Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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jusl
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Re: Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Beitrag von jusl »

Ganz verstehe ich es immer noch nicht (ich würde es aber gerne verstehen!) Wenn ein Kleinkind, kein Neugebores mit Saugverwirrung etc., nicht mehr von der Brust trinken will sondern seine Nahrung am Familientisch zu sich nimmt und zB. abends zum Einschlafen einen Schnuller nimmt (der klar in der Natur nicht vorgesehen ist, den es aber nun mal zur Verfügung hat und sich holt), warum ist das dann nicht die Entscheidung des Kindes? Es könnte ja am die Brust, aber zeigt deutlich, dass es das nicht will.
Das Wort "Entscheidung" passt nicht - es ist keine rationale Entscheidung, wenn ein Kleinkind sich für Schnuller oder Brust entscheidet, sondern ein rein impuls-orientiertes "Fühlt sich besser an!"-Ding. Und wenn es beim Schnuller zum "Fühlt sich besser an!" gekommen ist, fand offensichtlich eine ganz profane Umgewöhnung statt. (Diese muss keineswegs forciert worden sein von den Eltern, diese kann zufällig passieren, und natürlich in beide Richtungen - hin zum Schnuller genausowie weg vom Schnuller).

"Sich selbst abstillen" heißt nicht "hin zu einem anderen Saugobjekt", sondern "ganz weg vom Saugen".
Geht es nicht eben darum, dad Kind dad Tempo bestimmen zu lassen?
Was meinst Du mit Tempo? Also Tempo bezüglich was?
Deine Frage klingt für mich irgendwie so, als sei es "die natürliche Reihenfolge", dass ein Kind erst gestillt wird, später auf Flasche und Schnuller umsteigt und am Ende nichts mehr von alledem braucht, und als Mutter sollte man das Kind das Tempo bestimmen lassen, diese Schritte zu durchlaufen oder so ähnlich. :lol:
wieso ist es eine Saugverwirrung, wenn ein Kleinkind beschließt, für sich eine andere Variante als die Brust zu wählen?
Weil eben dies die gängige Bedeutung des Begriffs ist: Saugverwirrung heißt im weitesten Sinne "Kind kann wegen Saugergebrauchs nicht mehr/nicht gut/ nicht richtig an der Brust trinken, hat aber noch ein Saugbedürfnis und befriedigt dieses am Ersatzobjekt". Die Erscheinungsformen von Saugverwirrung sind zahlreich, klar, und die Konsequenzen einer Saugverwirrung hängen natürlich vom Alter des Kindes und den ganzen Rahmenbedingungen ab.
Wie gesagt, das ist kein "Beschluss", sondern ein Gewöhnungseffekt, der auch genausogut anders herum hätte passieren können (also z.B. Kind kennt Schnuller und Brust, und "will" den Schnuller irgendwann nicht mehr, nur noch Brust).

Für ganz wichtig bei diesem Thema halte ich, dass dem Ganzen keine WERTUNG innewohnt. Es ist völlig OK, ein Kind von der Brust in Richtung Schnuller oder was auch immer zu entwöhnen. Hier geht es bloß um Begrifflichkeiten. ;-)

LG
Julia

PS:
Daumenlutschern etwa steckt ja auch keiner den Daumen in den Mund
oooooh doch, das hab ich schon suuuuperoft gesehen. Viele Mütter, die sich bewusst gegen einen Schnuller entschieden haben, warum auch immer, machen ihren Babys den Daumen aktiv schmackhaft, solange bis er drinnebleibt!.. :lol:
Phönix
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Re: Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Beitrag von Phönix »

jusl hat geschrieben:
wieso ist es eine Saugverwirrung, wenn ein Kleinkind beschließt, für sich eine andere Variante als die Brust zu wählen?
Weil eben dies die gängige Bedeutung des Begriffs ist: Saugverwirrung heißt im weitesten Sinne "Kind kann wegen Saugergebrauchs nicht mehr/nicht gut/ nicht richtig an der Brust trinken, hat aber noch ein Saugbedürfnis und befriedigt dieses am Ersatzobjekt". Die Erscheinungsformen von Saugverwirrung sind zahlreich, klar, und die Konsequenzen einer Saugverwirrung hängen natürlich vom Alter des Kindes und den ganzen Rahmenbedingungen ab.
Wie gesagt, das ist kein "Beschluss", sondern ein Gewöhnungseffekt, der auch genausogut anders herum hätte passieren können (also z.B. Kind kennt Schnuller und Brust, und "will" den Schnuller irgendwann nicht mehr, nur noch Brust).

