Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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coccolone
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von coccolone »

Hi emm,

in UK haben wir es anfangs mit OPOL gehalten, bis der kleine Mann mit mir irgendwann auch nur noch Englisch sprechen wollte. Als wir dann nach D gezogen sind, haben wir Englisch ganz bewusst zur Familiensprache gemacht. Und das war fuer uns auch definitiv die richtige Entscheidung. Deutsch als Umgebungssprache wird immer mehr zur dominanten Sprache. Spraeche ich nun auch Deutsch mit unserem Sohn, ginge Englisch immer weiter unter... Fuer uns passt es so.
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kroschka
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von kroschka »

Ich würde es auch so machen wie coccolone, also euer bisheriges Modell genau umkehren: zu Hause Englisch und außerhalb Deutsch. Es sei denn es ist irgendwie komisch für euch.
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emm
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von emm »

Hui, das ging ja schnell, danke fuer die Antworten! (:

Das hab ich oben voellig vergessen: sowohl mein Mann als auch ich sprechen muttersprachlich Deutsch, OPOL waer also auch was "kuenstlich" geschaffenes.
Englisch als Familiensprache klingt logisch, aber siehe oben. Mal sehen, wie sich das dann anfuehlt. (Ich bin gerade damit beschaeftigt, wieder im Deutschen Fuss zu fassen, reverser Kulturschock oder sowas)

Im Zweifelsfall gibt's halt weiterhin die heissgeliebten Kinderlieder und -buecher auf Englisch und evtl passive Wortschatzvorteile, wenn Loewenkind spaeter mal formal Englisch lernt, oder?

...tap-a-talking...
das emm mit Löwenkind (08/2012), Fräulein Igel (09/2013) und kleinem Geheimniskrämer (11/2017)
nido56
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

Ich denke, wichtig ist, dass man sich mit dem gewaehlten Modell gut fuehlt und es dann auch so konsequent wie moeglich durchhaelt. Bei uns kristallisiert sich immer mehr heraus, dass der Pirat wahrscheinlich als erstes Spanisch sprechen wird (ist ja auch logisch, da es die absolut dominante Sprache ist). Wichtig ist mir, dass er Deutsch problemlos versteht (tut er) und es fuer ihn natuerlich bleibt.

Uebrigens haben mich schon mehrere Leute darauf hingewiesen, dass sein meist noch unverstaendliches Babygebrabbel irgendwie anders klingt als das anderer spanischer Kinder. Die Krippenerzieherin hat mich sogar anfangs mal gefragt, ob er brabbelt oder ob das Deutsch ist :-) Ich vermute, dass er bereits deutlich mehr Vokale spricht als andere Kinder (im Spanischen gibt es ja nur a,e,i,o,u und weder Umlaute noch lange Vokale), also wird hier schonmal der Grundstein fuer eine gute deutsche Aussprache gelegt.

Ich selber bin nicht zweisprachig aufgewachsen, aber bei uns zuhause wurde immer sehr viel Englisch gesprochen. Richtig gelernt habe ich es damals nicht, nur ein paar Worte. Als Kind fand ich es immer aetzend, wenn englischsprachiger Besuch da war, weil ich nichts verstand. Aber als ich dann im Gymnasium Englisch in der Schule hatte, habe ich VIEL, VIEL schneller gelernt als meine Klassenkameraden. Ich denke, da war passiv schon unheimlich viel vorhanden, was nur noch aktiviert werden musste. Heute spreche ich Englisch, ohne je im Land gelebt zu haben, zwar nicht perfekt und mit Akzent, aber absolut fliessend und muehelos.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Freda »

Hallo Emm,

wobei eine Option natürlich auch immer zweisprachige Krippen oder Kindergärten sind, solltet ihr beschließen nur Deutsch zu sprechen, ist das vielleicht ne super Lösung. Da gibt es ja mittlerweile doch gute Möglichkeiten was zu finden.
Muckelchen (11/2011) und Mini-Muckel (04/2015)

ClauWi-GK 07/13
miss_undercover
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Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von miss_undercover »

