Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Lina123

Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Beitrag von Lina123 »

Hallo zusammen,

vor drei Wochen kam unser zweites Kind zur Welt und nun haben wir leider wieder extreme Startschwierigkeiten beim Stillen. Beim ersten Kind habe ich drei Wochen gekämpft und konnte dann nach einer erfolgreichen Stillberatung 18 Monate ohne weitere Probleme glücklich stillen. Und für Krümel Nr. 2 hätte ich mir soooo sehr eine Wiederholung gewünscht!!! Leider ist meine Stillberaterin im Urlaub und da ich schon ein Kind habe, weiß ich nicht, ob ich diesen erheblichen Kampf (zeitlich und nervlich) nochmal schaffe, wo doch Nr. 1 (2,5 Jahre alt) auch viel Aufmerksamkeit fordert.

So nun zu den Details.
Unsere Tochter kam am 13.9. mit 3220g zur Welt - sie kam zeitgerecht, war aber schon vor der Geburt immer als eher zierlich geschätzt worden. Direkt im Kreißsaal war sie zu müde um an die Brust zu gehen. Ich habe dann Colostrum ausgedrückt und mit der Spritze zugefüttert. Die ersten Tage im KH habe ich viel angelegt, aber die kleine Maus hat mir die Brustwarzen (laut meiner Hebamme habe ich perfekte Brustwarzen, die wie "Schnuller" aussehen) immer mit einem angewiederten Gesichtsausdruck ausgespuckt und auch den Mund kaum aufgemacht. Nichtmal meiner Hebamme gelang es, die Kleine richtig anzudocken. Meine Brustwarzen waren durch das viele üben und annuckeln ziemlich wund. Mit Brusthütchen konnte ich andocken, aber ich musste permanent die Brust festhalten, damit sie nicht anfängt, an den Hütchen zu "schnullern".

Das Klinikentlassgewicht am 3. Tag (16.9.) war 2940g.
Am 21.9. wog sie bei der Hebi nur noch 2870g - danach entschied ich mich, nach dem Anlegeversuchen (mit Hütchen) immer nachzupumpen, damit ich ihr die gepumpte Milch einflößen kann. Wir haben dies zunächst per FIngerfeeding gemacht, wegen den steigenden ml aber dann irgendwann mit dem Calma-Sauger.
Anmerkung: mein erstes Kind hatte 2011 auch drei Wochen lang den Calma-Sauger bekommen und ging danach noch problemlos an die Brust, so daß ich mir dabei jetzt wenig gedacht habe.

Außerdem hatte unsere kleine Maus die erste Woche kein Stillkacki (Mekonium kam in den ersten Tagen ganz normal), so daß die Hebamme ihr ein Babylax verabreichte und ich ihr nach weiteren 2 Tagen ein Kümmelzäpfchen. Mit der steigenden Mumi-Zufütterung normalisierte sich dann die Verdauung und nun haben wir jeden Tag mind. 2 gute Kackiwindeln und 5-6 nasse Windeln.

Am 30.9. wog die Hebi unsere Kleine wieder mit 3200g und war damit sehr zufrieden. Der Plan meiner Hebi war daraufhin, dass wir uns vom 30.9. bis 7.10. eine Woche lang aufs Pumpen konzentrieren (da mich pumpen + die vielen Anlegeversuche völlig fertig gemacht haben) um die kleine Maus aufzupäppeln. Und danach könnten wir es durchaus wagen, dass ich mich mal mit dem Baby ins Bett lege und den ganzen Tag nur stille o.ä.