Für ganz wichtig bei diesem Thema halte ich, dass dem Ganzen keine WERTUNG innewohnt. Es ist völlig OK, ein Kind von der Brust in Richtung Schnuller oder was auch immer zu entwöhnen. Hier geht es bloß um Begrifflichkeiten. ;-)

LG
Julia

PS:
Daumenlutschern etwa steckt ja auch keiner den Daumen in den Mund
oooooh doch, das hab ich schon suuuuperoft gesehen. Viele Mütter, die sich bewusst gegen einen Schnuller entschieden haben, warum auch immer, machen ihren Babys den Daumen aktiv schmackhaft, solange bis er drinnebleibt!.. :lol:

Was ist dann mit Kindern, die von ganz alleine den Daumen entdecken? Sind die dann auch saugverwirrt oder wie? Ich hab da grad nen Knoten im Hirn, irgendwie.
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jusl
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Re: Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Beitrag von jusl »

Was ist dann mit Kindern, die von ganz alleine den Daumen entdecken? Sind die dann auch saugverwirrt oder wie? Ich hab da grad nen Knoten im Hirn, irgendwie.
Ähm, ich zitier mich mal schnell nochmal:
jusl hat geschrieben:Saugverwirrung heißt im weitesten Sinne "Kind kann wegen Saugergebrauchs nicht mehr/nicht gut/ nicht richtig an der Brust trinken, hat aber noch ein Saugbedürfnis und befriedigt dieses am Ersatzobjekt".
Wesentliches Kennzeichen einer Saugverwirrung ist das Vorliegen eines PROBLEMS. ;-) Ein Kind, das problemlos stillt und daumenlutscht, ist selbstverständlich nicht saugverwirrt.

LG
Julia
FCF
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Re: Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Beitrag von FCF »

Danke für die ausführliche Antwort! Stimmt, Entscheidung ist vielleicht ein unglücklich gewähltes Wort.. Ich sehe hier, auch wenn ich von "Tempo bestimmen" schreibe, das ähnlich wie beim Essen. Da bestimmt ja auch im Idealfall das Kind den Zeitpunkt des Beikostanfsngs etc. Und naturlich ist die natürlich Reihenfolge nicht Stillen Flasche Schnuller :D ich meine damit das Tempo, indem das Kind selbständig wird, sich von der Mutter loslöst. Dass das nicht unbedingt mit dem Ende des Saugreflexes einhergeht. (in diesem Sinne habe ich auch immer den Begriff Abstillen verstanden)
Und: bei sechs-monats-Babys halte ich das für sehr fragwürdig, aber bei einem Kleinkind durchaus für möglich.
Liebe Grüße, M. mit großem Erfinder (2007), süßer Maus (2009) und kleiner Prinzessin (2011)
FCF
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Re: Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Beitrag von FCF »

jusl hat geschrieben:
Was ist dann mit Kindern, die von ganz alleine den Daumen entdecken? Sind die dann auch saugverwirrt oder wie? Ich hab da grad nen Knoten im Hirn, irgendwie.
Ähm, ich zitier mich mal schnell nochmal:
jusl hat geschrieben:Saugverwirrung heißt im weitesten Sinne "Kind kann wegen Saugergebrauchs nicht mehr/nicht gut/ nicht richtig an der Brust trinken, hat aber noch ein Saugbedürfnis und befriedigt dieses am Ersatzobjekt".
Wesentliches Kennzeichen einer Saugverwirrung ist das Vorliegen eines PROBLEMS. ;-) Ein Kind, das problemlos stillt und daumenlutscht, ist selbstverständlich nicht saugverwirrt.

LG
Julia
Sorry, ich frag nochmal nach: Ist es denn immer ein PROBLEM (va für das Kind!), wenn ein Kleinkind den Schnuller etc. vorzieht? wurde ja vorhin so ähnlich gesagt...
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mayra
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Re: Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Beitrag von mayra »

FCF hat geschrieben:Ich war zu dem Zeitpunkt schon wieder schwanger, hatte ziempich wenig Milch eine Zeit lang und ich glaube sie wollte sich nicht mehr um jeden Tropfen Milch bemühen.
Ehrlich gesagt glaub ich persönlich, dass hierin bei euch der Knackpunkt lag, nicht am Schnuller o.ä. ;-)
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FCF
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Re: Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Beitrag von FCF »

mayra hat geschrieben:
FCF hat geschrieben:Ich war zu dem Zeitpunkt schon wieder schwanger, hatte ziempich wenig Milch eine Zeit lang und ich glaube sie wollte sich nicht mehr um jeden Tropfen Milch bemühen.
Ehrlich gesagt glaub ich persönlich, dass hierin bei euch der Knackpunkt lag, nicht am Schnuller o.ä. ;-)
Glaub ich auch :)
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jusl
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Re: Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Beitrag von jusl »

