Hallo avoila,
ich geh mal der Reihe nach:
Daten von kranken Kindern sind nicht verwertbar, gell?
03.07. - 9,05 kg (gesund)
04.07 - 8,98 kg (krank)
05.07. - 8,86 kg (krank)
06.07. - 8,77 kg (krank)
Kommt darauf an, wofür.

Selbstverständlich können Gewichtsdaten von kranken Kindern ausgewertet werden: es kann z.B. ermittelt werden (eine gute Messmethodik vorausgesetzt!..), wie groß der Gewichtsverlust ist, oder es kann abgeschätzt werden, ob Exsikkose droht usw. WAS NICHT GEHT: Mit den Daten eines kranken Kindes sein allgemeines Gedeihen beurteilen. Denn hierzu wird ja immer der Vergleich mit der Kontrollgruppe gezogen (aus den Daten der Kontrollgruppe sind die Kurven im U-Heft entstanden - dazu werden aber ausdrücklich ausschließlich die Gewichtsdaten GESUNDER Kinder genommen).
Oder anders gesagt: jeder "gedeiht schlecht", wenn er gerade krank ist. Eben das beinhaltet ja gerade die Definition von "krank".
naja, mein Gewicht schwankt morgens um 400-500 gr und ich wiege das 8 fache meiner Tochter. Insofern sind in meiner Wahrnehmung jetzt 300 gr Schwankung auf 9 kg doch eine andere Klasse als 400 gr auf 72 kg. Die 9 kg waren nach voller Windel, an den anderen Tagen kam der Stuhlgang später.
Dein Vergleich liegt nahe, aber er ist trotzdem falsch. Ein Baby ist kein kleiner Erwachsener, deshalb können diese Verhältnisse (400 g auf 72 kg) NICHT auf Babys übertragen werden. Als Beleg möge Dir die Tatsache dienen, dass Babys ja auch ERHEBLICH MEHR Nahrung pro kg Körpergewicht verbrauchen als Erwachsene und ERHEBLICH MEHR ausscheiden pro kg Körpergewicht. Dementsprechend fällt auch die ganz normale prozentuale Schwankung des Gewichts über den Tagesverlauf ERHEBLICH GRÖSSER aus als bei Erwachsenen. Grobes Rechenbeispiel:
Ein 6 kg - Baby braucht etwa knapp 1 kg Nahrung (=1 Liter Muttermilch) pro Tag. Ein 60 kg-Mensch bräuchte dann ja 10(!) kg Nahrung täglich, wenn das Verhältnis übertragbar wäre. Oder: Ein 6 kg-Baby scheidet etwa ein halbes kg pro Tag in die Windel aus. Ein 60 kg-Mensch müsste dann alsoi jeden Tag 5 kg in die Toilette produzieren - da freuen wir uns doch alle, dass dem nicht so ist.
Also: Gewichtsunterschiede von 100-200 g können im häuslichen Bereich kaum sicher bestimmt werden, bzw. dazu ist eine sehr gute Messtechnik und -methodik notwendig. Ihr habt aber gerade erst angefangen, mit einer geeigneten Waage zu messen, da ist in der Tat noch etwas Geduld nötig, bis diese Daten auswertbar sind.
Wenn mein Gewicht schwankt, dann heute mal mehr, morgen mal weniger. Wenn ich aber 5 mal hintereinander weniger wiege, ist das auch für mich eine Abnahme
Es ist verständlich, dass Du das so siehst, aber methodisch kann es trotzdem falsch sein. Es kommt auf die Messgenauigkeit der Waage an, und auf die relativen Unterschiede der Messwerte. Beispiel: Angenommen Du hast eine supergenaue Waage daheim, kannst also aufs Gramm genau wiegen und wiegst an 5 Tagen hintereinander: 72,500 kg, 72,490 kg, 72,480 kg, 72,470 kg und 72,460 kg. Würdest Du DAS immernoch als "Abnahme" bezeichnen?
Oder anderes Beispiel: Deine Waage hat eine Messgenauigkeit von 100 g (was echt gut wäre!..). Du wiegst innerhalb einiger Wochen hintereinander: 72,5 kg, 72,4 kg, 72,3 kg, 72,2 kg und 72,1 kg. Dann steht schon mal fest: Der erste Wert bedeutet, dass Du genausogut "in echt" 72,4 kg gewogen haben kannst. Der letzte Wert bedeutet, dass Du genausogut "in echt" 72,2 kg gewogen haben kannst. Wäre in echt eine Gewichtsdifferenz von 300 g. Dann wissen wir aber nicht, wie warm es war! Vielleicht hast Du beim letzten Termin geschwitzt, 100g mehr als sonst (was echt wenig ist). Wäre in echt nur noch eine Gewichtsdifferenz von 200 g. Dann wissen wir aber nicht, was Du zuvor gegessen hast. Vielleicht hattest Du vor dem ersten Termin eine große Portion Sonntagsbraten - der ist am nächsten Tag noch gar nicht verdaut. Nur 200g mehr unverdautes Essen im oberen Darmabschnitt als beim letzten Termin - schon ist die Gewichtsdifferenz weg. WIR WISSEN ES NICHT. Und deshalb kann man aus "5mal hintereinander weniger gewogen" nicht sicher auf eine echte Abnahme schließen, egal wie man es dreht und wendet. Lediglich Schätzungen sind möglich.
Manchmal sieht sie so klapperdürr aus, dass ich wirklich Angst habe
Das ist sehr verständlich. Und definitiv ein Grund, NOCHMAL den Arzt nach möglichen Ursachen für die Speckfreiheit Deines Babys zu löchern bwz. auch eine Zweitmeinung einzuholen. Bis dahin kannst Du selbst folgendes tun:
* Wenn Dein Kind wieder gesund ist (oder auch schon vorher, aber dann bitte notieren, ab wann das Kind wieder auf dem Wege der Besserung war): Dokumentiere das Gewicht.
Nach guter Methode, wie in der Gedeih-Grundinfo zu lesen. Ruhig erstmal täglich, wenn Dich das beruhigt. Falls Dich tägliches Wiegen beunruhigt, dann reicht 2-3 Mal pro Woche wiegen.
* Notiere ebenso Still- und Essverhalten. Muss nicht penibel sein: einfach aufschreiben, wie oft gestillt in 24 Std, und ggf. was gegessen.
* Achte auf die Ausscheidungen: Notiere die Anzahl der Pipiwindeln pro Tag.
Mit zunehmender Zeit sind diese Daten dann hoch aussagekräftig (und nach ca 1 Woche mit guter Sicherheit auswertbar).
Was hältst Du von dieser Vorgehensweise?
LG
Julia