Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

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zwillingsmama2014
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Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

Beitrag von zwillingsmama2014 »

Hallo Ihr Lieben,
nachdem ich hier schon lange mitgelesen habe, möchte ich euch heute auch mal mein "Problem" schildern. Ich weiß nicht so richtig, ob mir geholfen werden kann oder ob nicht doch alles in Ordnung ist, ich bin mir einfach etwas unsicher und hoffe hier auf Beratung, Hilfe oder einfach nur Bestätigung und Zuspruch:-)

Jetzt zu uns und unserem Stillalltag.

Meine Zwillinge wurden am 17. August bei 36 + 4 SSW spontan in einer Hauruck-Aktion nur 2 h nach Blasensprung geboren.
Ich habe sie im Kreisssaal direkt angelegt. Aufgrund niedriger Blutzucker bei Schwangerschaftsdiabetes mussten beide im Krankenhaus zugefüttert werden. Das geschah am Anfang mittels Fingerfeeding, später allerdings, weil es schneller gehen sollte auch mit Flasche. Sie bekamen so in den ersten 3 Lebenstagen Primergen zugefüttert. Ich stillte immer nach Bedarf, spätestens aber nach 3 Stunden.
Seit ich nach 5 Tagen entlassen wurde werden beide ausschließlich voll und nach Bedarf gestillt.
Die Zunahme war schon immer zögerlich, leider habe ich hier nicht so viele Gewichtsdaten. Ich schreibe am Ende alle auf die ich habe.
Sie sind beide gesund und entwickeln sich altersentsprechend. O. nimmt einen Schnuller, den er auch unbedingt und dringent braucht, E. nimmt ihre eigenen Finger und keine künstlichen Sauger.
Am Tag haben beide je 4-6 nasse Windeln, Stuhlgang bei O. einmal am Tag, bei E. alle 2-3 Tage in flüssiger bis cremiger Konsistenz.
Der Kinderarzt hat die Zunahme auch schon bemängelt, vertraut mir aber, dass ich genug Milch habe und sieht auch, dass die Kinder genug Flüssigkeit bekommen, weil sie ihm regelmäßig auf die Liege pinkeln :-)
Aktuell stille ich also weiter voll und nach Bedarf und würde das gerne auch noch mindestens bis zum Alter von 6 Monaten weiter tun, danach weiter neben der langsam eingeführten Beikost.
Beide kommen zur Zeit auf jeweils 9-11 Mahlzeiten. Sie trinken oft nur kurz (5-10 Minuten) jeder an seiner eigenen Seite. Danach schauen sie mich an und möchten nicht mehr weiter trinken, auch nach einem Bäuerchen nicht. Zwischen den Mahlzeiten sind sie eigentlich ganz zufrieden, natürlich wird aber auch mal gemeckert. Bis vor einem Monat haben beide durchgeschlafen, jetzt kommen sie wieder 1-3x/Nacht.
Ich habe eigentlich schon das Gefühl genug Milch zu haben, aber immer wieder sitzt mir ein kleines Teufelchen im Nacken, das mir sagt: Vielleicht reicht es ja doch nicht.....
Als sie durchgeschlafen haben, konnte ich abends vor dem ins Bett gehen mit der Handpumpe noch circa 120 ml abpumpen um einen kleinen Vorrat anzulegen, für später, wenn ich mal länger als 2 Stunden aus dem Haus sein sollte. Jetzt kann ich nach dem Stillen auch noch etwas ausstreichen, besonder unter der Dusche.

Im Moment mache ich noch mal eine Kur mit Bockshornkleesamen, einfach für ein gutes Gefühl, um genug Milch zu haben.

In ärztlicher Behandlung sind wir zur Zeit nur zum Wiegen, sonst ist alles in Ordnung.
Ich habe eine Schilddrüsen-Unterfunktion, die aber medikamentös bestens eingestellt ist.

