Warum länger als 6 Monate stillen?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Leyket
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von Leyket »

julimama hat geschrieben:...ich mag mal behaupten, dass das hier vor 20 Jahren nicht so war. (Komme aus der ehem. DDR)
Da gabs ja auch keine Hebammen, die einen im Wochenbett besucht haben. Da gabs nur die Mütterberatung, zu der man hingehen musste (so alle 4 Wochen). Dort wurden dann die Babies gewogen und gemessen. War hier wo ich wohne zumindest so.)
Krieg auch heute noch von vielen Älteren erzählt, man habe sich ja gar nicht getraut, dem Kind eher als 4h wieder was zu geben. Da ist dann versucht worden das Kind mit Tee hinzuziehen.
Meiner Mutter ist z. B. erklärt worden, ab dem 2. Mon. Möhrensaft zuzufüttern, wegen der Vitamine. Und abends ab 3. Mon. mit Grießbrei und so was anzufangen. Da hat niemand von Beikostreife geredet, da gabs halt ein Schema X an das sich alle Mütter zu halten hatten. Da war es ja aber auch so, dass die meisten Mütter schon nach dem Mutterschutz wieder arbeiten mussten und man so versucht hat den Frauen einzureden, es lohne sich halt gar nicht erst überhaupt mit dem Stillen anzufangen. Da kamen solche Fragen : "warum länger als 6 Mon. stillen" erst gar nicht auf.
Da ist es vermutlich wie mit allem, auch in der DDR, es kommt darauf an, wen man damals gefragt hat.
Ich komme nicht aus der ehemaligen DDR, ich wohne nun nur hier. Ich hab keine eigenen Erfahrungen und kenne nur einen kleinen Personenkreis mit solchen Erfahrungen. Was ich aber kenne, ist ein Zeitungsartikel aus einer DDR-Frauenzeitschrift, den mein Freund im Frühjahr bei der Arbeit auf dem Bau bei Abrissarbeiten gefunden und mir mitgebracht hat. Ganz klare Empfehlung darin war, 4 Monate mindestens voll zu stillen und dann darüber hinaus mindestens im 1. Lebensjahr. Ich kann das jetzt auch nur aus meiner Erinnerung wiedergeben, denn den Artikel habe ich meiner Hebamme geschenkt, die als Stillberaterin und DDR Bürgerin mehr damit verbinden kann als ich.
Ich glaube, dass auch Tipps für berufstätige Frauen darin standen. Zumindest das Pumpstillen und damit Flasche füttern wurde darin erwähnt. Natürlich war auch der Artikel nicht auf dem heutigen Stand der Stillberatung, aber er war gut und pro Langzeitstillen.
Die Zeitschrift hieß "Für Sie" oder "Für Dich" oder so und war eine Ausgabe aus den frühen 80ern oder späten 70ern. So genau erinnere ich mich nicht mehr daran. Aber ganz klare Erinnerung habe ich an meinen positiven Eindruck.

Allerdings genauso im Vergleich dazu weiss ich, dass vor ca 15 Jahren auch im Westen mein Stillverständnis nicht anders war. Die ersten Wochen stillen, später Flasche, so oder so. Ich hab meine großen Mädchen nie gestillt. Wieso auch? Flaschennahrung ist doch ebenso gut. So kannte ich das, so hat mir das auch Fachpersonal bestätigt.
Bis heute habe ich lediglich mein Stillwissen erweitert. Die (offiziellen) Empfehlungen sind aber (meines Wissens nach) nicht viel anders als sie das damals waren.

Übrigens rechtfertige ich mich auch nicht für das Stillen. Ich bin gerne bereit bei wirklichem Interesse Informationen zu geben und Erfahrungen zu teilen. Wenn mir allerdings schon gleich Verantwortungslosigkeit oder sowas vorgeworfen wird und Unverständnis entgegengebracht wird, dann erkläre ich nichts. Und bei einigen Leuten, deren Meinung darüber ich zumindest erahnen kann, da erwähne ich das nichtmal um erst gar nicht diskutieren zu müssen.
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Tutti
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Re: AW: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von Tutti »

Lillian hat geschrieben:Das Problem, das die meisten Leute damit haben, is ja "leider" nicht die Muttermilch an sich. Sondern das Trinken an der Brust. :(

Das ist so traurig.
Ja, so empfinde ich es vorallem bei jungen Leuten in meinem Alter. Sehr seltsam...

