Tussi, es tut mir sehr Leid, dass du das Mamasein nicht per se wunderschön findest! Da muss dir in der Tat mein Post als Hohn vorgekommen sein, aber ich sehe jetzt irgendwie den Punkt nicht, warum das Mamasein nicht einfach für mich (wie für viele andere Frauen auch) schön sein sollte, und was daran verkehrt ist, das hier zu schreiben. Ich habe in diesem Fred thematisiert, dass ich es - wie du - schwierig finde, sie zu kritisieren / zu belehren und das es niemals meine Absicht war und ist, sie zu beschämen (das musst du irgendwie großzügig überlesen haben

). Letztendlich ist dieser Fred auch irgendwie für mich - denn mir geht es mit diesem Konflikt - wieviel "Helfen" ist richtig, wieviel "lass sie machen" ist besser - BESCHISSEN !
Zurück zum Thema, ich war gestern den ganzen Tag bei ihr, also von früh bis spät. Als ich angekommen bin, fand ich es schon durchaus schlimmer, als ich es erwartet habe

Das Mäuschen ist ziemlich... schwer auszudrücken - ich finde schon matt, abgeschlagen und ja, irgendwie
sehr leicht. Mama saß mit Baby auf der Stillwurst auf der Couch und wenn das Andocken nicht gleich geklappt hat, was mit Weinen des Babys kommentiert wurde, hat sie es auf den Bauch in Fliegerposition gedreht (kein Sichtkontakt mit Mama und ja, die Augen waren auf und man hätte welchen herstellen können) und dann über den Kopf kommentarlos den Schnuller gereicht in den schmatzenden Mund "jetzt hat sie wieder ihre Blähungen und kann nicht trinken".
Und das ist kein Schreibaby (Gott sei Dank!). In der ganzen Zeit hat meines viel häufiger und vor allem viel viel viel lauter Terz gemacht - sie hat selbst auch

gestaunt, wie munter so ein Kind sein kann und vorallem, wie es sich wegbrüllen kann

Ich musste wieder eintuchen, bibabutzemann, gefühlte hundertmal Brust anbieten usw. usw. usw. bis er sich beruhigt hat. Ihr Kind hat das Weinen wirklich jedesmal nach einer wie ich fand kleinen Weile aufgegeben und nur noch mit halb geöffneten Augen dagelegen.
Das Seltsame ist, bevor ich eure Posts gelesen habe, hatte ich meine Gedanken sortiert und wollte hier eigentlich thematisieren, dass ich den Eindruck hatte, ihr Kind kann gar nicht so richtig laut schreien (es war immer mehr so ein Wääiiiih - Wimmern, wir konnten uns problemlos weiter unterhalten. Wenn meiner brüllt, krieg ich Tinnitus - wörtlich gemeint - er streckt sich durch, wird knallerot und ist wie von Sinnen) und hier verselbständigte sich in meiner Abwesenheit die Diskussion Richtung Schreikind.
Wir haben sehr viel gesprochen und sie hat sich einfach mal alles von der Seele geredet. Mein Eindruck ist, dass die Probleme nicht beim Kind liegen, sondern eher im Umfeld der Mutter - keine Unterstützung, wenig Informationen, ein Ehemann/Vater der sich der Verantwortung entzieht / zum Fußballgucken geht / auf der Couch schläft / Frau allein lässt, keinen Bezug zum Kind aufbaut, dann Schwiegermutter, die täglich ein und aus geht und ihr das Kind immer wieder "abnimmt" (und da nehme an auch ihr Ding durchzieht mit Rythmus usw.). Auch die Hebamme (über die ich nun auch mehr erfahren habe), rät der Mutter sich doch mal der Situation zu entziehen, alleine zum Rückbildungskurs, ins Kino, zu gehen. Der Tenor war, wie kann ich Zeit ohne mein Kind verbringen? Sie hat auch keinen live-Kontakt zu anderen Muttis (ich war heute die erste) und ihren Babys, sie ist den ganzen Tag - nach eigenen Angaben - auf der Couch, abends kommt dann der Mann nach Hause, der halt TV sieht statt zu helfen (O-Ton, er könnte das Kind ja wenigstens mal mit vor den Fernseher nehmen um es zu halten - also mit meinem Baby kann man das nicht machen, da ihn der Fernseher viel zu sehr aufregt und es dann wieder Schreistunden gibt).
Sie war ebenfalls sehr erstaunt, dass ich noch nie von meinem Kind getrennt war ("aber das kann doch auch nicht gut sein"), außer dass Papa ihn ein paar Mal um das Haus laufend getragen hat (immer schön in schnell-anlegen-Reichweite).
Gewichtsmäßig ist das Mäuschen an der unteren Grenze

Und da waren soviele Situationen, wo man gesehen hat, das Kind hat HUNGER. Ich fand es sehr matt, hat die Augen gar nicht richtig aufgemacht, mich und meinen Kleinen hat es nicht wahrgenommen. Als das Mäuselein angefangen hat zu weinen (m.E. Hunger, aber Mama wollte noch nichts geben) habe ich sie ihr mal abgenommen, aufrecht auf dem Arm hat sie sich sehr gut beruhigen lassen, ich hab sie dann eingetucht und sie ist weggepennt, da war ich nun ja, eher besorgt, als beruhigt, weil ich den EIndruck habe, mein Kind würde sich wegbrüllen, wenn er Hunger hat und nix kriegt und von einer fremden Frau eintuchen lassen - never. Beim Aufwachen habe ich sie der Mama zurückgereicht, die sie dann angelegt hat. Das Einbinden habe ich ihr auch noch beibringen können (also ich bezweifle durchaus, dass das mit einem Schreibaby alles an einem Tag möglich ist), und ihre Tochter hat sich im Tuch SOFORT beruhigt und geschlafen. Die Mama war ganz glücklich und stolz, ist sofort in die Küche gesaust und hat sich ein Brötchen gemacht (da hatte wohl auch wer Hunger

). Ich habe jetzt den Auftrag, ein gebrauchtes Didymos zu besorgen
Wie hier im Fred empfohlen, habe ich ihr einfach mal vorgelebt, während sie geredet hat und ich fand die Stimmung wurde dann auch besser - ich muss mein Kind permanent stillen, tagsüber verlangt er gut jede Stunde. Ich hatte schon den Eindruck, dass sie das ermuntert hat, ihr Kind häufiger anzulegen. Sie hat auch nach meinen Erfahrungen gefragt, was ich mache, wenn er "nur saugen" möchte, noch "keinen RICHTIGEN Hunger hat" usw. da ist also druchaus Bedarf zum Austausch, den sie beim besten Willen alleine zu Hause nicht hat.
Man kann nur probieren, den richtigen Weg zum Helfen zu finden, ich habe mein Bestes gegeben. Schlecht geschlafen habe ich trotz alledem, da sich mein Eindruck verstärkt hat, dass das Kind zu wenig kriegt. Ich finde es durchaus eine starke Geste, wenn eine Mama beim kleinsten Wimmern das Kind von sich wegdreht und den Schnuller reinstopft. Und das ist, liebe Tussi, nicht als Kritik gemeint! ICH kann nichts dafür, dass es dort läuft, wie es läuft. Wegsehen und abhaken finde ich auch nicht richtig.
So jetzt unüberarbeitet abschicken, da mein Kleiner ruft.