Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein...

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Lucccy
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Lucccy »

blueberry hat geschrieben:Es ist noch ein langer Weg. Was uns nicht hindern sollte, beharrlich einen Schritt nach dem nächsten zu gehen 8)
*unterschreib*

Zum Ausgangsposting: ich habe auch schon von vielen traurigen Stillgeschichten gehört. Und es stimmt: oft ist schon der Rat der Entbindungsklinik schuld, dass es nicht klappen konnte.

Und ansonsten werde ich wohl weiter ehrlich übers Stillen berichten, wenn ich gefragt werde, meine Stillbücher verleihen und vor allem stillen, so lange es uns gefällt.

Gruß Lucccy
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Kloesschen
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Kloesschen »

Blueberry - das hast du toll formuliert!
Viele Liebe Grüße das Kloesschen mit der großen Schwester 06/07 und dem kleinen Bruder 02/09, einem kleinen Wunder 09/10 und einem Baby 02/2013 uuuund noch einem 02/2018) :sling:

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Wortgewitter
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Wortgewitter »

Blueberry, ja, das sehe ich auch so. Ich bezog mich mit meinem Post auf den UMGANG nach dem Abstillen mit selbigem - das ist ja wieder eine andere Sache.

Hier gab es ja eine Dame, der wurde im KH gesagt, ihr Kind würde verhungern (die Ärztin soll zu einer Krankenschwester oderso gesagt haben 'sehen sie, so sieht ein verhungerndes Kind aus!' :evil: ). Diese Mama war so schockiert und diese Aussagen rührten an ihren eigenen Problemen und Ängsten. Ich weiß gar nicht, ob sie es geschafft hat, zu stillen. Der Schock und das Gefühl des Unvermögens saß sehr tief.

Wie gesagt, für all diese Wege finde ich dieses Forum klasse. Ich habe nicht das Gefühl, dass man hier als Flaschenmama angegriffen wird oder so. Die Entscheidung liegt bei dem Individuum.

Nur hinterher zu beurteilen, wie es denn 'wirklich' war, das finde ich sehr schwer.
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Lyra
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Lyra »

Vielen Dank Blueberry, genau das hab ich in meinem Ausgangsposting gemeint!!! Du hast das wirklich super beschrieben.


Hab I-Phonitis.....
Viele liebe Grüße
Lyra mit dem Mann, der Püppi (09/08), dem kleinen Mann (04/11) und einem * (05/10) für immer im Herzen.
Schau doch mal in meinem Blog die Rumpelbutze vorbei.
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blueberry
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von blueberry »

Gern geschehen :D
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blueberry
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von blueberry »

Lyra hat geschrieben:...ihre Brust zum Stillen nicht geeignet ist...
Achso, dazu noch: da geistern halt auch noch total viele Ammenmärchen in der Weltgeschichte rum. Dass kleine Brüste wenig Milch geben würden oder so ein Quatsch (was eben - wie vieles oben erwähnte daher rührt, dass man in völliger Unkenntnis des Stillvorgangs davon ausgeht, dass sich die Milch für die nächste "Mahlzeit" zwischen den "Mahlzeiten" bildet und in dieser Zeit in der Brust - quasi wie in einem Weinschlauch - sammeln würde). Daher auch die Vorstellung, jede Frau müsse beim Milcheinschuss mit geschwollenen Atombrüsten rumsitzen, sonst habe sie keine Milch - dabei weiß man heute, dass bei gutem Stillmanagement (vor allem häufigem Anlegen nach Bedarf) in den ersten Tagen diese Gewebswasseransammlung in den Brüsten viel geringer ausfällt - mit der Milchmenge jedenfalls hat das nichts zu tun.
Oder: Sogar meine Mutter (selbst großer Busen, mehrere Kinder über ein Jahr gestillt, Milch an Frühchenstation gespendet - sollte es also besser wissen) erzählte mir neulich, dass es mit großen Brüsten ja total schwierig sein könne zu stillen, da die oft kaum Drüsengewebe enthalten - das seien dann oft nur "Fleischbrüste" :shock: (so habe sie das in der Schwesternausbildung gelernt).

Und ja, so eine ungeschickte Bemerkung in Schwangerschaft oder Wochenbett kann unglaublich viel Unheil anrichten (einer Bekannten von mir mit AA-Körbchen wurde z.B. im Kreißsaal beim ersten Anlegeversuch von der Hebamme abschätzig lächelnd gesagt: "mit diesen kleinen Brüsten wird das nie was!" - ja, und es wurde nie was - selbsterfüllende Prophezeiung in einer Phase des Lebens, in der man wohl so anfällig dafür ist, wie sonst kaum je :( )

Und dann das bedauerliche Thema mit Flach- und Hohlwarzen, die oft für das Baby überhaupt kein Problem darstellen würden, wenn man es sich unbeeinflusst selbst anlegen ließe (die Haut am Warzenhof riecht und schmeckt anders, sieht anders aus, fühlt sich anders an als der Rest der Brust - das Baby findet schon die richtige Stelle, wenn man es lässt :wink: ) und vor allem: nicht mit künstlichen Saugern dazwischenfuddeln würde. Klar, wenn ein Kind den ausgeprägten Saugreiz eines Schnullers/Fläschchens/Stillhütchens am Gaumen erwartet, wird es sich irritiert von einer Flachwarze abwenden und nciht wissen, was es damit soll... .


