Kann die Milch einfach weg gehen?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

Benutzeravatar
Minchen
Dipl.-SuT
Beiträge: 4677
Registriert: 18.11.2008, 09:09

Re: Kann die Milch einfach weg gehen?

Beitrag von Minchen »

Also, diese Aussage finde ich nun auch wieder schwierig. Wie kann man bei einer frisch gebackenen Mutter von "Verschulden" sprechen? Man ist unerfahren, kennt sich in vielen Dingen noch nicht aus und wird eventuell noch falsch beraten.

Und doch, meine Milch war fast vollständig versiegt, es kamen vielleicht noch ein paar Tropfen, aber ich bin Herrin meines Körpers genug, um das auch zu spüren. :roll: und das Baby hat nicht nur einfach so gemeckert, auch das zu erkennen darf man mir gern zutrauen.

"Einfach so" bleibt die Milch sicher nicht weg, aber es kann passieren, wenn viele blöde Faktoren zusammen kommen wie bei mir: grad erst mit dem Stillen begonnen, extrem auf Abstillendes reagieren (bei mir war es nur ne halbe Tasse, ich hatte schon irgendwie ein komisches Gefühl.. :? ) und dann durch den Milchstau kaum gegessen und getrunken.
Für mich war das damals existentiell, ganz furchtbar. Ich habe in der kurzen Zeut sehr gelitten, weil ich unbedingt weiter stillen wollte und nahezu panisch wurde aus Angst, die Milch käme nicht wieder! :|
Insofern lasse ich mir hier auch nicht indirekt unterstellen, das von mir erlebte sei Blödsinn. :roll: :evil:

Und nein, auch ich denke nicht, dass Milch einfach so wegbleibt, sondern dass es oft Wachstumsphasen sind, in denen die jungen Mütter zweifeln und dann schnell zur Flasche geraten wird, nur weil das Baby häufig an die Brust will und vermeintlich nicht mehr satt wird. Und viele wollen dann eben doch nicht wirklich stillen, ich kenne einige, für die das ein willkommener Grund war. Für mich war es das nicht, mir ging es damit schlecht und ich hatte den unbedingten Willen zu stillen.
"Tanze mit Deinem Baby im Mondschein, wenn es die Nacht zum Tag macht, singe fröhliche Lieder mit Deinen Kindern im Regen, mache Kissenschlachten, matsche mit ihnen im Schlamm und springe in Pfützen, macht ein Picknick UNTERM Tisch - vergiss nie: in 20 Jahren wirst Du sagen, es war die schönste Zeit Deines Lebens!"
von Minchen mit Frühling (2008), Sommer (2009), Herbst (2013) und Winter (2011)
Benutzeravatar
4tiere
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1085
Registriert: 26.11.2011, 13:43
Wohnort: Göttingen

Re: Kann die Milch einfach weg gehen?

Beitrag von 4tiere »

Minchen hat geschrieben: ...Wie kann man bei einer frisch gebackenen Mutter von "Verschulden" sprechen? ...
Wo wurde denn von "Verschulden" gesprochen?

Minchen hat geschrieben: ... Und doch, meine Milch war fast vollständig versiegt, es kamen vielleicht noch ein paar Tropfen, aber ich bin Herrin meines Körpers genug, um das auch zu spüren. :roll: und das Baby hat nicht nur einfach so gemeckert, auch das zu erkennen darf man mir gern zutrauen. ...
Ich will dir das nicht absprechen und bin keine Ärztin bzw. Wissenschaftlerin, die sich mit dem Thema auseinandersetzt. Aber ich zitiere Jusl und vertraue darauf, dass sie weiss, wovon sie schreibt.
jusl hat geschrieben: ... Für die MilchBILDUNG ist das Hormon Prolaktin verantwortlich. Der Prolaktinspiegel hängt kaum von Stress ab. Untersuchungen zeigen, dass der Prolaktinspiegel in akuten Stressphasen leicht steigt(!) und hingegen bei Dauerstress leicht sinkt, beides wahrscheinlich in einem Maße, der die Milchbildung kaum beeinflusst.

