Hallo und herzlich willkommen hier!
Schön, dass Du Deine Zwillinge stillst. Ich geh mal der Reihe nach, zunächst zum Gewicht, und einige Fragen hab ich noch:
Die Zunahme war schon immer zögerlich, leider habe ich hier nicht so viele Gewichtsdaten.
Nicht ganz. Vorausgesetzt, dass alle Daten stimmen (was vermutlich nicht der Fall ist, weil Gewichtsdaten unvermeidlich sehr hohe Messunsicherheiten und damit große Streubreiten aufweisen, und in der Tat sind's leider nur wenige):
O's durchschnittliche wöchentliche Gewichtzunahme lag in den ersten beiden Lebensmonaten bei rund 160 g pro Woche. Normalerweise nehmen Stillkinder in diesem Alter 170-330 g/Woche zu; aber auch tonnenweise Kinder nehmen - ohne jedes Stillproblem - "nur" 160 g/Woche zu. Die Abweichung ist ja sehr gering, definitiv innerhalb der Messungenauigkeit, und damit für sich genommen kein Grund zur Sorge.
E's Gewichtszunahme allerdings lag mit nur 110 g/Woche in den ersten beiden Lebensmonaten im sehr auffälligen Bereich. Hier muss man von einer handfesten Gedeihstörung sprechen, und es hätten in dieser Zeit definitiv mehr Gewichtskontrollen und natürlich entsprechende Maßnahmen zur Normalisierung der Gewichtsentwicklung erfolgen sollen. Ausreichend Urin sagt NICHTS über das mögliche Vorliegen einer Gedeihstörung aus, sondern auffällig wenig Urin wäre ein Hinweis auf eine akute Dehydration - das ist ganz etwas anderes (und lebensgefährlich für Säuglinge). Praktisch alle Kinder mit Gedeihstörungen haben eine ganz normale, reichliche Urinproduktion (eben mit Ausnahme derer, die unter akuter Dehydration mit entsprechender Exsikkose leiden und damit sofortiger medizinischer Hilfe bedürfen). Von Seiten des Arztes genau hinzuschauen, wäre also viel mehr in Eurem Sinne gewesen, als voller "Vertrauen" abzuwarten.
In den folgenden beiden Lebensmonaten waren dann die Zunahmeraten BEIDER Kinder auffällig:
O's durchschnittliche wöchentliche Gewichtzunahme lag in den Lebensmonaten 2-4 bei rund 90 g pro Woche. E's durchschnittliche wöchentliche Gewichtzunahme lag in den Lebensmonaten 2-4 bei rund 80 g pro Woche. Normalerweise nehmen Stillkinder in diesem Alter 110-330 g/Woche zu.
Spätestens hier hätte Euer Kinderarzt entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen.
Aktuell stille ich also weiter voll und nach Bedarf und würde das gerne auch noch mindestens bis zum Alter von 6 Monaten weiter tun, danach weiter neben der langsam eingeführten Beikost.
Diese Möglichkeit sehe ich so leider nicht. Jetzt im 5. Lebensmonat lag die durchschnittliche, wöchentliche Gewichtszunahme bei O im Bereich 40 g/Woche, bei E ebenfalls. Normal sind 70-140 g/Woche. Die Gedeihstörung besteht also weiterhin und hat sich noch verschärft.
Daher kann ich nur dazu raten, jetzt auf jeden Fall entsprechende Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziel, die Gewichtsentwicklung zu normalisieren. Zufüttern gehört zu diesem Maßnahmenkatalog auch dazu, da die Gewichtsverläufe unter den gegebenen Umständen eindeutige Zufütterindikationen darstellen, aber auch die Handhabung des Stillens bietet noch einige sinnvolle Ansätze und Verbesserungsmöglichkeiten:
Beide kommen zur Zeit auf jeweils 9-11 Mahlzeiten. Sie trinken oft nur kurz (5-10 Minuten) jeder an seiner eigenen Seite.
Die Mahlzeitenhäufigkeit ist OK. Sie liegt in Normalbereich (Babys trinken normalerweise 8-12 mal in 24 Stunden). Allerdings sind 5-10 Minuten sehr sehr kurz, und die Seitenaufteilung hat wahrscheinlich ungünstige Auswirkungen! Meinst Du die Seitenaufteilung sozusagen dauerhaft, oder "jeder eine Seite pro Mahlzeit, und bei der nächsten wird gewechselt"? Falls dauerhaft:
Brüste produzieren bei den meisten Frauen NICHT gleich viel Milch. Genauso wie man oft auf einem Auge besser sieht als auf dem anderen, oder ein Arm stärker ist als der andere, funktionieren auch die Brustdrüsen oft nicht komplett symmetrisch.
