PPD, Abstillen, Bindung

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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warmbäuchlein
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Re: PPD, Abstillen, Bindung

Beitrag von warmbäuchlein »

Mal ehrlich: Was bringt es Studien jetzt rauszusuchen?

Findet ihr es echt gut, einer depressiven Mutter zu kommen - "da ich habe folgende Studien *blabla*. Die Entscheidung, zu der Du Dich nun durchgerungen hast, ist grundfalsch. Alle Deine Beraterinnen sind dumm und machen alles schlimmer. Und außerdem denk doch an das arme Kind... Schlechte Bindung habt ihr dann schon obendrein."
Und das einer Frau, die wahrscheinlich froh ist, mal in der Früh sich zum aufstehen zu bewegen und zu entscheiden mit welchen Fuss *überspitzt ausgedrückt*


Man sollte besser bedenken, dass hier mit der Therapeutin ein Weg gesucht wird. Gerade, wenn jemand depressiv ist, ist es wahrscheinlich schon schwer sich zu entscheiden. Dann will man doch eher bestärkt werden und nicht von allen Seiten "supertolle Tipps", warum man gerade "wieder alles falsch macht".

Stillen ist schön und gut. Aber man kann auch ohne eine gute Mama sein. Ich bin sicher, dass diese Freundin wirklich alles für ihr Kind tut. Und man sollte sie mehr darin unterstützen.

Ich weiß, dass das alles eher passiert, weil man helfen will. Aber manchmal sollte man seine Überzeugungen stecken lassen und nicht anderen überstülpen. Das ist ja genau das, was wir hier im Forum so oft bekriteln, dass wir immer "blöd angesprochen" werden. Dann müssen wir aber selber auch mal Toleranz walten lassen... gerade, wenn es hier um so ein sensibles Thema geht.


... und ja, es ist sehr sehr schwer, hier das richtige zu sagen als Freundin.
jusl
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Re: PPD, Abstillen, Bindung

Beitrag von jusl »

DasKruemel hat geschrieben:Prolaktinüberschuss (aufgrund eines Prolaktin bildenden Tumors z.B.) kann auf jeden Fall auch zu psychischen Symptomen wie vermehrte Ängstlichkeit und Depressionen führen.
Die vermehrte Ängstlichkeit und Depressionen wird meines Wissens nach allerdings NUR in Zusammenhang mit solchen TUMOREN diskutiert, nicht im Zusammenhang mit normalen Hormonpegeln während der STILLZEIT. Das eine ist ein krankhafter Zustand, das andere nicht.

Die Wirkungen von Prolaktin und Oxytocin auf Empfinden und Verhalten sind gut erforscht. Prolaktin gilt als "Brutpflegehormon". Es ist z.B. für das bekannte Gefühl verantwortlich, sein Baby "nicht allein lassen zu können", was viele stillenden Mütter (oft überraschend) empfinden. Auch bei Adoptiveltern und bei Männern, die sich liebevoll um ihr Baby kümmern, ist dieses Hormon erhöht. Oxytocin gilt als "Bindungshormon". Es wird außer beim Stillen auch beim Sex und beim Streicheln, Schmusen und Kuscheln (auch asexuell, etwa unter kuschelnden Geschwistern) ausgeschüttet. Hohe Oxytocinausschüttungen verringern z.B. die Wahrscheinlichkeit von körperlicher Gewalt. Einen Menschen, den man Haut an Haut im Arm hält (insb. ein Baby), kann man kaum misshandeln.
warmbäuchlein hat geschrieben:Mal ehrlich: Was bringt es Studien jetzt rauszusuchen?

Findet ihr es echt gut, einer depressiven Mutter zu kommen - "da ich habe folgende Studien *blabla*.
Selbstverständlich nein. Aber das Wissen um hormonelle Einflüsse kann helfen, sinnvolle Therapiemaßnahmen zu gestalten, z.B. regelmäßiger, begleiteter, positiv empfundener Körperkontakt zwischen Mutter und Kind HAUT AN HAUT (= Oxytocinausschüttung).

LG
Julia
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tania
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Re: PPD, Abstillen, Bindung

Beitrag von tania »

ich verstehe den einwand, nicht zu viel zu raten (schrieb ich ja auch weiter vorne schon). aber einige aussagen der hebamme (sie muss mal ohne kind raus und deswegen abstillen) sind ja einfach nur quatsch! ob sie mal "raus muss" kann nur sie selber entscheiden und DESWEGEN abstillen ist ueberfluessig. wenn sie jetzt abstillen will, dann gibt es dafuer noch genug andere gruende, aber eben nicht den, dass ihre hebamme findet, sie muesse mal raus und das gehe nicht mit stillen :roll:
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FrauWalfisch
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Re: PPD, Abstillen, Bindung

Beitrag von FrauWalfisch »

Einen Gedanken möchte ich gern noch hinzufügen: Das Abstillen kann auch eine emotionale Erleichterung für die Freundin bedeuten, denn damit kann sie die ganze Verantwortung mit anderen Menschen teilen. Es kann auch ein großer Druck sein, das Baby allein ernähren zu müssen. Vielleicht zu viel Druck, wenn man in einer Depression steckt. Ich kann es gut verstehen, wenn man da gerne Verantwortung abgibt und das fällt vielleicht einfacher, wenn die Hebi quasi einen "Freifahrtschein" ausstellt. Trifft sie ganz allein die Entscheidung fürs Abstillen, kann das auch noch mehr Schuldgefühle auslösen, für die man als depressiver Mensch ganz schön anfällig ist. Nur so ein Gedanke, wie gesagt.

