Juul über LZS

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

Gnom
gehört zum Inventar
Beiträge: 530
Registriert: 12.01.2012, 22:08

Re: Juul über LZS

Beitrag von Gnom »

Bondolina hat geschrieben:
Millefiori hat geschrieben:warum ist die äußerung von juul unqualifiziert?

weil sie nicht zu den argumenten pro-lzs passt?
Nein, weil Juul mit absoluten Vorurteilen argumentiert. Dass man FB, Tragen und LZS betreibt heißt eben nicht, dass man eine ideologische Übermutter ist und das Kind keine sozialen Kompetenzen hat. LZS schließt Kontakt zu Vätern und anderen Menschen nicht aus.

Juul kann von mir aus gegen LZS argumentieren, aber nicht auf dieser billigen Übermutter-Schiene - das ist Klischee und das sollte er nicht nötig haben.
Ich finde die Aussage zu undifferenziert. Hier geht es ausschließlich ums Stillen und nicht um FB oder Tragen, das wird durch Juul doch überhaupt nicht angeschnitten oder habe ich das überlesen?

Die Altersangabe von 1,5 finde ich arg früh angesetzt, hätte er 2,5 gesagt, hätte ich das nachvollziehen können, aber mir erschließt auch als Nicht-Stillerin, warum ich eine gute Milch mit einem Ersatz austauschen muss, wenn das Kind doch danach verlangt?

Ansonsten bin ich mir nicht sicher, ob er sich nicht einfach nur schlecht ausgedrückt hat. Natürlich kann LZS schaden wie nutzen. Wo Licht ist gibt es auch Schatten und es gibt bestimmt Mütter, die sich dadurch aufwerten, allerdings sind das dann die Sorte Mensch, die ich schon pathologisch nennen würde ;) .
Denn er spricht von einem Verhalten, das sich Gebraucht-werden und Machtgefüge ausdrückt und das eigene Ego streichelt. Dabei bleibt die Kinderseele so wie der "soziale Netzwerkausbau" auf der Strecke. Ich habe jobmäßig einige schlimme Abhängigkeiten zwischen Kindern und Eltern erlebt, ich denke wie alles kann auch das Stillen dafür missbraucht werden als Strategie und ich schätze, nichts anderes meint Juul - dass dies natürlich genauso undifferenziert und falsch formuliert ist, da gebe ich euch total Recht.
Liebe Grüße von Marina
Bild

Bild
Elena
Miss SuTiversum
Beiträge: 14232
Registriert: 05.08.2009, 17:08

Re: Juul über LZS

Beitrag von Elena »

Wenn ich auf meinen Vorträgen empfehle, dass die Mutter ihr einjähriges Baby für eine Woche mit dem Vater allein lassen soll, damit die beiden eine Bindung eingehen können, werde ich von den LaLecheLiga-Leuten (Stillbefürwortern, Anmerkung d. Red.) fast umgebracht....
An der Nabelschnur durchs Leben gezogen: »Ängstlich und unsicher« - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/kultur/medien/an-de ... 57887.html
Das ist ja mal typisch Mann. Als könnte sich der Vater nicht nützlicher um die Kinder kümmern als mal eine Woche Ferien mit Papi springen zu lassen. Ein Vater, der Elternzeit nimmt, und zwar richtig ein paar Monate lang ohne seine Frau, der lernt den Alltag mit Kind kennen und baut eine Beziehung zu ihm auf, die "unter die Haut geht". Und zwar im positiven wie im negativen Sinne. Er lernt nicht nur das Innige kennen, das man erlebt, wenn das Baby in der Trage pennt oder Papa verliebt anlacht oder sich von ihm trösten lässt, sondern er erlebt auch langweilige, nervige, chaotische Tage, an denen einfach nichts funktioniert und an denen er vielleicht einfach nur zurück ins Büro will. Und am Ende der Elternzeit hat er nicht nur sein Kind besser kennengelernt, sondern auch sich selbst - und kann überdies seine Frau besser verstehen.

Und dafür muss nicht abgestillt werden, das Kind muss sich nicht länger als ein paar Stunden täglich von der Mama trennen. Aber der Mann muss den Arsch hochkriegen und seinen Kollegen sagen "Ich bin jetzt ein paar Monate zuhause". DAS ist doch das Problem heute, das die Männer daran hindert, eine frühe Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen. Das Juul-Zitat klingt echt so, als müssten Papas mit ihren Einjährigen (!) unbedingt mal eine Woche Bauernhofurlaub, Rafting-Touren in den Alpen oder Zelten mit Lagerfeuer ohne Mami unternehmen, um eine Beziehung aufbauen zu können. Mit EINJÄHRIGEN! Ein paar Monate Alltagswahnsinn zuhause wirken da viel besser, meiner eigenen Erfahrung nach.
Hier gehts zu meinen Bewertungen:
viewtopic.php?f=352&t=216642
Bondolina
gehört zum Inventar
Beiträge: 564
Registriert: 02.01.2010, 16:09
Wohnort: NRW

Re: Juul über LZS

Beitrag von Bondolina »

revolte hat geschrieben:So gibt es aber auch keine Studien, die belegen, dass LZS positive Auswirkungen auf soziale Beziehungen hat.
Das muss man jetzt auch dazusagen.
Das verlange ich ja auch gar nicht.

