* Wenn eine Mutter gerne LANGE stillen möchte, z.B. natürliches Abstillen praktizieren will (d.h. so lange stillen, bis das Kind von allein dem Stillalter entwächst), dann ist es unbedingt sinnvoll, GAR KEINE Mahlzeiten bewusst zu ersetzen. Vor dem gemeinsamen Essen am Familientisch sollte grundsätzlich ERST GESTILLT werden. Den restlichen Kalorien- oder Nährstoffbedarf kann das Kind dann über Festes decken. Auf diese Weise ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass das Kind auch nach dem Beikoststart in unveränderter Menge stillt (also weiterhin auf Vollstill-Niveau), und lediglich den ZUSÄTZLICHEN Bedarf über die feste Nahrung deckt. Kinder, die auf diese Weise gestillt werden, haben im ersten LJ Muttermilch in der Tat als Hauptnahrungsmittel zur Verfügung, häufig ist am 1. Geburtstag das Verhältnis Muttermilch/Festes ungefähr 50/50. Mit Tendenz zur mehr Muttermilch als Festes. Kinder, die auch nach dem Beikoststart unbeschränkten Zugang zu Muttermilch haben, lassen erfahrungsgemäß eine klassische Breiphase oft aus und starten direkt zunehmend mit normalem Familienessen.
* Wenn eine Mutter gerne zu einem mehr oder weniger bestimmten Zeitpunkt ABGESTILLT haben möchte ("Ich möchte 1 Jahr stillen!"), ohne noch auf künstliche Säuglingsmilch umsteigen zu wollen, dann ist das schrittweise Ersetzen von Stillmahlzeiten sinnvoll um dieses Ziel zu erreichen. Die Kinder werden dann ab Beikoststart bewusst daran gewöhnt, zunehmend auf Brei plus Schnuller umzusteigen anstatt gestillt zu werden. Nach und nach fallen Stillmahlzeiten weg, häufig bleiben zum 1. Geburtstag dann noch 1-3 Stillmahlzeiten in 24 Stunden übrig, z.B. nachts, wenn das Kind noch nicht durchschläft. Mit einem Durchschlafprogramm oder zufälligem Durchschlafen fallen diese letzten Stillgelegenheiten dann sozusagen automatisch weg. Erfahrungsgemäß essen diese Kinder dann relativ lange die gewohnten Breie.
* Wenn eine Mutter so früh abgestillt haben möchte, dass noch die Einführung künstlicher Säuglingsmilch erforderlich ist (Abstillen deutlich vor dem 1. Geburtstag), wird (häufig schon in den ersten 6 Lebensmonaten) nach einem relativ strikten Mahlzeitenkonzept gestillt und gefüttert. Das "Mittagssstillen" wird dann oft so früh wie möglich durch Gemüsebrei ersetzt, eine Woche später das "Nachmittagsstillen" durch Getreideobstbrei, das "Abendstillen" durch eine Flasche künstliche Säuglingsmilch usw.
Die allermeisten Mütter in Deutschland planen von vorneherein die zweite oder die dritte Variante. Die bewusste Entscheidung für Natürliches Abstillen fällt nur sehr sehr selten, zumal oft schlichtweg unbekannt ist, bei Fachleuten wie bei Müttern, dass es diese Varainte überhaupt gibt.
Was durchaus vorkommt ist, dass Mütter von ihrem ursprünglichen Plan abweichen und z.B. ihre vorzeitigen Abstillpläne aufgeben zugunsten einer längeren Stillzeit, einfach weil sie - mehr oder weniger überraschend - entsprechende Signale ihrer Kinder wahrnehmen ("Eigentlich wollte ich zum 1. Geburtstag abgestillt haben, aber das ging mit meinem Kind überhaupt nicht! Also stillen wir weiter." oder "Ich wollte ganz normal mit Möhrenbrei anfangen, aber mein Kind hat bis zum 9 Monat strikt alle Beikost verweigert").
Da die allermeisten Mütter in Deutschland vorzeitig abstillen möchten und einen entsprechenden traditionellen Zufütterplan im Kopf haben ("mittags Gemüse, nachmittags Obst, abends Getreide" usw.), bedienen auch zahlreiche Broschüren diese Vorstellung. Hier "macht man das eben so".
Im konrekten Alltag läuft es aber oft VÖLLIG ANDERS als geplant. Das Abstillen geht z.B. viiiiel langsamer oder viiiiiel schneller als in der Broschüre steht, oder die Kinder essen viel weniger oder viel mehr als sie laut Broschüre sollen. Dieser Tatsache werden solche Broschüren oft nicht gerecht.
"Stillfreundlichkeit" bedeutet dabei für mich nicht, ob drin steht dass noch bis zum 1. Geburtstag oder sonst ein willkürliches Datum weitergestillt werden soll oder darf, sondern ob das vorgestillte Konzept die Stillzeit SCHÜTZT, natürliches Abstillen fördert und das individuelle Tempo des Kindes berücksichtigt.
Nach dieser Definition müssen alle "Mahlzeitenkonzept-Stillmahlzeiten-ersetz"-Methoden als stillUNfreundlich gelten, da sie praktisch IMMER vorzeitiges Abstillen forcieren. In den Beikostempfehlungen der Stillverbände sind entsprechend keine solchen Methoden zu finden.
LG
Julia