Das von mir genannte Buch weiter oben wurde von einer Betroffenen geschrieben und bietet in dieser in vieler anderer Hinsicht gute Hilfestellungen. Ich habe es in der Schwangerschaft gelesen, weil ich aufgrund meiner Vorgeschichte ein recht hohes Risiko für PPD habe. Deshalb empfinde ich es als Glücksfall, dass die Stillhormone meine Psyche positiv zu beeinflussen scheinen. Aber evtl. ist das nicht unter jeder Voraussetzung der Fall? Weiß ich nicht.

Zum Thema Medikamente: Es gibt einige stillfreundliche Präparate, allerdings müssen das nicht genau die sein, die der Frau dann auch am besten helfen. Oft muss man ja verschiedene Medis probieren, bis man das passende gefunden hat. Ich habe das Glück, das meins stillfreundlich ist, aber es gibt eben auch andere Wirkstoffe, die sich nicht eignen. Wenn man schwer depressiv ist, hat man diesbezüglich also deutlich mehr Behandlungsoptionen, wenn man nicht stillt. Aber das ist jetzt vielleicht nicht so ausschlaggebend und lediglich etwas, das mir gerade noch in den Sinn kam.

Gute Besserung für Deine Freundin!
Frau Walfisch mit Wasserfräulein (02/2014).
jusl
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Re: PPD, Abstillen, Bindung

Beitrag von jusl »

Das Abstillen kann auch eine emotionale Erleichterung für die Freundin bedeuten, denn damit kann sie die ganze Verantwortung mit anderen Menschen teilen. Es kann auch ein großer Druck sein, das Baby allein ernähren zu müssen. Vielleicht zu viel Druck, wenn man in einer Depression steckt.
Auch zu diesem Punkt braucht es unbedingt fachkundige (Still-)Beratung, denn: Selbstverständlich muss eine Aufrechterhaltung der Stillbeziehung NICHT mit dem Druck einhergehen, die "ganze Verantwortung" für die alleinige Ernährung des Babys zu tragen! Auch Varianten wie "einmal pro Tag stillen, der Rest ist künstliche Säuglingsmilch" sind ein Gewinn für Mutter und Kind, und dazu komplett druckfrei.
Zum Thema Medikamente: Es gibt einige stillfreundliche Präparate, allerdings müssen das nicht genau die sein, die der Frau dann auch am besten helfen. Oft muss man ja verschiedene Medis probieren, bis man das passende gefunden hat. Ich habe das Glück, das meins stillfreundlich ist, aber es gibt eben auch andere Wirkstoffe, die sich nicht eignen. Wenn man schwer depressiv ist, hat man diesbezüglich also deutlich mehr Behandlungsoptionen, wenn man nicht stillt.
Naja, "deutlich mehr" eher nicht. Kombinationstherapien sind stillend schwierig, das ist richtig - alles andere ist Verhandlungssache. Insbesondere wenn nicht mehr vollgestillt wird, hat man so viele Therapiemöglichkeiten, dass auch stillend praktisch immer eine geeignete medikamentöse Therapie gefunden werden kann.

LG
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FrauWalfisch
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Re: PPD, Abstillen, Bindung

Beitrag von FrauWalfisch »

jusl hat geschrieben: Auch zu diesem Punkt braucht es unbedingt fachkundige (Still-)Beratung, denn: Selbstverständlich muss eine Aufrechterhaltung der Stillbeziehung NICHT mit dem Druck einhergehen, die "ganze Verantwortung" für die alleinige Ernährung des Babys zu tragen! Auch Varianten wie "einmal pro Tag stillen, der Rest ist künstliche Säuglingsmilch" sind ein Gewinn für Mutter und Kind, und dazu komplett druckfrei.
Das stimmt natürlich. Ich wollte das auch lediglich als Gedanken einbringen, mit der konkreten Umsetzung kenne ich mich nicht aus. Aber auch einmal am Tag stillen muss ja gewollt werden...manch einer Frau mag das schon zuviel sein, je nach Zustand. Also wenn man bedenkt, dass Zähneputzen oder Gesicht waschen schon eine scheußliche Herausforderung werden können. Aber das ist ja auch nur hypothetisch, ich schreibe als Betroffene und damit Laie.