Meine ersten Sohn habe ich ohne Probleme bis zum ersten Geburtstag gestillt und dann haben wir ohne Probleme einvernehmlich abgestillt. Bei ihm hatte ich nie Gewichtsprobleme und musste mir nie Gedanken machen, er war ein sehr einfaches Anfänger-Stillkind :-)

So, das war jetzt erstmal das, was ich berichten kann. Hier sind noch die Daten, wenn ihr noch Fragen habt beantworte ich diese gerne.

O.
Geburtsgewicht 17.8 : 2920g
19.8. 2740g
22.9. 3390g
21.10. 4200g
18.11. 4600g
16.12. 4900g
7.1. 5020g

E.
Geburtsgewicht 17.8.: 2820g
19.8. 2630g
22.9. 3090g
21.10. 3600g
18.11. 4020g
16.12. 4230g
7.1. 4360g


Ich bedanke mich schon jetzt für eure Antworten!!!
Zwillingsmama mit Großem Bruder 5/12 und Zwillingspärchen 8/14 sowie unerwartetem Wunder 10/21
jusl
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Re: Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

Beitrag von jusl »

Hallo und herzlich willkommen hier! :D

Schön, dass Du Deine Zwillinge stillst. Ich geh mal der Reihe nach, zunächst zum Gewicht, und einige Fragen hab ich noch:
Die Zunahme war schon immer zögerlich, leider habe ich hier nicht so viele Gewichtsdaten.
Nicht ganz. Vorausgesetzt, dass alle Daten stimmen (was vermutlich nicht der Fall ist, weil Gewichtsdaten unvermeidlich sehr hohe Messunsicherheiten und damit große Streubreiten aufweisen, und in der Tat sind's leider nur wenige):

O's durchschnittliche wöchentliche Gewichtzunahme lag in den ersten beiden Lebensmonaten bei rund 160 g pro Woche. Normalerweise nehmen Stillkinder in diesem Alter 170-330 g/Woche zu; aber auch tonnenweise Kinder nehmen - ohne jedes Stillproblem - "nur" 160 g/Woche zu. Die Abweichung ist ja sehr gering, definitiv innerhalb der Messungenauigkeit, und damit für sich genommen kein Grund zur Sorge.

E's Gewichtszunahme allerdings lag mit nur 110 g/Woche in den ersten beiden Lebensmonaten im sehr auffälligen Bereich. Hier muss man von einer handfesten Gedeihstörung sprechen, und es hätten in dieser Zeit definitiv mehr Gewichtskontrollen und natürlich entsprechende Maßnahmen zur Normalisierung der Gewichtsentwicklung erfolgen sollen. Ausreichend Urin sagt NICHTS über das mögliche Vorliegen einer Gedeihstörung aus, sondern auffällig wenig Urin wäre ein Hinweis auf eine akute Dehydration - das ist ganz etwas anderes (und lebensgefährlich für Säuglinge). Praktisch alle Kinder mit Gedeihstörungen haben eine ganz normale, reichliche Urinproduktion (eben mit Ausnahme derer, die unter akuter Dehydration mit entsprechender Exsikkose leiden und damit sofortiger medizinischer Hilfe bedürfen). Von Seiten des Arztes genau hinzuschauen, wäre also viel mehr in Eurem Sinne gewesen, als voller "Vertrauen" abzuwarten.