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emarley
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von emarley »

Leyket hat geschrieben:Übrigens rechtfertige ich mich auch nicht für das Stillen. Ich bin gerne bereit bei wirklichem Interesse Informationen zu geben und Erfahrungen zu teilen. Wenn mir allerdings schon gleich Verantwortungslosigkeit oder sowas vorgeworfen wird und Unverständnis entgegengebracht wird, dann erkläre ich nichts. Und bei einigen Leuten, deren Meinung darüber ich zumindest erahnen kann, da erwähne ich das nichtmal um erst gar nicht diskutieren zu müssen.
Hmmhmm, ja. Irgendwie wurde mein erster Post wohl auch eher etwas missgedeutet :D. Ich meinte auch mehr in die Richtung "mit Fakten" überzeugen (eben anhand des Beispiels meiner unwissenden aber wissbegierigen Schwester) als rechtfertigen. Ich selbst stille sehr gerne, auch wenn er ein sehr sehr schwieriges Stillkind ist (verbessert sich vielleicht nach Kiss-Behandlung). Ich plane ebenfalls ihm das Ende zu überlassen und bin eigentlich sehr locker drauf. Mein Problem ist tatsächlich einfach nur, dass ich sehr vergesslich bin und mir die Fakten im Falle des Falles nicht einfallen, obwohl ich doch eigentlich Bescheid weiß. Verdammter Schlafentzug :D
Mit Teddybär 06/12 und kleiner Maus 02/15.
Angora

Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von Angora »

Aber was sind das denn für Ärzte, die du mit Fakten überzeugen musst??? Meine FÄ hat zwar auch ein bissel irritiert geguckt als sie die Brustkrebsvorsorge machen wollt u sagte so, aber abgestillt haben sie ja schon? Als das Kind 1Jahr jung war. Und als ich ihr später erzählte, dass ich 2 Jahre gestillt hab, sagte sie nur, joa, wenn das für uns beide gut war, dann ist das auch völlig ok. Und meine KiÄ ist auch fürs stillen, zum Glück! Rechtfertigen find ich immer schlecht, das ist so als ob unser Handeln doch nicht soooo toll wäre!
Wenn mich jemand fragte, warum ich noch stille, konnte ich eh nur antworten, weil mein Kind sonst verhungern würde, er hat bis er anderthalb war, alles andere an Nahrung (selbst abgepumpte Milch wollt er nicht!) verweigert.
Von daher kann ich dir nur raten, sei selbstbewusst, steh zum stillen nach 6 Monaten u erklärs einfach als Selbstverständlichkeit! Du weißt warum es gut ist, dann lass die anderen sich doch bei Interesse selber informieren....
(ich lass mich ja auch heute nicht auf Diskussionen übers Tragen ein, schleppe meinen knapp 5jährigen auch jetzt noch hochschwanger, da fang ich keine Verteidigungsreden an, ich machs einfach. Sage, so isses halt!)
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emarley
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von emarley »

Ja, du hast schon recht. Ich bin diesbezüglich inzwischen eigentlich auch selbstbewusst. Aber beim Arzt ist man halt meist krank und entkräftet fehlt mir dann doch die Kraft solchen Angriffen "artgerecht" auszuweichen ;). Die betreffende Ärztin ist leider sonst auf fast allen Gebieten äußerst kompetent und denkt eben, dass sie auch auf diesem Gebiet noch topinformiert ist. Ist sie aber leider nicht. Würde ihr am liebsten einen Flyer aus gesammelten Fakten basteln und ihr einfach mal geben. Dann wäre das ein für alle mal erledigt :D
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Leyket
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von Leyket »

Hast du denn mal auf der Seite der AFS geschaut, ob es da die ein oder andere passende Broschüre gibt?
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Lucccy
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von Lucccy »

Ich kann das Bedürfnis nach Informationsmaterial für Unwissende ja verstehen.

