Wochenbett - Fragen und Unsicherheiten

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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perlanera1981
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Wochenbett - Fragen und Unsicherheiten

Beitrag von perlanera1981 »

Hallo zusammen,

nachdem ich beim ersten Kind fast 8 Wochen lang "nur" mit extrem wunden Brustwarzen zu kämpfen hatte, hab ich beim zweiten nun gleich mehrere "Baustellen" und viele viele Unsicherheiten. Vielleicht könnt ihr mir beim Gedanken ordnen helfen...

Vorweg, ich habe bei 41+0 spontan entbunden innerhalb von ca. 7 Stunden ohne PDA oder ähnlichem. Nachdem mir mein Sohn auf den Bauch gelegt wurde, hat er gleich geschrieen... Fast 45 min lang, danach habe ich ihn angelegt, weil er alleine die Brust nicht zu finden schien. Im Kreißsaal hat er dann gleich richtig angedockt und dreimal getrunken, bevor er in den Schlaf fiel. Ich war so happy, nachdem ich beim ersten Kind so unsicher war und ich immer ewig gebraucht habe, bis Kind 1 korrekt an der Brust war - jetzt ein Kind, das gleich richtig andockt und kräftig saugt. Ein Traum :-)

Die Ernüchterung kam während der ersten beiden Tage. Hatten wir am Geburtstag noch längere Schlafpausen (2-3 Stunden), hing er in der ersten Nacht schon 1-2stündlich an meiner Brust und am zweiten Tag ging es dann so weiter. Maximal eine Stunde Schlaf am Stück, danach war er durch nichts zu beruhigen, außer an der Brust, sonst schrie er sich im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib... So auch die zweite Nacht. Nach fast 48 Stunden ohne Schlaf kam für mich dann der Supergau. Bei der U2 am nächsten Morgen hatte er bereits fast 10% an Gewicht verloren (Energie durch Schreien "verpulvert"); die Kinderärztin wollte bereits zufüttern, aber zusammen mit der IBCLC konnten wir ein Ultimatum für den Nachmittag vereinbaren, weil wir ja auf den Milcheinschuss hofften. Am Nachmittag war das Gewicht zwar nicht mehr weiter gesunken, jedoch sein Hautturgor so schlecht, dass ich vor die Wahl zwischen Infusion oder Zufüttern gestellt wurde. Also wurde er nach den nächsten Mahlzeiten mit der Spritze nachgefüttert "so viel er wollte", irgendwas zwischen 10 und 20 ml. Danach war er zufrieden und hatte auch wieder längere Schlafpausen. Mein schlechtes Gewissen ist aber leider immer noch da. Der Verstand weiß, dass es richtig war, aber für den Bauch ist es ein dermaßen besch... Gefühl, dass ich immer noch heulen kann.

Am dritten Tag wurden wir nach einer Stillprobe entlassen mit der Ansage, dass ich jetzt definitiv nicht mehr zufüttern müsste (weil Milch da war und das erste Kind auch keine Probleme mit Zunahme usw. hatte) und Zuhause kam dann die Milch noch mal richtig gut ins Fließen. Das tat gut, aber es zeigte sich schon bald, dass er ein sehr sehr ausgeprägtes Saugbedürfnis hat. Dem habe ich anfangs auch nachgegeben und ihn jedes Mal gestillt, wenn er sich meldete, teilweise mehr als 12 tägliche Mahlzeiten.

