Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

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jusl
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Re: Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

Beitrag von jusl »

Hallo Nina,

in Ergänzung zu mondenkind:

bei starker Neugeborenengelbsucht geht es ja um zwei Dinge: 1. um die Vermeidung eines Kernikterus und 2. um die Vermeidung sekundärer Nachteile (starker Gewichtsverlust, Austrocknung), die durch die Begleiterscheinungen (Schläfrigkeit, Trinkschwäche) auftreten können.
Das Problem ist, dass die Maßnahmen gegen 1. (KH-Aufenthalt, Fototherapie, Zufüttern, sensorische Deprivation) in gewisser Hinsicht gerade kontraproduktiv bzgl. 2. sein können. ;-) Aus diesem Grund sollte wirklich streng abgewogen werden, ob Fototherapie nötig ist.

Zunächst: Der Bilirubinabbau ist NICHT an Flüssigkeit gebunden, sondern an Eiweißverbindungen. Aus diesem Grund brauchen Babys NAHRUNG, nicht bloß FLÜSSIGKEIT. Häufiges Stillen ist also die sinnvollste Maßnahme, auch um für häufige Stuhlausscheidungen zu sorgen: Bleiben die Bilirubinabbauprodukte zu lange im Darm, können sie wieder aufgenommen werden ehe sie ausgeschieden wurden. Deshalb ist es wichtig, dass Babys das Mekonium schnell loswerden und danach reichlich Stuhlgang haben.

Ein sog. Kernikterus (der mit den erwähnten Hirnschäden) ist bei Stillbabys übrigens extrem selten (ich persönlich kenne keinen einzigen Fall) und droht nicht bei Werten unter 23-29 mg/dl (400-500 µmol/l) (Quelle: Handbuch für die Stillberatung, LLL). Diese Werte gelten für gesunde, voll ausgetragene Babys (für Frühgeborene und kranke Babys gelten geringere Werte). Lass Dir also unbedingt die Werte geben, eh eine Therapie eingeleitet werden soll, die eben immer auch Risiken und Nebenwirkungen hat (bei Fototherapie z.B. steigt der Flüssigkeitsbedarf; oft ist dann Zufüttern nötig, welches wiederum das Stillen stören kann, was insb. bei Zwillingen ungünstig wäre).

Sinnvolle Maßnahmen mit belegter Wirkung (im Gegensatz zu allen Tees und Kügelchen, sorry) sind:
* Babys warm halten, Energieverluste vermeiden. Keine Bäder, keine unnötigen Klamottenwechsel
* Sehr häufiges Stillen, mind. 10 mal in 24 Stunden.
* Bei Schläfrigkeit ist Wechselstillen ein effektives Mittel, die Babys munter zu halten und die Milchbildung anzukurbeln. Mit Zwillingen im Tandem brauchst Du dabei helfende Hände. Beim Einzelstillen bietet sich Wechselstillen unbedingt an.
* Babys dem Sonnenlicht durch Fensterscheiben aussetzen. Der blaue Lichtanteil des Sonnenlichtspektrums unterstützt den Bili-Abbau (nicht UV-Licht!..Das Licht in Bili-Lampen hat ca 460 nm Wellenlänge und ist damit BLAU. Die Wellenlänge von UV-Licht liegt unter 380 nm.). Wichtig ist dabei, dass es dabei gut WARM ist.

Während der nächsten Tage sollten die Bili-Werte einmal kontrolliert werden, insb. wenn sich Still- und Ausscheidungsverhalten nicht verbessern (kann auch ambulant von KiA oder Hebi gemacht werden). Außerdem ist sinnvoll, Gewicht, Ausscheidungen und Trinkhäufigkeit jedes Babys täglich zu notieren; hier geht Sicherheit einfach vor.