In den folgenden beiden Lebensmonaten waren dann die Zunahmeraten BEIDER Kinder auffällig:
O's durchschnittliche wöchentliche Gewichtzunahme lag in den Lebensmonaten 2-4 bei rund 90 g pro Woche. E's durchschnittliche wöchentliche Gewichtzunahme lag in den Lebensmonaten 2-4 bei rund 80 g pro Woche. Normalerweise nehmen Stillkinder in diesem Alter 110-330 g/Woche zu.
Spätestens hier hätte Euer Kinderarzt entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen.
Aktuell stille ich also weiter voll und nach Bedarf und würde das gerne auch noch mindestens bis zum Alter von 6 Monaten weiter tun, danach weiter neben der langsam eingeführten Beikost.
Diese Möglichkeit sehe ich so leider nicht. Jetzt im 5. Lebensmonat lag die durchschnittliche, wöchentliche Gewichtszunahme bei O im Bereich 40 g/Woche, bei E ebenfalls. Normal sind 70-140 g/Woche. Die Gedeihstörung besteht also weiterhin und hat sich noch verschärft.
Daher kann ich nur dazu raten, jetzt auf jeden Fall entsprechende Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziel, die Gewichtsentwicklung zu normalisieren. Zufüttern gehört zu diesem Maßnahmenkatalog auch dazu, da die Gewichtsverläufe unter den gegebenen Umständen eindeutige Zufütterindikationen darstellen, aber auch die Handhabung des Stillens bietet noch einige sinnvolle Ansätze und Verbesserungsmöglichkeiten:
Beide kommen zur Zeit auf jeweils 9-11 Mahlzeiten. Sie trinken oft nur kurz (5-10 Minuten) jeder an seiner eigenen Seite.
Die Mahlzeitenhäufigkeit ist OK. Sie liegt in Normalbereich (Babys trinken normalerweise 8-12 mal in 24 Stunden). Allerdings sind 5-10 Minuten sehr sehr kurz, und die Seitenaufteilung hat wahrscheinlich ungünstige Auswirkungen! Meinst Du die Seitenaufteilung sozusagen dauerhaft, oder "jeder eine Seite pro Mahlzeit, und bei der nächsten wird gewechselt"? Falls dauerhaft:
Brüste produzieren bei den meisten Frauen NICHT gleich viel Milch. Genauso wie man oft auf einem Auge besser sieht als auf dem anderen, oder ein Arm stärker ist als der andere, funktionieren auch die Brustdrüsen oft nicht komplett symmetrisch.
Fürs Stillen von Zwillingen ist es daher unbedingt zu empfehlen, beide Babys gleichermaßen an BEIDEN Brüsten trinken zu lassen.
Stillst Du Deine Babys für gewöhnlich einzeln, oder gleichzeitig, oder mal so mal so?
Schwangerschaftsdiabetes
Ist der Diabetes inzwischen kontrolliert worden und nachweislich weg, oder hast Du den noch? Hast Du nennenswertes Übergewicht?
Bis vor einem Monat haben beide durchgeschlafen, jetzt kommen sie wieder 1-3x/Nacht.
Seit wann haben die beiden denn durchgeschlafen? Praktisch von Geburt an? Frühes Durchschlafen ist ein klassischer Risikofaktor für Gedeihstörungen, da die lange Stillpause unzureichende Milchbildung begünstigt. Wenn Gedeihstörungen aufgetreten sind, ist Durchschlafen sozusagen kontraindiziert und zusätzliche nächtliche Mahlzeiten also unbedingt empfehlenswert.
Als sie durchgeschlafen haben, konnte ich abends vor dem ins Bett gehen mit der Handpumpe noch circa 120 ml abpumpen um einen kleinen Vorrat anzulegen, für später, wenn ich mal länger als 2 Stunden aus dem Haus sein sollte. Jetzt kann ich nach dem Stillen auch noch etwas ausstreichen, besonder unter der Dusche.
Dass mit Deiner Milchbildung grundsätzlich alles OK ist, beweist ja schon die problemlose Stillzeit mit Deinem ersten Kind. Das ist super, denn damit steht praktisch fest, dass die Gedeihstörung Deiner Babys wahrscheinlich nicht mütterlich bedingt ist, sondern am Stillverhalten der Babys bzw. an der Handhabung des Stillens liegt - entsprechend hoch ist auch die Wahrscheinlichkeit, hier noch Verbesserungen zu erreichen. Bestand die SD-Unterfunktion während der Stillzeit Deines ersten Kindes auch schon?
O. nimmt einen Schnuller, den er auch unbedingt und dringent braucht
Wie oft bzw. wie lange pro Tag nutzt O. den Schnuller denn?
Im Moment mache ich noch mal eine Kur mit Bockshornkleesamen
Seit wann, welches Präparat, und in welcher Dosierung?