Das hatte nicht nur zur Folge, dass er super zunahm, sondern auch, dass ich jetzt mit - meiner Meinung nach - viel zu viel Milch dasitze. Er verschluckt sich ständig und spuckt fast nach jedem Trinken. Ich habe bereits versucht, ihn definitiv nur noch anzulegen, wenn klare Hungerzeichen da sind, aber er sucht z. B. ständig. Auch wenn er mal muss, Schluckauf hat oder ihn ein Bäuerchen drückt. Einschlafstillen geht auch gar nicht, weil er ja nach fast jedem Stillen spuckt und danach wieder wach ist :-( Dabei wär das so praktisch! Dann hab ich die Stillabstände auf 1 1/2 bis 2 Stunden verlängert, damit wir mal ein bisschen zur Ruhe kommen. Anders beruhigen als an der Brust geht aber nur mit meinem kleinen Finger. Känguruhen, Tragen (egal ob Arm oder Buzzidil Mini), Singen, Summen etc. Bringt alles nix. Das hat zur Folge, dass ich gefühlt Vor- und Nachmittage lang mit meinem Finger in seinem Mund verbringe und ich jeweils ca. 1 1/2 bis 2 Stunden warte, bis er die nächste Mahlzeit bekommt. Unbefriedigend, aber welche Möglichkeiten habe ich sonst? Schnuller wollte ich ihm wenn möglich die ersten 6 Wochen vorenthalten, aber ich bin mittlerweile echt verzweifelt. Immerhin habe ich noch einen älteren Sohn von nicht ganz 2 1/2 Jahren. Der wird zwar von meiner Mama bespaßt und versorgt (ich essenstechnisch auch), aber es tut mir sehr weh, ihn dauernd "abschieben" zu müssen. Und wenn er da ist, mag er zu mir nicht herkommen und kuscheln. Setzt sich lieber gegenüber, schnullert und schaut mich traurig an. :-(

Irgendwelche Ideen zum Thema gesteigertes Saugbedürfnis im Wochenbett?

Was tun bei zuviel Milch im Wochenbett? Die Tipps aus der Linksammlung sind ja für Frauen, die aus dem Wochenbett schon raus sind. Hoffen, dass sich alles noch einspielt?

Wie macht ihr das mit euren größeren Kindern?

Puh, jetzt ist es doch noch recht lang geworden. Danke schon mal fürs Zuhören. Allein das Auskotzen bei SuT scheint zu wirken, grad schläft er 2 1/2 Stunden.

Hier noch die Gewichtsdaten, falls benötigt. Pipi- und Stuhlwindeln haben wir täglich mehr als genug. ;-) bestimmt 6 x Pipi und mindestens 3-4 x Stuhl.


31.5. 3340 g KH
2.6. 3040 g KH 4-5 mal nachts zugefüttert, zwischen 10-20 ml pro Mahlzeit
3.6. 3110 g KH Entlassung und Milcheinschuss
4.6. 3230 g ab hier Hebamme
6.6. 3350 g
8.6. 3610 g
12.6. 3640 g
14.6. 3800 g

Liebe Grüße

perlanera1981


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Annetteh
gut eingelebt
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Re: Wochenbett - Fragen und Unsicherheiten

Beitrag von Annetteh »

Hm, ich denke, dass sich die Milchmenge noch einpendeln wird. Bei meinem Großen bin ich auch fast ersoffen :wink: Kannst Du versuchen die (zuerst so spritzende Milch) ablaufen zu lassen? Vielleicht verschluckt er sich nicht so stark, wenn die Milch nicht mehr so rausschießt.
Bei der Kleinen war ich festentschlossen ihr keinen Schnuller zu geben, aber sie hatte ein so starkes Saugbedürfnis, dass ich ihn ihr doch gab. Das hat mich doch entlastet damals. Sie stillte trotzdem super (zum Glück).
Zu Deinem Großen:
Ist es möglich, dass die Oma oder der Papa den Kleinen mal nimmt (spazieren geht oder so) :sling_doppel_1: und Du mal eine Stunde mit dem Großen ganz alleine hast? Vielleicht tut das Euch beiden mal gut und er kommt doch wieder zum kuscheln. So ist es doch traurig für Euch.
Alles Gute für Dich!! Es wird sich sicher bald alles einpendeln.
LG Annette mit
Samuel 25.5.2001
Lena 8.8.2003
Jonathan 14.7.2005
Lukas 14.7.2007 und
Sara 17.6.2010
perlanera1981
hat viel zu erzählen
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Re: Wochenbett - Fragen und Unsicherheiten

Beitrag von perlanera1981 »

Liebe Annette,

Danke für deine Ansätze.