Als kinderlose Familienangehörige oder interessierte Großeltern mag man sich evtl nicht komplett durch SuT lesen, hätte aber Sachinformation neben der Werbung ("und nach dem Stillen"...) Bedarf. Da verteile ich als Mutter halt auch ungerne "Wälzer" (aka gutes Stillbuch) weiter, sondern hätte gerne die Fakten übers Stillen gerne von einer offiziell aussehenden Webseite verlinkt oder ausgedruckt.

Ich denke da z.B. an Gespräche über Schadstoffe in der Muttermilch, das ging per Link zum Bundesinsitut für Risikobewertung (glaub ich) und den Hinweis auf durchgeführte Muttermilchanalysen meiner Milch recht schnell klar zu stellen, dass das heute so nicht zutrifft.
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Sakura
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von Sakura »

julimama hat geschrieben:...ich mag mal behaupten, dass das hier vor 20 Jahren nicht so war. (Komme aus der ehem. DDR)
Hm.... wobei wir vor 20 Jahren 1993 hatten. Da war die DDR schon mehrere Jahre tot, und die Mütterberatung wahrscheinlich ebenso schnell.
Wie schnell sich die Dinge in den Köpfen gedreht haben, ist eine andere Frage.

Aber selbst meine Cousine hat ihre Babys in den 90er und Nullerjahren so ernährt: anfangs gestillt, aber sehr sehr schnell zugefüttert, und dann auf Flasche umgestellt.
Und das am Bodensee, also nix mir DDR.
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13

Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
vor keinem Popanz, keinem Weltgericht,
vor keinem als sich selber gerade zu stehen. (Reinhard Mey)

julimama
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von julimama »

Sakura hat geschrieben:
julimama hat geschrieben:...ich mag mal behaupten, dass das hier vor 20 Jahren nicht so war. (Komme aus der ehem. DDR)
Hm.... wobei wir vor 20 Jahren 1993 hatten. Da war die DDR schon mehrere Jahre tot, und die Mütterberatung wahrscheinlich ebenso schnell.
Wie schnell sich die Dinge in den Köpfen gedreht haben, ist eine andere Frage
Ja, is schon klar, meinte ja auch nicht genau 20 Jahre!?

Aber wen ich hier im Umfeld frage (also Eltern meiner Freunde) (Freunde Ü25), erzählt mir das gleiche von damals. Entweder hat die Milch von Anfang an nicht gereicht oder die Kinder sind nicht satt geworden (wär mein Kind auch nicht, täts nur alle 4h was kriegen) und, dass halt ziemlich schnell mit Brei angefangen wurde und natürlich somit nach und nach die Stillmahlzeiten ersetzt wurden.
Deswegen sind ja auch die meisten verwundert, dass ich noch nichts anderes außer Stillen mache.

Passt jetzt nicht direkt zum Thema, wollt ich aber doch nochmal loswerden.
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sternenweib
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von sternenweib »

les gerad wieder mal "born to be wild". neben den 200 seiten geballte argumente und erklärungen fürs längere stillen fand ich da besonders den satz "unabhängigkeit erreicht man nicht durch das negieren von abhängigkeit" so schön, dass ich eigentlich händeringend nach jemandem suche, der mir abhängig machen unterstellen will :D
ich leg mir ganz gerne so eine handvoll totschlagargumente zurecht, die ich dann einfach raushaue und zwar in einem "damit ist die diskussion ja als solche hinfällig"-tonfall. nicht besonders nett, aber wirkungsvoll. "ich folge den empfehlungen der who" ist auch so einer. warum nimmst du eigentlich nicht einfach die empfehlung von denen als "flyer"?
oder"weil das evolutionär so vorgegeben ist"
aber ich würd wirklich den renz-polster empfehlen. da kann man sich auch einzelne seiten rauskopieren, der fasst ja zwischendurch immer nett zusammen.
die Große 03/2002 die Kleine 02/2012 getragene, gestillte, zuhause entbundene, bei mir schlafende Familientischesserin
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