Ich verlange nur eine differenzierte Sicht auf LZS-Mütter.

Die meisten LZS-Mütter im Real Life, die ich kenne, machen das nicht aus Ideologien oder Überbemutterung heraus, die haben sich das auch nie vorgenommen, sondern machen es einfach, weil es sich so ergeben hat, weil es sich richtig anfühlte. Auch ich habe mir das nicht vorgenommen. Im ersten Lebensjahr okay, dann vielleicht bis 2, wie es die WHO empfiehlt, aber doch niemals bis 3 habe ich gedacht. Inzwischen ist es für mich ein Experiment und ich bin gespannt, ob die Stillberaterinnen recht behalten und sich mein Sohn wirklich irgendwann von selbst n natürlich abstillt. Wenn er das jetzt tun würde, würde ich mich freuen - dann wäre das Experiment geglückt.
Lange gestillt und getragen habende Mama von Bondolinchen (Anfang 2009) :-) und Mini-Bondolinchen (Frühj. 2012) :-) .
Lösche Benutzer 1828

Re: Juul über LZS

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Huah - das ist ja ganz, ganz grauslig.
Ich schätze ihn wirklich sehr, aber das ist furchtbar.
Und so engstirnig. Wirklich wissen tut er ja wohl kaum was vom Stillen noch vom CC.
Ich stille meinen fast fünfjährigen noch ab und an - und der ist alles andere als an mich gekettet.
Eine Nabelschnur - ja, die gibt es auch nach der Geburt. UNd wir sollten gemeinsam entscheiden, wann sie gelockert wird. AUch das Kind sollte das entscheiden dürfen.
Ich kann mein Kind stillen und es trotzdem frei in die Welt hinauslassen. Oder gerade......ich habe da einzig auf meine Kinder gehört und befriedige da keine verstecken Bedürfnisse.
Er plädiert doch auch dafür, die Kinder zu hören.
Und hier?

Ach, das regt mich jetzt so richtig auf. Ich denke, ich werde da mal nachfragen, was er sich dabei gedacht hat.....

Aber: das ist Focus. Hat er das so gesagt?
Das mit LLL ist ja auch fies. Klar, die kommen teilweise recht radikal rüber, aber so eine Aussage? Als seien das lauter stillfanatische Frauen, die ihre Kinder kleinhalten.
Bondolina
gehört zum Inventar
Beiträge: 564
Registriert: 02.01.2010, 16:09
Wohnort: NRW

Re: Juul über LZS

Beitrag von Bondolina »

Gnom hat geschrieben:
Bondolina hat geschrieben:
Millefiori hat geschrieben:warum ist die äußerung von juul unqualifiziert?

weil sie nicht zu den argumenten pro-lzs passt?
Nein, weil Juul mit absoluten Vorurteilen argumentiert. Dass man FB, Tragen und LZS betreibt heißt eben nicht, dass man eine ideologische Übermutter ist und das Kind keine sozialen Kompetenzen hat. LZS schließt Kontakt zu Vätern und anderen Menschen nicht aus.

Juul kann von mir aus gegen LZS argumentieren, aber nicht auf dieser billigen Übermutter-Schiene - das ist Klischee und das sollte er nicht nötig haben.
Ich finde die Aussage zu undifferenziert. Hier geht es ausschließlich ums Stillen und nicht um FB oder Tragen, das wird durch Juul doch überhaupt nicht angeschnitten oder habe ich das überlesen?
Stillen, Tragen und FB stehen in der ersten Frage.

Ansonsten gibt es sicherlich Übermütter, die ihre Kinder an sich binden. Aber das hat nichts mit LZS zu tun, auch wenn es sicherlich Mütter gibt, die beides betreiben. Aber der Umkehrschluss funktioniert eben nicht.
Lange gestillt und getragen habende Mama von Bondolinchen (Anfang 2009) :-) und Mini-Bondolinchen (Frühj. 2012) :-) .
Benutzeravatar
Iris
Profi-SuTler
Beiträge: 3025
Registriert: 04.05.2006, 22:38

Re: Juul über LZS

Beitrag von Iris »

