Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

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sterntalerin
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Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

Beitrag von sterntalerin »

Also, ich war heute bei unserem Kinderarzt und bin jetzt irgendwie recht verunsichert. Mein Bübchen ist jetzt fast (!) 6 Monate alt und wir waren unter anderem beim Arzt, weil ich physische Ursachen für sein ich-will-nicht-an der-rechten-Brust-trinken ausschließen wollte. Jedenfalls meinte mein offensichtlich nicht stillfreundlicher Arzt (nachdem er meinte, ich soll's mal mit Stillhütchen versuchen :roll: ), dass jetzt Stillen bei so einem großen Baby :shock: absolut nicht mehr notwendig sei und dadurch definitiv kein immunologischer Vorteil entsteht. Mal abgesehen davon, dass ich nicht (nur) wegen diverser immunologischer Vorteile stille, aber, stimmt das? Ich dachte immer (und meine auch hier gelesen zu haben), dass im ersten Lebensjahr Milch (mehr oder weniger) Hauptnahrung ist ... Auch war der Arzt irritiert, dass der Zwerg noch keine drei Breimahlzeiten isst; ich würde dem Kind wichtige Nährstoffe vorenthalten :shock: Ich war so perplex, ich konnte gar nichts drauf sagen.
Das Bübchen ist ohnehin was Essen/Trinken betrifft ein bisschen ein schwieriger Kandidat. Brei habe ich zwei Mal angeboten und er fand's furchtbar - er hat auch immer den Löffel von sich weggeschoben ... Hingegen wenn ich ein Banane oder Birne esse, lutscht er mit Begeisterung dran. Das sind aber keine wahnsinnigen Mengen, die da in ihm landen. Wir stillen immer noch recht viel und auch sehr gern. Denn bis das Bübchen wirklich nennenswerte Mengen isst, dauert's, glaube ich, noch ein wenig. Hat mein Arzt Recht wg. den Nährstoffen? Aber dem Zwerg Premilch zu geben bis er wirkliuch isst, erscheint mir auch nicht ganz sinnvoll, oder? Außerdem ist Stillen bei uns die beste Einschlaf- und Beruhigungshilfe ...
Ach Gott, dieser dummer Arztbesuch hat mich total verunsichert.

Ich brauche, glaube ich, ein wenig Zuspruch, dass wir hier nicht alles falsch machen ... :(
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KittyFantastico
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Re: Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

Beitrag von KittyFantastico »

du machst definitiv alles richtig

ich habe schon von sehr vielen KiÄ gehört das sie so denken und dann vom stillen sogar abraten.

lass dich nicht verunsichern

mein KiA ist ein absoluter Stillverfechter. er sagt man sollte so lange mama und kind es wollen stillen. meine kleine war kein breikind, sie hat 10 monate voll gestillt und dann mit fingerfood angefangen.
mein KiA fand das toll und meinte, viel mehr frauen sollte mehr auf ihre kinder/babys vertrauen denn sie wissen schon was sie brauchen und geben die richtigen signale.

wir haben 3 jahre gestillt und bis heute sagt mein KiA das dadurch unsere kleine ein sehr gutes Immunsystem hat.

ich nehm dich mal virtuell in den arm und geb dir ne tüte mut rüber so weiterzumachen wie bisher. wenn es sich fur dich und deinen kleinen gutanfühlt dann ist es richtig :wink:
genieß die stillzeit und wenn er noch kein essen mag oder trinken (wasser) dann soll er eben ruhig MuMi kriegen.

alles liebe für euch

LG kitty
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Lucccy
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Re: Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

Beitrag von Lucccy »

Hallo,

komischer Kinderarzt... Hier hieß es nur, dass es am Stillen läge, dass wir nur Erkältungen haben und Dinge wie Bronchitis und Mittelohrentzündung nicht wirklich kennen.
Bei einem Arztbesuch mit 1,5 Jahren sprach ich von "Milch trinken" und die Ärztin fragte "sie stillen doch noch, oder?" und das klang so, dass sie davon ausging, dass wir stillen, weil es gut ist.