Die Milch spritzt eigentlich gar nicht raus und tropft nicht mal großartig weiter, wenn er nicht saugt. Es scheint also nicht unbedingt am starken MSR zu liegen, sondern wirklich an der Menge. Habe aber festgestellt, dass es im Liegen bedeutend besser geht.

Meine Mama oder mein Mann nimmt mir den Kleinen auch ab, so dass ich z. B. gestern mit dem Großen kurz beim Erdbeerfeld war. Trotz allem finde ich, dass er arg zu kurz kommt und kann das mit mir selbst nicht ausmachen. Ich hab permanent ein schlechtes Gewissen. Ihn stört es vielleicht auch gar nicht so - er ist gern bei Oma und war auch vor der Entbindung oft bei ihr (sie wohnt nebenan und er könnte jederzeit Heim, wenn er wollte).

Hm, vielleicht muss ich doch noch einen Schnullerversuch vor der 6. Woche starten :-/

Liebe Grüße


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Lösche Benutzer 14077

Re: Wochenbett - Fragen und Unsicherheiten

Beitrag von Lösche Benutzer 14077 »

Hallo Perlanera,

meine kleine Tochter ist jetzt knapp 7 Wochen und der Große ebenfalls 2,5 Jahre. Am Anfang war es auch bei uns schwierig weil ich immer das Gefühl hatte ich vernachlässige ihn. Ist auch jetzt noch manchmal so, aber mit ein paar konstanten Sachen am Tag haben wir es ganz gut in den Griff bekommen. Zum Bsp. bekommt die Kleine am Wochenende nach dem Stillen der Papa zum Windeln wechseln, Rumtragen ect. und ich spiele ein bisschen mit dem Großen. Ist der Papa nicht da und auch sonst keine in der Nähe macht es sich gut mit ihm beim Stillen ein Buch anzuschauen. Was aber am meisten hilft bei uns ist das ich ihn abends im Bad fertig mache und so nur Zeit mit ihm am Ende des Tages verbringe. Ins Bett lässt er sich dann auch gerne vom Papa bringen, aber Badzeit ist unsere :-)
Versuch einfach irgendetwas konstantes in euren Tagesablauf zu bringen wo er weiß da ist jetzt Mama nur für mich da.
Ich muss aber auch sagen das wir das Glück haben das die Kleine schnell zufrieden ist egal bei wem sie ist, sie will zwar auch oft stillen, aber ist ansonsten ein eher ruhiges Kind. Das ist dann wahrscheinlich bei dir doppelt schwer aber ich bin mir sicher das ihr einen Weg findet mit dem alle zufrieden sind! Noch muss sich ja auch alles erst einmal einspielen :-)

Liebe Grüße
Anja
Donnerkind
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1011
Registriert: 06.05.2013, 20:24

Re: Wochenbett - Fragen und Unsicherheiten

Beitrag von Donnerkind »