Damit das Baby an die Milch auch HERANKOMMT, ist das Hormon Oxytocin verantwortlich. Oxytocin löst den Milchspendereflex aus und drückt so die Milch in Richtung Ausgang. Der Oxytocinreflex ist tatsächlich leichter stressanfällig. Entspannung, Wärme, Ruhe - all dies hilft, um die Stresshormone zu vertreiben und den Milchspendereflex auszulösen. ...
Minchen hat geschrieben: ... "Einfach so" bleibt die Milch sicher nicht weg, aber es kann passieren, wenn viele blöde Faktoren zusammen kommen wie bei mir: grad erst mit dem Stillen begonnen, extrem auf Abstillendes reagieren (bei mir war es nur ne halbe Tasse, ich hatte schon irgendwie ein komisches Gefühl.. :? ) und dann durch den Milchstau kaum gegessen und getrunken.
Für mich war das damals existentiell, ganz furchtbar. Ich habe in der kurzen Zeut sehr gelitten, weil ich unbedingt weiter stillen wollte und nahezu panisch wurde aus Angst, die Milch käme nicht wieder! :| ...
Ich glaube dir, dass das furchtbar war, das würde mir genauso gehen und ich bewundere dich, dass ihr das so schnell wieder in den Griff bekommen habt!

Minchen hat geschrieben: ... Insofern lasse ich mir hier auch nicht indirekt unterstellen, das von mir erlebte sei Blödsinn. :roll: :evil: ...
Das hat keiner geschrieben und ich schon gar nicht!!!
Ich sage, dass die Gründe andere gewesen sein können, als dass die Milch aufeinmal so wegblieb (das ist nämlich die Ausgangsaussage dieses Threats gewesen!), eben z.B. der Salbeitee oder eventuell ein nicht auszulösender Milchspendereflex. Letztendlich werde ich mir hier nicht anmassen, das zu beurteilen. Es ging mir nur um die Behauptung "... die Milch blieb einfach weg ..."!
Minchen hat geschrieben: ... Und nein, auch ich denke nicht, dass Milch einfach so wegbleibt, sondern dass es oft Wachstumsphasen sind, in denen die jungen Mütter zweifeln und dann schnell zur Flasche geraten wird, nur weil das Baby häufig an die Brust will und vermeintlich nicht mehr satt wird. Und viele wollen dann eben doch nicht wirklich stillen, ich kenne einige, für die das ein willkommener Grund war. Für mich war es das nicht, mir ging es damit schlecht und ich hatte den unbedingten Willen zu stillen.
Das unterschreibe ich sofort und deshalb wiederhole ich, wenn frau erst gar nicht Milchpulver im Haus hat (weil es eben kein plötzliches Wegbleiben der Milch gibt und dementsprechend nicht vorgesorgt werden muss - also dieses Ammenmärchen endlich aus den Köpfen verschwunden ist!), dann ist auch der Griff danach nicht so einfach möglich!
Bild-liche Grüße

Natalie
mit drei wundervollen Kindern!
Den beiden Großen (19m und 21w Jahre) und die kleine Maus (01.10.2011), die ich immer noch total genieße! Bild
Und das mit der Rechtschreibung lerne ich noch ... ;-)
(Manche andere Fähigkeiten erwerbe ich bestimmt auch noch, über Anregungen bin ich immer dankbar!)
Lösche Benutzer 1828

Re: Kann die Milch einfach weg gehen?

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Hmmmmmm - ich denke, ein Prozess, der einmal in Gang gekommen ist, wird nicht so einfach wieder rückgängig gemacht.
Viele Frauen berichten ja auch, dass sie nach dem Abstillen noch ewig lange Milch hätten. Da ist die Milch dann ja auch nicht weg.
Und wenn Frauen kurzfristig "keine Milch" mehr haben, dann ist es ja doch so, dass es dann doch mit dem Stillen meist weitergeht. Die Milch ist also noch da, nur das Stillen klappt halt gerade nicht.

Andererseits ist der Mensch eben keine Maschine und jeder reagiert anders.

Wie gesagt - ich kann das so absolut nicht bestätigen.