Ein paar Anmerkungen meinerseits noch:
- ich habe eine Babywaage mit 10g genauer Einheit - die ich ab und zu verwende, um festzustellen, was die Kleine aus der Brust herausgebracht hat (meistens mit Hütchen, ganz selten auch ohne Hütchen) - das beste war bisher 50g (konnte ich leider nicht wiederholen), sonst meistens 10-30g

-wenn die Kleine angedockt ist, nuckelt sie meistens nur - nur selten macht sie die richtigen festen Bewegungen mit dem Unterkiefer und schluckt. Da wir aber schon so sehr mit dem Andocken kämpfen (sie will einfach nicht meine BW im Mund behalten, spuckt sie ganz schnell schon wieder angewiedert hinaus) ist Wechselstillen für mich keine Alternative, ich verliere mit dem Andocken einfach irre viel Zeit

-nach 5 Minuten nuckeln und ein bisschen trinken (ich muss auch heute noch STÄNDIG animieren, also Füßchen oder Gesicht massieren, lauwarmer Waschlappen etc. - ohne Nachhilfe meinerseits trinkt sie überhaupt nicht von selbst. Ihr fallen an der Brust auch sofort die Augen zu - am Calma-Sauger hingegen hat sie kurz danach ganz wache Augen und zieht kräftig an :( )

Momentan wiegt sie laut meiner Waage ca. 3350g. Mein Mann hat nur noch ein paar Tage Urlaub und ich habe einfach Angst, dass ich es alleine mit zwei Kindern plus pumpen plus Anlegen üben einfach nicht schaffe. Bin ziemlich gefrustet und würde sooooo gerne stillen.

An der Pumpe (Medela Lactina mit Doppelpumpset) bekomme ich derzeit in 15-20 Min ca. 100-150ml heraus und die Kleine trinkt momentan so 600ml (vorgestern) bis 740ml (gestern) am Tag.
Mein nächster Schritt wäre jetzt das Brusternährungsset - das muss ich jedoch erst noch organisieren. Sonden und Einwegspritzen hätte ich von meiner Hebamme noch da, ich überlege jetzt diese wieder vermehrt einzusetzen, allerdings fand ich diese im Umgang etwas schwierig, weil man die Spritze selbst halten muss während man stillt.

Vielen Dank schon mal für eure Hilfe!
Gruß,
Lina
jusl
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Re: Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Beitrag von jusl »

Hallo und herzlich willkommen hier.

Das klingt ja wirklich sehr anstrengend - klar, allein mit Kleinkind und Baby im Haus ist das echt Stress, wenn das Stillen nicht gut klappt.
Lass uns gemeinsam schauen, wie Ihr da am besten vorgehen könnt. Als Hinweis vorab: Bitte melde Dich als User an; das erleichtert uns die Beratung, siehe auch wie funktioniert Stillberatung hier im SuT?.

Also, die mit Abstand wahrscheinlichste Ursache für die Stillprobleme Deines Babys ist: Saugverwirrung auf Grund des frühen Finger-Feedings und Calma-Verwendung. Deine Milchmenge und Baby-Gewichtszunahme sind offensichtlich völlig OK, das ist schön. Sprich: Es ist ein isoliertes Saugproblem bei Deinem Baby; dafür sprechen auch die niedrigen Ergebnisse der Stillproben, die Du durchgeführt hast. Wechselstillen ist - da schließe ich mich Dir komplett an - nicht das richtige für Euch; das funktioniert nur bei Babys, die mit dem erfolgreichen Andocken grundsätzlich kein Problem haben.

Der Einsatz des BES könnte hilfreich für Euch sein - für noch wichtiger halte ich aber, dass Dein Baby erstmal KEINE künstlichen Sauger mehr bekommt, damit es sich nicht tagtäglich weiter daran gewöhnt. (Klassische Saugschwäche scheint bei Deinem Baby nicht vorzuliegen, wenn es was aus dem Calma herausbekommt - d.h. es ist vermutlich wirklich "nur" eine klassische Saugverwirrung auf Grund der Gewöhnung an Finger und künstliche Sauger).
Während der Zeit, in der Dein Mann noch zuhause ist und das BES noch nicht da ist, könntest Du die abgepumpte Milch saugfrei füttern. Geeignete Methoden dazu findest Du in unserer Grundinfo zu stillfreundlichen Zufüttermethoden.

Kannst Du mit diesen ersten Hinweisen etwas anfangen?

