Seerose hat geschrieben:
Oh ja, sorry. Es ging ja um Ängste und ich fand den Vergleich so passend, den ich aber nicht geschrieben hatte, denn das hat ja letztendlich gar nichts mehr mit Masern zu tun. Aber es gibt ja Europa-weit wesentlich mehr Autounfalltote als Masernfälle und dennoch hat niemand diese Ängste bevor er in ein Auto steigt.
Nee. Aber in der Regel schnallt man sich an, brettert nicht mit 250 km/h durch Haarnadelkurven oder trinkt fünf Bier, ehe man fährt.

Will sagen: Man trifft Vorkehrungen, um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, dass es zu schlimmen Konsequenzen kommt, wenn man Auto fährt. Nichts anderes ist es mit den Masern: Die Impfung ist eine Vorkehrung, damit es nicht zu negativen Konsequenzen durch Masern kommt. Lassen sich möglichst viele Menschen impfen (=fahren vernünftig und rücksichtsvoll) sinkt dann auch die generelle Gefahr, dass irgendjemand ernstliche Konsequenzen durch die Masenerkrankung erleidet (weniger Unfälle durch eigenes riskantes Fahren bzw. riskantes Fahren anderer). Das betrifft dann sogar diejenigen Leute, die gar nicht selber Auto fahren und nur zufällig gerade über die Straße wollen (Menschen, die sich nicht gegen Masern impfen lassen können/Babies): Halten sich alle an die Verkehrsregeln und keiner fährt mit 70 kmh durch die Fußgängerzone, dann sinkt auch für die diese Menschen das Risiko, dass ihnen etwas passiert.
Ich habe vor Autos und Masern in ungefähr gleich viel Angst, nämlich nicht besonders viel, weil a) ich im Straßenverkehr aufpasse wie Hulle und vorausschauend agiere, auch als Fußgänger und b) ich und alle mir lieben Menschen geimpft sind. Fertig.
Seerose hat geschrieben:Ich weiß noch wie mir meine Kinderärztin vor vielen Jahren sagte, daß ihre Kinder keine Möglichkeit mehr haben werden sich mit Masern anzustecken, da diese schlichtweg zu selten geworden sind. (Sie hatte ihre Kinder nicht geimpft, da sie es vorzog, daß diese lebenslange Immunität bei durchgemachter Krankheit haben, statt in frühem Alter geimpft zu werden)
Ja, genau, das betrifft dann eben die o.g. Generation - nicht immun/tot, weil durchgemacht, aber eben auch nicht unbedingt geimpft.
Seerose hat geschrieben:Da reicht ein einziges Kind aus, damit sich das eigene Kind anstecken KÖNNTE. Ängste richten sich ja leider nicht nach Wahrscheinlichkeiten. Und wie oft hab ich in den Medien einen Bericht gehört, der genau mit einem sehr schlimmen Masernfall angefangen hat, also Masern, dann später Hirnhautentzündung usw. und so etwas setzt sich natürlich im Gedächtnis fest.
Ist bei mir genau so. Die meisten Flugzeuge bleiben "oben" und überhaupt ist die Statistik zigmal besser als bei tödlichen Autounfällen, dennoch seh ich den einen Absturz vor mir, der mal in den Medien war, wenn es Turbulenzen gibt und irgendwo fängt's an zu klappern.
Funktioniert mit Argumenten contra Impfen meist ganz genauso: Da setzt sich dann der eine Fall einer (angeblichen oder echten) Impfnebenwirkung im Gedächtnis fest. So funktioniert das nicht. Um Ängste zu bekämpfen braucht man a) Infos (das betrifft nicht nur Wahrscheinlichkeiten darüber, wie oft Flugzeuge abstürzen/Impfkomplikationen oder Krankheiten auftreten, sondern auch sowas wie "Wie fliegt ein Flugzeug überhaupt?"/"Woraus besteht ein Impfstoff genau, wie wirkt er, wo wirkt er nicht, was passiert eigentlich genau bei Krankheit xy" und b) Wissen darum, wie man Ängste minimieren kann (Entspannungstechniken im Flugzeug/ Treffen einer Entscheidung pro oder contra Impfungen auf Basis der in Schritt a gewonnen Erkenntnisse.)
Ja, Angst ist nicht gerade der netteste Lebensbegleiter und nicht notwendigerweise immer der beste Ratgeber. Ich würde weder pro noch contra Impfen aufgrund von Angst entscheiden. Man kann die Angst aber als Anlass nehmen, sich mal mit den Quellen der Angst auseinanderzusetzen. Wovor habe ich genau Angst? Was wären die Konsequenzen von dem Ereignis, vor dem ich Angst habe? Wie wahrscheinlich sind die Konsequenzen? Was kann ich dagegen tun, dass diese Konsequenzen eintreten? All das führt einen dann letzlich zu einer informierten Impfentscheidung - und um die führt halt kein Weg drumrum.
Seerose hat geschrieben:
Ich find das mit der Grenze von 1970 übrigens auch komisch. So weit ich das als Kind beurteilen konnte (wohl nur eingeschränkt) gab es damals schon verhältnismäßig wenig Masernfälle. Natürlich kein Vergleich zu heute. Aber geimpft wurde ich nicht und erkrankt bin ich auch nicht. Und ob ich einen Titer habe, werd ich ja hoffentlich bald mal feststellen, wenn endlich mal ein Arzt sich bereit erklärt den zu bestimmen. Ich kann die Zahl der Ärzte gar nicht mehr zählen, die einfach gesagt haben daß ich mich einfach nochmal draufimpfen lassen soll, sei ja gratis.
Die Grenze von 1970 kommt daher, dass vor 1970 Masern noch eine weit verbreitete Kinderkrankheit waren und fast jeder die als Kind durchgemacht hatte und ergo immun war (oder tot). Der Masern-Impfstoff war ab 1963 verfügbar, aber es dauert natürlich eine Weile, bis alle Menschen druchgeimpft sind. Deswegen bestehen eben für alle ab ca. 1970 geborenen Impflücken - diese Menschen sind u.U. nicht mehr mit dem Masernwildvirus in Kontakt gekommen, aber eben auch nicht unbedingt geimpft.
(Hier kann man das nachlesen.)