Hallo perlanera,

ich hab gerade Dein Ausgangspost gelesen und dachte beim Thema Spucken, Saugbedürfnis und den daraus resultierenden Problemen gleich: "Genau wie bei uns in der Anfangszeit" Ich habe unseren Jüngsten auch beim kleinsten Hungerzeichen angelegt und er spuckte und spuckte ohne Ende. Besonders nachts fand ich das regelrecht zermürbend, weil er vor lauter Spuckerei gar nicht zur Ruhe kam. Herumtragen half auch nur für den Moment, aber an Einschlafen war dabei nicht zu denken. Lag er dann wieder neben mir, fing er an zu suchen, wurde - das x-te Mal an diesem Abend - wieder gestillt, schlief dabei ein, spuckte, wurde wieder wach usw. Fand ich ganz fürchterlich. Den kleinen Finger wollte ich ihm nicht zum Nuckeln geben aus Angst vor einer Saugverwirrung.
Tja, und dann waren wir an Tag 8 seines Lebens bei der U2 und durften feststellen, dass er da schon 460 g über seinem Geburtsgewicht lag. :shock: Ich hab dann noch etwas mit mir gerungen und dann entschieden (natürlich in Absprache mit meinem Mann), dass wir ihm Schnuller kaufen. So früh wollte ich eigentlich gar nicht damit anfangen, aber ich ging wirklich auf dem Zahnfleisch. Ab dem Tag der Schnullereinführung lief hier alles deutlich entspannter. Er wird nach wie vor recht häufig gestillt (ca. alle 1,5 bis 2,5 Stunden tagsüber, nachts wacht er nur 1x auf) und ist sehr mopsig.
Und so wie Du achte ich darauf, wann er das letzte Mal getrunken hat. Ist das letzte Stillen nämlich weniger als eine Stunde her, und ich lasse ihn trinken, trinkt er nicht gut und spuckt mir oft während des Stillens die Milch wieder entgegen. Und dabei ist Stillen ohne Blick auf die Uhr so angenehm...
Es grüßt das Donnerkind mit den Mädels 2007 und 2008 sowie dem kleinen Bruder 2013.
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Katha
Dipl.-SuT
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Re: Wochenbett - Fragen und Unsicherheiten

Beitrag von Katha »

Liebe perlanera,

hab zwar noch keinen 2. Hasen, aber wg. Deines schlechten Gewissens muss ich an einen Gedanken denken, den meine Schwester mit 4 Kindern mal gesagt hat: Dein Großer hatte Dich jetzt 2,5 Jahre ganz für sich. So viel Zeit alleine wird Deine Tochter NIE mit Dir haben.
Vielleicht hilft Dir die Relation ein Bißchen.

Gerade ist sie so Mini und braucht Dich.
Die Tips mit Exklusiver-Mama-Zeit f. den Großen helfen auch vielen Müttern m. 2. Kindern hier.
Oder eine "Stillkiste" mit tollen Sachen, die nur genutzt werden darf, wenn Mama mit Mini beim Stillen ist.

Schnuller, gerade so früh gegeben, kann halt leider zur Saugverwirrung führen.
Darum möchte ich niemandem dazu raten.
Kl. Finger ist da wohl deutlich unkritischer (wenn ich mich richtig erinnere, hat Jusl letztens geschrieben, dass sie keine Fall von Saugverwirrung aufgrund Mamas kleinem Finger kennt)

Liebe Grüße
Katha mit dem Hasen *01/2012
"Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken." Khalil Gibran[/color]

Viel vom iPhone, Buchstabendreher, Tippfehler... inkl. [/size]
perlanera1981
hat viel zu erzählen
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Re: Wochenbett - Fragen und Unsicherheiten

Beitrag von perlanera1981 »

Hallo ihr drei und schon mal danke für eure Ansätze!

Die Stillkiste find ich super, da werd ich heute gleich mal dran arbeiten! Und auch die Exklusivzeit für den Großen werde ich auch einplanen. Die Badzeit am Abend bietet sich da auch bei uns an, auch wenn ich dann für die Spätschicht-Tage meines Mannes noch eine Lösung brauche. Habt ihr da Erfahrungen, wenn ihr keine Betreuungsperson für die Exklusivzeit habt? Wie macht ihr das?

Zumindest bin ich beruhigt, dass es auch anderen so geht, das erleichtert mich ungemein. Ich wollte diesmal mit dem Stillen "alles richtig machen" - ohne Schnuller, ohne kleiner Finger, Stillen nach Bedarf usw. und muss nun erkennen, dass jedes Kind doch so anders ist, dass ich doch wieder bei Null anfangen und meinen Weg finden muss. Gar nicht so einfach...

Liebe Grüße
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