Ich wünsch Dir gute Nerven und Geduld - in ein paar Tagen ist der Spuk bestimmt vorüber.
LG
Julia
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Matilda'sMama
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Re: Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

Beitrag von Matilda'sMama »

Wir hatten hier nach der Hausgeburt vom Kleinsten auch mit Gelbsucht zu kämpfen und landeten im Krankenhaus.
Meine Befürchtung, dass es ganz schrecklich werden würde bestätigte sich dann auch recht schnell.
Rückblickend war es unsinnig ins Krankenhaus zu fahren (innerhalb weniger Stunden wurden sehr unterschiedliche Werte gemessen, zudem saß ich 2 Tage lang auf einem Stuhl, neben meinem Baby, da es vor Ort kein Bett für mich gab, Angst wurde uns auch permanent gemacht, weil sie wussten, dass wir mit dem Gedanken spielten nach Hause zu gehen, weil uns unser Gefühl sagte, dass es gut war, im Zimmer die Nacht durchschreiende Neugeborene, die mit dem Kopf gegen den Glaskasten rammen und deren Eltern am Morgen gesagt bekommen, dass es eine ruhige Nacht war) und wenn ich denen dort nicht aufs Dach gestiegen wäre (was so kurz nach Geburt - war Tag 5 - sehr heftig für mich war), dann hätte ich trotz starkem Milcheinschuss und 2-stündigem Verlangen meines Babys, nur im 4-Stunden-Fütter-Rhythmus mit Wiege-Probe stillen dürfen.
Ansonsten hätte man ein gutes Abpumpzimmer :(
Es gab Streit wegen Ultraschall (keine Notwendigkeit!), Glucose, intravenöse Flüssigkeitsgabe (mein Baby hat von Anfang an sehr gut gestillt und sehr gut zugenommen), 48 Stunden Dauer-Bescheinung. Einen klaren Kopf hatte ich nicht und einige Fehlentscheidungen getroffen.

Eine befreundete Ärztin meinte damals, dass man meinem Sohn über die Blutentnahme (mehrere Röhrchen) zusätzlich wichtiges Eisen entzogen hätte.

Den Hebammen-Tee begann ich im Krankenhaus zu trinken. Hebammentee "Boldo"!

Das war nun wahrscheinlich zu viel persönliche Erfahrung, aber manchmal läufts für einen selbst besser, wenn man sich vorher auf Situationen einstellen kann, die auftreten könnten.

In den Bundesländern gibt es unterschiedliche Grenz-Werte für das Behandeln einer Neugeborenen-Gelbsucht. Dazu würde ich mich im Vorfeld informieren.
Ebenso würde ich darauf achten in ein Krankenhaus zu gehen (sollte es tatsächlich notwendig werden), indem Mutter und Kind zusammen im Zimmer liegen.
Das Legen lassen eines Zugangs würde ich abwägen.
Auch würde ich mich über den notwendigen Therapiezeitraum selbst informieren. Wir wurden "über-therapiert".
Zitat: ...Unnormal ist, wenn die Gelbfärbung der Neugeborenenhaut zu früh und zu intensiv erscheint und das Bilirubin im Blut einen Grezwert überschreitet. Die Gefahr, dass die Belastung durch einen ansteigenden Bilirubinspiegel zu bleibenden Schäden im Gehirn des Kindes führen könnte, besteht allerdings nur in den ersten 48 Lebensstunden und selbst in diesem Zeitraum kommt ein so benklich hoher Wert bei ausgetragenen Neugeborenen äußerst selten vor. Danach schlißt sich die Blut-Hirn-Schranke, so dass das Bilirubin nur noch im Körperkreislauf zirkulieren kann. Eine kontinuierliche Kontrolle ist zwar erforderlich, aber ab dem dritten Lebenstag können sie entpannt sein....
Danke dir.
Das bestätigt noch einmal, dass man uns damals im Krankenhaus Unsinn erzählt hat, um uns am Gehen zu hindern bzw. an einer selbstständigen Entscheidungsfindung zu hindern.
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Nina
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Re: Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

Beitrag von Nina »

Gelbsucht ist etwas besser.

Aber sie haben stark abgenommen, Lilli sogar über 300g. Die Hebamme sagt, ich soll heute beiden ein Fläschchen geben, vielleicht zwei. Dabei kommt ja Milch, sie trinkt nur nicht :-(
LG,

Nina mit Emily (08/05), Jonathan (02/08 ), Katharina (01/11) und Überraschungs-Doppelpack (05/12)

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Re: Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

Beitrag von jusl »

Liebe Nina,

bitte füttere STILLFREUNDLICH zu. Für das explizite Nutzen von FLASCHENsaugern gibt es überhaupt keinen Grund.
Dabei kommt ja Milch, sie trinkt nur nicht :-(
Was passiert denn, wenn sie saugen soll? Zu schläfrig? Oder zwar wach aber zu schwach?
Hier bieten sich zwei Strategien an: Wenn Du sie einzeln stillst, dann mit konsequentem Wechselstillen. Wenn Du tandemstillst, dann lass Deinen Sohn den MSR auslösen (ihn vielleicht einige Minuten eher anlegen), so dass Deine Tochter sich kaum mehr anstrengen muss und auf jeden Fall Milch abbekommt.
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Nina
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Re: Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

Beitrag von Nina »

Wo krieg ich jetzt ein BES her???