Und noch: Ernährst Du Dich nach einem speziellen Konzept (z.B. wg. Vorlieben oder Allergien)? Wird in Deiner Nähe regelmäßig geraucht? Nimmst Du außer dem SD-Medikament noch andere Medikamente?


Zusammengefasst lässt sich aus den bisherigen Infos als sinnvolle Maßnahmen ableiten:

* Mindestens 10-12 mal in 24 Stunden beide Babys stillen. Tagsüber höchstens 2 Stunden Stillpause, nachts höchstens 3 Stunden.
* Beiden Babys bei jeder Mahlzeit 2 Seiten anbieten, d.h. wenn sie nach der ersten Seite loslassen, die 2. Seite anbieten. Ansonsten die Seiten unbedingt bei jeder Mahlzeit wechseln, d.h. erste Mahlzeit O. rechts und E. links, zweite Mahlzeit dann O. links und E. rechts usw.
* Blutzucker und Schilddrüse erneut checken.
* Den Schnuller auf ein absolut notwendig erscheinendes Minimum begrenzen.
* Testweise zufüttern, und zwar mit Hilfe einer stillfreundlichen Zufüttermethode. Wir können gerne gemeinsam herausfinden, welche Methode für Euch geeignet ist.
Falls Deine Babys deutlich vor ET geboren wurden, wäre PRE eindeutig die beste Wahl (ca 200 ml pro Tag und Kind); bei Reifgeborenen ist auch Beikost eine Möglichkeit - vorausgesetzt Deine Babys kommen damit bereits klar. Dies sollte dann auf jeden Fall sog. hochkalorische Beikost sein.
* Das Gewicht sollte ab sofort engmaschig dokumentiert werden (3x pro Woche wiegen, also z.B. Mo-Mi-Fr), um zu überprüfen, ob die Maßnahmen anschlagen. Hast Du eine moderne, elektronische Babywaage daheim? Ansonsten könntest Du z.B. auch eine aus der Apotheke leihen. Zum aussagekräftigen Wiegen lies bitte unsere Grundinfo Gewichtsentwicklung - Gedeihen - Gewichtskontrolle.

Ich hoffe diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich. Rückfragen jederzeit gerne und
LG
Julia
zwillingsmama2014
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Re: Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

Beitrag von zwillingsmama2014 »

Danke erstmal für die ausführliche Antwort.

Zu deinen Fragen:

Bis jetzt hatte jedes Baby quasi dauerhaft seine eigene Seite, was mir von der Stillberaterin im Kh so empfohlen wurde. Das werde ich jetzt ändern!

Am Anfang habe ich die Kinder auch gleichzeitig gestillt. Dabei lenken sie sich aber mittlerweile so schnell ab, dass sie noch schlechter trinken, weshalb sie jetzt nacheinander gestillt werden.

Der Schwangerschaftsdiabetes ist nachweislich weg und ich habe auch kein nennenswertes Übergewicht.

Nein, durchgeschlafen haben sie nicht von Geburt an, sondern circa von Mitte November bis Mitte Dezember.

Schilddrüsenunterfunktion hatte ich auch schon in der ersten Stillzeit.

O. benutzt den Schnuller vorallem zum Einschlafen, so selten wie möglich.

Ich nehme Bockhornkleekapseln von Advanced Pharmaceuticals seit gestern wieder 3x3 am Tag (pro Kapsel 568mg).
Außer Schilddrüsenmedikamenten nehme ich keine anderen Arzneimittel. Essen tue ich ganz normal, kann nur keine rohen Kern-/Steinfrücht und Nüsse wegen einer Allergie essen. Geraucht wird hier nirgends!