Zum Thema Medikamente: Es gibt einige stillfreundliche Präparate, allerdings müssen das nicht genau die sein, die der Frau dann auch am besten helfen. Oft muss man ja verschiedene Medis probieren, bis man das passende gefunden hat. Ich habe das Glück, das meins stillfreundlich ist, aber es gibt eben auch andere Wirkstoffe, die sich nicht eignen. Wenn man schwer depressiv ist, hat man diesbezüglich also deutlich mehr Behandlungsoptionen, wenn man nicht stillt.
Naja, "deutlich mehr" eher nicht. Kombinationstherapien sind stillend schwierig, das ist richtig - alles andere ist Verhandlungssache. Insbesondere wenn nicht mehr vollgestillt wird, hat man so viele Therapiemöglichkeiten, dass auch stillend praktisch immer eine geeignete medikamentöse Therapie gefunden werden kann.
Mir wurde gesagt, dass sämtliche SNRI-Präparate nicht in Frage kämen, ebenso keine MAO-Hemmer, kein Lithium und kein Lamotrigin und Konsorten. Ich nehme an, es ist auch individuelle ärztliche Einschätzung...mein damaliger Facharzt hatte mich quasi mit der Schwangerschaft zwingen wollen, das SSRI sofort abzusetzen. Daher bin ich zu einer Spezialistin für peripartale Erkrankungen gewechselt. Aber das führt ja jetzt auch zu weit – und viele Menschen sprechen gut auf die stillverträglichen Sachen an, eine Lösung ließe sich sicherlich finden. Weiter oben steht auch, dass die Frau bereits Medikamente erhält und diese auch langsam wirken.

Wahrscheinlich kann ich gar nicht mehr beitragen als den Rat, die Freundin in ihren Entscheidungen möglichst nicht zu bewerten und ihr bei der Suche nach einer passenden Therapie zu helfen.
Frau Walfisch mit Wasserfräulein (02/2014).
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FrauWalfisch
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Re: PPD, Abstillen, Bindung

Beitrag von FrauWalfisch »

Nachtrag: Meine Nennung der "nicht-stillfreundlichen" (laut der Ärztin) Medis bezieht sich auf das Vollstillen (da das mein eigenes Ziel war).
Frau Walfisch mit Wasserfräulein (02/2014).
FraDa
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Re: PPD, Abstillen, Bindung

Beitrag von FraDa »

Niemand wollte hier irgendwelche Ideologien aufzwingen. So, wie ich das verstanden habe, denkt die Freundin, es wäre jetzt das beste, abzustillen, wegen falscher Informationen durch die Hebamme. Da macht es doch Sinn, ihr auch ein paar andere Informationen zu geben, damit sie wirklich frei ihre Entscheidung treffen kann. Ohne kann man das nämlich nicht.
mit Kind 1 *07.2011 und Kind 2 *02.2014
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püppilotta
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Re: PPD, Abstillen, Bindung

Beitrag von püppilotta »

tania hat geschrieben:ich verstehe den einwand, nicht zu viel zu raten (schrieb ich ja auch weiter vorne schon). aber einige aussagen der hebamme (sie muss mal ohne kind raus und deswegen abstillen) sind ja einfach nur quatsch! ob sie mal "raus muss" kann nur sie selber entscheiden und DESWEGEN abstillen ist ueberfluessig. wenn sie jetzt abstillen will, dann gibt es dafuer noch genug andere gruende, aber eben nicht den, dass ihre hebamme findet, sie muesse mal raus und das gehe nicht mit stillen :roll:
FraDa hat geschrieben:Niemand wollte hier irgendwelche Ideologien aufzwingen. So, wie ich das verstanden habe, denkt die Freundin, es wäre jetzt das beste, abzustillen, wegen falscher Informationen durch die Hebamme. Da macht es doch Sinn, ihr auch ein paar andere Informationen zu geben, damit sie wirklich frei ihre Entscheidung treffen kann. Ohne kann man das nämlich nicht.
So sehe ich das auch. Und ich hätte ihr nie in ihrer dunkelsten Zeit irgendwelche Ratschläge aufgedrängt. Aber jetzt geht es ihr durch die Medikamente zum Glück wieder besser, sodass ich den falschen Infos der Hebi nun gerne etwas entgegensetzen wollte. Das Buch "Wie kann ich dich halten, wenn ich selbst zerbreche" habe ich jetzt gekauft und werde es meiner Freundin schenken (mit ein bisschen Tee, einer Kerze und einer lieben Karte oder so). Vielen Dank für den Tipp!
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Fruchtschnitte
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Re: PPD, Abstillen, Bindung

Beitrag von Fruchtschnitte »

Ich hab nicht alles gelesen, bin aber selbst betroffen...die Medikament werden bald helfen und es gibt stillverträgliches. Ich wäre zerbrochen, wenn ich hätte abstillen müssen, sollen...

Das stillen, die nähe zum Kind kann soviel helfen, bis die Seele wieder heil ist...


Ivonne (mit Teenagerqueen 11/99 Chaot 02/07 und Strahlekind 09/2012) http://blog.ivonnevegan.de
Ivonne mit
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Kleine Prinzessin 09/12
Kleiner Prinz 09/15

Bisschen kurz angebunden da mit dem Handy online:-)

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