Juul über LZS

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Bondolina
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Juul über LZS

Beitrag von Bondolina »

Der Bericht im US-Magazin "Time" hat ja hohe Wellen geschlagen, sogar in der Gratis-Fernsehzeitung Prisma stand neulich ein positiver (!) Bericht übers LZS.

Nun äußert sich Jesper Juul, den ich sonst eigentlich schätze, zu dem Thema - und zwar absolut unqualifiziert:

http://www.focus.de/kultur/medien/an-de ... 57887.html

Wieso gehen eigentlich immer alle davon aus, dass bindungsorientierte Erziehung mit Bemutterung und Nicht-loslassen-Können zu tun hat? Ich habe wieder gearbeitet, als der Große 1 Jahr alt war, ich habe ihn zur Tagesmutter getragen, er hat dort selbständig den Kontakt zu anderen Kindern gesucht und hatte stets das Vertrauen, dass wir ihn wieder abholen. Beim Abholen habe ich ihn gestillt und er hat nachts im Familienbett geschlafen. Das Tragen ging bis 2 1/4 Jahren, dann wollte er auch selbst laufen, Stillen und Familienbett hat er bis heute. Ja, das lange Stillen hat mich befriedigt - es hat mein zwischendurch aufkeimendes schlechtes Gewissen als arbeitende Mutter befriedigt :mrgreen: , weil ich ihm in kurzer Zeit all die Nähe und Aufmerksamkeit geben konnte, die ich ihm gerne den ganzen Tag gegeben hätte...

Wieso kapieren die Leute nicht, dass Nähe Selbstbewusstsein schafft, damit man sein Kind in die Welt hinausschicken kann - statt es an sich zu binden?
Lange gestillt und getragen habende Mama von Bondolinchen (Anfang 2009) :-) und Mini-Bondolinchen (Frühj. 2012) :-) .
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rueckenwind
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Re: Juul über LZS

Beitrag von rueckenwind »

ich habe mich besonders an der Aussage gestört, dass eine enge Bindung zur Mutter durch Stillen, die Beziehung zwischen Vater und Kind behindert.
Wie kommt er denn darauf? Mein Mann hat dafür einfach andere "Aufgaben", andere Methoden um zu trösten, in den Schlaf zu begleiten etc. - Warum wird das alles immer so ausschließend betrachtet (langes Stillen vs. Berufstätigkeit/Fremdbetreuung, Familienbett vs. "eigene" Räume, Mutternähe vs. Nähe zum Vater). In meiner Wahrnehmung funktioniert das alles sehr gut gleichzeitig und schließt sich nicht aus.

Dieses Interview scheint mir den Idealismus-"Krieg" in Sachen Kindererziehung nur mehr zu befeuern und weiterhin unterschiedliche Erziehungsstile in einen künstlich ausgetragenen Zwist zu treiben. Das nervt mich gewaltig!
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Roana
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Re: Juul über LZS

Beitrag von Roana »

also zu erst bin ich in der theoretischen Thematik nicht eingelesen.
Was ich gerade zum Kontinuum-Konzept quer gelesen habe, hat mich nicht erschreckt, aber ich bin unsicher wenn es um Juuls Aussage geht das Kleinkinder ausschließlich nur von der Mutter betreut wird.
Ich finde das auch nicht richtig.
Und ich kann mir kaum vorstellen das es das gibt, so wie er es sagt, klingt das ja nach Isolation, oder verstehe ich Juul da falsch?


Ist Kontinuum-Konzept denn nur auf die Mutter-Kind Bindung spezialisiert? Ich mein mein Mann trägt unsere Kinder auch, schläft mit im Familienbett, das einzige was er nicht macht ist stillen, allerdings kommt es auch vor das er sich trotzdem dabei zu uns kuschelt.
Ich verstehe diese Absolutheit gerade nicht in Juuls Aussagen?
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Re: Juul über LZS

Beitrag von restinga »

Bondolina hat geschrieben:Wieso gehen eigentlich immer alle davon aus, dass bindungsorientierte Erziehung mit Bemutterung und Nicht-loslassen-Können zu tun hat? Ich habe wieder gearbeitet, als der Große 1 Jahr alt war, ich habe ihn zur Tagesmutter getragen, er hat dort selbständig den Kontakt zu anderen Kindern gesucht und hatte stets das Vertrauen, dass wir ihn wieder abholen. Beim Abholen habe ich ihn gestillt und er hat nachts im Familienbett geschlafen. Das Tragen ging bis 2 1/4 Jahren, dann wollte er auch selbst laufen, Stillen und Familienbett hat er bis heute. Ja, das lange Stillen hat mich befriedigt - es hat mein zwischendurch aufkeimendes schlechtes Gewissen als arbeitende Mutter befriedigt :mrgreen: , weil ich ihm in kurzer Zeit all die Nähe und Aufmerksamkeit geben konnte, die ich ihm gerne den ganzen Tag gegeben hätte...