Will sagen: mit unserem heute (und in den letzten Jahrzehnten) in den westlichen Industrienationen üblichen Stillmanagement, dem Einsatz von künstlichen Saugern, dem heute üblichen Abstillalter etc. - wenn SO über die letzten Jahrhunderte und Jahrtausende die Kinder der Menschheit gestillt worden wäre, dann wäre wahrscheinlich die Säuglings- und Kleinkindsterblichkeit in ein Maß gestiegen, das überlebensgefährdend für unsere Art geworden wäre. Die hohe Sterblichkeitsrate hatte ja überwiegend andere Ursachen, (die völlig ausreichten :( ). Mangelnde Stillfähigkeit (abgesehen von schwerer Mangelernährung der Mutter, die sich dann aber bei allen Klan-Mitgliedern abzeichnen dürfte und dass allgemeine Überleben der Gruppe - angefangen bei den Schwächsten - gefährdete) dürfte darunter einen verschwindend geringen Anteil gehabt haben.
Eigentlich können wir wohl mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass wir heute lebenden Frauen auf eine (vom letzten Jahrhundert oder vielleicht zwei Jahrhunderten abgesehen - und das ist ja evolutionstechnisch eher unbedeutend) lückenlose Ahnenreihe von tausenden und abertausenden so weit stillfähigen Urmüttern zurückblicken können, dass ihre Nachkommen überlebten. Sonst säßen wir eben nicht hier. Und das ist doch trotz aller Ausnahmen (die heute glücklicherweise eben keiner natürlichen Auslese mehr anheim fallen, sondern medizinische Hilfe und industriell gefertigte Alternativen haben - auch wenn ein Ammen- und Spenderinnennetzwerk und Ermutigung zum Teilstillen in allen möglichen Variationen noch schöner wären) für jede zukünftige Stillmutter erstmal sehr ermutigend :) .
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von cosima83 »

Blueberry, das hast du toll formuliert!

Ich finde mich an so vielen Stellen wieder: Noch lange vor der Schwangerschaft wurde mir gesagt, mit meinen kleinen Brüsten könnte ich kein KIind ernähren, während der Schwangerschaft dann das übliche "Wenns überhaupt klappt", wenn übers Stillen gesprochen wurde. Im Wochenbett auf der Neugeborenenstation dann "Da kommt eh noch nix......" (ist das Kollostrum nix????!!!????), Zufüttern mit der Flasche, Saugverwirrung, Abpumpen,......

Aber Gott sei Dank kenne ich dieses Forum hier schon seit vielen Jahren und wusste u.a. deswegen schon in der Schwangerschaft schon so viel über das Stillen, dass ich mich nicht verunsichern lies und mir kompetente Hilfe suchte, schon vor der Geburt.
Seit dem Tag der Entlassung aus dem KH ist unsere Stillbeziehung problemlos und dauert noch an.

Aber wenn ich mir vorstelle, dass die Sachen, die ich zu hören bekam sicher auch Müttern gesagt wuden, die mit weniger Vorwissen kamen, wird mir schlecht. Ich will garnicht wissen, wieviel Stillbeziehungen allein die Schwester auf der Säuglingsstation auf dem Gewissen hat...... :evil:
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Wortgewitter
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Wortgewitter »

ich dachte beim ersten Kind auch, dass Milch 'alle' geht. Das hat meine Mutter gesagt und die hat ja drei Kinder... :?

Und ich hab auch immer gesagt 'wenn es denn klappt' wenn ich gefragt wurde, ob ich stillen will. Weil ich von soooo vielen Leuten gehört habe, dass es schiefging.
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von sutnahpele »

Blueberry, deine Ausführungen sind wahnsinnig interessant und überlegt!

Ich bin ja auch eine Mama, bei der die Milch nicht reichte. Mittlerweile kann ich sehr gut zum Flaschegeben stehen und dabei trotzdem an schwangere Freundinnen und Bekannte die Stillinfo, die ich von meinen Stillberaterinnen bekam, weiterreichen und Werbung fürs Stillen bei Nichtschwangeren machen.

Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist dieses hier doch recht häufig auftretente Rummeckern/Bemitleiden/Herunterschauen über/von/auf nichtstillende Mütter. Mit einer derartigen Attitüde macht man das Stillen auch nicht populärer :roll:
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Sakura »

Habe jetzt nicht den Thread gelesen, aber:
Lyra hat geschrieben:Warum sind so viele Hebammen soooo schlecht gebildet bzgl. stillen oder nehmen sich so wenig Zeit, Mütter die stillen wollen gut zu betreuen und zu bestärken...
Das sind manchmal auch meine Gedanken. Wobei man ehrlich sagen muss, dass es auch sehr viele beratungsresistente Mütter gibt. Ich habe mittlerweile viele hier kennen gelernt, die sagen, sie würden ja gern voll stillen, aber.... Und wenn ich dann nachfrage, dann wird nach der Uhr gestillt, nachts gar nicht, abends gibt es Fläschchen etc.... Und ich weiß DEFINITIV, dass die Hebammen hier anders arbeiten (Die Stadt ist klein, ich kenne alle Hebammen, und die sind garantiert stillfreundlich, und predigen den ganzen Tag, dass bitte nach Bedarf und NICHT nach der Uhr gestillt wird).
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13

Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
vor keinem Popanz, keinem Weltgericht,
vor keinem als sich selber gerade zu stehen. (Reinhard Mey)

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