Muttermilch spenden

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7erendipity
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Re: Muttermilch spenden

Beitrag von 7erendipity »

Ein wunderbares Buch zu dem Thema: The Politics of Breastfeeding von Gabrielle Palmer. Liest sich wie ein Thriller, ist aber leider das wahre Leben :?
Ich kann das Buch sehr empfehlen, es ist ein richtiger Augenöffner und stellt sehr spannend und mit unzähligen Quellennachweisen die Zusammenhänge zwischen der Art der Säuglingsernährung und der Säuglingsnahrungsindustrie dar.
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Lucccy
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Re: Muttermilch spenden

Beitrag von Lucccy »

7erendipity hat geschrieben:Nur sehr wenige Krankenhäuser mit Geburtshilfe in Deutschland sind auch babyfreundliche Krankenhäuser (WHO-zertifiziert, das entspricht stillfreundlich). Ich wage mal zu behaupten, dass die Motivation dann auch einfach nicht da ist, sich darauf einzulassen die Mütter in die Babygesundpflegung zu integrieren.
Wobei nicht jede Klinik ein Zertifikat haben muss, um "stillfreundlich" zu sein. Gemessen an der Werbewirkung (es gibt nur in anderen Kliniken vorgeburtliche Veranstaltungen zum Thema stillen, Stillcafe nach der Geburt) und dem Ruf hier unter den mir bekannten Müttern habe ich in der stillfeindlichsten Klinik entbunden, die mir zur Verfügung stand.
Komischerweise höre ich aus den anderen Kliniken von mehr noch in der Klinik gescheiterten Stillbeziehungen...

Und wegen der Motivation die Mütter in die Babygesundpflegung zu integrieren: das hängt sicher auch an der Motivation der Mutter. Ich war erschrocken, dass ich ein Fleißbienchen bekam, nur weil ich immer pünktlich zu den (mit mir abgesprochenen) Babyversorgungszeiten kam.

Aber was ich an Spenderinnenmilch trotzdem für die Kliniken kritisch sehe: mit meinem vorgeburtlichen Stillwissen hätte ich bei der Wahl ergänzen meiner Milch mit Spenderinnenmilch oder mit Formula mich ohne weitere Aufklärung für Formula entschieden. Mit meinem heutigen Wissen würde ich das anders entscheiden - aber welche Frühchenmutter wird denn vor, während oder unmittelbar nach der Geburt Interesse an einer solchen Aufklärung haben?
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sajonc
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Re: Muttermilch spenden

Beitrag von sajonc »

Ich finde es auch sehr, sehr schade, dass es kaum Möglichkeiten zum Spenden gibt.
Da ich regelrecht ausgelaufen bin die ersten Monate (selbst jetzt, kurz vor ihrem 1. Geburtstag ist es nicht viel besser), wollte ich gerne spenden und musste frustriert feststellen, dass es in Deutschland allerhöchstens was im Osten gibt.
Meine Nachsorgehebamme war es, die mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass man in Basel spenden kann -ich wohnte da direkt an der Grenze zur Schweiz.
Wobei sie das wusste, weil sie dort auch arbeitete -ich selber habe kein einziges Mal irgendeine Form von "Werbung" gesehen.
Und es war generell ein ziemlich komplizierter Weg, dort "angenommen" zu werden -eben, keine Werbung, Informationen, Kontaktdaten etc.

Ich habe die ersten Monate -ohne Abpumpen, sondern nur mit Auffangen oder Ausstreichen- locker täglich 2 Fläschen (à 150ml) zum Spenden sammeln können + noch Milch zum eigenen Einfrier-Gebrauch. Aber sie wollten nur Milch von den ersten 3 Monaten.
Als ich am Ende aus Interesse nachfragte, wie viel es so im Vergleich sei, was ich gespendet habe, sagte man mir, es sei 200% über das, was sie damals hatten.
Auch war ich die einzige von "außerhalb" die gespendet hat -daneben gab es noch 2-3 Spenderinnen, die aber dort in der Klinik entbunden haben. Und ich meine, selbst die hatten selber eben Frühchen.