Wieso kapieren die Leute nicht, dass Nähe Selbstbewusstsein schafft, damit man sein Kind in die Welt hinausschicken kann - statt es an sich zu binden?

Bin ganz deiner Meinung.
Auch ich hab mich entschieden, übers erste LJ hinaus zu stillen. Wenn mein Kleiner 1 Jahr alt ist, fang ich auch wieder an zu arbeiten, und hoffe ebenso wie Bondolina, mehr Nähe durch Stillen in meiner Freizeit mit ihm zu kriegen.
Ansonsten wird er bei Papa und Tamu sein.
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Millefiori
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Re: Juul über LZS

Beitrag von Millefiori »

warum ist die äußerung von juul unqualifiziert?

weil sie nicht zu den argumenten pro-lzs passt?
liebe Grüße von mir mit Bild 11/03 , Bild 07/07 und Bild 06/09

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Campanula
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Re: Juul über LZS

Beitrag von Campanula »

Hähä.

Meine Tochter ist 18 Monate alt und stillt. Sie stillt viel. Sehr viiieeeel.

Meine Tochter geht seid 6 Monaten in die Kita, 6 Stunden täglich.
Ab nächstem Monat werde ich zwei Stunden länger arbeiten, da meine Tochter inzwischen eher enttäuscht ist, wenn ich sie bereits abhole, während die anderen Kinder noch weiterspielen. Also darf sie nun 8 Stunden mit den anderen spielen.

Ich hole meine Tochter ab und stille sie dann auf ihren Wunsch.
Danach ist Papa-Zeit: für 2-3 Stunden ziehen Vater und Tochter alleine los (sie wird dann immer von ihm im Sling getragen) und machen die Spielplätze unsicher, füttern Enten und kichern gemeinsam über Dinge, von denen ich noch nicht einmal weiß.
Als mein Freund neulich nachmittags arbeiten musste und daher ohne meine Tochter die Wohnung verließ, war sie tief verzweifelt. Sie weinte, rief "Papa" und ließ sich von mir nicht beruhigen. Das freundliche Angebot zu stillen wurde mit verächtlichem Kopfschütteln abgelehnt. Als ich ihr anbot, sie stattdessen in den Sling zu nehmen, wurde auch das vehement abgelehnt. Statt dessen rannte sie weinend zum Tuchregal, zog gezielt den Sling heraus, in dem ihr Vater sie jeden Tag trägt, zog ihn bitterlich weinend hinter sich her zur Tür und trommelte dagegen, während sie weiter "Papa, Papa" schluchzte.

Wie gut, dass mich jemand darauf aufmerksam macht, dass mein Kind zu sehr an mich gebunden ist. :lol:
Wiebke mit dem kleinen bunten Schaf (w, *27.12.2010) - auch weiterhin im Tragetuch ;-)
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Re: Juul über LZS

Beitrag von restinga »

Ich frag mich immer wieder, ob es irgendwelche wissenschaftlichen Studien gibt zum Thema LZS, Bindung, Familienbett etc.
Weiß da jemand mehr?
Weil irgendwas behaupten, was man sich so denkt, das kann ja nun jeder.
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Re: Juul über LZS

Beitrag von Bondolina »

Millefiori hat geschrieben:warum ist die äußerung von juul unqualifiziert?

weil sie nicht zu den argumenten pro-lzs passt?
Nein, weil Juul mit absoluten Vorurteilen argumentiert. Dass man FB, Tragen und LZS betreibt heißt eben nicht, dass man eine ideologische Übermutter ist und das Kind keine sozialen Kompetenzen hat. LZS schließt Kontakt zu Vätern und anderen Menschen nicht aus.

Juul kann von mir aus gegen LZS argumentieren, aber nicht auf dieser billigen Übermutter-Schiene - das ist Klischee und das sollte er nicht nötig haben.
Lange gestillt und getragen habende Mama von Bondolinchen (Anfang 2009) :-) und Mini-Bondolinchen (Frühj. 2012) :-) .
luna24
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Re: Juul über LZS

Beitrag von luna24 »

Ich würde die Aussagen in der Pauschalität auch als unqualifiziert bezeichnen - meines Wissens (und ich arbeite in dem Forschungsbereich) gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die Zusammenhänge zwischen LZS und mangelnden sozialen Beziehungen zu anderen Personen als der Mutter vermuten lassen.
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Re: Juul über LZS

Beitrag von revolte »

So gibt es aber auch keine Studien, die belegen, dass LZS positive Auswirkungen auf soziale Beziehungen hat.
Das muss man jetzt auch dazusagen.
revolte mit Zahnlückenpiratin (10/2010), Herr Neunmalklug (10/2012) und Schnecke (05/2016)
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