Mit den Wiegen kann ich mich nicht so recht anfreunden, das stresst mich total und ich kann dann kaum noch schlafen.
Die anderen Tipps werde ich gerne befolgen, DANKE schonmal dafür!!!
Beiskostreif sind meine Kinder noch nicht, dafür gibt es keinerlei Anzeichen.

Also schon mal ganz vielen, lieben Dank für deine ausführliche Hilfe!!!!!
Zwillingsmama mit Großem Bruder 5/12 und Zwillingspärchen 8/14 sowie unerwartetem Wunder 10/21
quark
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Re: Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

Beitrag von quark »

Hi,

ich lese nur mit und bin kein stillmod, aber die tun ihre arbeit hier echt toll, dabei sehen sie nie eines der kinder in echt. Zum einen verlassen sich die mods auf die aussagen der mütter und zum anderen auf die wiegeergebnisse, die zum teil sehr beeindruckend sind. Schau dir zb den verlauf von http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... &start=360 an. Vielleicht überlgst du dir das mit der waage nochmal, auch in der hoffnung, das es dich entstresst, wenn der gewichtsverlauf normaler wird. Was ja das ziel ist.

Lg quark
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jusl
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Re: Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

Beitrag von jusl »

Bis jetzt hatte jedes Baby quasi dauerhaft seine eigene Seite, was mir von der Stillberaterin im Kh so empfohlen wurde.
Uff, also das kann man beinahe als Kunstfehler bezeichnen. Nicht nur wegen der möglichen negativen Auswirkungen auf die Milchbildung der Mutter (die sind schlimm genug), sondern ja auch der Kinder wegen! Die sollen ausdrücklich - übrigens auch bei Flaschenernährung! - mehrmals täglich die Seite wechseln, damit sich motorisch und sensorisch bei den Kindern keine Einseitigkeiten herausbilden. Das ist in jedem Stillfachbuch nachzulesen...
Aber gut, dass Du jetzt wechselst!
Am Anfang habe ich die Kinder auch gleichzeitig gestillt. Dabei lenken sie sich aber mittlerweile so schnell ab, dass sie noch schlechter trinken, weshalb sie jetzt nacheinander gestillt werden.
Verstehe, das ist nicht selten. Probiere es trotzdem immer wieder mal - denn möglicherweise ist die Saugtechnik, insb. von E., nicht ausreichend gut (was sich häufig in unzureichender Milchbildung und/oder geringer Gewichtszunahme niederschlägt!).
Beim Stillen im Tandem ist der Saugreiz stärker und es wird wg. entsprechend stärkerer Hormonausschüttung MEHR Milch gebildet als beim einzeln Stillen. 10 x jedes Kind einzeln stillen (= 20 Einzelmahlzeiten) ergibt für gewöhnlich unterm Strich weniger Milch als 10 x im Tandem stillen (= 10 Tandemmahlzeiten)!
Deshalb ist möglichst häufiges Stillen in Tandem sehr empfehlenswert, und es ist sinnvoll, auch mit ein paar Tricks zu experimentieren, ob es nicht doch irgendwie geht. Wie ist es z.B. im Dunkeln, oder im Bett? Vielleicht lenken die Kinder sich da weniger ab?
Nein, durchgeschlafen haben sie nicht von Geburt an, sondern circa von Mitte November bis Mitte Dezember.
Das war ja ziemlich genau der 4. Lebensmonat: Hier ist die Gewichtszunahme mit 75 (O.) bzw. sogar nur 50 (E.) gramm/Woche ganz besonders auffällig - ein Zusammenhang mit dem Durchschlafen ist da absolut naheliegend.
Also: Ab jetzt ist Durchschlafen tabu ;-) - bis die Gewichtsentwicklung wieder normal ist.