Also weiterstillen. Beim nächsten blöden Gespräch würde ich "notfalls" meinen Egoismus zücken, da Stillen ja auch das Krankheitsrisiko bei der Mutter langfristig gesehen senkt, zum Teil jeder Monat 1% mehr...

Gruß Lucccy
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Katha
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Re: Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

Beitrag von Katha »

http://www.stillinfo.ch/Dokumente/was-d ... t-noch.pdf
Der Artikel (m. vielen wissenschaftlichen Belegen) zeigt auf, wie immunologisch sinnvoll das Stillen im 2. Lebensjahr ist
Zumindest in der Hinsicht inkompetenter Arzt!
Nur kurz, unterwegs
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"Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken." Khalil Gibran[/color]

Viel vom iPhone, Buchstabendreher, Tippfehler... inkl. [/size]
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Re: Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

Beitrag von Sussa »

Ich würd den Arzt mal ganz naiv fragen, was du statt dem Stillen tun sollst. Welche Milch dein Kind trinken soll. Sagt er Pulvermilch, frag ihn ob die denn auch so gut wie Muttermilch ist. Die übliche Meinung ist ja, Pre ist genauso gut wie Muttermilch. Sagt er das, kannst du ja beruhigt weiter stillen. Wenns doch genauso gut ist...
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sterntalerin
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Re: Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

Beitrag von sterntalerin »

ach, danke, ihr lieben, für eure antworten! ich hoffe, ich kann das nächste mal schlagfertiger reagieren, aber ich hab mich in dem moment so verunsichert gefühlt.
... oder am besten wir lassen das thema stillen beim nächaten termin aus ... oder wir wechseln arzt ... :roll:
@katha: danke für den link! sehr spannend!

:5:
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kangaroo86
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Re: Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

Beitrag von kangaroo86 »

Im ersten LJ sind Menschenkinder Säuglinge und sollen daher "gesäugt" werden. Sie brauchen ja auch im 2ten Lebenshalbjahr unbedingt Milch, die wichtige Nährstoffe enthält. Warum sollte die Muttermilch eines anderen Säugetiers (meistens einer Kuh), die mittels industriellen Verfahren angepasst wird, besser sein, als die arteigene? Wenn du dich ausgewogen Ernährst (durchs Netz geistert gerade der Fall, wo ein 11 Monate altes vollgestilltes Baby einer veganerin starb. Sie supplementierte aber auch einige wichtige Vitamine nicht) und deinem Baby regelmäßig eine gesunde Auswahl an Beikost (egal in welcher Form) anbietest und zusätzlich nach Bedarf stillst, kannst du stillen, solange es euch gefällt. Alles Liebe noch für euch.
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Re: Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

Beitrag von spacerabbit »

Lass Dich nicht verunsichern, Du machst alles richtig! Hör auf Dein Bauchgefühl und vertrau darauf, was Dein Kind verlangt, und was ihm gut tut! Und überlege Dir wirklich vielleicht, den Kinderarzt zu wechseln. Das ist absolut schade, ein Kinderarzt sollte eigentlich dazu da sein, Dich richtig zu informieren und Dir Vertrauen und Sicherheit zu geben. Beim Großen habe ich mich auch immer leicht verunsichern lassen, bei der Kleinen hab ich viel mehr auf mein Gefühl und auf Ihre Bedürfnisse vertraut. Mit 6 Monaten wurde sie auch noch voll gestillt, es war genau wie bei Euch, Brei fand sie doof, unser Essen aber sehr interessant, sie hat bei den Mahlzeiten immer an Gemüsestückchen gelutscht. Irgendwann, das war dann aber viel später, hat sie immer mehr von unseren Mahlzeiten mitgegessen, aber trotzdem hat sie sich noch viel Stillen eingefordert. Stillen ist ja nicht nur Nahrungsgabe, und für ein gutes Immunsystem ist auch ein gutes seelisches Befinden wichtig.
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sterntalerin
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Re: Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

Beitrag von sterntalerin »

vielen dank für all eure rückmeldungen und das mut machen! es zeigt mir, dass wir auf dem richtigen weg sind und ich wirklich mehr saf mein gefühl hören muss ... vor allem was das stillen betrifft :)
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Re: Stillen - nach dem 6. Monat immunologisch sinnlos?