Hallo ihr Lieben,

wenn ich darf, klinke ich mich auch mal ein. Mein Mann und ich sind beide deutsche Muttersprachler, haben aber im englischsprachigen Ausland gelebt und ziehen unsere Kinder zweisprachig groß. Die Grundlagen der Sprache haben sie in London im Kindergarten bzw in der Schule gelernt. Seit unserem Rück-Umzug ersetzt das Deutsche das Englische als Haupt-Sprache der Kinder, aber sie verstehen und sprechen nach wie vor beide. Familiensprache ist bei uns weitgehend deutsch, aber wir reden zwischendurch auch viel Englisch und lesen Bücher, gucken Kindervideos und singen Kinderlieder - alles auf Englisch und Deutsch. Unsere Kinder besuchen eine englischsprachige Schule bzw. Kindergarten. Das ist zwar teuer, aber die Möglichkeit für sie weiter in ihrer zweiten Muttersprache zu lernen war uns das wert. Meine Sechsjährige liest nun bereits Kinderbücher in beiden Sprachen - das finde ich einfach unglaublich toll.

Insofern von mir auch eine Stimme dafür, sich wenn es geht eine Kita o.ä. zu suchen, wo Englisch gesprochen wird, damit die Sprache präsent bleibt.

Viele liebe Grüße

Nora

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tania
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

ich koennte mit meinen kindern NIE nicht meine muttersprache sprechen. ich benutze die gleichen kosewoerter wie meine mama, singe die gleichen lieder wie sie, mein zaertliches vokabular ist ausschliesslich deutsch (und ich lebe jetzt sieben jahre in italien..). ich wuerde auf diese ebene der zaertlichkeit in meiner MUTTERsprache nicht verzichten wollen, auch wenn es hiesse, dass meine kinder ihre zweite sprache nicht aktiv behalten.
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nido56
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

tania hat geschrieben:ich koennte mit meinen kindern NIE nicht meine muttersprache sprechen. ich benutze die gleichen kosewoerter wie meine mama, singe die gleichen lieder wie sie, mein zaertliches vokabular ist ausschliesslich deutsch (und ich lebe jetzt sieben jahre in italien..). ich wuerde auf diese ebene der zaertlichkeit in meiner MUTTERsprache nicht verzichten wollen, auch wenn es hiesse, dass meine kinder ihre zweite sprache nicht aktiv behalten.
Genauso geht es mir auch, und ich habe insgesamt schon fast 15 Jahre in Spanien gelebt, und unsere Familiensprache ist auch Spanisch. Etwas anders ist es, wenn es darum geht, einfach schnell alltaegliche Dinge zu sagen, das Kind zum Essen zu rufen oder so. Da rutscht mir schonmal Spanisch raus. Aber kuscheln, liebkosen und rumbloedeln kann ich nur auf Deutsch.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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coccolone
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von coccolone »

Seht ihr, so sind wir halt alle verschieden. Meine HERZENSsprache ist definitiv Englisch. Mein zaertliches Vokabular (um Tanias Ausdruck aufzugreifen) ist z.B. in Englisch ausgepraegter. ~Das liegt sicherlich daran, dass ich halt mit meinem Mann Englisch spreche und wir mittlerweile seit 14 Jahren zusammen sind. Insofern ist es mir nie schwer gefallen mit unserem Sohn auf der zaertlichen Ebene in dieser Sprache zu sprechen. Im Gegenteil, als ich anfangs hauptsaechlich Deutsch mit ihm sprach, musste ich das wirklich ganz bewusst tun, um nicht automatisch wieder ins Englische zurueckzufallen. In UK war naemlich Englisch meine dominante Sprache. Wie gesagt, fuer uns passt es, dass die Umgebungssprache eben nicht Familiensprache ist. Lebten wir noch in UK wuerde Deutsch zu Hause ganz bestimmt eine staerkere Rolle spielen. Ich denke einfach, dass es in der Bi- und Multilingualitaet kein "one size fits all" gibt.
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miss_undercover
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Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von miss_undercover »

Für mich ist Englisch mittlerweile mindestens genau so eine Herzenssprache wie Deutsch. Für mich fühlt es sich völlig natürlich an, meinen Töchtern auf Englisch Zärtlichkeiten ins Ohr zu flüstern. Meinen Mädchen geht es genauso.

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