Nacht hatten wir sogar Abstände von 2 Stunden, untertags so 1 - 1,5 Stunden. Baby auch deutlich zufriedener beim Trinken, sie trinkt langsamer und vor allem länger. Ich habe nicht mehr dauernd das Gefühl, mehr Milch in das Kind bekommen zu müssen, weil sie nur 2, 3 Züge schafft. Auch bezüglich MSR hab ich einiges ausprobiert nochmal, am besten hilft konsequent im Liegen stillen, sodass sie auf meinem Bauch liegend gegen die Schwerkraft trinkt. So trinkt sie meist deutlich ruhiger, alle anderen Positionen führen viel mehr zu hastigem Trinken und Luft schlucken. Eine riesige Verbesserung also! Ich freue mich total!

Leider quält sie sich immer noch sehr, sie hat letztens ziemlich gehustet und ist in letzter Zeit sehr unzufrieden und kaum zu beruhigen. Sie hat davor auch etwas mehr gespuckt, aber nicht extrem. Meiner Mama ist aufgefallen, dass sie so komische Geräusche nach dem Trinken macht - fast als würde sie würgen. Also war ich bei der Kinderärztin. Die hat verstärkten Reflux vermutet, also lagere ich sie jetzt erhöht, achte noch mehr auf Aufstoßen - so richtig helfen tut das aber nicht. Die Maus tut mir so leid, weil sie sich stundenlang wegbrüllt und kaum in den Schlaf findet. Das einzige, was hilft, ist Tragetuch oder Tragehilfe. Da jetzt sowieso die Untersuchung in der 4. bis 7. Lebenswoche ansteht, werde ich das da nochmal ansprechen (ist ein anderer Kinderarzt).
Mit kleiner Schnapp-Chilled-Kröte (04/14)
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