Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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greenie bird
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von greenie bird »

So eine Mutter gibt es auch in unserem KiLa und mir mutet das sehr eigenartig an. Sie meinte ihre Mutter habe das schon so mit ihr gemacht. Ich fühle mich auch sehr wohl in der englischen Sprache, aber das mit meinen Kindern zu sprechen...kann ich gar nicht beschreiben, wie ich mich dazu fühle.

Es hat leider oft etwas von gewollt und nicht gekonnt, das möchte ich nicht (für uns). Meine Tochter mag gern Englisch und spielt auch öfter 'Kauderwelsch' sie brabbelt also und sagt, dass sie nun Englisch spricht. Sie kann sich auch viele Worte merken, aber ich denke, wenn es wirklich ihr Interesse ist, dann wird sie von ganz allein gut darin.
Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...

Gazelle (08/07)+Katerchen (07/10)
asujakin
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von asujakin »

Mein Sohn geht ja mittlerweile in einen zweisprachigen Kindergarten und fängt nun an Englisch zu sprechen. Wir haben mittlerweile auch sehr regelmäßigen (fast täglichen) Skypekontakt zur US-Familie und spielen über die Cam zB auch lustige Spiele, bei denen mein Sohn uns alle zB in Affen verwandelt. Tja, wenn er aber nicht "monkey" sagt, machen die anderen nicht mit. :lol: Nachdem er bis vor kurzem erst gelernt hat auf Deutsch bis 3 zu zählen (ging immer eins, zwei, fünf :mrgreen: ) zählt er auf Englisch nun bis 10 usw. Er versteht mich, wenn ich nun mit ihm englisch spreche aber er wehrt sich meist und sagt "DAS IST NICHT DEUTSCH!" :mrgreen:

Wir haben im Kindergarten auch eine Familie, die eigentlich wirklich NUR Deutsch ist, mit den Kindern aber auch Englisch als Familiensprache hat. ICH persönlich finde das total merkwürdig. Zum einen hört man das halt einfach auch und zum anderen finde ich, dass es in gewisser Weise auch eine emotionale Distanz zwischen die Menschen bringt, da es keine Herzenssprache ist. Also keine Muttersprache, die "natürlich" ist wenn ihr wisst, was ich meine. Es ist eine Kopfsprache.
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greenie bird
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von greenie bird »

asujakin hat geschrieben:
Wir haben im Kindergarten auch eine Familie, die eigentlich wirklich NUR Deutsch ist, mit den Kindern aber auch Englisch als Familiensprache hat. ICH persönlich finde das total merkwürdig. Zum einen hört man das halt einfach auch und zum anderen finde ich, dass es in gewisser Weise auch eine emotionale Distanz zwischen die Menschen bringt, da es keine Herzenssprache ist. Also keine Muttersprache, die "natürlich" ist wenn ihr wisst, was ich meine. Es ist eine Kopfsprache.
Ja, danke. Das meinte ich, man kommt einfach in seinen Gefühlen nicht authentisch an, aber wie das aufs Kind wirkt, weiß ich natürlich nicht. Wenn es das nicht anders kennt, ist es vielleicht irgendwann doch egal?
Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...

Gazelle (08/07)+Katerchen (07/10)
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sajonc
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von sajonc »

Ja, ich sehe das auch so wie du, asujakin.
Ich habe das Gefühl, dass das tendentiell Leute wollen, die selber nur einsprachig sind, quasi.
Hm. Vielleicht etwas blöd ausgedrückt, aber so paar Fälle kenne ich auch. Eine gute Freundin meinte auch, sie überlegen es sich, wenn sie mal Kinder haben mit denen englisch zu reden -keiner von beiden hat Englisch als Muttersprache, gar muttersprachliche Kompetenzen! Sei es Grammatik, Vokabular oder Aussprache (da ist mein Englisch gar bei Weitem besser :shock: ). Oder meine Schwägerin -die wollte ihr Kind uuuunbedingt mehrsprachig erziehen. Und zwar gleich dreisprachig.
Gut, das zweisprachig würde prinzipiell gut funktionieren, da sind in England lebt, sprich; (Schweizer)Deutsch mit dem Kind reden könnte. Da sie aber mal für paar Jahre in Chile war, wollte sich auch unbedingt auch auf spanisch mit dem Kind reden. Es sah so aus, dass sie nach der Geburt schweizer-deutsch, hochdeutsch, spanisch und englisch abwechselnd/in einem Satz wechselnd mit dem Kind sprach (Vater gab es zu der Zeit nicht, alleinerziehend). So ging es lange Zeit, bis sie angefangen hat sich ein deutsches Au-Pair zu holen und nur noch auf hochdeutsch mit dem Kind zu reden. MIt einem 1 1/2 Jahren kam dann ein spanisches Au-Pair ins Haus. Zu der Zeit gab es eine neue Vaterperson, englischsprechend. Und die Mutter in dem Falle deutsch und spanisch, wechselweise, sprechend. Das Kind konnte kein Stück spanisch, deutsch nahezu gar nicht. Mit dem spanischem Au-Pair haben sie es mittlerweile gelassen, mit der Spanisch auch.
Das Kind kann aber selbst jetzt nicht so gut deutsch. Am meisten hat es durch das Au-Pair gelernt.
: / ich finde, in dem Falle ist selbst hochdeutsch eine Art "Fremdsprache". Schweizer-deutsch und hochdeutsch ist ja doch nicht das selbe.
Und die Frau redet mit ihrer Familie nur auf schweizer-deutsch. Auch, wenn meine Schwiegermutter hochdeutsch redet. Ich denke, das trägt auch dazu bei, dass das Kind sprachlich nicht so gefestigt ist.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich meine beobachtet zu haben, dass v.a. Leute, die nur einsprachig aufgewachsen sind -und sich vielleicht gar nicht dessen bewusst sind, was eine Muttersprache alles ist/mit sich bringt- auf die Idee kommen ihrem Kind einfach so mal eine zweite Sprache beizubringen, selbst ohne muttersprachlichem Hintergrund.
Ich selber käme nie auf die Idee mit meiner Tochter auf irgendeiner Sprache zu reden, die ich als Zweitsprache lernte -egal, wie flüssig ich mich darin fühle.

