Hallo Krümel2011,
schön dass Du Dein Baby stillen möchtest. Vielleicht helfen Dir folgende Hinweise weiter:
ich hab mir selber zu sehr druck gemacht das meine milch erst richtig kam als wir uns schweren herzens entschlossen haben ihm die flasche zu geben
Ob Milch "richtig kommt" oder nicht, hängt nicht von innerem oder äußeren Druck ab, sondern davon, ob
frühzeitig oft und erfolgreich gestillt wird. Milchbildung funktioniert nach einem Nachfrage-Angebot-Regelkreis: Je häufiger und kräftiger ein Baby saugt (="Nachfrage"), umso mehr Milch wird gebildet (="Angebot"). Stillt ein Baby nur selten oder schwach, fällt auch die Milchbildung gering aus. Insbesondere in den ersten Lebenstagen und -wochen ist es wichtig, dass HÄUFIG ERFOLGREICH gestillt wird und das Baby beim Lernen der richtigen Stilltechnik NICHT GESTÖRT wird.
Bei einem gestörten Stillstart findet kaum oder gar kein erfolgreiches Stillen statt; die Folge sind fast immer Milchbildungsstörungen. Zu wenig Milch wiederum verstärkt in aller Regel die Probleme des Babys - da schließt sich der Kreis: Ohne stillberaterische Hilfe kann dieser nur schwer durchbrochen werden, so dass die Stillzeit unfreiwillig endet, praktisch ehe sie begonnen hat.
Für Dein zweites Kind ist es ganz bestimmt hilfreich, wenn Du Dir diese Zusammenhänge noch mal vor Augen führst und Dir viel Stillwissen aneignest (falls nicht schon geschehen

).
Ein erfolgreicher Stillstart lässt sich durch folgende Maßnahmen unterstützen, nach der Merkformel "bald-häufig-ausschließlich":
* "bald stillen": Direkt nach der Geburt anfangen! Keine Störungen. Kein Waschen, Messen und Wiegen, ehe nicht gestillt wurde, keinerlei Trennung von Mutter und Kind (auch nicht "nur kurz"!)
* "häufig stillen": Junge Babys stillen am Tag 2 mindestens 8-12 Mal in 24 Stunden. Babys mit besonderen Bedürfnissen (z.B. starker Gelbsucht) noch öfter!
* "ausschließlich stillen": Kein unnötiges Zufüttern! Strenge Indikationsstellung fürs Zufüttern, und ganz wichtig: sollte wirklich vorübergehend oder dauerhaft zufüttern notwendig sein, unbedingt
stillfreundliche Zufüttermethoden wählen anstatt Saugflaschen.
Außerdem: Unbedingt auf ungestörte Privat- und Intimsphäre achten. Keine unerwünschten Besuche, keine unnötigen Routineuntersuchungen! Viel ungestörte Zeit ALLEIN mit dem Baby, viel Hautkontakt. Ob dies besser in der Klinik oder zuhause realisierbar ist, musst Du selbst beurteilen - häufig klappt es daheim ohne fremde Leute und Krankenhausroutine viel besser.
und dann wollte er meine brust erst recht nich mehr (flasche is ja viel einfacher)

NEIN, Flasche ich nicht "viel einfacher", sondern ANDERS. Das Trinken aus Brust und Flasche unterscheidet sich technisch grundlegend. Saugvorgang, Zungen- und Kieferstellung, Mundgefühl und Fließverhalten sind bei Brust und Flaschen völlig UNTERSCHIEDLICH. Die meisten jungen Säuglingen haben mit dem Wechsel zwischen diesen beiden Techniken Schwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten (sie umfassen eine ganze Palette an Störungen) werden unter dem Begriff "Saugverwirrung" zusammengefasst. Leichte Fälle von Saugverwirrung bekommen Mütter durch mehr oder weniger kleiner Änderungen im Stillmanagement meist gut selbst wieder in den Griff. Bei schweren Fällen wie Eurem ist Stillen unmöglich - hier wäre die Hilfe einer mit Saugstörungen erfahrenen Stillberaterin notwendig gewesen, um die Stillzeit doch noch zu retten.
Kennst Du schon unsere
Linksammlung Stillwissen? Dort findest Du ausführliche Informationen, insb. auch zum Thema Saugverwirrung.
Alles Gute weiterhin und LG
Julia