3-Monatskoliken

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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bienenmeister
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3-Monatskoliken

Beitrag von bienenmeister »

Liebes Stillteam!

Ich frage nicht für mich, sondern für meine Freundin. Wir haben beide kleine Babys, sie ein 7 wöchiges Mädchen, ich einen 9 wöchigen Jungen. Da tauscht man sich natürlich oft aus.

Ich stille voll und na klar, am Anfang gabs einige Probleme, ich sage nur Stillhütchen :roll: Aber mittlerweile sind wir hilfsmittelfrei und ich stille nach Bedarf - herzlichen Dank an das Forum, ohne euch hätte ich das glaube nicht geschafft!

Heute könnte ich nicht mal sagen, wie oft ich stille oder in welchem Rythmus, bei letzterem verstehe ich dann die Frage gar nicht, waaaas? Ich stille wenn er Hunger hat, so einfach ist das. Oder sich beruhigen will, oder nur einen kurzen Schluck braucht, oder er einfach an der Brust kuscheln will, ich probiere auch einfach häufig aus, will er die Brust? Wenn nicht, kein Problem, dann wird wieder eingepackt. Nachts stillt er auch ganz anders als am Tage, eben im Liegen und ganz ruhig, mit tiefen Zügen. Da machen wir nicht mal ein Bäuerchen, dösen einfach wieder weg. Tagsüber ist vieles oft aufregend und er trinkt hastig, dann Schluckauf, tragen usw... ich kann da keinen Rythmus erkennen.

Meine Freundin stillt auch, hatte im KH sogar eine Stillberaterin, die ihr mit dem Andocken geholfen hat. Ab zu Hause hatte sie dann Hebammenbetreuung, die bis heute andauert.

Diese Hebamme hat bei dem Mädchen 3-Monatskoliken diagnositiziert und meint, dieses Kind würde abnormal viel weinen, wegen der Blähungen. Es wird mit Sab Simplex behandelt. Ich spreche eigentlich täglich mit meiner Freundin und was soll ich sagen, es geht immer nur um Blähungen. Und das diese Blähungen vom Stillen kommen. Deswegen versucht sie jetzt die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten hinauszuzögern und überbrückt mit Tee "damit wir mal zur Ruhe kommen". Ich habe das Gefühl da läuft so einiges falsch. Die Milch fließt wohl auch nicht überreichlich und ihr Kind sei oft "zu faul" an der Brust zu arbeiten, oder "will nur kurz Beruhigungstrinken, das ist dann kein Hunger". Sie meint, wenn sie ihr Kind alle 2h stillen würde, dann würde es 20h am Tag schreien. Aber so wie es jetzt ist scheint das Mädchen auch viel zu weinen. Aus Hunger? Und was heißt schon viel ? Wie kann das eine Hebamme beurteilen, die ja nur mal eben zu Besuch kommt? Und selbst wenn das Mädchen viel weint und nehmen wir mal an, diese Frau hat recht und es läge am Stillen, WIESO sollte man dann weniger Stillen? Ist das dieser alte-Milch-neue-Milch-Quatsch? Funktioniert das?

Wie kann ich sie vom Stillen nach Bedarf überzeugen? Oder überhaupt von Pflege nach Bedarf? Ich weiß nicht wie ich in ihrem Kopf diese Blähungs-Blockade knacken kann. Überhaupt ist alles nach: Wenn ich X tue, dann passiert Y ...

Sie wollte ursprünglich ja auch Tragen (was hier am Besten bei Blähungen hilft), aber ihre Hebamme meinte ihr Tuch sei dafür zu dick. Ahja.

Ich glaube gegen so eine Hebamme habe ich wenig Chancen und ich will dieser Frau ja auch nicht ihre Kompetenz absprechen, bzw. mir keine zusprechen. Aber meiner Freundin gehts echt schlecht und da muss man doch helfen... Zu einer Stillberaterin will sie nich, sie hatte schließlich eine im KH.

