Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
- yogacat
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
wie motiviert ihr euch mit den kids eure eigentliche muttersprache zu sprechen? ich finde es so schwierig, weil deutsch für mich so natürlich ist. ich denke, träume und spreche fast nur deutsch, selbst mit meinen freunden, die die gleiche herkunft haben, sprechen wir deutsch. außer jemand ist dabei, der partout nix versteht, oder manchmal als "geheimsprache", wenn wir nicht auf deutsch verstanden werden wollen
ich lebe ja schon in deutschland seit ich 3 jahre alt bin, fühle mich quasi als deutsche, kann aber die andere sprache genauso akzentfrei und fliessend. nur ist es eben nicht so natürlich für mich, außer meine eltern sind da. ich möchte meinem sohn diesen teil seiner herkunft nicht vorenthalten und könnte mir auch vortsellen mal ein paar jahre in der alten heimat zu leben mit ihm. also wäre es schon schön, wenn er die sprache auch zumindest ein bißche lern. einige worte spricht er zb nur auf deutsch, andere nur in der anderen sprache. ist das bei euch auch so?
-
Sternsammler
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
@ camldown
Also ich selbst bin nicht zweisprachig aufgewachsen, habe aber durch mein Studium sehr viel darüber aus wissenschaftlicher Sicht gelernt und auch etliche Paare in meiner Umgebung und Verwandtschaft, die ihre Kinder zweisprachig erziehen. Grundsätzlich ist es wichtig, dass das jeweilige Elternteil konsequent in der gewählten Sprache bleibt. Also nicht zwischen Deutsch und der anderen Sprache hin und her wechselt, wenn man zu dem Kind spricht. Im Normalfall spricht man von den ersten 7 bis 13 Jahren, in denen die Eltern konsequent zweisprachig zu dem Kind sprechen müssen. Hört man früher auf, vergisst das Kind entweder wieder alles, oder vermischt beide Sprachen heillos (wobei am Anfang eine gewisse Verwirrung/Vermischung, auch unbewusste, ganz normal ist). Je weiter die beiden Sprachen linguistisch gesehen von einander entfernt sind (also zB Deutsch-Englisch ist nah verwandt, Deutsch-Mandarin entfernt), um so länger dauert es idR für das Kind die Strukturen zu durchblicken und richtig anzuwenden, ABER umso profitabler wirkt sich das auch auf die Synapsenvernetzung und "language awareness"/späteres Sprachenlernen aus.
Also ich selbst bin nicht zweisprachig aufgewachsen, habe aber durch mein Studium sehr viel darüber aus wissenschaftlicher Sicht gelernt und auch etliche Paare in meiner Umgebung und Verwandtschaft, die ihre Kinder zweisprachig erziehen. Grundsätzlich ist es wichtig, dass das jeweilige Elternteil konsequent in der gewählten Sprache bleibt. Also nicht zwischen Deutsch und der anderen Sprache hin und her wechselt, wenn man zu dem Kind spricht. Im Normalfall spricht man von den ersten 7 bis 13 Jahren, in denen die Eltern konsequent zweisprachig zu dem Kind sprechen müssen. Hört man früher auf, vergisst das Kind entweder wieder alles, oder vermischt beide Sprachen heillos (wobei am Anfang eine gewisse Verwirrung/Vermischung, auch unbewusste, ganz normal ist). Je weiter die beiden Sprachen linguistisch gesehen von einander entfernt sind (also zB Deutsch-Englisch ist nah verwandt, Deutsch-Mandarin entfernt), um so länger dauert es idR für das Kind die Strukturen zu durchblicken und richtig anzuwenden, ABER umso profitabler wirkt sich das auch auf die Synapsenvernetzung und "language awareness"/späteres Sprachenlernen aus.
- MarinaG
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
ja, hier auch. Je nachdem, was leichter auszusprechen ist oder worüber mehr mit Mama oder Papa gesprochen wird.yogacat hat geschrieben:einige worte spricht er zb nur auf deutsch, andere nur in der anderen sprache. ist das bei euch auch so?