Rückfragen immer gerne und
LG
Julia
Lina123
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Re: Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Beitrag von Lina123 »

Hallo Julia,

vielen Dank für deine Antworten!!!
Ich glaube, gestern Abend ist - zumindest zum Teil - bei uns der Knoten geplatzt :lol: .
Die Kleine ist zum ersten Mal (mit Stillhütchen zwar aber immerhin) gut angedockt gewesen und hat mehrere gute Unterkiefer-Saugbewegungen hintereinander gemacht. Sie hat zwar nicht so lange an der Brust ausgehalten, weil da nicht viel kam (durch das viele Pumpen ist die Brust nicht mehr auf Vorrat gefüllt, die Brüste sind auch beide weich) aber ich war so euphorisch, dass ich ihr abends noch einmal 150ml vorrätige Mumi (vom Vormittag gepumpt) mit dem Calma-Sauger gab und dann weder abends noch nachts pumpte, damit die Brust sich mal füllen kann. Und tatsächlich: heute Nacht gegen 3 Uhr als sie knatterte und grunzte - ging ich mit ihr zum wickeln um sie richtig wach zu machen - und da schaffte sie 110g (laut meiner Waage) aus beiden Brüsten (mit Hütchen) in ca. 45 Minuten. Ich bin so happy!! Habe daher bis jetzt nicht mehr gepumpt, sondern sie stets angelegt, als sie sich meldete. Nicht jedes Mal habe ich gewogen. Hier mal meine heutigen Notizen.

-3 Uhr beide Seiten je ca. 30 Minuten lt. Waage ca. 110g - gewickelt (Urin + Stuhl)
-7 Uhr beide Seiten je ca. 20 Minuten, mehrmals dazwischen gewechselt ca. 80g + gewickelt (Urin)
-10 Uhr beide Seiten je ca. 20 Minuten, mehrmals dazwischen gewechselt, nicht gewogen
-12 Uhr beide Seiten je ca. 10 Minuten, dabei eingeschlafen, danach gewickelt (grüne Stuhlwindel)
-13 Uhr beide Seiten im Wechsel - sie schläft immer wieder ein, ich lege sie weg, sie weint wieder, ich docke sie an - mit mehreren Pausen bis 14 Uhr ca. 80g lt Waage

Sie weint immer noch, deswegen stille ich jetzt mal weiter, vielleicht trinkt sie nochmal gut.
Ist das ok, dass ich so mal weiter mache?

Viele Grüße und lieben Dank für die Hilfe,
Lina
jusl
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Re: Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Beitrag von jusl »

Sie weint immer noch, deswegen stille ich jetzt mal weiter, vielleicht trinkt sie nochmal gut.
Ist das ok, dass ich so mal weiter mache?
Ja, sicher.
Achte aber darauf, dass Du nicht dem Irrtum unterliegst, die Brust müsse sich irgendwie "füllen" oder besonders voll anfühlen, damit Dein Baby gut trinken kann. Das Völlegefühl entsteht weniger durch Milch als durch erhöhte Durchblutung und eingelagertes Gewebswasser, wenn das letzte Stillen schon länger her ist. Wer immer auf das Völlegefühl wartet, stillt ab - denn die Brust passt sich auf Dauer dem Bedarf ja an.
Zwischen den Mahlzeiten sammelt sich nur sehr wenig Milch in der Brust, maximal ein paar Löffelchen voll. Der Hauptteil der Milch wird stets WÄHREND des Stillen gebildet.

LG
Julia
Lina123
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Re: Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Beitrag von Lina123 »

Ok dann mache ich jetzt einfach so weiter.
Nein ich habe keine Angst, dass die Milch nur reicht, wenn die Brust sich voll anfühlt. Mit der Pumpe aber auch beim ersten Kind hatte ich immer genügend Milch auch aus einer "weichen" Brust. Allerdings war die Kleine nur bereit länger zu saugen solange die Milch auch reichlich nachkam.
Das müsste sich in den nächsten Tagen ändern, wenn sie sich ans Stillen gewöhnt hat. Ich hoffe, es klappt!