Mache mir echt Sorgen, vorallem ob das Kind genug kriegt, wenn es mit Tee überbrückt wird bzw. dann fürchte auch mal schreiend im Bett gelassen wird ??? Das weiß ich allerdings nicht genau, aber sie hat mir ebendies schon mal vorgeschlagen und deswegen ja, nehme ich es an. Was kann ich ihr sagen ?
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stillmaus
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Re: 3-Monatskoliken

Beitrag von stillmaus »

Ich habe mal gelesen, dass die sog. Drei Monats-Koliken nur ein Erklärungsversuch aus der Not heraus sind, weil man sonst keine Erklärung findet, oft habe dies aber mit Blähungen nichts zu tun. Evtl. ist es "allgemeine Unreife", dass zuviele Eindrücke auf sie einstürmen oder so. Bei häufigem Schreien könnte es auch eine Blockade sein, z.B. KISS, z.B. hatten wir das (auch wenn es mittlerweile so häufig vorkommt, dass ich auch manchmal an eine "Mode-Diagnose" glaube...). Das könnte ein Ostheopath feststellen.

Allerdings halte ich Stillen alle 2 Stunden bei so einem kleinen Kind für ganz normal (meine beiden haben noch sehr lange in so einem Abstand gestillt), man sagt ja 10-12 Stillmahlzeiten pro Tag, das wären ja im Schnitt alle 2 Stunden. D.h. wenn das Kind jetzt oft schreit und nicht alle 2 Stunden etwas bzw. nur Tee bekommt, kann es auch einfach Hunger sein.

Die Gabe von Tee ist natürlich völlig sinnfrei, da sie Angebot und Nachfrage durcheinanderbringt und ggf. Saugverwirrung fördern kann, wenn aus der Flasche gegeben.

Dass ein Tragetuch zu dick sein soll, habe ich auch noch nie gehört.

Ich stimme Dir also völlig zu, weiss aber auch nicht, wie man Deine Freundin "aus den Klauen dieser Hebamme" befreien kann.

Mein erstes Kind hat auch viel geschrieen, als Gründe vermute ich, dass einiges zusammenkam, z.B. Hunger wegen zu wenig Milch bei wunden BW, aber eben auch das Kiss-Syndrom und damit verbunden ein großer Schlafmangel, weil er immer wieder aufgeschreckt ist, wenn man ihn hinlegen wollte (auch, wenn er zuvor an der Brust eingeschlafen war) und er nur an der Brust und im Tragetuch geschlafen hat. Weil ich das Schreien immer als Hunger interpretiert habe und angelegt habe (und er brauchte so lange zum Trinken, dass ich in den ersten Monaten kauf etwas anderes getan habe als Stillen), ist mir das mit dem Schlafmangel erst nach einigen Wochen aufgefallen. Kann so etwas bei Deiner Freundin auch sein? Hier könnte z.B. ein Pucktuch helfen, bei dem auch die Arme mit eingeschlagen werden, z.B. SwaddleMe. Beim ersten Kind wußte ich leider noch nicht, dass es so etwas gibt, und die Versuche, mit einem Tuch zu pucken, waren nicht so erfolgreich.

Gruß
stillmaus
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Sakura
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Re: 3-Monatskoliken

Beitrag von Sakura »

lieber bienenmeister,

schreien eines neugeborenen kann viele gründe haben. manche finden wir raus, andere finden wir nie raus (bauchschmerzen, geburtstrauma, hunger, angst....). ich habe ein kind, dass die ersten monate seines lebens auch dauergebrüllt hat. daran waren zwei ursachen schuld: sie hatte tatsächlich bauchschmerzen von dem, was ich gegessen habe (alles blähende). als ich das weggelassen habe, hat sie sichtbar nicht mehr vor bauchschmerzen geweint, aber trotzdem hat sie noch viel geschrien. das war dann das typische 3-monats-schreien: es ging abends pünktlich 17 uhr los, und endete, wenn ich mich mit ihr 22 uhr stillend ins bett gepackt habe. wenn der papa mit dem brüllenden kind im bondo losgezogen ist, damit ich mal ein paar stunden ruhe habe, ist sie meistens eingeschlafen, hatte aber den effekt, dass sie dann eben später gebrüllt hat, dann gern auch nach 22 uhr im bett.

