Ich finde auch nicht alles schlecht, was Dr. Posth sagt und es ist schon lange her, dass ich ihn gelesen habe. Aber in seiner Arbeit findet sich doch immer wieder die Annahme, dass es einer gewissen Frustration von Bedürfnissen nach Bindung/Nähe Bedarf, um dem Kind eine altersentsprechende Loslösung/Autonomie/Unabhängigkeitsentwicklung zu ermöglichen. Und das ist falsch. Kinder haben von Geburt zentrale Grundbedürfnisse nach Bindung/Nähe UND nach Autonomie/Selbstregulation. Wenn die kindlichen Bedürfnisse nach Nähe erfüllt werden, wird es von sich aus nach Autonomie und Unabhängigkeit streben - dazu bedarf es keiner (absichtlichen) Frustration (der normale Alltag bietet zwangsläufig genügend Frustrationen, die reichen völlig aus...). Wenn ein Kind keine altersangemessenen(!) Loslösungstendenzen zeigt, dann kann das viele Gründe haben - die häufigsten sind aber sicher:Stankade hat geschrieben:luna24 hat geschrieben:Also Dr. Posth würde ich jetzt auch nicht unbedingt empfehlen - seine Annahmen über die Bedeutung von Bindung und Loslösung entsprechen in vielerlei Hinsicht nicht dem aktuellen Stand der Forschung.
Unabhängig davon denke ich schon, dass Du Wege suchen solltest, wie Du das nächtliche Stillen reduzieren kannst. Mein Sohn war nie so extrem - aber in dem Alter habe ich mich einfach weggedreht, wenn es mir zu viel geworden ist und er nur noch genuckelt hat. Er hat zwar kurz gemeckert, aber insgesamt hat er das erstaunlich gut akzeptiert. Wichtig sind meiner Meinung nach sehr klare Signale. Also einerseits, dass nächtliches Stillen grundsätzlich ok und gut ist - aber dass es auch irgendwo eine Grenze gibt, nämlich da, wo es die Mutter sehr beeinträchtigt.
Klar, leichter gesagt als umgesetzt - aber ich denke auch, über die Suchfunktion findest Du sicher noch ein paar Tipps hier im Forum.
Wie ist denn der aktuelle Stand der Forschung?
Ich finde Dr. Posth auch gut, würde zwar nicht jede Aussage von ihm unterschreiben aber grundsätzlich finde ich seine Arbeit super.
- die kindlichen Bedürfnisse nach Nähe werden NICHT adäquat befriedigt
- die kindlichen Autonomiebedürfnisse werden NICHT respektiert (z.B. überängstliche, überbehütende, klammernde Mütter)
Und klar kann man die Loslösung auch durch Frustration erzwingen (Extrembeispiel Ferbern), aber das ist ganz bestimmt nicht das, was man unter einer gesunden Entwicklung versteht. Klar kann man Dr. Post jetzt nicht mit ferbern vergleichen, aber der Grundgedanke Entwicklung durch absichtlich herbeigeführte Frustration klingt schon an einigen Stellen durch...
Exkurs Ende