Ich denke schon, dass es sehr wichtig ist. Gerade bei so ganz kleinen Frühchen : / ich kann zwar keine Quellen liefern, aber meine Hebamme sagte dies oft.
Dass es enorm wichtig ist und dass sie mit Muttermilch tendentiell besser gedeihen.
Daher finde ich es echt schade, dass man eigentlich nicht spenden kann.
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püppilotta
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Re: Muttermilch spenden

Beitrag von püppilotta »

Lucccy hat geschrieben:mit meinem vorgeburtlichen Stillwissen hätte ich bei der Wahl ergänzen meiner Milch mit Spenderinnenmilch oder mit Formula mich ohne weitere Aufklärung für Formula entschieden. Mit meinem heutigen Wissen würde ich das anders entscheiden - aber welche Frühchenmutter wird denn vor, während oder unmittelbar nach der Geburt Interesse an einer solchen Aufklärung haben?
Stimmt schon. Aber die Ärzte, die mit dir eine solche Entscheidung besprechen, würden dir doch sicher zu Spenderinnenmilch raten, wenn sie welche hätten. Ist ja im Interesse des Kindes.
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püppilotta
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Re: Muttermilch spenden

Beitrag von püppilotta »

7erendipity hat geschrieben:Ein wunderbares Buch zu dem Thema: The Politics of Breastfeeding von Gabrielle Palmer. Liest sich wie ein Thriller, ist aber leider das wahre Leben :?
Ich kann das Buch sehr empfehlen, es ist ein richtiger Augenöffner und stellt sehr spannend und mit unzähligen Quellennachweisen die Zusammenhänge zwischen der Art der Säuglingsernährung und der Säuglingsnahrungsindustrie dar.
Macht mich jetzt schon traurig und wütend, wenn ich die Zusammenfassung und Kommentare auf Amazon lese. :evil:
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Re: Muttermilch spenden

Beitrag von Seelentattoo »

Ich würde auch gerne spenden, laufe ich doch auch immer noch über. Ohne stilleinlagen braucheich nicht vor die Tür gehen.
Hätte mich anfangs auch mal im Internet umgesehen, ob das möglich ist, aber außer im Osten oder in München hab ich nix gefunden. Wirklich sehr schade.
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Re: Muttermilch spenden

Beitrag von greenie bird »

püppilotta hat geschrieben:@greenie bird: Der Bedarf dürfte da sein. Ich denke, Sussa hats getroffen.
Deshalb schrieb ich ja auch Interesse und nicht Bedarf ;)
Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...

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7erendipity
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Re: Muttermilch spenden

Beitrag von 7erendipity »

Lucccy hat geschrieben: Aber was ich an Spenderinnenmilch trotzdem für die Kliniken kritisch sehe: mit meinem vorgeburtlichen Stillwissen hätte ich bei der Wahl ergänzen meiner Milch mit Spenderinnenmilch oder mit Formula mich ohne weitere Aufklärung für Formula entschieden. Mit meinem heutigen Wissen würde ich das anders entscheiden - aber welche Frühchenmutter wird denn vor, während oder unmittelbar nach der Geburt Interesse an einer solchen Aufklärung haben?
Das ist meiner Meinung nach der Kern des Problems. Wir glauben alle, dass wir ja ach so aufgeklärt sind und die Wahl haben bezüglich der Ernährung zu entscheiden. Allerdings ist eine wirklich überlegte Entscheidung nur möglich, wenn auch ALLE wesentlichen Informationen zur Verfügung stehen. Und die stehen auch nicht dem behandelnden und beratenden medizinischen Personal zur Verfügung, weil
1. kein Teil der Ausbildung
2. kein Interesse seitens des Arbeitgebers Fortbildungen zu diesem Thema gezielt zu fördern
3. kein Verständnis dafür, dass überhaupt ein Problem existiert (was primär wieder in der Unwissenheit verwurzelt ist)
Daher werden dann Mütter bzw. Eltern auch nicht dahingehend aufgeklärt, dass gerade Frühchen eine signifikant erhöhte Überlebenswahrscheinlichkeit haben, wenn sie Muttermilch erhalten (und sei es auch ''NUR'' pasteurisierte Spenderinnenmilch). Es ist unglaublich und unverständlich, aber es ist so.
Später mehr, Kind weint...
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