Adoptivbaby stillt nicht mehr

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Marteltinchen

Adoptivbaby stillt nicht mehr

Beitrag von Marteltinchen »

Hallo und guten Abend,
ich bin eigentlich eine erfahrene Stillmama (6 Kinder, jedes mindestens 2 Jahre gestillt), aber momentan weiß ich nicht so recht weiter.
Ich stille meine zweijährige leibliche Tochter noch ca 2 bis 3x am Tag. Vor vier Monaten haben wir ein damals zwei Wochen altes Baby mit dem Ziel der Adoption zu uns genommen. Die Kleine hat das Down-Syndrom.
Die ersten 2 Wochen im Krankenhaus hat sie natürlich nur Fläschen bekommen.
Als ich sie nach Hause holte, habe ich sie auch mit angelegt, sie trank (für ihr Syndrom und ihre Brustunerfahrenheit) auch relativ gut, ich habe aber natürlich immer hauptsächlich Flasche gegeben (was mir zwar widerstrebt, aber bei insgesamt dann 7 Kindern irgendwann auch einmal zeitliche Ursachen hat) Ich hätte sie aber gerne wenigstens weiter teilgestillt, weil das 1. für die Mundmotorik der Downies und 2. für ihre Immunabwehr sehr hilfreich ist. Seit einigen (vielleicht so 3,4 - es passiert schleichend) Wochen verweigert sie nun zunehmend die Brust, schreit, macht sich steif...die ganze Verweigerungspalette :-) Wenn sie ansaugt, dann nur ganz kurz, lustlos und gibt sofort wieder auf. Ich habe zum einen das Gefühl, das mein Milchspendereflex nur noch schwach ausgeprägt ist - ich merke es nach der langen Zeit gar nicht mehr, ob und wann die Milch fließt) - zum anderen scheint es aber vielleicht auch eine Saugverwirrung zu sein....aus der Flasche trinkt sie gut und gern....
Hat jemand Tips oder Ideen? ich finde es so schade, da habe ich nun schon die Möglichkeit, mein Adoptivbaby auch zu stillen....und dann das...
Danke erst mal fürs Lesen
LG Liane mit Lotte, knapp 5 Monate
jusl
Jusl Almighty
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Re: Adoptivbaby stillt nicht mehr

Beitrag von jusl »

Hallo Marteltinchen,

kennst Du die gängige Literatur zum Thema Adoptivstillen /Stillen bei Downsyndrom ? Babys mit DS sind häufig hypoton, d.h. Saugschluss und Saugkraft können beeinträchtigt sein. Hier gibt es z.B. den so genannten DanCer-Handgriff, der das Baby beim Aufrechterhalten des Saugschlusses unterstützt. Ebenfalls sinnvoll - vorübergehend oder dauerhaft - ist das Zufüttern WÄHREND des Stillens, denn eine Schwierigkeiten aus der Richtung Saugverwirrung sind nicht ausgeschlossen (wenn auch weniger wahrscheinlich als bei gesunden Babys). Stillhilfsmittel Nr. 1 wäre da das Brusternährungsset.
Ich habe zum einen das Gefühl, das mein Milchspendereflex nur noch schwach ausgeprägt ist -
Das kann durchaus sein - schwaches bzw. ineffektives Saugen ist die naheliegende Ursache. Ausbleibender MSR wiederum wirkt sich ungüstig auf die Milchmenge aus - ein weiterer guter Grund, mit dem Zufüttern an der Brust zu starten.
- zum anderen scheint es aber vielleicht auch eine Saugverwirrung zu sein....aus der Flasche trinkt sie gut und gern....
Deine Beschreibung werte ich in diesem Zusammenhang durchaus positiv, denn: Saugverwirrung ist gut behandelbar. Entsprechend wäre es prima, wenn die Stillschwierigkeiten Deines Babys in einer "normalen" Saugverwirrung lägen anstatt grundsätzlich in seiner Behinderung. Kennst Du schon unserer Linksammlung Stillwissen? Dort findest Du hilfreiche Infos rund um Saugverwirrung, deren Behandlung und Rückgewöhnung von der Flasche zur Brust.
Klar ist auch: Die Behandlung einer Saugverwirrung bzw. Umgewöhnung von der Flasche zur Brust braucht Geduld, Zeit und Kraft. Eben ZUSÄTZLICHE Ressourcen. Du musst schauen, was für DIch als Großfamilienmama machbar ist.
da habe ich nun schon die Möglichkeit, mein Adoptivbaby auch zu stillen.
Ja, finde ich auch. ;-) Deshalb drücke ich Dir die Daumen, dass das Stillen doch noch gelingt und sich Dein Baby - ob nun mit oder ohne Stillen - gut entwickelt.

Rückfragen immer gerne - wenn Du Literaturtipps brauchst oder Hilfe vor Ort suchst, melde Dich einfach.
LG und alles Gute,
Julia
Marteltinchen

Re: Adoptivbaby stillt nicht mehr

Beitrag von Marteltinchen »