einmal hat sie von morgens um 8 bis 16 uhr fast am stück gebrüllt. das waren keine bauchschmerzen, das war sichtbar. das war was anderes. was es war? keine ahnung. auch heute sehe ich einen unterschied zu anderen kindern: mein kind ist deutlich temperamentvoller als alle anderen babys, die ich treffe. sie ist auch extrem zeitig in der motorischen entwicklung. und sie motzt immer noch viel. ich nehme an, sie wird ein sehr temperamentvolles, charackterstarkes mädchen werden. aber was heißt "werden"? sie ist ja schon. den charackter haben babys ja ab geburt. die einen sind halt ruhiger, die anderen unruhiger, wie die erwachsenen auch.

die frage ist, was dir das in bezug auf deine freundin hilft. wenn deine freundin bei dir rat sucht, dann kannst du vielleicht was ausrichten. wenn deine freundin aber ihrer hebamme vertraut, dann nehme ich an, dass sie mehr auf die fachfrau als auf dich hören wird. jede frau findet ihren eigenen weg mit ihrem kind. andere frauen finden eben oft andere wege als ich oder du es tun würden, aber das ist eben so.

ich hoffe das hilft,

lg
S. :-)
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Re: 3-Monatskoliken

Beitrag von Mondenkind »

Da wirst du nur wenig machen können, fürchte ich. Du kannst sie mit Fachwissen versorgen, aber da wird sie wohl dieser Hebamme mehr glauben. Du kannst es ihr vorleben, das bringt häufig noch am meisten. Du kannst ihr eine Trageberatung schenken. Aber wer es nicht im Herzen fühlt, dass man sein wenige Wochen altes weinendes Baby hochnehmen muss, dass ein Baby an die Brust gehört, sei es zum Hunger stillen oder zum beruhigen, dass ein Baby grundsätzlich an den Körper seiner Eltern gehört, auf den kann man einreden so viel man will, das hilft nix. Ist jetzt wohl nicht die Antwort, die Du hören willst, und vielleicht steht mir diese Desillusioniertheit als Stillberaterin auch schlecht zu Gesicht, aber so sehe ich es (leider).
Liebe Grüße, Mondenkind, Modteam Stillberatung

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bienenmeister
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Re: 3-Monatskoliken

Beitrag von bienenmeister »

Danke euch!

grad keine zeit antworten wg :5:
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Atlasnaja
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Re: 3-Monatskoliken

Beitrag von Atlasnaja »

Oder leih oder schenk ihr doch das Renz-Polster Buch "Born to be wild". Da geht es sehr ausführlich um "3-Monats-Koliken" bzw. darum, dass es oft nur ein Versuch der Erklärung ist. Das Buch ist recht fundiert und hat den Vorteil auch von einem "Fachmann" zu sein und somit gegenüber der Hebamme vielleicht gleichwertiger als das was Du sagst (nicht bös gemeint). ---@Mondenkind: Und vielleicht fühlt sie es ja schon im Herzen, aber gerade beim ersten Kind war ich auch ab und an verunsichert und dachte, dass was Fachpersonal sagt, muss doch stimmen. Gott sei dank war meine erste eher ein Musterkind, mit der zweiten hätte es entweder ein Desaster gegeben oder ich hätte es schnell gelernt auf mich und das Kind zu hören. Und auch da hat mich geschwind mit dem Tandemstillen das Fachpersonal verunsichert, wobei ich wirklich gut informiert war, aber mit kleinem Säugling, will man halt alles immer soooo richtig machen, ist so unsicher, dass man nach jemanden sucht, der es weiss, wie es geht.