Tja, Juul ist nur Juul, kein Gott, auch wenn er so einen religiösen Namen hat. :lol:
Dieses lange Stillen, das ein Kind ja ohnehin nicht mehr sättigen kann, macht es dem Vater unmöglich, aktiv zu werden. Ihm bleibt nur noch eine Ersatzmutterrolle.
Dieser Satz IST SCHWACHSINN. Natürlich kann Mutterliebe übertrieben werden. Natürlich gibt es Mütter, die nicht loslassen können und niemandem, auch dem Vater nicht, zutrauen sich genauso gut um das Kind kümmern zu können wie man selbst. Aber selbstverständlich ist es möglich ein Kind zu stillen und es fremdbetreuen zu lassen. Ein Kind, das nicht mehr zur Nahrungsaufnahme stillt, kann selbstverständlich unproblematisch mal mit dem Vater allein sein, auch über Nacht. Das hat mit dem Stillen nur dann etwas zu tun, wenn Vater oder Mutter ein Drama draus machen. Mann, es ist doch nicht das Stillen, sondern die Einstellung zu meiner eigenen Rolle als Mutter, die die Beziehung stabil und gut oder eben problematisch oder pathologisch macht.
Ich persönlich habe ein inzwischen 4,5 jähriges Stillkind (so alle paar Wochen kommt sie noch), das seit drei Jahren einen Kita-Ganztagsplatz hat, bei Freundinnen übernachtet, Mama ne Woche auf Fortbildung fahren lässt und klare Regeln, wann gestillt werden darf und wann nicht, problemlos akzeptiert. Sollte ich Juul vielleicht mal beraten? :wink:
Im Übrigen kann es auch sein, dass das Interview massiv zurechtgestutzt wurde. Evt. hat er die "Übermütter" als Sonderfall der LZSlerinnen betrachtet.
Iris mit Großer -10/05- und Kleiner -02/08- , erzogen und geimpft
Benutzeravatar
Kate
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1428
Registriert: 12.01.2011, 18:01
Wohnort: Hannover

Re: Juul über LZS

Beitrag von Kate »

Total merkwürdig.
Und noch etwas macht diese Erziehungsmethode problematisch: Sie schließt die Väter vollkommen aus.
In der Überschrift stehen Tragen, Stillen, Familienbett. Außer Stillen schließt doch alles den Papa ein? Besonders diejenigen, die tagsüber fort sind und nachts die Nähe zum Kind genießen?
„Wenn wir einfach schon ganz früh erfahren dürfen, dass wir sind und dass wir, weil wir sind, gut sind, ich glaube, das kann eine Gesellschaft wirklich grundlegend verändern.“ (Alexandra)
Benutzeravatar
Iris
Profi-SuTler
Beiträge: 3025
Registriert: 04.05.2006, 22:38

Re: Juul über LZS

Beitrag von Iris »

Übrigens, noch was: Mein von mir oben beschriebenes Stillkind war in der Zeit, als ich noch wenig berufstätig war und wir noch viel gestillt haben, ein absolutes Papa-Kind. ER war der Schlaf-Zauberer, nicht ich. Das hat sich erst im Laufe des letzten Jahres geändert. Kann Zufall sein, kann aber auch damit zusammenhängen, dass ich in den vergangenen 12 Monaten sehr viel (zu viel) gearbeitet habe.
Iris mit Großer -10/05- und Kleiner -02/08- , erzogen und geimpft
Benutzeravatar
Kate
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1428
Registriert: 12.01.2011, 18:01
Wohnort: Hannover

Re: Juul über LZS

Beitrag von Kate »

Ja, Iris, ein perfektes Gegenbeispiel.


Vielleicht ist es medizinisch ja bald möglich, dass Männer schwanger werden, damit sie nicht die Bindung verpassen, die wir schon in der Schwangerschaft erleben :roll:
„Wenn wir einfach schon ganz früh erfahren dürfen, dass wir sind und dass wir, weil wir sind, gut sind, ich glaube, das kann eine Gesellschaft wirklich grundlegend verändern.“ (Alexandra)
Benutzeravatar
Semiralinda
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1343
Registriert: 13.07.2008, 15:17
Wohnort: Oberösterreich

Juul über LZS

Beitrag von Semiralinda »

Ich finde die ganzen Aussagen viel zu platt und oberflächlich, möglicherweise ist da aber auch einiges aus dem Kontext gerissen.
Dazu muss ich aber sagen, dass ich von dem Herrn auch noch kein Buch gelesen habe( ich habs nicht so mit Erziehungsgurus, ich hör lieber auf mein eigenes Gefühl :))


Sent from my iPhone using Tapatalk
Liebe Grüße,
Arabella und die fantastischen Fünf (03/98, 03/00, 06/03, 12/07, 05/10)
und Sternenkind Angelito * 12.02.13 / 15. SSW

Not all those who wander are lost. - J.R.R. Tolkien
Antworten

Zurück zu „Stillforum“