O. benutzt den Schnuller [...] so selten wie möglich.
Gut! Die Kinder sollten so viel wie möglich an der Brust (und damit so wenig wie möglich an anderen Sachen ;-)) saugen, denn die Milchbildung hängt bekanntlich von der Nachfrage ab: Je häufiger intensiv und mit guter Technik gesaugt wird, umso mehr Milch wird gebildet.
Ich nehme Bockhornkleekapseln von Advanced Pharmaceuticals seit gestern wieder 3x3 am Tag (pro Kapsel 568mg)
Prima. Wegen "wieder" - wann, wie lange und in welcher Dosierung hast Du die denn schon mal genommen?
Beiskostreif sind meine Kinder noch nicht, dafür gibt es keinerlei Anzeichen.
OK, dann ist eindeutig PRE sinnvoll. Hattest Du schon Gelegenheit, in den "Stillfreundliche Zufüttermethoden"-Link zu schauen?
Mit den Wiegen kann ich mich nicht so recht anfreunden, das stresst mich total und ich kann dann kaum noch schlafen.
Ich kann Dein Unbehagen gut verstehen. Allerdings, wenn man nur die harten Fakten betrachtet: Deine Kinder haben beide Gedeihstörungen, und diese wurden mit fortschreitendem Alter zunehmend ausgeprägter. Wenn überhaupt, ist DAS für viele Mütter eine Stressursache, und nicht, das Problem jetzt endlich sinnvoll anzugehen! (und dazu ist engmaschige Gewichtsdoku unerlässlich)
Deshalb mag ich Dich ermutigen, Dich darauf einzulassen - keine andere Methode ist geeigneter, um zu überprüfen, ob die Kinder ihre Gedeihproblematik überwinden und die Gewichtszunahme sich normalisiert. Und doof rumraten und im Trüben fischen ist ja auch irgendwie blöd... ;-)

Den Worten meiner Vorschreiberin kann ich mich da auch nur anschließen: Für eine gute Gedeih-Beratung hier im SuT benötige ich alle notwendigen Fakten, und da gehören aktuelle und engmaschig gewonnene Gewichtsdaten unbedingt dazu. Anders geht's leider nicht.
Aussagekräftige Gewichtsdatenreihen ENTSTRESSEN, denn man weiß genau, was Sache ist, und man kann auf Basis der Daten (also nämlich fundiert, statt geraten!..) frühestmöglich Maßnahmen ggf. ändern, z.B. auf vernünftige Art und Weise Zufüttermengen nach oben oder unten korrigieren, und man kann Maßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit beurteilen.

Falls Du Dir dennoch nicht vorstellen kannst, zwecks Überwindung der Gedeihstörungen Deiner Babys eine engmaschige Gewichtsdoku durchzuführen, ist das völlig OK - 100% Deine Entscheidung! - aber ich kann Dich hier zu den Gedeihstörungen dann nicht weiter beraten, sondern muss Dich dann diesbezüglich an (D)einen Kinderarzt vor Ort verweisen.
(Für Austausch, Mutmachen, sonstige Stillfragen wärst Du selbstverständlich weiterhin allerherzlichst hier willkommen! Aber GEDEIH-Beratung geht ohne Kenntnis der relevanten GEDEIH-Merkmale, insb. Gewichtsdaten, wie gesagt leider nicht).

Kannst Du mit diesen Hinweisen etwas anfangen?

LG
Julia
zwillingsmama2014
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Re: Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

Beitrag von zwillingsmama2014 »

Hallo Julia,

ganz vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort. Ich weiß das wirklich zu schätzen!!!