Beitrag von AMINA »

Na, so eine Kinderärztin haben wir (unsere ist 20 Monate alt und will trotz neuer Schwangerschaft noch nicht von Mama's Brust lassen) auch. Aber vermutlich gerade weil wir so lange stillen, haben wir sie bislang bis auf ein Mal eh nur zu den Vorsorgeuntersuchungen gesehen. Mich macht sowas beinahe wütend :evil: : In der 3.Welt wird alles versucht, die Mütter zu langem Stillen zu animieren und von der (zum Teil auf Grund der schlechten hygienischen Bedingungen sogar TODBRINGENDEN) Fertignahrung der Lebensmittelindustrie abzubringen und hier gibt's immer noch Ärzte, die entweder bestechlich oder schlecht informiert sind. Und beides ist nicht nützlich für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit!
Die WHO empfiehlt, Kinder bis zum 6. Lebensmonat ausschließlich und in Kombination mit anderer Nahrung bis midestens zum 2. Geburtstag zu stillen: http://www.who.int/topics/breastfeeding/en/ !
Hintergrund ist, dass Muttermilch über die ganze Zeit des Stillens hinweg den Darm vor möglichen Infektionen schützt - auch mit langkettigen Fettsäuren und Kohlenhydraten, die so eben nicht in der Fertignahrung drin sind. So steigt gerade bei niedrigerem Hygienestandard die Überlebenschance des Kindes. Aber auch hier im "sauberen Westen" kann das Kind vor Magen-Darm- Infektionen besser geschützt werden!
Es scheint wohl so zu sein, dass längeres Stillen hinsichtlich der Auswirkungen auf mögliche Allergien keine Vorteile hat, aber Immunologie umfasst ja weit mehr als das.
Meine eigene Erfahrung ist die: Mein Kind bekommt zwar einen Schnupfen, aber der ist nicht so ausgeprägt und läuft ohne Fieber und Komplikationen ab, wie bei den gleichalten Kindern aus Nachbarschaft, Krabbelgruppe, Kita... vorausgesetzt, ich selbst bin gegen den Erreger immun! Der grippalen Infekt im Frühjahr diesen Jahres hat uns beide mit hohem Fieber ins Bett gebracht und uns beiden eine bakterielle Folgeinfektion beschert - wie soll denn da das Stillen auch helfen, wenn in meiner Milch keine Abwehrstoffe gegen den Erreger vorhanden sind.
Lass dich echt nicht verrückt machen!
Was das Zufüttern angeht: Das kommt von alleine, auch ohne strikte Einhaltung des "Lebensmittelindustrie"-Dogmas. Bei manchen Kindern früher, bei anderen eben später.
Wichtig ist, dass du dem Kind die Möglichkeit gibst, sich ab dem 6. Monat auch an andere Nahrung zu gewöhnen - Bis es dann von der Brust als echte Nahrungsquelle ablässt, kann es aber dauern und das ist ganz natürlich (siehe auch Wikipedia zum Thema Stillen).
Unsere Tochter zeigte schon sehr früh (mit 3 Monaten) Interesse an unserem "normalen" Essen, lutschte auch gern mal an einem Stück Mango, Karotte, Fenchel, Kohlrabi herum. Als "haptische Abwechslung" schien Brei auch ganz interessant zu sein, aber sich davon satt zu essen? Neeee! Satt wurde sie durchs Stillen - bis sie so viele Zähne hatte, dass sie ganz klein geschnittenes Brot mit Frischkäse, Apfel, zerdrückte Kartoffeln mit Fleischbrei etc. wirklich "essen" konnte. Das war mit ca. 10 Monaten soweit.
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