Ich meine, solche Kinder lernen die Sprache auch nicht "richtig". Der emotional-identitäre Bezug ist doch wahnsinnig wichtig.
Und es gibt einfach sehr viele Sachen, die man nicht übersetzen kann. Ausdrücke, Tropen, Gefühle -all das ist doch von Sprache zu Sprache unterschiedlich.
Mit der Herzdame seit Mai 2012 durchs Leben.
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Leah_Lion
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Leah_Lion »

sajonc hat geschrieben:Meinst du es mit intentional zweisprachig also so, dass man mit Absicht eine andere Sprache spricht, obwohl man von der Muttersprache her auch die andere sprechen könnte? Also zbsp beide muttersprachlich deutsch sprechen können, aber man trotzdem eine andere Sprache spricht (weil auch Muttersprache?).

Nein, intentional zweisprachig heißt das, was die anderen schon erläutert haben. Die Familie ist *eigentlich* einsprachig, entscheidet sich aber aus welchen gründen auch immer dafür, *künstlich* zweisprachig zu sein. Wie auch immer man hier künstlich definiert. Das führt schon bei leicht näherer Betrachtungsweise zu Problemen, denn alles kann irgendwie künstlich oder natürlich sein.

Es gibt zu dem Thema kaum Forschung und Material, maximal eigene Meinungen, die dann mehr oder weniger fundiert sein können. Dazu natürlich gravierende Unterschiede innerhalb der Familie, warum man sich dafür entscheidet. Von "soll es später mal in der Schule leichter haben" über "Vater wohnt in Übersee und spricht Muttersprache nicht" zu sonstwas.... Das ist ganz unterschiedlich.

Wer sich fürs Thema interessiert, dem kann ich das momentan einzige halbwegs anständige Buch zum Thema empfehlen, "Mut zur Mehrsprachigkeit".

Ansonsten ein paar englischsprachige Blogs. Dann wirds auch schon eher mau :)....
Leah mit großem Sohni (12/09) - und
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"Man kann in Kinder nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln." Astrid Lindgren
Lösche Benutzer 1828

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Was ich mich schon öfter gefragt habe und hier könnt ihr mir das sicher sagen:
wie denkt ein zweisprachig aufgewachsenes Kind? Also, wenn ich denke, dann natürlich in deutsch. Und egal wie viele Sprachen ich sprechen würde - leider sind es außer ein wenig englisch keine - würde es wohl auch immer meine Muttersprache bleiben.
Aber wie ist das mit Kindern, die zweisprachig aufwachsen? Wie denken sie - welche Sprache benutzen sie in Gedanken?
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von agata »

Ich bin selber nicht ganz zweisprachig aufgewachsen, sondern habe Deutsch als Einwandererkind als Zweitsprache gelernt.

Bei mir ist das "Denken in einer Sprache" immer Kontextabhängig, gleiches gilt auch fürs Träumen.
Wenn ich z.B. in Polen (meiner Heimat) bin, dann brauche ich etwa drei Tage bis ich auch auf Polnisch im Alltag denke und auch auf Polnisch träume. Bin ich in den USA gilt dasselbe fürs Englische.
In Deutschland ist es natürlich Deutsch. Lese ich aber z.B. etwas auf Polnisch, dann denke ich auch auf Polnisch darüber nach. Gucke ich eine Fernesehserie auf Englisch, dann fällt es mir am Einfachsten auf Englisch darüber zu sprechen oder zu denken.
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Lösche Benutzer 1828

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Oh - das ist interessant. Und irgendwie witzig :-)
asujakin
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von asujakin »

hier ist es auch abhängig davon wo ich bin uns mit wem ich rede. spreche ich einige Tage viel englisch dann merke ich, dass mir im deutschen manchmal Wörter fehlen oder die Betonung anders is. also statt jaaapan sage ich dann japaaan;) ich träume gemischt, schon immer.
bertilla
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Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von bertilla »

Bei mir ist die Denksprache auch kontextabhängig.
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