Ich habe heute beim Stillen auch schon die Seiten gewechselt und auch deine anderen Ratschläge werde ich versuchen umzusetzen. Herzlichen Dank für die Tipps. Mit der Waage kann ich mich wirklich noch nicht anfreunden, aber das Stillmanagement wird auf jeden Fall verbessert! Ans Tandemstillen wage ich mich dann bei Gelegenheit auch wieder ran :-)

Die Bockshornkleekapseln habe ich auf Anraten meiner Hebamme schonmal ganz am Anfang der Stillzeit genommen. Damals 3x2 bis 60 Stück alle waren. Jetzt nehme ich ja 3x3, soll ich da auch nur die 60 Stück nehmen, oder meinst du es wäre sinnvoll diese noch länger einzunehmen?

Ich bin dir wiegesagt sehr dankbar für deine Hinweise und melde mich gerne wieder, wenn ich Neuigkeiten oder Fragen habe,

LG
Zwillingsmama mit Großem Bruder 5/12 und Zwillingspärchen 8/14 sowie unerwartetem Wunder 10/21
jusl
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Re: Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

Beitrag von jusl »

Ich habe heute beim Stillen auch schon die Seiten gewechselt und auch deine anderen Ratschläge werde ich versuchen umzusetzen. Herzlichen Dank für die Tipps
Gern geschehen. :wink:
Bitte lass Deine Kinder weiterhin engmaschig von Deinem Kinderarzt untersuchen (oder von einem anderen, falls Dein aktueller die Gedeihstörungen Deiner Kinder nicht erstnimmt), denn monatelanges Untergewicht im Säuglingsalter ist klassisches Symptom einer Vielzahl von Erkrankungen und kann auch bei Nichtvorliegen einer solchen Erkrankung (sprich: Ursache fürs Untergewicht ist ein Problem mit der Nahrungsaufnahme und/oder Hypogalaktie) negative Auswirkungen auf die spätere Gesundheit haben.
Mit der Waage kann ich mich wirklich noch nicht anfreunden, aber das Stillmanagement wird auf jeden Fall verbessert!
... und ab sofort Zufüttern bitte auch! Lass Dich am besten vor Ort von einer Stillberaterin oder fachkundigen Hebamme bei der Wahl der für Euch geeigneten Zufüttermethode unterstützen - das minimiert den möglichen Stress und schützt Eure Stillbeziehung!
Die Bockshornkleekapseln habe ich auf Anraten meiner Hebamme schonmal ganz am Anfang der Stillzeit genommen. Damals 3x2 bis 60 Stück alle waren. Jetzt nehme ich ja 3x3, soll ich da auch nur die 60 Stück nehmen, oder meinst du es wäre sinnvoll diese noch länger einzunehmen?
Diese Frage kann ich sinnvoll nur mit Kenntnis weiterer Gewichtsdaten Deiner Babys beantworten. Sonst wär's nur Raten. ;-)
und melde mich gerne wieder, wenn ich Neuigkeiten oder Fragen habe
Prima.

Um jedenfalls Deine Ausgangfrage zu beantworten:
Ich weiß nicht so richtig, ob mir geholfen werden kann
Klar kann Dir geholfen werden! Nämlich so: Absichern des Ist-Zustands (Datenabsicherung), stillfreundlich Zufüttern, Ausschluss der klassischen kindlichen Erkrankungen, die mit dem Untergewicht zusammenhängen könnten, Verbesserungen des Stillmanagements, Ausschluss der klassischen mütterlichen Erkrankungen, die mit dem Untergewicht zusammenhängen könnten, Überprüfen der Wirksamkeit und ggf. Änderung/Korrektur der durchgeführten Maßnahmen durch Absicherung weiterer Gewichtsdaten, bis die Zunahmeraten beider Kinder im Normalbereich liegen.
oder ob nicht doch alles in Ordnung ist,
Nein, es ist leider nicht alles in Ordnung, sondern die Gewichtsentwicklung Deiner Kinder ist auffällig und stellt eine Zufütterindikation dar.
ich bin mir einfach etwas unsicher
Deine Unsicherheit ist sehr gut verständlich - allen Müttern liegt die gesunde Entwicklung ihrer Kinder am Herzen!
und hoffe hier auf Beratung,
Liebend gerne, aber das geht übers Internet nur, wenn alle notwendigen Daten zur Verfügung stehen.
Deshalb bitte an Kinderarzt vor Ort wenden.