ich meine damit das Tempo, indem das Kind selbständig wird, sich von der Mutter loslöst. Dass das nicht unbedingt mit dem Ende des Saugreflexes einhergeht. (in diesem Sinne habe ich auch immer den Begriff Abstillen verstanden)
Das natürliche Abstillalter hat gar nichts mit dem Verschwinden des SaugREFLEXES zu tun (dieser verliert sich schon wenige Monate nach der Geburt. Das Verschwundensein des Saugreflexes ist wesentliches Kennzeichen für Beikostreife, denn ein Baby kann nicht willentlich Nahrung kauen oder mit der Zunge ausstoßen usw., wenn es noch einen SaugREFLEX besitzt). Was Du meinst ist das SaugBEDÜRFNIS, oder?
Sorry, ich frag nochmal nach: Ist es denn immer ein PROBLEM (va für das Kind!), wenn ein Kleinkind den Schnuller etc. vorzieht? wurde ja vorhin so ähnlich gesagt...
Wo denn?
Ich war zu dem Zeitpunkt schon wieder schwanger, hatte ziempich wenig Milch eine Zeit lang und ich glaube sie wollte sich nicht mehr um jeden Tropfen Milch bemühen.
Viele Kinder verlieren das Interesse am Stillen, wenn die Milch schwangerschaftsbedingt weniger wird oder ganz weggeht. Ein Teil davon sucht sich dann (verstärkt) Ersatz, z.B. Daumen, Schnuller oder Flasche (nämlich wenn das Kind von seinem natürlichen Abstillzeitpunkt noch relativ weit entfernt war), für den anderen Teil ist es OK und das Thema Saugen damit erledigt (dies ist der Fall, wenn das Kind eh kurz vom natürlichen Abstillen stand und der Milchrückgang einfach nur noch eine Art sanfter Schubs war).

LG
Julia
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WiLada
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Re: AW: Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Beitrag von WiLada »

Ich kann leider nicht viel beitragen aber ich wünsche euch das beste. Stelle es mir auch schlimm für dich vor..kenne das ja von meinem Sohn hatte da was ähnliches erlebt. Teilweise hat er auch komplett die Brust abgelehnt..egal was ich machte. Dann mal nur manchmal. Naja. Beim zweiten Kind war ich schlauer und gab garkeinen schnulli. Denn das Problem beim ersten Kind war, dass ich ihn während der relaktion nicht weglassen konnte obwohl ich ihn nicht in der ersten Zeit nach Geburt angeboten hatte.

Geht das denn bei euch? Das finde ich enorm wichtig. Am besten wäre echt ganz weglassen...ansonsten....Was bei mir damals half:
- oben ohne Kind rumtragen..in stillposition stehend umherlaufen..wenn das Kind anfangen will zu weinen oder sich zu wjnden schnell laufen
- oben ohne auf den Fußboden legen und einfach mal abwarten.
- was süßes auf die Brustwarze schmieren
- schnuller im Mund unbemerkt gegen die Brust austauschen

Außerdem ging es bei uns sowieso dann nur noch mit huetchen. Er war das Plastik des nuckels gewöhnt und da kam ich auf die Idee und es half. Vorher war komplette Ablehnung. Er wusste garnichts mehr mit der blanken Brust anzufamgen und fühlte sich bedrängt von dem Etwas. :-(
Ich dachte mir lieber erstmal so stillen als garnicht mehr stillen.

Was anderen geholfen hat:
- im halbschlaf stillen (löste bei uns nur gebrull und eine gestörte NachtRuhe aus)
- gemeinsam baden
- im bett nackig kuscheln


Vielleicht kommt über euch ja der weihnachtsZauber * * *


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loveboatcaptain
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Re: Natürliches Abstillen mit 11 Monaten?

Beitrag von loveboatcaptain »

Hallo,

die Diskussion um den Begriff hat mich nochmal in eine andere Richtung denken lassen.
Meine Tochter hat seit dem Streikbeginn / Abstillen whatever definitiv kein anderes Saugobjekt mehr gewollt, sie hat mit Brust, Schnuller und Daumen gleichzeitig aufgehört. Wir bieten ihr auch immer mal wieder den Schnuller an um zu schauen, ob sie mal wieder saugen will, aber sie wirft ihn vehement weg. Den Daumen hat sie sich seitdem auch nie wieder in den Mund gesteckt, obwohl sie den davor sehr gerne im Halbschlaf nahm.
Ich dachte bisher immer, sie saugt nicht, weil sie Schmerzen hat. Sie ist auch immer noch am Zahnen, es kommt gerade wieder einer durch. Aber mit Schmerzen am Kiefer würde sie doch nicht lachend Zwieback kauen??
Vielleicht ist sie wirklich dem Saugbedürfnis entwachsen? Ich bekomme immer mehr das Gefühl und der Gedanke schmerzt immer weniger. Sie hat 10 Monate voll und sehr ausgiebig gestillt und das kann uns keiner mehr nehmen.
Ich biete ihr immer wieder mal die Brust an, in den unterschiedlichsten Positionen und Situationen, wie hier beschrieben, aber sie grinst höchstens und zieht mir die Brustwarze lang. :(
Ich pumpe nur noch abends spärliche 20-30 ml, morgens hab ich einfach nicht mehr länger geschafft, der Tag ist zu trubelig bei uns.
Sie schläft jetzt öfter auch einfach so auf dem Arm oder beim Essen ein (was sehr lustig ist), auch bei ihrem Papa. Seit ein paar Tagen läuft sie.
Ich danke euch für euren Zuspruch und werde weiter berichten.

LG Nicole
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