stillen- immer und überall?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Minimeu
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stillen- immer und überall?

Beitrag von Minimeu »

Ihr Lieben, die ihr so oft gute Tipps habt, ich bräuchte mal ein paar :)
Meine kleine Tochter (16 Monate alt) entwickelt sich seit zwei Wochen zum rabiaten Stilljunkie. und ich habe v.a. ein Problem mit dem "rabiaten". Sie stillt schon immer gerne, ausdauernd und gerne. Vor etwa 2 Monaten wurde es weniger (teils kam sie tagsüber überhaupt nicht mehr). Und nun wurde es wieder mehr. Soweit alles in Ordnung. Aber:
Erstens sind wir jetzt bei 10x stillen tagsüber.
Das wäre für mich dank des "EsistnureinePhase"-Mantras ok, wäre da nicht Zweitens:
Sie fordert es immer und auch für ihr Umfeld unmissverständlich ein. Das sieht dann so aus:
Sie klopft/trommelt/kneift auf meinem Dekolleté herum mit lautem Rufen nach Stillen. Wenn ich diesem nicht direkt nachkomme, weil ich gerade an der Käsetheke stehe, wir in der Gemeinschaftsdusche des Hallenbades sind, wir gerade in der zweiten Reihe in der vollbesetzten Kirche sitzen, ich mit einer Sachbearbeiterin auf dem Bürgerbüro über eine sehr wichtige Sache diskutiere, fängt sie an, an meinem Oberteil zu zerren, zu ziehen und dann, als finale Bedürfnisbekundung, unter meinen BH zu greifen, die Brustwarze zu packen und kräftig dran zu ziehen. V.a. Letzteres kann ich schlecht ab.
Wie habt ihr euren Kindern klar gemacht, dass sie nicht immer und überall sofort stillen können. Bin ich da zu eng/prüde? ich habe in fast allen oben genannten Situationen schließlich gestillt, habe mich aber dabei nicht wohlgefühlt und habe auch (in der Kirche) negative Kommentare zu hören bekommen. ich antizipiere nun schon jede mögliche Stillsituation voraus (war eben schon ganz verzweifelt, dass wir nur noch so einen blöden Platz bekommen haben in der Kirche) und bin dann auch deutlich angespannt.
Was habt ihr für Erfahrungen gemacht mit Kindern, die schon so groß sind, dass sie ihr Stillbedürfnis ganz klar artikulieren/gestrikulieren können und es aber auch in der Gesellschaft nicht mehr so toleriert wird, wenn sie überall gestillt werden?
Ich glaube, wenn ich mir das Geschriebene nochmal anschaue, ist es diese Ambivalenz, zwischen ich möchte sie gerne stillen und ich möchte aber nicht, dass es die ganze Welt mitbekommt, dass wir noch stillen.
Kennt jemand dieses Gefühl? Wie habt ihr es für euch gelöst?
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MaareMum
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Re: AW: stillen- immer und überall?

Beitrag von MaareMum »

Wie wäre es mit ganz klar Nein sagen?
Geht ja nicht nur um ihre Bedürfnisse sondern auch um deine. Nicht nur auf das Stillen bezogen.
Und erklären, in welchen Situationen sie gerne noch Stillen darf.

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MaareMum
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Re: AW: stillen- immer und überall?

Beitrag von MaareMum »

PS: ach ja, und dann natürlich auch beim Nein bleiben und nicht doch jedes mal nachgeben.

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Re: stillen- immer und überall?

Beitrag von Hexe Verstexe »

Wenn meine Kinder körperlich so fordernd waren bzw. sind, wurden/werden sie mit klarem Nein vom Schoß genommen. Ich stille gern, auch gern überall, aber so rabiat einfordern mag ich auch nicht.
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Kinsale
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Re: stillen- immer und überall?

Beitrag von Kinsale »

Ich mag das auch nicht. Andere Leute waren mir bei Kind 1 da auch noch nicht egal, es war mir unangenehm. Das ist mir heute egal- aber ich WILL manchmal einfach nicht. Dann sage ich, dass wir jetzt nicht, aber später Stillen. Und das so konkret wie möglich- also zB "wenn wir zu Hause sind" oder " wenn wir eine Bank gefunden haben" oder "wenn wir hier fertig sind mit dem
Gespräch". So können sie das besser nachvollziehen und halten das gut aus. Falls es Hunger / Durst ist, biete ich auch Alternativen (Wasserflasche, Obst- was ich halt da habe) an.
Donnerkind
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Re: stillen- immer und überall?

Beitrag von Donnerkind »

Meine Töchter wurden bis 16 Monate in der Öffentlichkeit gestillt. Danach nur noch zu Hause oder halt im Auto auf dem Parkplatz. Das ergab sich einfach so.
Ich stille wirklich sehr gerne, möchte dabei aber auch meine Grenzen gewahrt wissen. An meinem Oberteil herumzuppeln dulde ich überhaupt nicht. Der Zwerg hat es neulich mal versucht, ich hab ihm klargemacht, dass das nicht geht, und gut war's.
Ich denke, das ist ganz klar eine Erziehungsfrage. Wir bringen unseren Kindern bei, dass sie nicht hauen sollen, nicht alle Schränke ausräumen, nicht auf die Straße rennen etc. Warum sollten die "Stillmanieren" nicht dazugehören?
Damit es für das Kind eindeutig ist, würde ich dieses Verhalten auch zu Hause nicht akzeptieren. Bei den Großen hatte ich irgendwann feste Stillzeiten eingeführt. Und eben auch, dass nicht mehr überall gestillt wird. Letzteres wird beim Zwerg nicht nötig sein, weil er eh nur zu Hause in aller Ruhe vernünftig trinkt.
Es grüßt das Donnerkind mit den Mädels 2007 und 2008 sowie dem kleinen Bruder 2013.
Minimeu
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Re: stillen- immer und überall?