Und Ruhe hatte ich eben, weil es auch schon das dritte Kind war. Ich konnte mein Kind nicht halten/tragen teilweise, bin zur Toilette gekrochen, aber Stillen, das ging. Und ich war so dankbar darum, weil mein Kind dann einfach neben mir liegen konnte.
Ann-Kathrin
hat viel zu erzählen
Beiträge: 194
Registriert: 17.08.2011, 14:16
Wohnort: Kreis Offenbach

Re: Kann die Milch einfach weg gehen?

Beitrag von Ann-Kathrin »

@ Minchen: Ich habe das Wort verschulden extra in " gesetzt weil mir kein besseres Wort dafür eingefallen ist, ich dachte das man sowas hier versteht?! :shock:
Ann-Kathrin
hat viel zu erzählen
Beiträge: 194
Registriert: 17.08.2011, 14:16
Wohnort: Kreis Offenbach

Re: Kann die Milch einfach weg gehen?

Beitrag von Ann-Kathrin »

Mmmh also nochmal...


Gehen wir von einer gesunden Frau aus bei der das Stillen eingespielt ist und reibungslos funktioniert, die keine sachen zu sich nimmt die in irgendeiner Art und Weise das abstillen fördern und die keine Medikamente nehmen muss und ausreichend isst und trinkt. Besser so?
jusl
Jusl Almighty
Beiträge: 16020
Registriert: 19.03.2007, 10:54
Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: Kann die Milch einfach weg gehen?

Beitrag von jusl »

Hallo Ann-Kathrin,

ganz klare Antwort: Nein, die Milch kann nicht einfach weggehen. Genauso wenig, wie man sich Sorgen machen muss, dass die Schweißdrüsen einfach mit der Schweißproduktion aufhören, oder dass die Bauchspeicheldrüse plötzlich keinen Bauchspeichel mehr produziert, muss man befürchten, dass die Brustdrüsen ohne Grund mit der Milchproduktion aufhören.

Selbstverständlich gibt es aber Umstände, die zu Milchrückgang führen können:

* Nr. 1 sind Stillprobleme, die mit zu seltenem, zu kurzem und/oder technisch falschem Stillen einhergehen. DAVON geht die Milch definitiv zurück (nicht plötzlich, aber mehr oder weniger schnell, je nach Situation).

* Dann kommen äußere Bedingungen wie Erkrankungen der Mutter, anhaltender Disstress, Mangelernährung usw. Diese können die Milchbildung beeinträchtigen, müssen aber nicht. Für beide Fälle gibt es unzählige Beispiele.

* Außerdem spielt persönliches Erleben eine erhebliche Rolle: Für die eine Mutter ist ein Tag mit quengeligem Kind einfach zufällig ein nerviger Tag, und morgen wird's wieder besser. Alles easy. Eine andere Mutter erlebt die exakt selbe Situation als überzeugenden Beweis dafür, dass ihre Milch weg ist und stillt daraufhin ab. Oder ein anderes Beispiel: Mütter reagieren ausgesprochen unterschiedlich auf schlechte/verunsichernde/bevormundende/sachlich falsche Beratung hinsichtlich Stillen und Zufüttern bzw. Babybetreuung allgemein. Die einen sehen Arzt, Hebamme, Schwiegermutter, Nachbarin automatisch als Autoritätspersonen und nehmen sich selbst den größten Unsinn als Tatsachen an, ohne zu hinterfragen. In Kombination mit den ersten beiden Punkten führt dies in aller Regel zu einer deutlich verkürzten Stillzeit, mit "Milch ging weg" als üblicherweise genanntem Grund. Anderen Müttern fällt ein intuitiver, vertrauensvoller Umgang mit dem Kind leichter, sie lassen sich weniger von außen stören. Das ist "für die Milchproduktion" definitiv besser. ;-)

Jedenfalls: Von dem Fall einer gesunden Mutter mit gesundem, seit Monaten problemlos nach Bedarf stillenden Baby, der ohne erkennbare Ursache eines schönen Tages "plötzlich" die Milch wegbleibt, hab ich all meinen Stillberatungsjahren noch nie gehört. Weder persönlich, noch bei Kolleginnen, noch als Fallbeschreibung in irgendeinem Fachbuch.

