Lyra hat geschrieben:...ihre Brust zum Stillen nicht geeignet ist...
Achso, dazu noch: da geistern halt auch noch total viele Ammenmärchen in der Weltgeschichte rum. Dass kleine Brüste wenig Milch geben würden oder so ein Quatsch (was eben - wie vieles oben erwähnte daher rührt, dass man in völliger Unkenntnis des Stillvorgangs davon ausgeht, dass sich die Milch für die nächste "Mahlzeit" zwischen den "Mahlzeiten" bildet und in dieser Zeit in der Brust - quasi wie in einem Weinschlauch - sammeln würde). Daher auch die Vorstellung, jede Frau müsse beim Milcheinschuss mit geschwollenen Atombrüsten rumsitzen, sonst habe sie keine Milch - dabei weiß man heute, dass bei gutem Stillmanagement (vor allem häufigem Anlegen nach Bedarf) in den ersten Tagen diese Gewebswasseransammlung in den Brüsten viel geringer ausfällt - mit der Milchmenge jedenfalls hat das nichts zu tun.
Oder: Sogar meine Mutter (selbst großer Busen, mehrere Kinder über ein Jahr gestillt, Milch an Frühchenstation gespendet - sollte es also besser wissen) erzählte mir neulich, dass es mit großen Brüsten ja total schwierig sein könne zu stillen, da die oft kaum Drüsengewebe enthalten - das seien dann oft nur "Fleischbrüste"

(so habe sie das in der Schwesternausbildung gelernt).
Und ja, so eine ungeschickte Bemerkung in Schwangerschaft oder Wochenbett kann unglaublich viel Unheil anrichten (einer Bekannten von mir mit AA-Körbchen wurde z.B. im Kreißsaal beim ersten Anlegeversuch von der Hebamme abschätzig lächelnd gesagt: "mit diesen kleinen Brüsten wird das nie was!" - ja, und es wurde nie was - selbsterfüllende Prophezeiung in einer Phase des Lebens, in der man wohl so anfällig dafür ist, wie sonst kaum je

)
Und dann das bedauerliche Thema mit Flach- und Hohlwarzen, die oft für das Baby überhaupt kein Problem darstellen würden, wenn man es sich unbeeinflusst selbst anlegen ließe (die Haut am Warzenhof riecht und schmeckt anders, sieht anders aus, fühlt sich anders an als der Rest der Brust - das Baby findet schon die richtige Stelle, wenn man es lässt

) und vor allem: nicht mit künstlichen Saugern dazwischenfuddeln würde. Klar, wenn ein Kind den ausgeprägten Saugreiz eines Schnullers/Fläschchens/Stillhütchens am Gaumen erwartet, wird es sich irritiert von einer Flachwarze abwenden und nciht wissen, was es damit soll... .
Will sagen: mit unserem heute (und in den letzten Jahrzehnten) in den westlichen Industrienationen üblichen Stillmanagement, dem Einsatz von künstlichen Saugern, dem heute üblichen Abstillalter etc. - wenn SO über die letzten Jahrhunderte und Jahrtausende die Kinder der Menschheit gestillt worden wäre, dann wäre wahrscheinlich die Säuglings- und Kleinkindsterblichkeit in ein Maß gestiegen, das überlebensgefährdend für unsere Art geworden wäre. Die hohe Sterblichkeitsrate hatte ja überwiegend andere Ursachen, (die völlig ausreichten

). Mangelnde Stillfähigkeit (abgesehen von schwerer Mangelernährung der Mutter, die sich dann aber bei allen Klan-Mitgliedern abzeichnen dürfte und dass allgemeine Überleben der Gruppe - angefangen bei den Schwächsten - gefährdete) dürfte darunter einen verschwindend geringen Anteil gehabt haben.
Eigentlich können wir wohl mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass wir heute lebenden Frauen auf eine (vom letzten Jahrhundert oder vielleicht zwei Jahrhunderten abgesehen - und das ist ja evolutionstechnisch eher unbedeutend) lückenlose Ahnenreihe von tausenden und abertausenden so weit stillfähigen Urmüttern zurückblicken können, dass ihre Nachkommen überlebten. Sonst säßen wir eben nicht hier. Und das ist doch trotz aller Ausnahmen (die heute glücklicherweise eben keiner natürlichen Auslese mehr anheim fallen, sondern medizinische Hilfe und industriell gefertigte Alternativen haben - auch wenn ein Ammen- und Spenderinnennetzwerk und Ermutigung zum Teilstillen in allen möglichen Variationen noch schöner wären) für jede zukünftige Stillmutter erstmal sehr ermutigend

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