Beitrag von Minimeu »

ja, das mit dem Nein sagen handhabe ich so. und ich übergebe sie auch meinem Mann (wenn er in solchen Situationen da ist), dann geht es besser. Oder eben ablenken. Aber ich kann nicht riskieren, dass sie mir im Bürgerbüro einen Trotzanfall allererster Güte hinlegt, dann lieber stillen. Und ich glaube, dass sie genau das spürt. Ich denke "jetzt bloß nicht stillen", sie merkt, dass ich mich anspanne, wird auch angespannt und, tata, wendet ihre beste Strategie gegen Anspannung an, das Stillen. Also einfach wieder zu meiner gewohnten Gelassenheit zurück. :)
Das Ganze macht sie eben erst seit zwei Wochen und eure Kommentare helfen mir, klare Grenzen für mich zu ziehen.
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Donnerkind
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Re: stillen- immer und überall?

Beitrag von Donnerkind »

Minimeu hat geschrieben:ja, das mit dem Nein sagen handhabe ich so. und ich übergebe sie auch meinem Mann (wenn er in solchen Situationen da ist), dann geht es besser. Oder eben ablenken. Aber ich kann nicht riskieren, dass sie mir im Bürgerbüro einen Trotzanfall allererster Güte hinlegt, dann lieber stillen. Und ich glaube, dass sie genau das spürt. Ich denke "jetzt bloß nicht stillen", sie merkt, dass ich mich anspanne, wird auch angespannt und, tata, wendet ihre beste Strategie gegen Anspannung an, das Stillen. Also einfach wieder zu meiner gewohnten Gelassenheit zurück. :)
Das Ganze macht sie eben erst seit zwei Wochen und eure Kommentare helfen mir, klare Grenzen für mich zu ziehen.
Ich würde das echt zu Hause üben. Da gibt's ja bestimmt auch so Situationen, in denen Du gerade nicht kannst oder willst oder sie Dir zu hefitg am Shirt zieht. Etwas leckeres zu essen oder trinken anbieten, finde ich in dem Fall gar nicht verkehrt.
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Re: stillen- immer und überall?

Beitrag von Schokolinchen »

Das hatten wir eine Weile auch, das war noch, als J. auch noch nicht gesprochen hat. Er hat seinen Wunsch durch massives Klopfen auf meine Brust geäußert und auch, wenn ich nicht schnell genug oder konsequent genug war, angefangen in meinem Ausschnitt zu popeln. Und Du weißt ja, wie fordernd er sein kann :wink:
Letztlich hat auch bei uns nur geholfen, mir über meine Grenzen klar zu sein, sprich in welcher Situation kann ich mit eventuellen Blicken und Kommentaren leben und wo nicht. Oder auch in welcher Situation nehme ich einen Wutausbruch in Kauf und in welcher nicht.
Einen so klaren Strich zu ziehen, wie "nur zu Hause" hat bei uns erst kurz vor dem Abstillen (also mit ca. 26 oder 28 Monaten geklappt.
Ich wünsche Dir starke Nerven!
Bei dem Kirchenthema bin ich mir übrigens sicher gewesen: Jesus wurde sicher auch gestillt und ein gestilltes und ruhiges Kleinkind ist für alle sicher angenehmer als ein schreiendes und nölendes. Wem es nicht passt, der soll ins Gotteslob schauen :roll: Gruß an die SchwieMu

Tatsächlich war es aber wirklich nur eine Phase (gesteigerte Stilllust trifft mangelnde Ausdrucksfähigkeit) und nach einer Weile waren andere Dinge wieder wichtiger als das Stillen tagsüber.
Schokolinchen
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Re: stillen- immer und überall?

Beitrag von Traglingsmama »

Meine Tochter ist auch 16 Monate alt und würde auch gern in allen möglichen und unmöglichen Situationen stillen. Und sie versucht es auch immer wieder mit ziehen am T-Shirt etc. Aber das will ich nicht, nirgendwo, und sage ihr das auch. Nehme ihre Hände weg etc. Zum " nicht überall dem stillwunsch nachgeben": ich habe das rauszögern erstmal für ganz kurze zeiträume " geübt". Und auch bei uns klappt es am besten,wenn ich eine fürs kind vorstellbare Situation nenne. Z.b. wenn wir sitzen, oder an der haltestelle oder zu hause etc. Und ich persönlich finde es wichtig, dem Kind gegenüber Versprechen zu halten. Also z.b.,wenn ich sage, wir stillen gleich, wenn wir an ort x sind, dies dann auch zu tun und ggf. Auch aktiv anzubieten. So merken sie, dass es wirklich nur verschieben ist und kein abwimmeln. Und wenn ich gar nicht will, muss ichs halt auch so sagen und hoffen, dass es für mein Kind ok ist. ( ich versuche oft erst ein " gerade nicht", selten akzeptiert sie das dann, sonst schlage ich einen alternativzeitpunkt vor. Meist klappt das dann. Und wenn das auch nicht klappt, dann ists situationsabhängig, ob ich ggf. Einen trotzanfall in kauf nehme oder halt doch stille...)
Mit der Kleinen (02/2020), der Mittleren (02/2013), dem Großen (03/2011) und * (2010)
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