Fürs Stillen von Zwillingen ist es daher unbedingt zu empfehlen, beide Babys gleichermaßen an BEIDEN Brüsten trinken zu lassen.
Stillst Du Deine Babys für gewöhnlich einzeln, oder gleichzeitig, oder mal so mal so?
Schwangerschaftsdiabetes
Ist der Diabetes inzwischen kontrolliert worden und nachweislich weg, oder hast Du den noch? Hast Du nennenswertes Übergewicht?
Bis vor einem Monat haben beide durchgeschlafen, jetzt kommen sie wieder 1-3x/Nacht.
Seit wann haben die beiden denn durchgeschlafen? Praktisch von Geburt an? Frühes Durchschlafen ist ein klassischer Risikofaktor für Gedeihstörungen, da die lange Stillpause unzureichende Milchbildung begünstigt. Wenn Gedeihstörungen aufgetreten sind, ist Durchschlafen sozusagen kontraindiziert und zusätzliche nächtliche Mahlzeiten also unbedingt empfehlenswert.
Als sie durchgeschlafen haben, konnte ich abends vor dem ins Bett gehen mit der Handpumpe noch circa 120 ml abpumpen um einen kleinen Vorrat anzulegen, für später, wenn ich mal länger als 2 Stunden aus dem Haus sein sollte. Jetzt kann ich nach dem Stillen auch noch etwas ausstreichen, besonder unter der Dusche.
Dass mit Deiner Milchbildung grundsätzlich alles OK ist, beweist ja schon die problemlose Stillzeit mit Deinem ersten Kind. Das ist super, denn damit steht praktisch fest, dass die Gedeihstörung Deiner Babys wahrscheinlich nicht mütterlich bedingt ist, sondern am Stillverhalten der Babys bzw. an der Handhabung des Stillens liegt - entsprechend hoch ist auch die Wahrscheinlichkeit, hier noch Verbesserungen zu erreichen. Bestand die SD-Unterfunktion während der Stillzeit Deines ersten Kindes auch schon?
O. nimmt einen Schnuller, den er auch unbedingt und dringent braucht
Wie oft bzw. wie lange pro Tag nutzt O. den Schnuller denn?
Im Moment mache ich noch mal eine Kur mit Bockshornkleesamen
Seit wann, welches Präparat, und in welcher Dosierung?
Und noch: Ernährst Du Dich nach einem speziellen Konzept (z.B. wg. Vorlieben oder Allergien)? Wird in Deiner Nähe regelmäßig geraucht? Nimmst Du außer dem SD-Medikament noch andere Medikamente?
Zusammengefasst lässt sich aus den bisherigen Infos als sinnvolle Maßnahmen ableiten:
* Mindestens 10-12 mal in 24 Stunden beide Babys stillen. Tagsüber höchstens 2 Stunden Stillpause, nachts höchstens 3 Stunden.
* Beiden Babys bei jeder Mahlzeit 2 Seiten anbieten, d.h. wenn sie nach der ersten Seite loslassen, die 2. Seite anbieten. Ansonsten die Seiten unbedingt bei jeder Mahlzeit wechseln, d.h. erste Mahlzeit O. rechts und E. links, zweite Mahlzeit dann O. links und E. rechts usw.
* Blutzucker und Schilddrüse erneut checken.
* Den Schnuller auf ein absolut notwendig erscheinendes Minimum begrenzen.
* Testweise zufüttern, und zwar mit Hilfe einer
stillfreundlichen Zufüttermethode. Wir können gerne gemeinsam herausfinden, welche Methode für Euch geeignet ist.
Falls Deine Babys deutlich vor ET geboren wurden, wäre PRE eindeutig die beste Wahl (ca 200 ml pro Tag und Kind); bei Reifgeborenen ist auch
Beikost eine Möglichkeit - vorausgesetzt Deine Babys kommen damit bereits klar. Dies sollte dann auf jeden Fall sog.
hochkalorische Beikost sein.
* Das Gewicht sollte ab sofort engmaschig dokumentiert werden (3x pro Woche wiegen, also z.B. Mo-Mi-Fr), um zu überprüfen, ob die Maßnahmen anschlagen. Hast Du eine moderne, elektronische Babywaage daheim? Ansonsten könntest Du z.B. auch eine aus der Apotheke leihen. Zum aussagekräftigen Wiegen lies bitte unsere
Grundinfo Gewichtsentwicklung - Gedeihen - Gewichtskontrolle.
Ich hoffe diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich. Rückfragen jederzeit gerne und
LG
Julia