Hallo und vielen Dank für die Antwort...
auch meine zweijährige Tochter hat das Down-Syndrom, von daher kenne ich mich mit den Besonderheiten recht gut aus. Interessant ist, das sie anfangs die größeren Stillschwierigkeiten hatte als ihre "Normale" Zwillingsschwester (ich habe beide nur teilstillen können wegewn schwerer Geburts- und Wochenbettkomplikationen)...aber jetzt mit über 2 JAhren sehr gern und gut stillt, während sich die "Normale" Zwillimaus von selbst abgestillt hat - es gabe keine Chance, es zu verhindern :-( Bei einer damals knapp Zweijährigen kann ich das akzeptieren, bei meinem knapp fünf Monate alten Ado-Baby nicht...
Den DanCer-Griff wende ich regelmäßig an, sonst wird es gar nichts, weil sie sehr schnell losläßt.
Ich muß anmerken, das ichd en Milchspendereflex auch schon vor dem Stillen vom Ado-mäuslein nicht mehr gespürt habe - das war irgendwann im aAufe des ersten Silljahres immer so - irgendwann war er "weg", aber die Babys haben trotzdem weiter getrunken, also muß ja etwas kommen...
Ich habe ein BES zuhause, werde es also damit einmal versuchen....Muß wirklich schauen, ob ich dafür dann die Zeit aufbringen kann...ideal wäre es natürlich, wenn es sich so einpegeln würde wie bei der großen Downie-Maus, die ab 6 Monaten dann ganz vergnügt Flasche UND Brust genommen hat :-)
Ich werde mich jetzt mal durch die Linksammlung durcharbeiten :-)
HAst Du vielleicht einen Tip, wie ich den Milchspendereflex ein wenig verstärken kann....außer Oxytocinspray, an das man mittlerweile so schwer rankommt....homöopathisch eventuell?
Erst einmal vielen Dank und LG
Liane
jusl
Jusl Almighty
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Registriert: 19.03.2007, 10:54
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Re: Adoptivbaby stillt nicht mehr

Beitrag von jusl »

Hallo Liane,

ich geh noch mal der Reihe nach:
auch meine zweijährige Tochter hat das Down-Syndrom, von daher kenne ich mich mit den Besonderheiten recht gut aus
Oh, dann bist Du ja Expertin. :wink: Die Erfahrung mit Deinem älteren Stillkind wird Dir für Dein Jüngstes ganz sicher noch sehr hilfreich sein.

Ich muß anmerken, das ichd en Milchspendereflex auch schon vor dem Stillen vom Ado-mäuslein nicht mehr gespürt habe - das war irgendwann im aAufe des ersten Silljahres immer so - irgendwann war er "weg", aber die Babys haben trotzdem weiter getrunken, also muß ja etwas kommen...
Damit hast Du Recht: "Nicht spüren" ist nicht das selbe wie "nicht haben". Dennoch: Für das Auslösen des MSR ist definitiv regelmäßiges kräftiges Saugen notwendig, anders geht es nicht. Wenn Du Dein älteres Kind nur noch selten stillst und Dein Baby (noch) nicht in der Lage ist zum kräftigen, effektigen Saugen, dann musst Du - auch zur Ankurbelung der Milchproduktion - für einen anderen Saugreiz sorgen. Regelmäßiges Abpumpen ist da das Mittel der Wahl, insb. mit Doppelpumpset, denn dies spart zum einen Zeit und regt zum anderen die Milchbildung/MSR stärker als einseitiges Nacheinander-Pumpen.
.ideal wäre es natürlich, wenn es sich so einpegeln würde wie bei der großen Downie-Maus, die ab 6 Monaten dann ganz vergnügt Flasche UND Brust genommen hat
ja, diese Idealvorstellung haben viele Mütter, verständlicherweise. Allerdings: viele Babys kommen mit dem Wechsel zwischen Flasche und Brust leider NICHT gut zurecht - insbesondere diejenigen nicht, bei denen das Stillen von Anfang an problematisch war. Deshalb wäre es gut, wenn Du da flexibel bleiben würdest, wenn es bei Deinem zweiten DS-Baby anders läuft als bei Deinem ersten.
HAst Du vielleicht einen Tip, wie ich den Milchspendereflex ein wenig verstärken kann....außer Oxytocinspray, an das man mittlerweile so schwer rankommt....homöopathisch eventuell?
Es gibt keine homöopathische Behandlung, deren positive Wirkung hinsichtlich MSR belegt ist. Auch Oxytocin-Spray ist nicht empfehlenswert, da bei mehrmaliger Anwendung ein Gewöhnungseffekt eintreten kann, der die körpereigene Hormonausschüttung beeinträchtigt. Deshalb gehört die Verabreichung von künstlichem Oxytocin wirklich nur in die Geburtshilfe. In der Stillzeit gibt es nur sehr wenige sinnvolle Einsatzgebiete, etwa die gestörte Reflexbahnung im Frühwochenbett auf Grund von zu schwacher Schmerzmedikation z.B.. Und auch hier sollte das Spray nur einmalig, in jedem Falle nicht länger als 24-48 Stunden zum Einsatz kommen.
Bei Dir liegt eine ganz andere Situation vor: im Rahmen des natürlichen Abstillens Deines Kleinkindes sank die Stillfrequenz und -intensität, d.h. die Milchproduktion fuhr entsprechend herunter, was ja auch genau so Sinn der Sache ist (mit aktuell 2-3x täglich stillen liegt Deine derzeitige Milchbildung vermutlich ungefähr bei 20-30 % des Bedarfs eines Vollstillbabys). Jetzt möchtest Du wieder ankurbeln für Dein Adoptivbaby - das ist ganz sicher möglich, aber nicht mit Hilfe von Oxy-Spray. Sondern durch: Nachfrage schaffen! Pumpen pumpen pumpen, so lange das häufige Stillen noch nicht gut klappt, und dann wird auch der MSR wieder schneller einsetzen. Und natürlich: Deinem Baby helfen, eine gute Stilltechnik zu lernen - ohne Flasche sind Eure Chancen dafür größer. Die ausreichende Milchversorgung muss natürlich auch ohne Flasche vollständig sichergestellt sein, von daher ist ein Umsteigen aufs BES sicher eine gute Idee.

Kannst Du mit diesen Hinweisen etwas anfangen? Rückfragen immer gern!
LG
Julia
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