Alle Gute für Dich und Deine Familie,
LG
Julia
delfinstern
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Re: Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

Beitrag von delfinstern »

Falls Deine Babys deutlich vor ET geboren wurden, wäre PRE eindeutig die beste Wahl (ca 200 ml pro Tag und Kind); bei Reifgeborenen ist auch Beikost eine Möglichkeit - vorausgesetzt Deine Babys kommen damit bereits klar. Dies sollte dann auf jeden Fall sog. hochkalorische Beikost sein.
Sie hat oben geschrieben, dass sie bei 36 + 4 SSW spontan geboren wurden.

Wenn dich Pre abschreckt, hast du noch die abgepumpte Mumi? Die könntest du auch stillfreundlich) füttern, also ohne Flasche (egal welche, auch diverse Marken, die sagen, man könne sie verwenden!!) Ist das eine Alternative Jusl? Ohne Daten (Gewicht, Anzahl Stillen, Windeln) geht es hier aber wirklich nicht. Die Mods hier können das Baby ja nicht anschauen sondern müssen verlässliche Daten haben. Und wenn die vorhandenen Daten so auffällig sind, ist das eigentlich auch im Interesse der Kinder/Eltern. Kannst du formulieren, was dich an der Waage abschreckt? Kontrollverlust? Stolz? Selbstbewusstsein? Versagen?
Liebe Grüße
Delfin*
mit Delfinzwerg(1/17), Delfinknirps(12/18)und Delfinmini(5/21) *(11.14) *(2.18) *(2.26)

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Re: Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

Beitrag von delfinstern »

Nebenbei: Julia bist du wieder aktiv? Oder ist das nur eine Ausnahme?
Liebe Grüße
Delfin*
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Re: Mangelnde Gewichtszunahme bei vollgestillten Zwillingen

Beitrag von jusl »

Wenn dich Pre abschreckt, hast du noch die abgepumpte Mumi? Die könntest du auch stillfreundlich) füttern, also ohne Flasche (egal welche, auch diverse Marken, die sagen, man könne sie verwenden!!) Ist das eine Alternative Jusl?
Jein. Als Zwillingsmutter weiß ich ebenfalls, wie viel Arbeit Zwillinge machen können. Fulltime Job!
Gelegentlich mal abpumpen ist das eine, aber abpumpen MÜSSEN und dabei verlässlich bestimmte Soll-Mengen erfüllen (dies ist bei einer Zufütterindikation ja der Fall) etwas ganz anderes, sowohl körperlich als auch psycho-mäßig.
Das würde ich keiner Mehrlingsmutter aktiv raten, es sei denn, sie hat wahnsinnig Bock drauf, sowieso Milchüberschuss und reichlich weitere Ressourcen wie Mann zuhause plus Kindermädchen oder sowas).
Sie hat oben geschrieben, dass sie bei 36 + 4 SSW spontan geboren wurden.
Ja, hatte ich gelesen. Der allgemeine Reifegrad lässt sich jedoch nicht ausschließlich aus der vollendeten Schwangerschaftswoche ableiten. Manche Kinder zeigen in der 37. SSW starke Unreifezeichen und holen diese in den ersten Lebensmonaten auch nicht übermäßig auf, andere Kinder sind bei diesem "Geburtsalter" absolut reifgeboren. "36+4" ist dann entweder "deutlich frühgeboren" oder eben "reif" - je nach Kind.
Aber trotzdem danke für Deinen Hinweis, ich hab mich da offenbar ungeschickt ausgedrückt.
Nebenbei: Julia bist du wieder aktiv? Oder ist das nur eine Ausnahme?
Ausnahme! ;-) (Vorübergehende Aushilfe)

LG
Julia
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