LG
Julia
Ann-Kathrin
hat viel zu erzählen
Beiträge: 194
Registriert: 17.08.2011, 14:16
Wohnort: Kreis Offenbach

Re: Kann die Milch einfach weg gehen?

Beitrag von Ann-Kathrin »

DANKE Julia, das war genau das was ich wissen wollte! :D
Schlingoline
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 994
Registriert: 23.11.2011, 16:46
Wohnort: an der Donau

Re: Kann die Milch einfach weg gehen?

Beitrag von Schlingoline »

Ann-Kathrin hat geschrieben:Vielleicht liegt es am alter unserer Mütter, Schlingoline? Meine Mama hat mir auch erzählt das ihre Milch nach 9 wochen angeblich nicht mehr Nahrhaft gewesen wäre... Haben die Hebammen ende der 80iger auch schon so wie heute über das Stillen informiert?

Meine Mutter hat im Kreissall (1979) schon die Abstilltablette bekommen. MEinen Bruder 1988 hat sie ein paar Wochen gestillt.
Stillen war damals in den meisten Kreisen total out.
Ihr war auch mein Stillen lange suspekt
Schlingoline mit dem kleinen Sensibelchen 19.09.2011, dem wilden Rabauken 1.10.2013 und für immer im Herzen unser Engelchen Eva Maria 07.04.2106 - 13.04.2016
Regenbogenbaby Anna Maria 13.09.2017
Ann-Kathrin
hat viel zu erzählen
Beiträge: 194
Registriert: 17.08.2011, 14:16
Wohnort: Kreis Offenbach

Re: Kann die Milch einfach weg gehen?

Beitrag von Ann-Kathrin »

Siehst du, ich kam 1987 und durfte immerhin 9 wochen MuMi genießen... :wink:
Benutzeravatar
Minchen
Dipl.-SuT
Beiträge: 4677
Registriert: 18.11.2008, 09:09

Re: Kann die Milch einfach weg gehen?

Beitrag von Minchen »

Entschuldigt, ich reagiere bei dem Thema etwas emotional, weil das damals wirklich schlimm für mich/uns war und da auch gleich alle aus den Ecken gekrochen haben und meinten, wir sollen ihm doch die Flasche geben. :evil: Selbst mein Mann sagt heute, er hätte das ohne weiteres gemacht, weil er nicht mehr weiter wusste, nur für mich kam es einfach null und gar nicht in Frage.

Ich denke ja auch, es waren echt dumme Umstände, die da zusammen kommen, deswegen sage ich ja auch, die Milch bleibt nicht "einfach so" weg. Ganz ehrlich, das kann ich mir auch beim besten Willen nicht vorstellen. Und Stress war es bei mir ja auch nicht, vielmehr eben viele blöde Faktoren, ich denke allen voran meine schlechte Versorgung - ich merke auch heute beim dritten Kind, dass die Milch weniger/anders wird, wenn ich zB weniger trinke.

Interessanterweise bleibt bei den meisten die Milch ja mit 6 Monaten weg, sobald sie mit der Beikost beginnen und die WHO vermeintlich das Stillen nicht mehr empfiehlt. Eine Freundin von mir (intelligente Frau, aber das sagt ja bei diesem Thema gar nichts...) machte ihrem Sohn ab dem 7. Monat Flaschen mit dem Argument, irgendwann müsse es ja mal sein. :roll: Aber das ist OT... :oops:
"Tanze mit Deinem Baby im Mondschein, wenn es die Nacht zum Tag macht, singe fröhliche Lieder mit Deinen Kindern im Regen, mache Kissenschlachten, matsche mit ihnen im Schlamm und springe in Pfützen, macht ein Picknick UNTERM Tisch - vergiss nie: in 20 Jahren wirst Du sagen, es war die schönste Zeit Deines Lebens!"
von Minchen mit Frühling (2008), Sommer (2009), Herbst (2013) und Winter (2011)
Antworten

Zurück zu „Stillforum“