So, bis auf einen schlafen alle...
Weißt Du, im ersten Moment war ich wie alle anderen auch sehr schockiert, wie jemand in diesem Forum darauf kommt, so eine Frage zu stellen. Doch nach der Lektüre Deines Postings und einiger Zeit zum Nachdenken und -fühlen war es mehr Verständnis als Unverständnis. Ich gehe mal davon aus, dass Dein Baby bisher gut schlief und Dich diese Veränderung nun ziemlich heftig getroffen hat. Jedenfalls schriebst Du irgendwo, dass er unter der Spieluhr einschlief? Gerade dann ist verständlich, dass Dich die Situation so fertig macht.
Mein erster Sohn schlief mal für ein paar Tage gut. Am Anfang schlief er zumindest in der ersten Nachthälfte noch einigermaßen, ab dann war häufiges Stillen angesagt, gegen spätestens 6 war die Nacht vorbei. Aber das GING ja noch. Aber auch da war ich teilweise schon arg müde, Unterstützung von meinem Mann hatte ich aber zumindest morgens. Ich hielt mich daran fest, dass mir viele Leute sagten, mit einem halben Jahr gäbe es im Schlafverhalten eine Veränderung, Kinder die gut schliefen, schlafen dann schlechter und umgekehrt. Alles super, meiner schlief ja schlecht, also konnte es nur besser werden.
Aber meistens kommt es anders als man denkt und er schlief NOCH schlechter.

Abends konnte ich nicht mehr weg aus dem Bett - ich stillte am Ende beim hin und herlaufen und versuchte dann, ihn abzulegen - meistens ohne Erfolg. Und wenn es klappte, war er kurze Zeit später wieder wach. Es war zum wahnsinnig werden, vor allem weil ich abends immer alleine war und nie Zeit für mich hatte. Und ja, ich kann gut verstehen, dass einen das an den Rand bringt. Vor allem beim ersten Kind, bei dem man noch nicht erlebt hat, dass solche Phasen vorbei gehen und es sich auch nicht vorstellen kann, so gern man auch würde.
ALLES drehte sich nur noch darum. Ich hätte Millionen dafür bezahlt, wenn mein Kind nur geschlafen hätte, ehrlich. Ich konnte meine Augen tagsüber kaum noch offenhalten - Mittagschlaf mit Kind? Unmöglich, der musste beim Schlafen permanent getragen werden. In der schlimmsten Phase hab ich mir mein morgens brüllendes Kind umgebunden und bin im Schlafanzug raus, weil ich mich nicht mehr getraut habe, ihn wieder auszuwickeln, weil er endlich schlief... Mit ner Tasse Kaffee in der Hand lief ich dann um die Häuser...

Wenn ich Glück hatte, hatte ich abends ne Stunde für mich, in der ich mal was essen konnte, dann war es schon spät und ich bin hinterher ins Bett, weil ab ungefähr Mitternacht alle halbe Stunde gestillt oder dauergenuckelt wurde. Beruhigung durch Papa? No way! Also nicht, dass mein Mann das nicht gemacht hätte, aber bei Papa hat er sich so richtig in Rage gebrüllt.
In meiner Verzweiflung landete ich dann plötzlich hier. Ferbern kam für mich damals schon nicht in Frage, ich kannte die Hintergründe. Aber bei uns mangelte es seinerzeit am Familienbett. Der Kleine hatte bei uns geschlafen, aber da er anfing sich zu drehen und ich genau Deine Sorgen hatte, haben wir ihn ausquartiert, Außerdem hatte mein Mann die große Sorge, wir würden ihn nicht mehr aus unserem Bett herausbekommen - das übliche eben.
Hier wurde mir dann aber genau dazu geraten. Und so versuchte ich es. Mit dem Ergebnis, dass er direkt beim ersten Versuch (stillen im Familienbett und dann wegschleichen) schlief und ich den Abend für mich hatte!

Mein Mann durfte dazu dann nichts mehr sagen - schließlich war ich es, die jeden Abend stundenlang zu tun hatte.
Es gab natürlich auch andere Tage, da half nur Poposchuckeln oder eben laaaaaange nuckeln lassen. Das wichtigste überhaupt aber war, dass ich mich damit abfinden konnte, es als gegeben hinnahm und nicht mehr mit meinem schlimmen Schicksal haderte. Es bringt ja nichts. Davon würde er auch nicht besser schlafen.
Tatsächlich war es einfach irgendwann vorbei - von heut auf morgen. Ja, es hat lange gedauert, aber es ging vorbei. Und heute ist die Erinnerung daran überhaupt nicht mehr negativ, wirklich nicht.

Übrigens ist er nur ein einziges Mal aus dem Bett gefallen, da hatte ich die Bettwurst am Fußende vergessen. Ansonsten ging es gut mit Bettschutzgittern und Stillrolle. Im Schlaf klettern sie zum Glück nicht herum.
Mein zweites Kind übrigens schlief NOCH schlechter - vor allem wurde er noch bis vor kurzem fast jeden Abend nochmal wach und ließ sich ausschließlich von mir beruhigen. Es ging nichts. Und ja, auch das hat mich zeitweilig mächtig genervt, weil ich alle drei Male, die ich ausging (in die nähere Umgebung) mitten im Essen losrennen musste um ihn zu beruhigen.
Vielleicht tröstet es Dich, dass nun beide (2 und 3 Jahre alt) mehr oder weniger durchschlafen und abends auch nicht mehr wach werden. Auch meine Kleinste ist bisher schlafmäßig ein kleines Wunder.
Was ich Dir noch raten würde: also neben dem Familienbett (welches wir übrigens inzwischen gewollt von allen zu fünft beschlafen) kann ich Dir eine Federhängewiege empfehlen - die haben wir vor allem nachts oft im Einsatz, wenn das jeweils kleinste Kind nicht wieder einschlief nach dem Stillen oder sich auch abends nicht anders beruhigte. Klappt eigentlich immer und man selbst kann entspannt daneben sitzen, lesen, am Laptop surfen oder was auch immer. Und sonst nimm Dir doch ein Hörbuch mit zum Einschlafstillen. Oder ein richtiges Buch. Mach es Dir gemütlich mit Deinem Baby! Die Zeit ist so schnell vorbei - das klingt so platt, ist aber leider so wahr.

Ich weiß, in der Situation KANN man es sich überhaupt nicht vorstellen, man ist einfach zu fertig, zu verzweifelt. Du kannst mir wirklich glauben, ich weiß GANZ GENAU, wie Du Dich im Moment fühlst. Das ist so schwer, aber Du wirst es schaffen! Du siehst, auch diese wirklich anstrengende Zeit hat mich nicht vom weiteren Kinderkriegen abgehalten!
Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute!
"Tanze mit Deinem Baby im Mondschein, wenn es die Nacht zum Tag macht, singe fröhliche Lieder mit Deinen Kindern im Regen, mache Kissenschlachten, matsche mit ihnen im Schlamm und springe in Pfützen, macht ein Picknick UNTERM Tisch - vergiss nie: in 20 Jahren wirst Du sagen, es war die schönste Zeit Deines Lebens!"
von Minchen mit Frühling (2008), Sommer (2009), Herbst (2013) und Winter (2011)