Sie schläft ein nach kurzer Zeit oder ist gleich komplett zu schläfrig/schwach :-(
LG,

Nina mit Emily (08/05), Jonathan (02/08 ), Katharina (01/11) und Überraschungs-Doppelpack (05/12)

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Re: Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

Beitrag von blueberry »

Vielleicht versucht Ihr es vor dem BES erstmal mit einem kleinen Becher/Schnapsglas? Sowas hat doch jeder zuhause und Du musst Dich nicht mit dem BES-Besorgen (und ins BES Einarbeiten) jetzt stressen? Mittelfristig könntest Du dann ja immernoch aufs BES umsteigen, sollte es nötig sein, mittelfristig über eine gewisse Zeit zuzufüttern. Könntest Du Dir Becherfüttern vorstellen?
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Re: Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

Beitrag von jusl »

Ehe Du mit BES loslegst, ist es sinnvoller, erstmal am Stillmanagement zu drehen. Hier sei nochmal deutlich aufs Wechselstillen verwiesen! Der Erfolg ist beim Wechselstillen meist schon nach wenigen Tagen, manchmal sogar schon nach wenigen Stunden deutlich spürbar.

In der Notapotheke könnt Ihr anrufen und fragen, ob sie ein BES dahaben, oder alternativ einen Fingerfeeding-Aufsatz plus Spritze (geht auch an der Brust) oder Spritze plus Sondenschlauch.
Hat Eure Hebi das nicht da?? Sollte sie!..
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Nina
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Re: Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

Beitrag von Nina »

BES kriegen wir geliehen, holt mein Mann gerade ab.

Eben hat sie nochmal ca. 1h dauergestillt! Wechselstillen versuche ich, aber meistens trinken beide gleichzeitig - was gut ist, denn er trinkt kräftiger, und löst teilweise mehrere MSR aus, so daß sie nur noch nuckeln muß und trotzdem was bekommt.

Wie und welche Mengen gebe ich denn dann jetzt zusätzlich? Die Hebamme meinte, beiden mindestens einmal 50-60g anbieten heute noch, vielleicht nachts nochmal. Julia, was wäre dein Rat?
LG,

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Re: Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

Beitrag von jusl »

BES kriegen wir geliehen, holt mein Mann gerade ab.
Prima. Kennst Du Dich damit aus? Theorie und Handhabung?

50 ml PRE auf einmal finde ich für ein 4 Tage altes Baby zuviel. Das Magenvolumen liegt an Tag 4 bei rund 30 ml (Quelle), bei Frühgeborenen eher weniger. Wenn Du Deine Babys mit jeweils 50-60 ml abfüllst, liegen die voraussichtlich die nächsten 8 Stunden im Suppenkoma, das ist nicht sinnvoll, weder für deren Gewichtsentwicklung, noch für Deine Milchbildung.

Siehst Du eine Möglichkeit, zwischendrin abzupumpen (am besten mal für ein paar Minuten, währen Dein Sohn stillt und eh den MSR auslöst) und dann die abgepumpte Milch ins BES zu füllen?
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Nina
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Re: Gelbsucht - wann ist Hilfe nötig?

Beitrag von Nina »

Abpumpen kann ich versuchen, ja. Pumpe kriegen wir nämlich auch geliehen (Bettina, du Schatz!!)

Wieviel sollte ich denn dann zugeben? Wäre natürlich super, wenn wir keine PRE bräuchten...

Und wie oft sollte ich grundsätzlich wecken zum stillen, alle 2h tagsüber versuche ich schon. Nachts habe ich sie bisher gelassen. Sollte ich da auch besser wecken?

Jetzt liegen erstmal beide in der Sonne unterm Fenster... werden aber gerade wieder wach, sehr gut!
LG,

Nina mit Emily (08/05), Jonathan (02/08 ), Katharina (01/11) und Überraschungs-Doppelpack (05/12)

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