Daher vielleicht der Tipp zum Buch!
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bienenmeister
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Re: 3-Monatskoliken

Beitrag von bienenmeister »

danke!!!! das buch ist unterwegs zu ihr!

ich fühle mich schrecklich, hatte letzte nacht alpträume deswegen, ob ich einfach frech oder anmaßend sei? ich finde die situation sehr schwierig, ich will einfach nur dass es ihr und dem kind gut geht, ich will sie nicht belehren oder beschämen.

eine letzte frage: sie hat gesagt, dass am montag das jugendamt bei ihr vorbeikommt und wann die denn zu uns kämen? auf nachfrage erzählte sie, besagte hebamme meint die kämen jetzt bei allen eltern früher oder später. ist das wahr? dass das jugendamt ich sage mal, ohne verdachtsmoment, allen eltern einen besuch abstattet?

ich höre das zum ersten mal und wir haben keinen termin vom JA und ich würde sie auch nicht reinlassen :twisted:

dabei sind wir ja schonmal angeschrieben worden mit einem terminvorschlag, dass wir besuch von einer sozialpädagogin bekommen können, mit der begründung wir haben ja nicht am neugeborenenscreening teilgenommen. ich habe daraufhin beim amt angerufen und den termin gecancelt (wir haben das NG-Screening zwar gemacht, aber für einen test hat angeblich das blut nicht gereicht und wir hatten uns mit unserer hebamme dagegen entschieden, alexander nochmal zu pieksen).

danke für eure unterstützung! mir geht das thema sehr nahe!
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mattis11
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Re: 3-Monatskoliken

Beitrag von mattis11 »

In dem Ort wo wir vorher gewohnt haben, kommt auch das JA vorbei, einfach so, ohne Hintergrund. Man bekommt ein Willkommensgeschenk ( ein Holzspielzeug etc) und jede Menge Infomaterial für frische Eltern. Das JA will Hilfe anbieten, wo sie gebraucht wird. Es ist alles ganz formlos.
Wir wohnen aber in der Nähe von Bremen. Da ist ja auch allerhand passiert in den letzten Jahren. :roll:
Ich meine aber, dass das JA das generell machen will.
Widdermama mit Zwergin (2007), Zwerg (2011) und Minizwergin (2016)
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Jägerin
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Re: 3-Monatskoliken

Beitrag von Jägerin »

Versuche doch einfach, sie dazu zu bringen, trotzdem mal zu tragen. Nur mal so zum Testen. Dann kann sie ja immer noch entscheiden.

Mein Kleiner hat auch viel geschrien. Ich persönlich glaube nicht, dass das Stillen daran schuld hatte.

Kann sonst aber keine Tipps geben, außer das ich persönlich versuchen würde zu pucken, wenn es beim nächsten Kind ähnlich laufen sollte. (Aber Pucken wollte ich sowieso :wink: )
LG
Jägerin mit (06), (08) und (2012)
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Ellipirelli
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3-Monatskoliken

Beitrag von Ellipirelli »

Ich finde du reagiert toll.

Du willst unterstützen, ohne aufdringlich zu sein und Wege weisen, ohne zu belehrend. Das ist doch Super wenn man so eine Freundin hat!

Ich hoffe sie mag das Buch, man kann seine Denkweisen und Meinungen immer ändern :-)

Zum Thema Jugendamt Termin: wir haben nach der Geburt von einer Dame von der Stadt Besuch bekommen, sie hat uns gratuliert und infomaterial zum Thema kiga etc mitgebracht und ein willkommensgrschenk für den neuen Steuerzahler :-D
Vll meinte sie sowas?

Lg
liebe Grüsse von Elli
mit 4 Männern zuhause (08/1980)(08/2011) (08/2013) (03/16)
Du fehlst mir.... http://www.andischmitt-online.de
Ich habe sooo viel schlimmes gesehen,dass man es mit 2 Worten besser nicht ausdrücken kann: Fuck Cancer
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