Worauf soll ich denn jetzt noch besonders achten? Ich würde gerne die nächsten Tage sicherheitshalber mitwiegen, weil sie nach wie vor eher gemütlich trinkt und auch zwischendurch einschläft (und die Milch aus dem Mund laufen lässt anstatt zu schlucken). Mit Wickeln und wecken geht es einigermaßen, so gierig wie mein Sohn es war, ist sie (noch) nicht.
Lina123
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Re: Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Beitrag von Lina123 »

Noch etwas: da sie momentan viel Vordermilch erwischt, ist das Stillkacki grünlich. Gibt es eine Zeitspanne in der sich das normalisieren muss oder zählt nur, dass sie fit ist?
jusl
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Re: Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Beitrag von jusl »

Worauf soll ich denn jetzt noch besonders achten? Ich würde gerne die nächsten Tage sicherheitshalber mitwiegen, weil sie nach wie vor eher gemütlich trinkt und auch zwischendurch einschläft
Es ist sinnvoll, wenn Du auf folgende Sache achtest:

* mindestens 8-12 mal in 24 Stunden stillen
* möglichst keine Flaschenfütterungen mehr
* keine Stillproben mehr machen (wir wissen bereits alles, was Stillproben uns sagen könnten...)

Zum Wiegen:
Es ist sinnvoll, ihr Gewicht sorgfältig zu dokumentieren, bis Ihr Euer Stillproblem überwunden habt. Dazu wiegst Du täglich oder alle 2 Tage unter möglichst gleichen Bedingungen und postest die Daten hier. Ausführliche Info dazu findest Du in unserer Grundinfo Wiegen und Gedeihen.

da sie momentan viel Vordermilch erwischt, ist das Stillkacki grünlich.
Für grünen Stuhl gibt es mehrere mögliche Ursachen. Grüner Stuhl heißt eigentlich nur "schnellere Darmpassage". Medizinisch relevant ist grüner Stuhl bei jungen Säuglingen praktisch nur im Zusammenhang mit Saugstörungen und schlechter Gewichtszunahme. An den Saugproblemen bist Du dran, und das Gewicht schauen wir ja jetzt auch erstmal in Ruhe an.

LG
Julia
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Re: Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Beitrag von Lina123 »

13.09. 3220g Geburt
16.09. 2940g Entlassung, Hütchen
21.09. 2870g (Hebi) Fingerfeeding, Flasche
30.09. 3200g (Hebi) ab hier komplett Flasche
04.10. 3350g Hütchen
06.10. 3440g 8x gestillt, 6x Urin, 3x Stuhl (grün)
07.10. 3500g 13x gestillt, 7x Urin, 4x Stuhl (grün/gelb)
jusl
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Re: Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Beitrag von jusl »

Hallo Lina123,

vielen Dank für Deine Daten; ich habe sie mal in eine übersichtlichere Liste gepackt (alles korrekt so?). Bitte führe diese einfach weiter.
Magst Du vielleicht lieber morgens wiegen? Die Erfahrung zeigt, dass das Wiegen nachmittags/abends psychomäßig oft unnötig anstrengend ist, was wiederum Stress machen kann.

Wie lief es denn mit dem Stillen? 13 x ist auf jeden Fall super.

LG
Julia
Lina123
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Re: Wie vom Pumpen auf Stillen umstellen - müdes Baby

Beitrag von Lina123 »

Ich habe diese Tage etwas Hilfe im Haushalt und mit meinem Sohn, habe mich gestern mit der Kleinen ins Bett gelegt und viel gekuschelt. Sie kam mittags und abends total oft - empfand ich als tierisch anstrengend, aber ich sage mir eben das das jetzt die Phase ist bis es sich einspielt ;). Denke aber sie hatte auch Bauchweh wegen dem grünen Stillkacki. Teilweise haben wir auch nur ganz kurz gestillt um die 5 Minuten, aber sie wollte immer auf oder neben mir liegen.

Ja klar kann ich morgens wiegen ist kein Problem.
Ich glaube der Wert am 4.10. stimmt nicht, war nur eine Näherung - da haben wir nicht nackt gewogen sondern mit Kleidung und die dann als Schätzung abgezogen (Kleidung wurde extra auf der Küchenwaage gewogen).
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