Die besten Kinder überhaupt:
Alexander (April 2011), Katharina (Oktober 2013) und Julian (Februar 2016)
Alexander (April 2011), Katharina (Oktober 2013) und Julian (Februar 2016)
- mayra
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Ich brauche euren (evtl fachlichen?) Rat. Ich bin Halb-Französin. Ich lernte als Kind erst französisch sprechen (meine Mutter ist Fremdsprachensekretärin und hatte etwa 1 Jahr mit meinem Vater in F gelebt), mit etwa 2 Jahren haben sie dann auch deutsch mit mir gesprochen. Zu der Zeit kam mein Bruder auf die Welt. Der hörte also von Beginn an viel deutsch. So kam es, dass wir beide immer nur noch deutsch sprachen, mein Vater hauptsächlich frz, meine Mutter mal so, mal so. Auswärts meist frz, vor allem, wenn sie "schimpfen" wollte
Naja, nach ein paar Jahren hat mein Vater aufgegeben und es sein lassen. So spreche ich recht gut frz.. aber es ist nicht meine Muttersprache. Mir fehlt viel Alltagswissen, ich kenne keine Lieder usw. Deshalb wollte ich nie mit meinen Kindern frz. sprechen, es "geht" einfach nicht.
Wir leben aber in einer Grenzregion zu Frankreich. Unsere Grundschule ist bilingual... dh. der Unterricht ist hälftig auf frz. und es gibt im Ort eine weiterführende Schule, wo es genauso ist. Mein Mann würde gern mehr frz können, um besser mit Kunden und Lieferanten sprechen zu können.
Jetzt fragen wir uns, würde es etwas bringen, zb. den ganzen Samstag oder Sonntag nur noch frz. zu sprechen? Meinem Mann wahrscheinlich, aber den Kindern? Ist das genug, zu wenig, besser als nichts??
Sie sprechen beide sehr, sehr gut deutsch, sie haben Kenntnisse weit über ihr Alter hinaus (wird mir immer wieder gesagt, von KIGA, KiÄ usw.).
HILFE
Wir leben aber in einer Grenzregion zu Frankreich. Unsere Grundschule ist bilingual... dh. der Unterricht ist hälftig auf frz. und es gibt im Ort eine weiterführende Schule, wo es genauso ist. Mein Mann würde gern mehr frz können, um besser mit Kunden und Lieferanten sprechen zu können.
Jetzt fragen wir uns, würde es etwas bringen, zb. den ganzen Samstag oder Sonntag nur noch frz. zu sprechen? Meinem Mann wahrscheinlich, aber den Kindern? Ist das genug, zu wenig, besser als nichts??
Sie sprechen beide sehr, sehr gut deutsch, sie haben Kenntnisse weit über ihr Alter hinaus (wird mir immer wieder gesagt, von KIGA, KiÄ usw.).
HILFE
- Latascha
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Ich würde nicht zwanghaft einen Tag einführen, an dem NUR noch die eine Sprache gesprochen wird, sondern es eher mehr in den Alltag einfließen lassen. Wenn sie gut deutsch sprechen und jetzt nicht direkt ein perfektes Französisch mitbekommen, aber doch einen soliden Grundstock, dann ist das doch nicht verkehrt.
Entscheidend wäre für mich, wie viel in der ersten Klasse an Grundkenntnissen vorausgesetzt wird und wie leicht sich Kinder tun, die noch keine Vorkenntnisse haben diese dann dort zusätzlich mit dem Stoff aufzuholen. Hier ist es ja Englisch und die Kinder, die ohne jegliche Vorkenntnisse in die Grundschule kommen haben es doch nicht so leicht, denn der Unterricht findet zu 50% auf Englisch statt. Es ist machbar, aber erst einmal eine enorme Zusatzbelastung, denn es ist ja nicht nur die Sprache, die in der Zeit gelernt wird, sondern auch aktiv andere Lerninhalte, die sie dann auch können müssen.
Da aber selten Kinder ohne Vorkenntnisse in beiden Sprachen eingeschult werden, kann ich gar nicht wirklich sagen, ob es generell für die Kinder machbar ist in dem System, oder einige es nicht schaffen würden.
Kannst du dir vielleicht einfach mal die Schule genauer anschauen, also wie das dort gehandhabt wird? Ich würde ein wenig danach gehen und wie ich mich zu Hause wohl fühle mit den Sprachen.
Entscheidend wäre für mich, wie viel in der ersten Klasse an Grundkenntnissen vorausgesetzt wird und wie leicht sich Kinder tun, die noch keine Vorkenntnisse haben diese dann dort zusätzlich mit dem Stoff aufzuholen. Hier ist es ja Englisch und die Kinder, die ohne jegliche Vorkenntnisse in die Grundschule kommen haben es doch nicht so leicht, denn der Unterricht findet zu 50% auf Englisch statt. Es ist machbar, aber erst einmal eine enorme Zusatzbelastung, denn es ist ja nicht nur die Sprache, die in der Zeit gelernt wird, sondern auch aktiv andere Lerninhalte, die sie dann auch können müssen.
Da aber selten Kinder ohne Vorkenntnisse in beiden Sprachen eingeschult werden, kann ich gar nicht wirklich sagen, ob es generell für die Kinder machbar ist in dem System, oder einige es nicht schaffen würden.
Kannst du dir vielleicht einfach mal die Schule genauer anschauen, also wie das dort gehandhabt wird? Ich würde ein wenig danach gehen und wie ich mich zu Hause wohl fühle mit den Sprachen.
Liebe Grüße
Latascha
mit Munchkin (09/10) und Monkey (09/13)
ClauWi Trageberaterin
Latascha
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ClauWi Trageberaterin
- mayra
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Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Also es ist so wie bei euch das 50% auf frz läuft. Aber die Kinder kommen mit unterschiedlichen Kenntnissen dorthin. Es gibt im Kiga zwar zwei frz Erzieherinnen aber das bring irgendwie gar nix. Die singen und lesen vor, sprechen auch überwiegend frz.. Sie erklären aber nichts und übersetzen auch nichts.
So singt mein Sohn Lieder ziemlich falsch und nicht wissend was er singt....
Leider haben da die Kinder frz oder lux Eltern einen riesen Vorteil: zu Hause frz, im Kiga deutsch. So kommen die mit guten Sprachkenntnissen in die Schule...
Da geht es dann genauso weiter: Unterricht komplett auf frz ohne Erklärungen, ausser im Sprachunterricht
Ich hab Angst dass er es nicht packt, wie der Sohn unserer Freunde. Clever, aber sprachlich halt nicht talentiert... das klappte jetzt am Schluss der Grundschule nicht mehr gut. Er geht wohl aufs Gymnasium aber nicht hierin Ort wegen der SprachSache
Vom Handy... dessen Fehler dürft ihr behalten
Leider haben da die Kinder frz oder lux Eltern einen riesen Vorteil: zu Hause frz, im Kiga deutsch. So kommen die mit guten Sprachkenntnissen in die Schule...
Da geht es dann genauso weiter: Unterricht komplett auf frz ohne Erklärungen, ausser im Sprachunterricht
Ich hab Angst dass er es nicht packt, wie der Sohn unserer Freunde. Clever, aber sprachlich halt nicht talentiert... das klappte jetzt am Schluss der Grundschule nicht mehr gut. Er geht wohl aufs Gymnasium aber nicht hierin Ort wegen der SprachSache
Vom Handy... dessen Fehler dürft ihr behalten
- Latascha
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Mhm, an und für sich finde ich das OPOL-Konzept aber besser als zu übersetzen. Da sollten dann die Erzieher konsequent bei einer Sprache bleiben...
Bei uns ist es auch so, dass zwei der Erzieher nur Englisch sprechen (weiß gar nicht, ob sie Deutsch können) und zwei nur Deutsch. In der Schule gibt es pro Klasse zwei Lehrer, einer spricht Deutsch der andere Englisch. Lediglich das ABC wird nur auf Deutsch unterrichtet, wobei die meisten Kinder es schon in der Krippe oder im Kindergarten auch auf Englisch lernen
Bei uns ist es auch so, dass zwei der Erzieher nur Englisch sprechen (weiß gar nicht, ob sie Deutsch können) und zwei nur Deutsch. In der Schule gibt es pro Klasse zwei Lehrer, einer spricht Deutsch der andere Englisch. Lediglich das ABC wird nur auf Deutsch unterrichtet, wobei die meisten Kinder es schon in der Krippe oder im Kindergarten auch auf Englisch lernen
Liebe Grüße
Latascha
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ClauWi Trageberaterin
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- mayra
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Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
An und für sich finde ich das auch. Aber die Erzieherinnen sind Springer dh. es gibt 4 Gruppen dort... durch das offene System sehen sie sie zwar öfter mal, aber nicht jeden Tag... ich finde das echt suboptimal.
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asujakin
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
mein Sohn ist in einem bilingualen kiga und es wird wirklich 50% engl. gesprochen. die engl-sprachigen Erzieherinnen reden sich mit den Eltern nur englisch. sich unter den Kollegen usw. übersetzen wäre nicht authentisch.
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asujakin
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
achso...künstlich einführen würde ich eine Sprache nicht. vor allem wenn es keine Herzenssprache ist !
mein Sohn lässt mich nun immer mehr mit ihm englisch reden und spricht auch selbst immer mehr.
ich bin zwar grundsätzlich fur die opol Methode, aber hier wird gemixt und für uns is das ok.
mein Sohn lässt mich nun immer mehr mit ihm englisch reden und spricht auch selbst immer mehr.
ich bin zwar grundsätzlich fur die opol Methode, aber hier wird gemixt und für uns is das ok.

